Ravensburg im südlichen Oberschwaben, Teil 2: Stadt der Türme und Tore

13.12.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Ravensburg im südlichen Oberschwaben, Teil 2: Stadt der Türme und Tore
5 (100%)
3 Bewertung(en)

Auch heute verzaubert Ravensburg durch seine sehr gut erhaltene historische Altstadt. Schöne Läden, Restaurants, Museen und viele Einrichtungen des normalen gegenwärtigen städtischen Lebens sind hier zu finden. Aber obwohl die Stadt in jeder Hinsicht mit der Zeit geht, ist es ihr gelungen, alle Modernisierungen in das Stadtbild so zu integrieren, dass das wunderbare mittelalterliche Flair erhalten blieb.  

Im späten Mittelalter erlebte Ravensburg seine goldene Epoche. Während des dreissigjährigen Kriegs wurde die Stadt wirtschaftlich sehr geschwächt und erholte sich davon in den nachfolgenden Jahrhunderten nur sehr schwer. Die Bevölkerungszahlen gingen zurück, Ravensburg verlor die reichsstädtische Selbstständigkeit und erlebte ein ständiges politisches Hin und Her. Deswegen gab es bis in die Neuzeit weder nennenswerte Stadterweiterungen noch Änderungen im Stadtbild.



Dies ist ein Bericht über die Stadt Ravensburg  in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

1. Teil: Ravensburg im südlichen Oberschwaben: Grosse Kreisstadt mit langer Geschichte

2. Teil: Ravensburg im südlichen Oberschwaben: Stadt der Türme und Tore

Obertor und Mehlsack, Öl auf Holz, etwa 1860 (Bild: Wikimedia)

Obertor und Mehlsack, Öl auf Holz, etwa 1860 (Bild: Wikimedia)




Erst mit der Zugehörigkeit zum Königtum Württemberg und dem Bau der Bahnstrecke Friedrichshafen-Ulm erwachte allmählich der frühere geschäftige Geist der einmal so lebendigen Stadt. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts war Ravensburg wieder die fortschrittlichste Stadt und das wirtschaftliche Zentrum der Region Oberschwaben.

Lederhaus – heute residiert hier die Post (Bild: Oliver Kurmis, Wikimedia, CC)

Lederhaus – heute residiert hier die Post (Bild: Oliver Kurmis, Wikimedia, CC)

Während des II. Weltkrieges wurde in Ravensburg die von der Schweiz betriebene Versorgungsstation des Roten Kreuzes stationiert und ausserdem gab es hier keine Rüstungsindustrie, also wurde die Stadt weitgehend von den Luftangriffen verschont.



So trugen diese teilweise tragischen Ereignisse dazu bei, dass Ravensburger und Gäste sich auch heute noch über eine absolut authentische mittelalterliche Altstadt freuen können. Nach den Angaben der Stadtverwaltung gab es 2011 in Ravensburg und seinen Ortschaften 348 Kulturdenkmäler, ungefähr 60 Kleindenkmale und neun archäologische Fundstellen.

Verantstaltungshaus Zehntscheuer (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia, CC)

Verantstaltungshaus Zehntscheuer (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia, CC)

Egal wohin man geht – zur Post oder in die Stadtbücherei, die sich im Kornhaus, dem ehemaligen Sitz der oberschwäbischen Fruchtbörse befindet, auf das Rathaus oder ins Kabarett in die Ravensburger Zentscheuer (das Gebäude, in dem im Mittelalter  „der Zehnt“ aufbewahrt wurde, also die Abgabe von vor allem Getreide oder auch Früchten und Gemüse, die die Bauern an ihre Herren jährlich abliefern mussten – heute das erfolgreiche Konzert- und  Veranstaltungshaus) oder einfach einen Einkaufsbummel macht, oder einen Kaffee in einem der hübschen Strassencafés geniesst – ist die Geschichte in Ravensburg auf Schritt und Tritt gegenwärtig.

Peter Lenk: Revensburger Kindermarkt (Bild: Andreas Praefke, Wikimedia, CC)

Peter Lenk: Revensburger Kindermarkt (Bild: Andreas Praefke, Wikimedia, CC)

Im Stadtzentrum ist zum Beispiel die Skulptur von Peter Lenk „Ravensburger Kindermarkt“ zu sehen, denn hier fand der Hütekindermarkt statt, auf dem „die Schwabenkinder“ – die Kinder, die aus den ärmlichsten bäuerlichen Familien stammten, für die Arbeit in Tirol oder in der Schweiz vermittelt wurden.



Zu der schönen mittelalterlichen Atmosphäre tragen vor allem die Ravensburger Tore und Türme bei. Die alte Stadtmauer ist auch an vielen Stellen erhalten geblieben; es ist ein üblicher Anblick, dass die Studenten der in der Nähe liegenden Ravensburger Dualen Hochschule oder Büroangestellte an heissen Sommertagen im Schatten der Stadtmauer Ihre Frühstückspause verbringen.

Mehlsack und Obertor, Ravensburg (Bild: Andreas Praefke, Wikimedia, CC)

Mehlsack und Obertor, Ravensburg (Bild: Andreas Praefke, Wikimedia, CC)

Ursprünglich hatte Ravensburg eine mächtige Stadtbefestigung mit zehn Türmen und vielen Toren. Nur das südliche Tor, das Kästlinstor, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen; seine Steine wurden unter anderem für den Bau des Kirchturms der Evangelischen Stadtkirche verwendet. Diese Kernpunkte der alten Befestigungsanlage sehen auch heute so aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Und Ravensburg wird deswegen oft als Stadt der Türme und Tore bezeichnet.

Der Mehlsack ist das Wahrzeichen Ravensburgs. Da der Turm auf der höchsten Stelle der Stadt – dem St.-Christina-Hang – gebaut wurde und 51 Meter hoch ist, sieht man ihn schon von weitem. Bis ins 17. Jahrhundert befand sich auf dem sogenannten Burgberg oberhalb von Ravensburg die mittelalterliche Burganlage Veitsburg. Ihre Herrscher, die Landvögte, waren politische Gegner der freien Reichsstadt. Der Mehlsack wurde in die Richtung von Veitsburg gebaut, so dass die Ravensburger von der Aussichtsplattform des Turmes auf das Gelände von Veitsburg hinüberblicken und somit es kontrollieren konnten.

Blick vom Mehlsack zur Veitsburg (Bild: Vux, Wikimedia, CC)

Blick vom Mehlsack zur Veitsburg (Bild: Vux, Wikimedia, CC)

Obwohl der Turm ursprünglich „der weisse Turm bei St. Michael“ hiess, hat sich schon im 16. Jahrhundert der viel bildhaftere Name „Mehlsack“ durchgesetzt: Zum einen wegen des weissen Putzes, mit dem seine Wände versehen sind, und zum anderen wegen seiner rundlichen, an einen Sack erinnernden Form.  Der Turm kann von April bis November bestiegen werden. An besonders klaren Tagen ist es möglich von hier bis zum Bodensee und zum Säntis zu schauen.

Ravensburger Wochenmarkt (Bild: Andreas Praefke, Wikimedia, CC)

Ravensburger Wochenmarkt (Bild: Andreas Praefke, Wikimedia, CC)




Ravensburg hat sich auch einen Namen als eine tolle Einkaufsstadt gemacht. Im alten Stadtzentrum ist der Durchgangsverkehr nicht zugelassen; Ravensburger und Gäste können mit aller Gemütlichkeit durch die malerischen Strassen und Gässchen bummeln. Cafés und Restaurants bieten die leckere typisch schwäbische und internationale Küche an. Und besonders schön ist die Stadt am Samstagvormittag, wenn der wöchentliche Markt stattfindet, und Bauer und Gärtner aus der ganzen Region hier ihre leckeren und mit Liebe gemachten Produkte verkaufen.

Oberstes Bild: Ravensburg – Aussicht auf Innenstadt, Blaserturm und Mehlsack (Bild: Franzfoto, Wikimedia, CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



Trackbacks

  1. Ravensburg im südlichen Oberschwaben, Teil 1: Grosse Kreisstadt mit langer Geschichte › reiseziele.ch

Ihr Kommentar zu:

Ravensburg im südlichen Oberschwaben, Teil 2: Stadt der Türme und Tore

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.