Kunstmuseum Bern: Meisterwerke, Geschichte und aktuelle Ausstellungen

Das Kunstmuseum Bern gehört zu den ältesten und bedeutendsten Kunstmuseen der Schweiz. Seine Sammlung reicht vom Mittelalter bis zur Gegenwart und umfasst wichtige Werke von Ferdinand Hodler, Paul Klee, Meret Oppenheim, Pablo Picasso, Vincent van Gogh und zahlreichen weiteren Kunstschaffenden. Neben bekannten Gemälden prägen besondere Sammlungsschwerpunkte und die Provenienzforschung das Profil des Hauses.

Das Museum liegt wenige Gehminuten vom Bahnhof und der Berner Altstadt entfernt. Historische Säle, moderne Erweiterungen und wechselnde Ausstellungen machen es zu einem vielseitigen Ziel für Kunstinteressierte, Familien und Städtereisende. Für einen Besuch lohnt es sich, nicht nur die aktuellen Sonderausstellungen, sondern auch die Architektur und die Geschichte der Sammlung einzubeziehen.

Eines der ältesten Kunstmuseen der Schweiz

Die Geschichte des Kunstmuseum Bern reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Zu den Ausgangspunkten der späteren Sammlung gehörten Gipsabgüsse antiker Statuen sowie Kunstwerke aus der Sammlung des Berner Kunstpublizisten und Kunsthändlers Sigmund Wagner.

Im Jahr 1849 wurden die Staatliche Kunstsammlung und die Sammlung der Bernischen Künstlergesellschaft vereinigt. Dieses Ereignis gilt als eigentliche Gründung des Kunstmuseum Bern. Damit entstand eine öffentliche Institution, die Kunst nicht nur bewahren, sondern auch einem breiteren Publikum zugänglich machen sollte.

Ein eigenes Museumsgebäude erhielt die Sammlung einige Jahrzehnte später. Der nach Plänen des Stadtbaumeisters Eugen Stettler errichtete Bau entstand zwischen 1876 und 1878. Am 9. August 1879 wurde das Kunstmuseum eröffnet.

Heute stehen rund 4000 Quadratmeter für Ausstellungen und Kunstvermittlung zur Verfügung. Das Gebäude setzt sich aus mehreren architektonischen Schichten zusammen, die unterschiedliche Vorstellungen vom Museumsbau widerspiegeln.



Eine Sammlung vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Die zeitliche Spannweite der Sammlung gehört zu den grossen Stärken des Museums. Mittelalterliche Tafelbilder und Werke alter Meister stehen neben Schweizer Kunst des 19. Jahrhunderts, der Klassischen Moderne und zeitgenössischen Positionen.

Ein vollständiger Rundgang durch sämtliche Epochen ist nicht bei jedem Besuch möglich. Teile der Sammlung können wegen Sonderausstellungen, konservatorischer Anforderungen oder räumlicher Veränderungen vorübergehend nicht zugänglich sein. Wer ein bestimmtes Werk sehen möchte, sollte deshalb vor der Anreise prüfen, ob es aktuell ausgestellt ist.

Zu den wichtigen historischen Beständen zählen Werke von Niklaus Manuel, Albert Anker, Arnold Böcklin und Louise Élisabeth Vigée Le Brun. Internationale Namen wie Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Edgar Degas, Henri Matisse, Chaïm Soutine und Salvador Dalí verdeutlichen die über die Schweiz hinausreichende Bedeutung der Sammlung.

Ferdinand Hodler und die Schweizer Kunst

Ferdinand Hodler nimmt innerhalb der Sammlung eine herausragende Stellung ein. Bereits 1901 erwarb das Museum vier bedeutende Gemälde des Schweizer Künstlers: «Der Tag», «Die Nacht», «Eurythmie» und «Die enttäuschten Seelen».

Diese Werke zeigen, weshalb Hodler als eine der prägenden Persönlichkeiten der Schweizer Kunst um 1900 gilt. Seine streng komponierten Figurenbilder, symbolistischen Themen und wiederkehrenden Bewegungsmuster unterscheiden sich deutlich von einer rein naturalistischen Darstellung.

Daneben dokumentiert das Museum unterschiedliche Entwicklungen der Schweizer Kunst. Landschaften, Porträts, Alltagsszenen und experimentelle Arbeiten zeigen, wie sich künstlerische Ausdrucksformen über mehrere Jahrhunderte verändert haben.


Paul Klees «Ad Parnassum» von 1932 gehört zu den besonders bekannten Werken des Kunstmuseum Bern. Das Bildangebot ist bei Adobe Stock als nur für redaktionelle Nutzung bestimmt gekennzeichnet. 

Paul Klee und die Klassische Moderne

Auch Paul Klee ist eng mit der Geschichte des Kunstmuseum Bern verbunden. Unter dem Museumsdirektor Max Huggler wurde Klee ab 1944 zu einem zentralen Bezugspunkt der Sammlungspolitik. Werke von Georges Braque, Pablo Picasso, Juan Gris und Wassily Kandinsky ergänzten diesen Schwerpunkt.

Zu den bekanntesten Werken des Museums gehört Klees «Ad Parnassum» aus dem Jahr 1932. Das Gemälde besteht aus zahlreichen kleinen, farbigen Flächen, die sich zu einer vielschichtigen architektonischen und landschaftlichen Komposition verbinden.

Die umfangreichen Bestände der Paul-Klee-Stiftung wurden 2005 in das neu eröffnete Zentrum Paul Klee überführt. Das Kunstmuseum besitzt dennoch weiterhin bedeutende Arbeiten des Künstlers. Ein Kombiticket ermöglicht den Besuch beider Häuser und macht die unterschiedliche Präsentation von Klee und seinem künstlerischen Umfeld vergleichbar.

Besondere Bestände von Meret Oppenheim bis Adolf Wölfli

Das Profil des Museums wird nicht allein von bekannten Gemälden bestimmt. Verschiedene Stiftungen, Nachlässe, Schenkungen und Dauerleihgaben haben eigenständige Sammlungsschwerpunkte entstehen lassen.

Seit 1975 ist die Adolf-Wölfli-Stiftung im Kunstmuseum Bern beheimatet. Sie betreut den umfangreichen Nachlass von Adolf Wölfli, der als Zeichner, Schreiber, Dichter und Komponist ein aussergewöhnliches, schwer einzuordnendes Gesamtwerk geschaffen hat.

In den 1980er-Jahren gelangte das Legat von Meret Oppenheim an das Museum. Oppenheims Arbeiten überschreiten häufig die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur, Design, Objektkunst und surrealistischer Bildsprache.

Die Johannes-Itten-Stiftung ergänzt die Sammlung seit 1992 um Arbeiten, Tagebücher und Schülerarbeiten des Schweizer Künstlers und Bauhaus-Lehrers. Die Sammlung Rupf wiederum enthält wichtige Werke der europäischen Moderne und geht auf die Berner Sammler Hermann und Margrit Rupf zurück.

Aktuelle Ausstellungen im Jahr 2026

Neben der Sammlungspräsentation zeigt das Kunstmuseum regelmässig thematische Sonderausstellungen. Im August 2026 läuft «Franz Gertsch. Blow-Up (Part I)». Die Retrospektive ist bis zum 17. Januar 2027 angekündigt und widmet sich mehr als sechs Jahrzehnten im Werk des Berner Künstlers.

Zu sehen sind unter anderem monumentale Bilder der Jugend- und Musikszene, Porträts, Familienbilder und Landschaftsdarstellungen. Der zweite Teil der Retrospektive wird im Museum Franz Gertsch in Burgdorf präsentiert.

Bis zum 27. September 2026 zeigt das Kunstmuseum ausserdem «Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard». Die Sammlungspräsentation «Von Arnold Böcklin bis Pablo Picasso, von Ferdinand Hodler bis Meret Oppenheim» ist nach aktuellem Programm bis Ende 2026 angesetzt.

Ausstellungsdaten können sich ändern. Vor dem Besuch sollten deshalb das Tagesprogramm, mögliche Saalschliessungen und die Verfügbarkeit einzelner Werke kontrolliert werden.


Eine Gruppe betrachtet Gemälde in einer modernen Galerie. Im Kunstmuseum Bern treffen historische Werke, Klassische Moderne und Gegenwartskunst aufeinander.

Provenienzforschung als dauerhafte Aufgabe

Ein wichtiger Arbeitsbereich des Museums ist die Provenienzforschung. Sie untersucht, wem ein Kunstwerk zu verschiedenen Zeiten gehörte, unter welchen Umständen es den Besitzer wechselte und wie es in eine Sammlung gelangte.

Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erhielt das Kunstmuseum, als es 2014 den Nachlass von Cornelius Gurlitt erbte. Das ungefähr 1600 Werke umfassende Legat enthielt Arbeiten mit unterschiedlichen und teilweise ungeklärten Erwerbungsgeschichten.

Nicht jedes Werk aus diesem Nachlass ist automatisch als Raubkunst einzuordnen. Die Prüfung verlangt vielmehr eine genaue Untersuchung von Dokumenten, Besitzwechseln und historischen Zusammenhängen. Bis 2022 wurden neun Werke restituiert. Seit Dezember 2021 ist der Gesamtbestand des Nachlasses über eine öffentlich zugängliche Datenbank dokumentiert.

Noch offene Provenienzfragen werden weiterhin untersucht. Die Arbeit betrifft nicht nur den Nachlass Gurlitt, sondern auch weitere Sammlungsbereiche. Das Museum war 2017 das erste Schweizer Kunstmuseum, das eine eigene Abteilung für Provenienzforschung aufbaute.

Ein Museumsbau aus mehreren Epochen

Der historische Stettlerbau prägt die Erscheinung des Kunstmuseum Bern. Seine repräsentative Architektur entspricht dem Verständnis eines öffentlichen Kunstmuseums im späten 19. Jahrhundert.

1936 wurde das Haus durch einen Neubau von Karl Indermühle erweitert. Dieser Bau besass unverzierte weisse Wände und Oberlichter, die auf die Präsentation moderner Kunst ausgerichtet waren.

Eine weitere grosse Veränderung folgte 1983 mit dem Erweiterungsbau des Berner Architektenkollektivs Atelier 5. Der Indermühle-Bau wurde dabei bis auf seine Strassenfassade abgebrochen. Neue Sammlungsräume, ein Kino, ein Café sowie Seminar-, Bibliotheks- und Büroräume erweiterten das Angebot.

Die verschiedenen Bauteile machen den Rundgang stellenweise verwinkelt. Gleichzeitig wird dadurch sichtbar, wie sich die Anforderungen an Kunstmuseen verändert haben: von repräsentativen Sälen über neutrale Ausstellungsräume bis zu Bereichen für Vermittlung, Veranstaltungen und Gastronomie.

Wie es mit der Museumserneuerung weitergeht

Der Erweiterungsbau von Atelier 5 ist stark sanierungsbedürftig. Probleme bestehen unter anderem bei Gebäudetechnik, Klima- und Kälteanlagen, Brandschutz sowie bei den Bedingungen für den Kulturgüterschutz.

Im August 2024 wurde der internationale Architekturwettbewerb für eine umfassende Erneuerung entschieden. Das Siegerprojekt «Eiger» von Schmidlin Architekten sah einen freistehenden Ersatzneubau aus Sandstein, die Sanierung des historischen Stettlerbaus sowie einen neuen Museumsplatz und eine Aareterrasse vor.

Der Grosse Rat des Kantons Bern bewilligte im September 2025 einen Projektierungskredit. Gegen den Beschluss wurde das Referendum ergriffen. Am 14. Juni 2026 lehnte die Berner Stimmbevölkerung den Projektierungskredit ab.

Damit kann das Siegerprojekt nicht wie ursprünglich vorgesehen weiterbearbeitet werden. Die Stiftung Kunstmuseum Bern analysiert die Situation und muss das weitere Vorgehen neu bestimmen. Der Sanierungsbedarf des bestehenden Hauses bleibt unabhängig vom Abstimmungsergebnis bestehen.

Mit Kindern Kunst entdecken

Ein Kunstmuseum muss für Kinder kein Ort stiller Pflichtrundgänge sein. Einzelne Bilder, auffällige Farben, ungewöhnliche Gegenstände oder erzählerische Details bieten gute Ausgangspunkte für Gespräche. Häufig ist es sinnvoller, wenige Werke aufmerksam zu betrachten, als sämtliche Räume möglichst schnell abzugehen.

Das Kunstmuseum bietet Workshops, Führungen und weitere Vermittlungsangebote für unterschiedliche Altersgruppen an. Termine und Altersangaben wechseln mit dem Ausstellungsprogramm und sollten vorab geprüft werden.

Kinder bis zum vollendeten 16. Lebensjahr erhalten nach dem im August 2026 veröffentlichten Tarif freien Eintritt. Kosten für Workshops oder besondere Veranstaltungen können zusätzlich anfallen.

Weitere Anregungen für einen wetterunabhängigen Aufenthalt liefert der belmedia-Beitrag über Ausflugsziele in Bern bei Regen.


Kinder betrachten während einer Führung Kunstwerke. Kurze Rundgänge und gezielte Beobachtungsaufgaben können einen Museumsbesuch altersgerecht strukturieren.

Barrierefreiheit und Unterstützung

Das Kunstmuseum ist über eine Rampe am Haupteingang zugänglich und mit Treppenliften sowie einem Personenlift ausgestattet. Ein museumseigener Rollstuhl kann nach vorheriger Reservation ausgeliehen werden.

Mehrere rollstuhlgängige Toiletten sind vorhanden. Führhunde dürfen das Museum begleiten. Ausstellungstexte und Audioguide-Rundgänge lassen sich über einen digitalen Guide mit dem eigenen Smartphone abrufen.

Ein markierter Behindertenparkplatz befindet sich neben dem Museum. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite stehen nach Museumsangaben drei weitere Plätze zur Verfügung. Da bauliche Gegebenheiten oder einzelne Zugänge vorübergehend verändert sein können, ist bei besonderen Anforderungen eine frühzeitige Abklärung empfehlenswert.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Regulär ist das Kunstmuseum Bern am Dienstag von 10 bis 20 Uhr und von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags bleibt das Museum geschlossen. An Feiertagen können abweichende Zeiten gelten.

Der reguläre Eintritt kostet nach dem Stand vom August 2026 24 Franken. Für AHV-, IV- und Militärangehörige gilt ein reduzierter Preis von 20 Franken. Studierende und Lernende bezahlen 12 Franken, Kinder bis 16 Jahre besuchen das Museum kostenlos.

Für die reine Sammlungspräsentation gibt es günstigere, nur vor Ort erhältliche Eintrittskarten. Ein Kombiticket für das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee kostet regulär 32 Franken. Preisänderungen und Zuschläge für besondere Angebote bleiben möglich.

Anreise und Verbindung mit der Berner Altstadt

Das Kunstmuseum befindet sich an der Hodlerstrasse 8–12 und ist vom Bahnhof Bern zu Fuss erreichbar. Alternativ führen die Buslinien 11, 20 und 21 bis zur Haltestelle Bollwerk. Von dort sind es ungefähr 50 Meter bis zum Haupteingang.

Durch die zentrale Lage lässt sich der Museumsbesuch mit einem Rundgang durch die Berner Altstadt verbinden. Bundeshaus, Zytglogge, Münster und Aare liegen in erreichbarer Entfernung. Für einen ausführlichen Museumsbesuch und einen Altstadtrundgang sollte jedoch genügend Zeit eingeplant werden.

Wer weitere Ziele ausserhalb der Stadt sucht, findet im belmedia-Porträt über den Kanton Bern und seine Ausflugsziele zusätzliche Ideen.



Das Video «Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard» des Kunstmuseum Bern gibt Einblick in die gleichnamige Ausstellung und ihre Präsentation historischer Kunstwerke.


Fazit: Mehr als eine Sammlung berühmter Namen

Das Kunstmuseum Bern verbindet eine lange institutionelle Geschichte mit bedeutender Schweizer und internationaler Kunst. Werke von Hodler, Klee, Oppenheim, Picasso und zahlreichen weiteren Kunstschaffenden bilden dabei nur einen Teil seines Profils.

Besondere Bestände wie die Adolf-Wölfli-Stiftung, die Sammlung Rupf und die Johannes-Itten-Stiftung eröffnen zusätzliche Perspektiven. Gleichzeitig zeigt die Provenienzforschung, dass ein Museum nicht nur Kunst ausstellt, sondern auch Verantwortung für die Geschichte seiner Bestände trägt.

Aktuelle Sonderausstellungen, Vermittlungsangebote und die zentrale Lage machen das Haus zu einem vielseitigen Ausflugsziel. Wegen des wechselnden Programms, möglicher Saalschliessungen und der noch offenen baulichen Zukunft empfiehlt sich vor der Anreise eine Kontrolle der aktuellen Besuchsinformationen.

 

Bildquellen: Titelbild: Symbolbild © VogelSP/iStock; Bild 1: Symbolbild © olyasolodenko/Adobe Stock; Bild 2: Symbolbild © South_agency/iStock; Bild 3: Symbolbild © SeventyFour/iStock

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