Ravensburg im südlichen Oberschwaben, Teil 1: Grosse Kreisstadt mit langer Geschichte

12.12.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Ravensburg im südlichen Oberschwaben, Teil 1: Grosse Kreisstadt mit langer Geschichte
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Ein Kurzurlaub in Ravensburg. Genau richtige Entscheidung für diejenigen, die ihre Zeit entspannt und doch sehr vielfältig verbringen möchten. Besonders empfehlenswert ist die Stadt für einen Urlaub oder Ausflug mit den Kindern: Die Altstadt kann ohne grössere Anstrengung zu Fuss erkundigt werden; die Museen zeigen spannende Ausstellungen und sind gleichzeitig nicht übermässig gross und ermüdend; aufregende Ausflüge können von Ravensburg aus in die wunderschöne Umgebung oder zum nahe liegenden Bodensee unternommen werden.

Ravensburg liegt im südlichen Oberschwaben im Schussental und ist circa 20 Kilometer vom Bodensee entfernt. Die archäologischen Funde datieren die ersten Ansiedlungen hier auf die Jungsteinzeit, etwa 2´000 Jahre vor Christus. Auch die Spuren von Römern und Alemannen sind hier entdeckt worden. Aber die richtige Stadt entstand viel später: Die Urkunden aus dem Jahre 1088 erzählen von der Siedlung, gegründet von den Welfen an der Kreuzung wichtiger Handelswege. Vom 12. und bis zum Anfang des 18. Jahrhundert war Ravensburg Freie Reichsstadt, was eigene Gerichtsbarkeit und Verwaltung, Zoll-, Münz- und Marktrechte bedeutete.



Dies ist ein Bericht über die Stadt Ravensburg  in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

1. Teil: Ravensburg im südlichen Oberschwaben: Grosse Kreisstadt mit langer Geschichte

2. Teil: Ravensburg im südlichen Oberschwaben: Stadt der Türme und Tore

Blick vom Mehlsack (Bild: Vux, Wikimedia, CC)

Blick vom Mehlsack (Bild: Vux, Wikimedia, CC)




Bis zum dreissigjährigen Krieg war Ravensburg eine blühende Handelsstadt. Die Bevölkerung wuchs und gedieh – als Folge ist die heutige, mittelalterlich geprägte Altstadt entstanden. Die wichtigsten Gebäude, die das Gesicht von Ravensburg auch in der Gegenwart prägen,  stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Die Tüchtigkeit der Handelsleute und Handwerker war der Hauptgrund für die rasche und so erfolgreiche Entwicklung der Stadt: Der Handel mit oberschwäbischer Leinwand, Papierherstellung, Lederverarbeitung und Weinbau machten die Stadt immer wohlhabender. Ausserdem war Ravensburg eine der führenden Fernhandelsstädte im Bodenseeraum. Besonders prägend war die Tätigkeit der Humpis-Familie. Die von ihr geführte Handelsgesellschaft erlangte von 1380 bis 1530 europaweite Bedeutung und war eines der erfolgreichsten Grossunternehmen im Spätmittelalter.





Humpies-Quartier in der Marktstrasse (Bild: Julius999, Wikimedia, CC)

Humpies-Quartier in der Marktstrasse (Bild: Julius999, Wikimedia, CC)

Die Geschichte der Stadt kann man wahrscheinlich am anschaulichsten im Museum Humpis-Quartier erleben. Das Museumsgebäude (oder, besser gesagt, der Gebäudekomplex) ist ein Museumsexponat an sich, denn seit der Gründung von Ravensburg, also fast zehn Jahrhunderte, war es der Ort, wo sich das tatsächliche Leben und Arbeiten seiner Bewohner abgespielt hat. Jede Etappe hat in den Bauten ihre Spuren hinterlassen, die auf geschickte, bestens erhaltene und „nicht rekonstruierte“ Weise den Besuchern eine Zeitreise in die Vergangenheit ermöglichen.





Ratsbank im Humpis-Quartier (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia)

Ratsbank im Humpis-Quartier (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia)

In Kellerräumen wurde in Folge der archäologischen Ausgrabungen ein sensationeller Fund entdeckt: die Werkstatt eines Lederhandwerkers, der gegen 1100 im Gebäude lebte und arbeitete. Weitere Räume schildern die gloriose Ära der Familie Humpis. Hier wohnte Hans Humpis, Bürgermeister von Ravensburg und Kopf der Grossen Ravensburger Handelsgesellschaft. Im Gebäude in der Ravensburger Marktstrasse spielte sich nicht nur das alltägliche Familienleben ab, sondern es war auch der Verwaltungssitz des Unternehmens.

Gerberwerkstatt im Humpis-Quartier (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia)

Gerberwerkstatt im Humpis-Quartier (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia)

Im 18. Jahrhundert bewohnten das Quartier die Gebrüder Wucherer – der eine war als Weiss- und  der andere als Rotgerber tätig. Oben im Dachgeschoss trocknete Johannes, der Weissgerber, seine Felle. Sein für jene Zeit typischer Arbeitsplatz erzählt viel über das Ravensburg des 18. Jahrhunderts, als die Stadt eine tiefe wirtschaftliche Stagnation erlebte, durch paritätisches Nebeneinander von Katholiken und Protestanten und gleichzeitig von der barocken Vorstellung über Ordnung und Einheitlichkeit geprägt wurde.  Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts beherbergte das Humpis-Quartier das Speiselokal des Bierbrauers und Gastwirtes Gottfried Rösch. In ihm gewidmeten Räumen sieht man das Gesicht von Ravensburg im Zeitalter der Industrialisierung.

Kunstmuseum Ravensburg (Bild: : Andreas Praefcke, Wikimedia, CC)

Kunstmuseum Ravensburg (Bild: : Andreas Praefcke, Wikimedia, CC)

Das Kunstmuseum Ravensburg zeigt eine der umfangreichsten Kunstsammlungen in Süddeutschland. Im Rahmen der permanenten Ausstellung wird die Privatsammlung von Peter und Gudrun Selinka präsentiert, aber auch zahlreiche Wechselausstellungen und Kreativ-Angebote finden hier statt.

Das Wirtschaftsmuseum heisst alle ökonomisch interessierten Besucher willkommen. Das Museum schildert spannende Geschichten und Anekdoten aus den 200 Jahren der wirtschaftlichen Geschichte des Landkreises Ravensburg.

Museum Ravensburger (Bild: Julius999, Wikimedia)

Museum Ravensburger (Bild: Julius999, Wikimedia)

Und die Kleinen freuen sich besonders über einen Besuch im Museum Ravensburger! Das berühmte Unternehmen mit dem blauen Dreieck lädt die Kinder auf eine interaktive Entdeckungsreise ins Traumland der Spiele ein. Die Besucher können nicht nur viel Spannendes über die Geschichte des Unternehmens erfahren, sondern sich auch in eine Spielfigur verwandeln, um zu verstehen, wie so ein Spiel entsteht, oder erfahren, wieso die Puzzle-Teile immer genau zueinander passen, oder in die Welt von Sagaland und Co. eintauchen, oder die alten Freunde aus der Kinderstube – die ersten Bilderbücher  – wieder in die Hände nehmen, oder… oder… oder… Auf jeden Fall nicht nur Jungen und Mädchen, sondern auch Papas und Mamas verlassen das Museum kindlich glücklich.



 

Oberstes Bild: Ravensburger Altstadt (Bild: Dietrich Krieger, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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