Stavanger: Fischerdorf, Ölmetropole, Kulturhauptstadt

04.02.2014 |  Von  |  Europa
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Stavanger: Fischerdorf, Ölmetropole, Kulturhauptstadt
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Stavanger, Norwegens viertgrösste Stadt, überrascht seine Besucher mit einem beinahe dörflichen Charme und dem Flair einer jahrhundertealten Fischersiedlung. Trotz der inzwischen rund 130.000 Einwohner hat sich die Europäische Kulturhauptstadt von 2008 die Idylle seines malerischen historischen Stadtzentrums erhalten, dessen verwinkelte Gässchen bis heute teilweise autofrei sind.

Nicht weniger reizvoll ist die geografische Lage Stavangers an der norwegischen Küste, denn die Stadt verteilt sich auf eine Landzunge und mehrere vorgelagerte Inseln. In den umgebenden Fjordlandschaften warten atemberaubende Naturschauspiele wie die Felsenplattform Preikestolen darauf, entdeckt zu werden.

Stavanger, das bedeutet aber auch ausgelassene Feierstimmung während der Sommermonate, wenn junge Leute in den Abendstunden die Hafenpromenade und die historische Altstadt bevölkern. Trotz aller Fröhlichkeit verliert Stavanger dabei nie den Charakter einer beschaulichen, dörflich wirkenden Hafenstadt.

Historische Altstadt Gamle Stavanger (Bild: Jarvin / pt.wikipedia / Lizenz: CC)

Historische Altstadt Gamle Stavanger (Bild: Jarvin / pt.wikipedia / Lizenz: CC)




Vom beschaulichen Fischerdorf zur Ölhafenstadt

Obwohl Stavanger bereits im Jahr 1125 als Bischofssitz gegründet wurde, blieb die Hafenstadt noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein unbedeutendes Fischerdörfchen. Dass Stavanger ab diesem Zeitpunkt einen wirtschaftlichen Aufschwung und damit einhergehend einen rasanten Bevölkerungsanstieg verzeichnete, ist der Industrialisierung des Fischfangs zu verdanken, denn grössere Schiffe und neue Fangtechniken verhalfen dem Hafen von Stavanger zu einer ganz neuen Bedeutung.

Im Zuge dieser Entwicklung entstanden vor Ort nicht nur Konservenfabriken, sondern auch viele grosse und kleine Betriebe im Schiffbau und in der Versorgungsindustrie. Inzwischen haben neue Wirtschaftszweige die Konservenindustrie abgelöst. Seit in den 1970er Jahren vor der norwegischen Küste die ersten Ölfelder entdeckt wurden, gewann die Ölindustrie in Stavanger als erster Stadt des Landes an Bedeutung. Bis heute gilt Stavanger als Norwegens Ölhauptstadt, und auch die Schiffsbauer sind weiter vor Ort aktiv.

Norwegisches Ölmuseum in Stavanger (Bild: Dundak / pt.wikipedia / Lizenz: CC)

Norwegisches Ölmuseum in Stavanger (Bild: Dundak / pt.wikipedia / Lizenz: CC)

Dass die Geschichte Stavangers eng mit dem Meer und der Seefahrt verbunden ist, wird Besuchern beim Bummel durch die Altstadtgassen, entlang des Hafenbeckens und der Uferpromenade überall deutlich. Traditionelle Segelboote liegen hier neben Motoryachten und den Kreuzfahrtriesen, die regelmässig ihren Weg durch die norwegischen Fjorde ins beschauliche Stavanger finden. Von den einstmals über 50 Konservenfabriken – alle mittlerweile geschlossen – beherbergt eine Fabrik in der Altstadt heute das örtliche Konservenmuseum, während das 1999 eröffnete Norwegische Ölmuseum einen anschaulichen Einblick in die Geschichte der Ölförderung bietet. Bei so viel Seefahrergeschichte darf auch ein maritimes Museum nicht fehlen: Das Stavanger Sjøfartsmuseum ist direkt am Hafen in zwei über 200-jährigen Lagerhäusern untergebracht.

Historische Holzhäuser in Gamle Stavanger (Bild: Zinneke / pt.wikipedia / Lizenz: CC)

Historische Holzhäuser in Gamle Stavanger (Bild: Zinneke / pt.wikipedia / Lizenz: CC)




Unterwegs in Stavangers Altstadt

Die hervorragend erhaltenen und liebevoll gepflegten Holzhäuschen in Stavangers Altstadt, der Gamle Stavanger, stammen zu einem Grossteil aus dem 18. und 19. Jahrhundert und verleihen dem historischen Ortskern gemeinsam mit den kopfsteingepflasterten Gassen eine aussergewöhnliche Atmosphäre. Die alten Strassenzüge sind heute fester Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens von Stavanger; viele der alten Häuser beherbergen mittlerweile Ateliers, Cafés und Galerien. Überragt wird das historische Zentrum von der Domkirche, Stavangers zentralem Bauwerk. Der Dom wurde gegen 1300 als Nachfolger der ersten, bei einem Brand zerstörten Domkirche errichtet und gilt heute als besterhaltene mittelalterliche Domkirche Norwegens.

Auch ausserhalb der Altstadt gibt es in Stavanger einiges zu entdecken, allen voran im archäologischen Freilichtmuseum Jernaldergården auf dem Stadthügel Ullandhaug. Zu sehen sind hier mehrere nordische Langhäuser, die aus der Völkerwanderungszeit stammen und für die Ausstellung rekonstruiert wurden. Das Museum ist in Norwegen einzigartig, da nirgendwo sonst historische Gebäude auf den originalen Hausgrundrissen rekonstruiert wurden. Selbst die ursprünglichen Feuerstellen sind erhalten und werden bis heute verwendet. Wer einmal auf Ullandhaug ist, sollte sich auch einen Besuch auf dem Aussichtsturm Ullandhaugtårnet nicht entgehen lassen. Von hier aus offenbart sich die einzigartige Lage der Stadt erst in ihrer ganzen Schönheit.





Hofanlagen aus der Eisenzeit auf Ullandhaug (Bild: Gunleiv Hadland / pt.wikipedia / Lizenz CC)

Hofanlagen aus der Eisenzeit auf Ullandhaug (Bild: Gunleiv Hadland / pt.wikipedia / Lizenz CC)

Norwegens faszinierende Natur rund um Stavanger entdecken

Wer einen Eindruck von der atemberaubenden norwegischen Natur erhalten möchte, hat dazu rund um Stavanger reichlich Gelegenheit. Zu den faszinierendsten Landschaftsformen der Region zählt vor allem der Preikestolen, eine natürliche Felsenplattform, die mit ihrem Felsüberhang in spektakulärer Lage über dem Lysefjord thront. In 25 km Entfernung zur Stadt Stavanger wird der Preikestolen jährlich von rund 100.000 Besuchern erklommen, die für den atemberaubenden Ausblick auf den Lysefjord auch den eher mühsamen Aufstieg auf sich nehmen.



In der Stadt selbst – genauer gesagt im südwestlichen Vorort Sola – befindet sich direkt am Flughafen von Stavanger auch Norwegens längster Sandstrand, der Solastrand. Wer diesem naturbelassenen, dünengesäumten Stadtstrand an einem sonnigen Tag einen Besuch abstattet, kann für einen Moment lang leicht einmal vergessen, dass er sich in Europas nördlichsten Regionen befindet. Gesäumt von einer fast hundertjährigen Hotelanlage, setzt sich der Solastrand aus vielen kleineren Strandabschnitten zusammen, die für Familien, Badegäste und sonnenhungrige Besucher ebenso hervorragende Bedingungen bietet wie für Surfer. In den Dünen von Sola sind ausserdem bis heute Überreste der Verteidigungsanlagen aus dem II. Weltkrieg erhalten.





Spektakuläre Aussicht am Preikestolen (Bild: Aconcagua / pt.wikipedia / Lizenz: CC)

Spektakuläre Aussicht am Preikestolen (Bild: Aconcagua / pt.wikipedia / Lizenz: CC)

Eine Fahrtstunde von Stavanger entfernt bietet der Wasserfall Månafossen mit einer Fallhöhe von 92 m einen spektakulären Anblick. Der Månafossen liegt in einem Seitental des Frafjords und zählt zu den höchsten Wasserfällen des Landes. Der Anstieg vom zugehörigen Parkplatz zum Wasserfall ist zwar nicht wenig beschwerlich; dafür bietet sich dem Besucher jedoch ein unvergleichlich schöner Ausblick.

 

Oberstes Bild: Hafen von Stavanger (Bild: Guillaume Baviere / pt.wikipedia / Lizenz: CC)

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