Salzburg – Bühne der Welt

18.02.2014 |  Von  |  Europa, Österreich
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Salzburg – Bühne der Welt
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Die schöne alte Stadt an der Salzach, deren einzigartiges Zusammenspiel aus Landschaft und Architektur schon Alexander von Humboldt neben Konstantinopel und Neapel gepriesen haben soll, hat heute viele Beinamen, doch keiner wird ihr vollständig gerecht: Mozartstadt, Festspielstadt, Literaturstadt, Weltkulturerbe.

Dominant seit knapp tausend Jahren überragt das Wahrzeichen Salzburgs, die Festung Hohensalzburg, die malerische, zwischen Salzach und Festungsberg eingekeilte Altstadt. Kommt man von Norden, findet der Besucher in der Hauptachse des spätbarocken Mirabellgartens einen unvergleichlichen Kulissenblick auf die Türme des hochbarocken Doms und die gewaltige Baumasse einer der grössten Burganlagen Europas. Begleiten Sie mich auf einem Spaziergang.

Salzburg - Bühne der Welt (Bild: Mathias Glaschick / pixelio.de)

Salzburg – Bühne der Welt (Bild: Mathias Glaschick / pixelio.de)

Sightseeing and Shopping

Hat der Besucher die in ein enges, nicht besonders anmutiges Bett gezwängte Salzach überquert, fällt die Entscheidung schwer, ob man einen Bummel entlang der sehr hochkarätigen Geschäfte dem Besuch der Sehenswürdigkeiten vorziehen sollte. Der Denkmalschutz hat es geschafft, dass die wirklich sehr malerische Getreidegasse ihr Gesicht wahren durfte. Die Dichte der künstlerischen, teilweise noch historischen Laden- und Gaststubenschilde aus Schmiedeeisen in der enge Gasse, die optisch durch die Felswand des Mönchsbergs abgeriegelt erscheint, ist einzigartig. Selbst die Selbstdarstellung eines international agierenden Fast-Food-Konzerns musste sich auf ein kleines goldenes M beschränken, das in ein traditionelles Geschäftsschild integriert werden musste. Die Salzburger wahrten den romantischen Schein in der zur Fussgängerzone umgewandelten einstigen Lebensader des bürgerlichen Teils der Stadt.

Bummel in der Getreidegasse (Bild: Snotty, Wikimedia, CC)

Bummel in der Getreidegasse (Bild: Snotty, Wikimedia, CC)




An dieser Getreidegasse steht das Mehrparteienhaus (No. 9), in dem der Kammermusikus Leopold Mozart eine Dreizimmerwohnung gemietet hatte, in der Wolfgang Amadé Mozart 1756 als Salzburger zur Welt kam. Die Österreicher hören es aber nicht gerne, dass Mozart im modernen Sinn nie einer der ihren war, sondern ein Untertan der Fürsterzbischofs von Salzburg, das zu seinen Lebzeiten zum bayerischen Reichskreis gehörte. Im Geburtshaus wurden mehrere museale Abteilungen eingerichtet, vorrangig um an den grössten Sohn der Stadt zu erinnern.

Mozarts Geburtshaus in Salzburg (Bild: Snotty, Wikimedia, CC)

Mozarts Geburtshaus in Salzburg (Bild: Snotty, Wikimedia, CC)

Verlässt der Besucher das Gebäude über den typischen Durchgang mit dem meist von mehrstöckigen Arkaden umrahmten Innenhof, weitet sich auf dem Universitätsplatz der Blick. Dort steht die prachtvolle barocke Kollegienkirche, die als ein Hauptwerk des genialen Baumeisters Johann Fischer von Erlach gesehen werden sollte. Er errichtete in Salzburg drei weitere Gotteshäuser und andere Gebäude im Auftrag der Kirche, bevor Wien Zentrum seines Schaffens wurde. Die unerwartete Grosszügigkeit nach der mittelalterlichen Enge von der Judengasse bis zur Spitalkirche demonstriert den Reichtum des einstigen Fürsterzbistums. Der Besucher sollte gleich zur Linken den Durchgang beim traditionsreichen Zipfer Bierhaus nutzen, um sich den Anblick der unterkühlten, plumpen Architektur des Festspielhauses zu ersparen. Sie ist eng mit dem verblassenden Nimbus des anderen grossen Sohnes, Karajan, verbunden.

Dann findet man rechterhand am Ende der Gasse, gegenüber dem Rupertinum (Museum der Moderne – vormals Priesterseminar) die unscheinbare Fassade der Franziskanerkirche, ursprünglich die Kirche der Bürger. Betritt man sie von dieser Seite, gelangt man zuerst in die massive und eher düstere Architektur einer spätromanischen Pfeilerbasilika, die sich schlagartig zu einem lichten Hallenchor öffnet. Dieses absolute Meisterwerk spätgotischer Baukunst des Hans von Burghausen setzt den Besucher immer wieder in Erstaunen. Wenige Schritte vom Seitenportal entfernt betritt man eine eigene Welt.





Franziskanerkirche in Salzburg (Bild: MatthiasKabel, Wikimedia, CC)

Franziskanerkirche in Salzburg (Bild: MatthiasKabel, Wikimedia, CC)

Die Keimzelle Salzburgs – die Erzabtei St. Peter



Nahe den Ruinen des römischen Iuvavum fand der Hl. Rupert 696, nach der Schenkung durch den Bayernherzog Theodo II., eine kleine Ansiedlung aus kelto-romanischer Restbevölkerung und Bajuwaren vor, die im Laufe des 6. Jahrhunderts zugewandert waren. Hier gründete oder erneuerte der merowingische Hochadelige die älteste urkundlich fassbare Abtei Deutschlands und das Bistum. Bevor man die Abteikirche durch die Vorhalle im Turm, der auf das 9. Jahrhundert zurückgeht, betritt, muss man den Verlockungen des Stiftskellers widerstehen. Im ältesten Restaurant Mitteleuropas, ein Vorläufer wird bereits 804 erwähnt, gibt es angeblich die besten Salzburger Nockerl, ein süsses Soufflee. Das Rezept soll die Mätresse des bauwütigen Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau, Salome Alt, erfunden haben.



In der Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert, die in den folgenden Jahrhunderten ergänzt und umgestaltet wurde, empfängt den Besucher eine fast anheimelnde Atmosphäre und kein auftrumpfender Barock. Im rechten Seitenschiff liegt unter seiner Darstellung als Schutzpatron Salzburgs das merkwürdig bescheidene Grab des Hl. Rupert, ein schlichter spätantiker Sarkophag bedeckt von einem gotischen Flachrelief von 1444. Durch ein Seitenportal gelangt man unmittelbar in den pittoresken Petersfriedhof unterhalb der fälschlich Katakomben genannten Höhlenkapellen, die schon vor der Ankunft Ruperts bestanden. Viele der Honoratiorengräber in den Arkaden wirken prunkvoller als das Heiligengrab.





Erzabtei St. Peter in Salzburg (Bild: Andrew Bossi, Wikimedia, CC)

Erzabtei St. Peter in Salzburg (Bild: Andrew Bossi, Wikimedia, CC)

Die Krone Salzburgs

Gleich am Ostende des Friedhofs beginnt der Aufstieg zur Festung. Wer die Standseilbahn nimmt, verpasst die grandiose Abfolge von Bastionen, Sperrwerken und Toren. Die ursprünglich einfache Höhenburg des 11. Jahrhunderts wurde zum „Hohen Stock“ ausgebaut. Erzbischof Leonhard von Keutschach gab der Burg bis 1519 ihren gotischen Festungscharakter und ihrem Innern die Annehmlichkeit einer Fürstenresidenz. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde sie noch durch Basteien verstärkt, als die Hofhaltung bereits in die Stadt verlagert war. Von diesen Basteien hat man einen prächtigen Blick ins Salzburger Land und auf die Stadt, nicht mehr auf Feinde oder Untertanen.

Man erkennt die Grabendächer der Inn-Salzach-Bauweise, die gewaltigen Ausmasse der „Alten“ und der „Neuen“ Residenz, die ihnen vor allem Wolf Dietrich von Raitenau angedeihen liess. Er liess den vom Brand 1598 beschädigten romanischen Dom niederreissen und durch Kahlschlag in der Altstadt (55 Häuser) die Freiflächen schaffen, die ein verkleinerter Neubau unter den Nachfolgern nicht füllen konnte. Der erste hochbarocke Dombau nördlich der Alpen spricht eine wuchtige, importierte Sprache. Er ist eindrucksvoll, aber nicht jedermanns Geschmack. Der Jedermann der Salzburger Festspiele findet hingegen vor der Fassade des Doms vielfach Gefallen.

Salzburger Dom (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia, CC)

Salzburger Dom (Bild: Andreas Praefcke, Wikimedia, CC)

Am Ende dieser Runde kann man sich im Traditions-Kaffeehaus Tomaselli am Alten Markt mit dem bescheidenen Rathaus der Bürger von der frühbarocken Wucht erholen. Machen Sie keine typischen Führungen mit, sondern blättern Sie in einem guten Kulturführer vor der Reise. Auch in Salzburg muss man nicht alles gesehen haben!

 

Oberstes Bild: Salzburg © dannywilde – Fotolia.com

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