Neuseeland – Reisebericht vom anderen Ende der Welt, Teil 6: Wellington, die windige

29.09.2014 |  Von  |  Pazifik
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Neuseeland – Reisebericht vom anderen Ende der Welt, Teil 6: Wellington, die windige
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Nachdem wir Napier verlassen hatten, ging es weiter Richtung Süden ins 315 Kilometer entfernte Wellington, der Hauptstadt Neuseelands. Von dort aus geht es täglich mit der Fähre auf die Südinsel.

Als wir in Wellington ankamen, kamen wir an ein Backpackers, das mich ehrlich erschreckte. Ich hatte es reserviert, weil es zentral in Wellington lag und dabei nicht teuer war. Als ich jedoch ankam, war ein Schlüssel für “Edward” hinterlegt (er hatte mich am Telefon wohl nicht ganz verstanden) und das Zimmer, das ich dann aufschloss, war ein bereits belegtes 4-er oder sogar 6-er Zimmer, indem wiederum alles einfach so herumlag. Ich ging wieder die Stufen aus dem „Loch“ nach oben, gab den Schlüssel zurück und sagte goodbye. Das war eine echte Absteige – schnell weg also.

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Stattdessen schauten wir in unser BBH-Heftchen. Das erkläre ich jetzt nochmal etwas genauer. Viele Backpackers haben sich zusammengeschlossen sind einer Vereinigung beigetreten, die jährlich eine aktuelle Ausgabe der Hostels in einer Broschüre ausgibt. Dort gibt es immer eine kurze Beschreibung, eine Auflistung der Preise und eine Bewertung, die einerseits von BBH, andererseits von den Besuchern gemacht wird. Anhand dieses Heftchen kommt man sehr gut durch Neuseeland. Wenn man dann noch Mitglied im BBH-Club wird, schläft man jede Nacht mindestens 3 Dollar billiger. Die Mitgliedschaft kostet aber einmalig 40 Dollar, wobei 20 davon als Telefonguthaben verbraucht werden können. Hätte sich für uns nicht gelohnt, deswegen haben wir’s bleiben lassen (Habe ja eine SIM-Karte von Vodafone gekauft und konnte vom Handy aus günstig telefonieren und ins Internet gehen).

Was sich aber gelohnt hat, war der erneute Blick in die Broschüre. Dort fanden wir ein mit 94% bewertetes Hostel, 25 Kilometer ausserhalb von Wellington, im Vorort Plimmerton. Zwar zahlt man da etwa 100 Dollar pro Nacht pro Zimmer, aber wegen der guten Bewertung sind wir dort hin. Und ich war erstens absolut erstaunt, zweitens total fasziniert und drittens megamässig froh, hierher gekommen zu sein. Wahrscheinlich hatte John, der alte Besitzer dieses Hauses, Recht, als er sagte “Willkommen im besten Backpackers Neuseelands”. Das hier war nicht nur ein Backpackers. Ich fand Einrichtung, Service und Liebe zum Detail zehnmal besser als im grossen Crowne Plaza Hotel in Auckland! Im Gegensatz zu den meisten Backpackers gab es hier überall Handtücher für jeden, in der Küche ist alles astrein und sauber, sogar eine Spülmaschine steht bereit. Das Wohnzimmer sieht aus wie man sich immer schon ein eigenes gewünscht hat: Grosser Raum, gemütlich eingerichtet, zwei bequeme Sofas, Kamin, und mehrere grosse Fenster mit Blick auf die Bucht hinaus. Herrlich.
John machte uns mit allem vertraut und gab uns viele wertvolle Tipps zu unserer Reise.


Eines der besten Backpackers in Neuseeland findet man in Plimmerton. (Foto: Albert Brückmann)

Eines der besten Backpackers in Neuseeland findet man in Plimmerton. (Foto: Albert Brückmann)





Nach und nach trudelten auch weitere Reisende ein, und wir stellten fest, dass es zum grössten Teil Deutsche waren. Während wir uns mit einem älteren Ehepaar aus der Schweiz unterhielten, malte Johnny seelenruhig auf seinem Malbrett herum. Dann kam der Abend und die Sonne senkte sich. Direkt vor unserem Fenster konnten wir nun einen wunderschönen Sonnenuntergang miterleben. Die Sonne wurde orange, dann sank sie hinter den Horizont und gab dem Meer einen langen goldenen Streifen mit. Im Vordergrund schwebten Möwen im kräftigen Wind.




Einen solch wunderschönen Sonnenuntergang habe ich selten gesehen... (Foto: Albert Brückmann)

Einen solch wunderschönen Sonnenuntergang habe ich selten gesehen… (Foto: Albert Brückmann)


Am nächsten Tag ging es dann mit dem Zug nach Wellington rein. Man hatte uns gesagt, dass Parken dort teuer wäre, also liessen wir das Auto stehen. Jonathan glotzte aus dem Fenster und rief immerzu “tuutuu…” Die Leute lachten, und der Schaffner kassierte für drei Personen. Schon am Bahnsteig im Mana war uns aufgefallen, wie windig es war. Naja, “aufgefallen” ist schon sehr sanft ausgedrückt. Johnny japste nach Luft.
Als wir dann aber erst in Wellington waren, wurde uns aufgenblicklich klar, wieso es auch “Windy Welly” genannt wurde. Wir brauchten den Buggy nicht einmal zu schieben. Der Wind dort ist so übelst kräftig, dass er einem das Schmalz aus den Ohren fegt, wenn man nicht sauber gemacht hat!!

Im besten Reiseführer, dem Lonely Planet, haben wir nachgelesen, dass das Te Papa Museum ein erstklassiger Punkt sei, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Und weil ich bei meinem letzten Besuch in Wellington nicht wirklich viel mit Museen am Hut hatte, wollte ich es diesmal unbedingt machen. Zudem war der Eintritt frei, und scheinbar ist es in vielen Hinsichten stark auf Kinder ausgelegt. Also: Hin!

Wir wurden nicht enttäuscht. Ich frage mich jetzt noch, wie man ein derat teuer ausgestattes, modernes und mutlimediales Museum kostenlos zur Verfügung stellen kann. Ein Objekt haute mich komplett um: Da stand ein Maori Boot, einfach so, wie ein ganz normales Ausstellungsstück. Davor war dann ein kleines Häuschen. Wenn du reingehst, schaust du durch eine Scheibe auf eben dieses Boot. Plötzlich geht eine Hologramm-Show los und auf dem Boot läuft ein Maori-Mädchen rum und erzählt. Dabei verschwindet sie aber auch immer wieder unter Deck, geht in die auf dem Deck platzierte Hütte hinein, verschwindet dabei, und taucht ebenso am anderen Ende wieder auf, als ob sie wirklich dort auf dem Schiff ist. Dann erscheinen weitere Besatzungsmitglieder, Ratten laufen übers Boot, auf einmal regnet und blitzt es… selbst für mich “technik-affinen” Kerl hatte dieses Ding einen “Wow-Effekt”.




Die typischen neuseeländischen Kriegsschiffe (Foto: Albert Brückmann)

Die typischen neuseeländischen Kriegsschiffe (Foto: Albert Brückmann)


Nachdem wir weitere coole Sachen gesehen hatten, spazierten wir weiter durch Windy Welly, während Johnny ein wenig schlief. Gegessen haben wir in einer richtig guten Bar. Bei Olly gabs leckere Fish & Chips, ich könnte mir einen Mega-Burger. Yummy!
Passend zu einer geführten Tour kamen wir im Parlament an. Die Dame dort nahm uns mit, gemeinsam mit ca. 30 weiteren Leuten, auf eine Reise durch den Regierungsapparat. Stark nach englischem Vorbild ausgerichtet, aber mit Einflüssen aus den USA und auch aus Deutschland wird hier regiert. Als eines der ersten Länder der Welt hatte Neuseeland 1870 schon das Frauenwahlrecht, 2 Jahre später kam – man staune – die Türkei dazu. Von den etwa 120 Sitzen im Parlament gehören 21 den Maoris und 5 asiatischen Vertretern, eine gewisse Anzahl ist Frauen vorbehalten. Gewählt wird in NZ alle drei Jahre.
Hierbei noch ein Lob an Jonathan: Die ganze, 1-stündige Führung durch das Gebäude verbrachte er wach und leise. Keinen einzigen Piepton gab er von sich. Dabei war die Dame nicht gerade die spannendste…




Das Regierungsgebäude in Wellington (Foto: Albert Brückmann)

Das Regierungsgebäude in Wellington (Foto: Albert Brückmann)





Ja, und mit dem Zug ging es wieder zurück. Statt 12 Dollar zahlten wir nun 15 für die gleiche Strecke. “Wegen ausserhalb der Kernzeit”, sagte die Schaffnerin.

Am nächsten Tag um 13.30 würde es es per 250-Dollar-Fähre also auf die Südinsel gehen.

Mein Resümee für die Nordinsel? Mehr was für Stadtbewohner als Naturliebhaber. Die Natur ist zwar hier schon sehr schön, aber dennoch ist mit Auckland und Wellington und vor allem mit den Leuten, die hier leben, auf der Nordinsel mehr los. Den Vergleich habe ich, weil ich es von früher noch weiss. Die Südinsel wird uns noch einiges zeigen, bei dem zumindest ich mir wünsche, nicht wieder wegzumüssen, aus diesem Land der Vielfältigkeiten…


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