Parc Güell – Gaudís Märchenwelt mitten in Barcelona

14.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Parc Güell – Gaudís Märchenwelt mitten in Barcelona
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Auf einer Barcelona-Reise zählt ein Besuch im Parc Güell zum Pflichtprogramm jedes Touristen, und obwohl kein Reiseführer ohne Bilder der aussergewöhnlichen Parkanlage auskommt, übertrifft die Realität doch bei Weitem alle Vorstellungen.

14 Jahre dauerte die Fertigstellung des extravaganten Wohnparks, den Antoni Gaudí ab 1900 im Auftrag des Industriellen Eusebi Güell erschuf. Auf einer Fläche von rund 17 ha errichtete der katalanische Ausnahme-Architekt märchenhafte Häuser, Terrassen und Pavillons, deren aussergewöhnliche Formen und kunstvolle Mosaike in ihrer Art einmalig sind.



Obwohl der Villenpark für wohlhabende Einwohner Barcelonas wenig Erfolg hatte und nie vollständig fertiggestellt wurde, zählt Parc Güell heute zu den spektakulärsten Orten in der katalanischen Hauptstadt. Auch mit seiner umweltgerechten, nachhaltigen Bauplanung war Antoni Gaudí zu Beginn des 20. Jahrhunderts seiner Zeit weit voraus.

Mosaike an der Hauptterrasse (Bild: Leandro Neumann Ciuffo / Wikimedia / CC)

Mosaike an der Hauptterrasse (Bild: Leandro Neumann Ciuffo / Wikimedia / CC)

Parc Güell: Geschichte eines einmaligen Bauprojekts

Parc Güell wurde ursprünglich vom Industriellen und Politiker Eusebi Güell in Auftrag gegeben, dessen Name der Stadtpark bis heute trägt. Der katalanische Industrielle lernte Antoni Gaudí im Jahr 1878 kennen und förderte ab diesem Zeitpunkt aktiv die ungewöhnliche Architektur Gaudís, die im Spanien des späten 19. Jahrhunderts nicht unumstritten war. Nach unterschiedlichen Auftragsarbeiten in und um Barcelona, darunter dem Familienpalast Palau Güell, begannen im Jahr 1900 schliesslich die Arbeiten an Güells innovativer Wohnanlage Parc Güell.



Inspiriert von den englischen Gartenanlagen, plante Eusebi Güell eine ähnliche Wohnanlage für seine Heimatstadt Barcelona. Mehr als 60 Villen sollte das ehrgeizige Bauprojekt umfassen, die zur Finanzierung der Anlage bereits vor Beginn der Arbeiten verkauft werden sollten. Fernab der städtischen Fabriken beruhte das Konzept darauf, den zukünftigen Bewohnern auf einer Anhöhe eine ruhige, saubere und naturbelassene Wohnanlage mit einem unvergleichlich schönen Ausblick auf die Stadt zu bieten.

Mosaik-Kunst im Pavillon (Bild: Bautsch / Wikimedia / public domain)

Mosaik-Kunst im Pavillon (Bild: Bautsch / Wikimedia / public domain)

Nachdem Eusebi Güell mit seiner Familie bereits im Jahr 1906 in sein neues Anwesen zog, konnten keine weiteren Villen verkauft werden, weshalb Antoni Gaudí selbst auf Bestreben Güells schliesslich mit seinen Angehörigen ein Haus im Parc Güell bezog. Ein befreundeter Architekt erwarb ausserdem ein weiteres Anwesen, das bis heute in Privatbesitz ist. Zum Scheitern des ehrgeizigen Bauprojekts trug vermutlich die für damalige Verhältnisse beträchtliche Entfernung zum Stadtzentrum bei, aber auch die offen katalanische Ausrichtung des Projekts in einem Moment, in dem man sich in der katalanischen Hauptstadt um eine Annäherung an die spanische Zentralregierung bemühte.

Parc Güell: Konzept und Bauwerke

Parc Güell wurde von Antoni Gaudí bis ins Detail geplant und einem Grundkonzept nachempfunden, das auf der Nähe zur Natur als zentralem Element beruhte. Den Mittelpunkt der Parkanlage bildet eine ausladende Terrasse, die Plaça, deren wellenförmige Brüstung mit einer Vielzahl filigraner und farbenfroher Mosaike versehen ist. Spazierwege, Arkadengänge und Treppen führen von der Terrasse aus in alle Teile des Parks, wobei Gaudí in den asymmetrischen Formen, in seinen Mosaiken und Zierelementen immer wieder Motive aus der Natur aufgreift. Tierskulpturen und Tierkreiszeichen, baum- und höhlenförmige Säulengänge oder auch Terrassenwege in Form von Vogelnestern verleihen der Parkanlage eine ganz besonders Atmosphäre.

"Vogelnester" in Parc Güell (Bild: Ludvig14 / Wikimedia / CC)

„Vogelnester“ in Parc Güell (Bild: Ludvig14 / Wikimedia / CC)




Auch in der Konstruktion legte Antoni Gaudí Wert auf eine umweltbewusste, schonende Bauweise. Er fügte seinen Villenpark in das bestehende hügelige Gelände ein, ohne unnötige Veränderungen vorzunehmen. Auf dieser Weise zeigt die Parkanlage bis heute einen natürlichen Verlauf und scheint vielerorts aus der naturbelassenen Vegetation hervorzugehen. Seine Mosaike fertigte Gaudí aus Abfällen der örtlichen Keramikfabriken; für die Bepflanzung wählte er mediterrane Arten, die sich dem genutzten Gelände am besten anpassen konnten.



Von den drei Wohnhäusern der ursprünglichen Parkanlage ist Gaudís Wohnhaus das einzige, das heute für Besucher zugänglich ist. Das rosafarbene Gebäude, in dem der Architekt 20 Jahre lang lebte, beherbergt seit 1963 das Museum Gaudí-Haus, in dem viele von Gaudí entworfene Möbel und andere Objekte ausgestellt sind. Das Haus wurde allerdings nicht von Gaudí selbst gebaut, ebenso wenig wie Eusebi Güells Wohnhaus Casa Larrard, das beim Baubeginn der Parkanlage bereits vorhanden war und heute eine Schule beherbergt. Das dritte ehemalige Wohnhaus, die Casa Trias, ist bis heute in Privatbesitz.

Unvollendetes Wahrzeichen von Barcelona: La Sagrada Familia (Bild: Vitold Muratov / Wikimedia / CC)

Unvollendetes Wahrzeichen von Barcelona: La Sagrada Familia (Bild: Vitold Muratov / Wikimedia / CC)

Faszinierende Baukunst: Antoni Gaudí in Barcelona

Gemeinsam mit weiteren Bauwerken Antoni Gaudís in Barcelona ist Parc Güell seit 1984 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Zu den herausragenden Werken, die Gaudí seiner Heimatstadt vermacht hat, zählt neben Parc Güell allen voran der monumentale Kirchenbau La Sagrada Familia im Stadtteil Eixample, dessen Konstruktion der Architekt 1882 begann und der bis heute unvollendet ist. Die römisch-katholische Basilika nimmt einen kompletten Strassenblock in Anspruch und soll nach derzeitiger Planung im Jahr 2026 fertiggestellt werden.

Casa Batlló am Passeig de Gràcia (Bild: tato grasso / Wikimedia / CC)

Casa Batlló am Passeig de Gràcia (Bild: tato grasso / Wikimedia / CC)

Daneben errichtete Antoni Gaudí in Barcelona auch mehrere beeindruckende Stadtpaläste, die alle den unverkennlichen, eigenwilligen Stil des Architekten zeigen. Zu den bedeutendsten Bauwerken zählen der Natursteinbau Palau Güell an der Promenade La Rambla, aber auch die Casa Milà und die Casa Batlló am Passeig de Gràcia, die beide durch ihre ungewöhnlichen Formen auffallen. Die Casa Milà wurde von Gaudí so konzipiert, dass das gesamte Gebäude über eine natürliche Belüftung verfügt; die Casa Batlló wiederum beeindruckt vor allem mit ihrer farben- und formenreichen Fassade, die Szenen aus der Legende des Heiligen Georg darstellt.

 

Oberstes Bild: Eingang zum Parc Güell (Bild: Angela Llop / Wikimedia / CC)

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