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Vermächtnis des Deutschen Ordens: die Marienburg bei Danzig

07.07.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Vermächtnis des Deutschen Ordens: die Marienburg bei Danzig
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Südöstlich des polnischen Danzig erwartet das kleine Städtchen Malbork seine Besucher mit einer ganz besonderen Attraktion. Die Marienburg, im 13. und 14. Jahrhundert am Ufer des Flusses Nogat errichtet, ist das grösste Backsteingebäude in Europa und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Gebaut wurde die Marienburg einst vom Hochmeister des Deutschen Ordens, der seine Residenz zu Beginn des 14. Jahrhunderts von Venedig auf die Marienburg verlegte. Als Ordensburg wurde die Marienburg immer weiter ausgebaut; es entstand eine der prachtvollsten gotischen Backsteinburgen des Mittelalters.



Mit ihren gewaltigen Ausmassen hält die Marienburg nicht nur in Europa viele Rekorde. Sie gilt als eine der grössten jemals gebauten Burganlagen, und vermutlich gibt es weltweit keine zweite Backsteinburg dieser Grösse.

Hochschloss mit der Marienkirche (© Kozak1410 / Wikimedia / CC)

Hochschloss mit der Marienkirche (© Kozak1410 / Wikimedia / CC)

Die Marienburg als Sitz der Ordensmeister

Die Ordensgemeinschaft des Deutschritterordens entstand ursprünglich als karitative Gemeinschaft, wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts jedoch zum geistlichen Ritterorden erhoben. In der Folge konnte der Orden seinen Einflussbereich vor allem im Baltikum beträchtlich steigern und errichtete zur Festigung seiner Macht vielerorts mächtige Burganlagen. Die Marienburg ist eine dieser Festungen und diente den Hochmeistern des Ordens zwischen 1309 und 1454 als Residenz.

Dass der Sitz der Hochmeister von Venedig auf die Marienburg verlegt wurde, hatte seine Gründe im schwindenden Einfluss des Deutschritterordens im Mittelmeerraum. Im Rahmen der Expansion im Baltikum und in Osteuropa schien es daher nur logisch, den Sitz des Ordens ins Zentrum seiner Macht zu verlegen.

Bereits ab 1270 entstand an der Nogat die erste Burganlage, die bis heute als Hochschloss mit der Marienkirche den zentralen Teil der Anlage bildet. Für repräsentative Zwecke war die Burg jedoch zu klein, und so wurde sie nach und nach zum Schloss ausgebaut. Ab 1309 entstand das Mittelschloss, das neben wichtigen Verwaltungseinrichtungen auch die eigentliche Residenz des Hochmeisters umfasste. Mit dem Bau des Vorschlosses mit der Schlosskapelle wurde zeitgleich begonnen. Auch die äusseren Verteidigungsanlagen wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und bestehen seitdem aus einem bis zu vierfachen Mauerring mit einem komplexen System aus Gräben und Zwingern.





Die Burganlage am Ufer der Nogat (© Kozak1410 / Wikimedia / CC)

Die Burganlage am Ufer der Nogat (© Kozak1410 / Wikimedia / CC)

m 15. Jahrhundert musste der Orden die Marienburg schliesslich verpfänden, wodurch sie in den Besitz des polnischen Königs geriet. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Burg mal schwedisch, mal preussisch kontrolliert, diente dem deutschen Kaiser als Stützpunkt und wurde von den Nationalsozialisten für Veranstaltungen genutzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging die Marienburg in polnischen Staatsbesitz über und zählt seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO.



Architektonisches Meisterwerk des Deutschritterordens

Mit der Marienburg schuf der Deutsche Orden ein wehrhaftes und zugleich repräsentatives Meisterwerk unter den mittelalterlichen Burganlagen. Die Ordensburg ist der Jungfrau Maria gewidmet, der sie auch ihren Namen verdankt. Auffällig ist auf den ersten Blick das mächtige, kastellartige Hochschloss, das als ältester Teil der Anlage einst das Konventshaus bildete. Hier lebten vor der Erweiterung zum Schloss die Ordensritter, und aus der Kapelle im Hochschloss entstand im 14. Jahrhundert auch die Marienkirche.

Mit dem Mittelschloss entstanden wichtige Verwaltungseinrichtungen um den zentralen Hochschloss-Komplex, darunter die Residenz des Hochmeisters, die auch zu repräsentativen Zwecken genutzt wurde. Dementsprechend prachtvoll ist die Palastanlage gestaltet und bildet einen auffälligen Kontrast zum schlichteren Hochschloss. Der Hochmeisterpalast wurde als Wohnturm gestaltet; die wohl eindrucksvollsten Räume in diesem Teil der Marienburg sind die beiden Speisesäle. Mit ihren Sterngewölben, die jeweils nur von einer einzigen Granitsäule getragen werden, zählen die beiden Säle zu den eindrucksvollsten Beispielen der spätmittelalterlichen Innenarchitektur.

Kuppelgewölbe im Inneren der Burg (© Avi1111 / Wikimedia / CC)

Kuppelgewölbe im Inneren der Burg (© Avi1111 / Wikimedia / CC)

Das Vorschloss der Marienburg war bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts ansatzweise vorhanden und wurde in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgebaut. In der St. Lorenz-Kapelle des Vorschlosses fanden nicht nur die Gottesdienste für die dienenden Schwestern und die untergeordneten Halbbrüder des Ordens statt. Die Kapelle umfasste auch eines der bedeutendsten Gemälde des 14. Jahrhunderts im Einflussgebiet des Ordens, den Graudenzer Altar. Noch heute wird der Altar in der St. Lorenz-Kapelle aufbewahrt.



Die Marienkirche – religiöses Zentrum der Marienburg

Als die Marienburg 1309 zum Sitz der Hochmeister wurde, bestand im Hochschloss bereits eine Kapelle. Bis zu Jahr 1344 liess der Hochmeister Dietrich von Altenburg die Kapelle zur Sankt Marien-Kirche ausbauen, der heutigen Marienkirche. Dazu wurde am Gebäude des Hochschlosses ein polygonaler Chor errichtet, der über das Hochschloss selbst hinausragte. An der Aussenwand des Chores befand sich einst eine Nische mit einer acht Meter hohen, mit Glasmosaiken bedeckten Marienplastik.

Marienkirche mit sichtbaren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs (© DerHexer / Wikimedia / CC)

Marienkirche mit sichtbaren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs (© DerHexer / Wikimedia / CC)




Im Zweiten Weltkrieg wurden jedoch 60% der gesamten Burganlage zerstört und in der Folge durch den polnischen Staat wieder restauriert. Besonders betroffen von den Zerstörungen war die Marienkirche, die erst seit wenigen Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist. Auch konnten hier aufgrund der starken Zerstörungen bislang noch keine Restaurationsarbeiten durchgeführt werden; die Kirche wurde lediglich gegen Einsturz abgesichert.

Ein Besuch in der noch nicht renovierten Marienkirche bietet dem Besucher einen beklemmenden Eindruck davon, welche verheerenden Schäden der Krieg an diesem einzigartigen Baudenkmal angerichtet hat. Von der Marienplastik konnten nur wenige Bruchstücke erhalten werden. Erhalten sind ebenfalls zwei Pforten, darunter die einstige Eingangstür zur Kirche, die „Goldene Pforte“ aus dem 13. Jahrhundert.

 

 

Oberstes Bild: Panorama-Ansicht der Marienburg (© Kozak1410 / Wikimedia / CC)

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Über Andrea Rathjen

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