Marseille zeigt Vescovis textile Kunst zwischen Licht, Zeit und mediterraner Geschichte

Nach Laure Prouvost im Jahr 2025 bekräftigen die Museen von Marseille ihr Engagement für die zeitgenössische künstlerische Produktion, indem sie erneut eine Künstlerin bzw. einen Künstler einladen, das Centre de la Vieille Charité zu bespielen und ein neues Werk im Dialog mit diesem historischen und eindrucksvollen Ort zu schaffen.

Im Jahr 2026 laden sie – zur Unterstützung der Kunstszene von Marseille und des Mittelmeerraums – den in Marseille lebenden und arbeitenden Künstler Adrien Vescovi ein, nicht nur die Kapelle, sondern auch die Arkadengalerien des ehemaligen Hospizes auf verschiedenen Ebenen zu bespielen. Das Projekt ist bewusst als Arbeits- und Ausstellungsprozess über einen längeren Zeitraum angelegt.

Im Kontext der Vieille Charité – im Zusammenspiel mit Kapelle, Galerien und deren wechselndem Licht und Schatten – entwirft Adrien Vescovi eine monumentale Installation, die als Einladung zum Umherwandern gedacht ist. Dieses fliessende, feine und poetische Werk verbindet Räume und Blickachsen und knüpft eine sensible Beziehung zwischen der mediterranen Architektur des Ortes und der zeitgenössischen Kunst.

Adrien Vescovis Arbeit gründet in einer textilen Praxis

Die den Nachhall handwerklicher Gesten erforscht. Nähen, Färben und einfache Materialien werden dabei zu Trägern einer vielschichtigen Erinnerung, die an die Werkstätten erinnert, die seit jeher die Küsten des Mittelmeers säumen. Im Zentrum seiner Arbeit steht der Stoff – insbesondere das alte Bettlaken: ein formbares Element, ein Zeuge des Alltags, ein stilles Archiv.

Ob von der Zeit gezeichnet, mit natürlichen Pigmenten durchtränkt oder vom Künstler bearbeitet – es sammelt Spuren, von vergangenen bis hin zu zufälligen Zeichen seiner aktuellen Präsentation. Zwischen Intimität und Offenlegung trägt es sowohl die Fragilität menschlicher Existenz als auch die Kraft der sie begleitenden Gesten in sich.

Diese Installation versteht sich als vielschichtige Erfahrung:

eine unmittelbare Wahrnehmung des Dialogs mit der Architektur, die sinnliche Qualität der Materialien sowie eine subtilere Poesie sich überlagernder Zeitschichten.
Im intensiven Austausch mit der Geschichte des Centre de la Vieille Charité eröffnet sie den Besucherinnen und Besuchern einen Übergang, einen Moment des Innehaltens – eine Zeit, in der die leise Schwingung der Erinnerung in den Fasern unserer Welt erfahrbar wird.



Adrien Vescovi

Geboren 1981 in Thonon, schloss Adrien Vescovi 2006 sein Studium an der École supérieure d’art Annecy Alpes ab. Nach mehreren Jahren künstlerischer Arbeit in den Landschaften der Haute-Savoie zog er 2018 nach Marseille, wo er seine Forschung fortsetzt – mit einem besonderen Augenmerk auf Umgebungen und deren Rhythmen. Seine sich stetig entwickelnde Praxis ist geprägt von einer Ökonomie der Mittel und einer bewusst gewählten Ethik der Langsamkeit. In Anlehnung an die Überlegungen von Pierre Sansot zum „richtigen Gebrauch der Langsamkeit“ entwickelt er ein Werk, das auf Beobachtung, Experiment und die allmähliche Transformation von Materialien basiert.

Vescovi erforscht die Möglichkeiten einer erweiterten Malerei, die sich vom Keilrahmen löst und im Massstab von Landschaft oder Architektur gedacht wird. Farbe versteht er als lebendiges Material, gewonnen aus empirischen Prozessen wie Pflanzenmacerationen, Ockerverarbeitung, Brennvorgängen und Witterungseinflüssen.

Jedes Werk entsteht aus einem offenen Prozess, in dem Luft, Licht, Feuchtigkeit und Verschmutzung als aktive Mitgestalter wirken. Zufall wird zum Partner, Zeit selbst zum Medium. Seine Arbeiten wurden in Frankreich und international gezeigt – unter anderem in Luxemburg, den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Mexiko und Spanien, wo er 2024–2025 als Artist-in-Residence an der Casa de Velázquez tätig war.

Marseille – euro-mediterrane Kulturmetropole

Geprägt von der Vielfalt seiner Bevölkerung, seiner jahrhundertealten Geschichte und der Lebendigkeit seiner Kulturszene behauptet sich Marseille als euro-mediterrane Kulturmetropole von internationalem Rang.
Seit 2020 verfolgt die Stadt eine ambitionierte Politik des Zugangs zu Kultur und Freizeit für alle und bietet ein vielfältiges künstlerisches Programm, das im kulturellen Erbe und im mediterranen Umfeld verankert ist. Diese Dynamik positioniert Marseille als moderne, inklusive und innovative Metropole.



Centre de la Vieille Charité

2, rue de la Charité, 13002 Marseille

Dauerausstellungen: freier Eintritt von Dienstag bis Sonntag, 9–18 Uhr. Im Herzen des Viertels Panier gelegen, ist das Centre de la Vieille Charité ein architektonisches Juwel Marseilles und seit 1951 als historisches Monument geschützt. Es wurde 1671 auf königlichen Befehl errichtet, um Bedürftige aufzunehmen, und zeichnet sich durch seinen barocken Stil sowie die zentrale Kapelle mit elliptischer Kuppel aus.
Nach Nutzungen als Hospiz, Kaserne und Sozialwohnungen wurde das Gebäude in den 1960er-Jahren restauriert und zu einem Kulturzentrum umgewandelt. Heute beherbergt es unter anderem:

  • das Museum für Mittelmeerarchäologie (MAM)
  • das Museum für afrikanische, ozeanische und indianische Kunst (MAAOA)
  • einen Vorführ- und Konferenzraum (Le Miroir)
  • das Centre international de poésie Marseille (cipM)
  • die École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS)
  • das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS)

Im Jahr 2023 erreichte die Ausstellung „Baya. Eine algerische Heldin der Moderne“ mit 155.000 Besucherinnen und Besuchern einen historischen Rekord für eine temporäre Ausstellung der Museen von Marseille.

Die Museen von Marseille

Mit rund 125.000 Werken und Objekten aus allen Epochen und Regionen vereint das Netzwerk der Museen von Marseille 19 Standorte, darunter bedeutende historische Monumente, Museen, Gedenkstätten sowie Zentren für Konservierung und Dokumentation.

Dieses Ökosystem lebt von einem stetig erneuerten Programm, das historisches Erbe, zeitgenössische Kunst und mediterrane Einflüsse miteinander verbindet. Gleichzeitig greift es Themen der kulturellen Globalisierung und gesellschaftliche Fragen der Gegenwart auf, entwickelt neue Erzählungen der Kunstgeschichte und stellt insbesondere Künstlerinnen sowie Positionen aus dem Mittelmeerraum in den Fokus. Die Stadt Marseille setzt sich aktiv für den Zugang zu Kultur für alle ein und bietet freien Eintritt zu den Dauerausstellungen sowie an bestimmten Tagen auch zu Sonderausstellungen.

Kultur wird als Instrument für Teilhabe, Bildung und Chancengleichheit verstanden und bereits Kindern früh zugänglich gemacht – unter anderem durch Programme zur kulturellen und künstlerischen Bildung.
Durch Ausstellungen, internationale Kooperationen und eine ambitionierte Erwerbungspolitik festigen die Museen die Rolle Marseilles als bedeutende Kulturstadt und tragen zur Bewahrung und Weitergabe ihres künstlerischen und historischen Erbes bei.



 

Quelle: Agnès Renoult Communication
Bildquellen: Julia Andréone

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