4 Länder – 1 Alpenüberquerung – 7 Tage: Mit dem Fahrrad von München nach Verona

02.09.2015 |  Von  |  Europa
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4 Länder – 1 Alpenüberquerung – 7 Tage: Mit dem Fahrrad von München nach Verona
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Vegan & nachhaltig reisen – die perfekten Ferien für alle, die auf der Suche nach Low-Budget-Aktivferien sind und dabei viel erleben möchten.

Warum in die Ferne reisen, wenn das Gute so nah liegt? Wir wollen verreisen. Aber bitte kostengünstig, möglichst ohne grossen Planungsaufwand und dennoch aussergewöhnlich. Ach ja, und Sommerbräune und etwas Fitness nebenbei wären auch nicht schlecht.

Die Lösung: Eine Fahrradreise.

Wir entscheiden uns für eine 1-wöchige Radreise vom Süden Deutschlands durch Österreich und die Schweiz bis nach Italien.

In sieben Tagen schaffen es auch wir als mittelmässig trainierte Radfahrer von München an den Gardasee. Dazwischen liegen die Alpen. Doch keine Sorge, man muss man kein Supersportler sein. Denn über die alte römische Handelsstrasse via Claudia Augusta gelangt man in entspannten Tagesetappen über das Gebirge.


Mit dem Fahrrad von München nach Verona - eine Tour, die sich lohnt. (Bild: © Stefanie Hertel)

Mit dem Fahrrad von München nach Verona – eine Tour, die sich lohnt. (Bild: © Stefanie Hertel)


Die Etappen

Tag 1: München – Bad Bayersoien (79 km)

Wir verlassen München im Regen gen Süden, immer an der Isar entlang. Die Radwege sind gut ausgebaut, teils sind wir auf asphaltierten Landstrassen unterwegs. Wir passieren Grünwald und Wolfratshausen. Rechts lassen wir den Ammersee, links den Starnberger See liegen. Die ersten Hügel des Voralpenlandes lassen uns kräftig in die Pedale treten. Eine Männergruppe auf Rennrädern überholt uns. Sie bestaunen unsere je 35 kg schweren bepackten Trekkingräder und halten uns für Touren-erprobte Radler. (Dass unsere bei Amazon bestellte Radkarte nicht rechtzeitig angekommen ist und wir uns lediglich anhand einer Handy-App orientieren, verschweigen wir lieber.)

Tag 2: Bad Bayersoien – Leermoos (70 km)

Auch der zweite Tag bringt Regen. Wir sind jedoch erholt und ausgeruht, da wir statt im Zelt in der einzig offenen Gaststube des Dorfes übernachtet haben. Wir fahren vorbei am Forggensee, links in der Ferne Schloss Neuschwanstein. Die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Wir machen Mittagspause in Füssen und holen unsere Sonnenbrillen hervor. Am Abend überqueren wir die Grenze nach Österreich.

Tag 3: Leermos – Landeck (60 km)

Wir sind nun mitten in den Tiroler Alpen, radeln vorbei an Kühen und durch pittoreske Dörfer. Es geht meist bergauf. Manche Wege wären mit Mountainbikes besser zu befahren als mit Trekkingrädern und wir kommen ins Schwitzen.

Tag 4: Landeck – Nauders (59 km)

Heute heisst es strampeln, es geht über den Finstermünz- und Reschenpass steil bergauf. Wir verlassen Österreich und machen Mittagspause in der Schweiz, nur um einige Serpentinenstrassen und Kilometer weiter wieder zurück in Österreich zu sein.


Ein einsamer Kirchturm, der aus dem Wasser ragt, ist das Wahrzeichen des Vinschgau. (Bild: © Stefanie Hertel)

Ein einsamer Kirchturm, der aus dem Wasser ragt, ist das Wahrzeichen des Vinschgau. (Bild: © Stefanie Hertel)


Tag 5: Nauders – Meran (80 km)

Wir fahren nach Italien, es geht endlich bergab. Kaum passieren wir die italienische Grenze, zeigt sich die Sommersonne. Durchs Vinschgau und über herrlich ausgebaute Fahrradwege radeln wir an der Etsch entlang nach Meran.

Tag 6: Meran – Trient (100 km)

Wir können es noch immer rollen lassen – durch Südtriol und durch Apfelplantagen. In Bozen machen wir Pause und fahren dann neben vielen Familienausflüglern und Rennradfahrern weiter nach Trient.

Tag 7: Trient – Verona (110 km)

Die letzte Etappe ist ein Genuss, das Ziel vor Augen. Wir fahren am Gardasee entlang, rechts neben uns der See mit Seglern und Kite-Surfern. Wir passieren die kleinen Seeorte und biegen bei Bardolino wieder ins Landesinnere ab bis nach Verona. Mit dem Zug fahren wir von dort zurück nach Hause.

Die Gesamthöhendifferenz der Via Claudia Augusta liegt bei 2500 m. Das klingt anstrengender, als es ist, denn nach jedem Hügel wird man mit einer fantastischen Aussicht belohnt, die alle Anstrengung vergessen lässt. Versprochen!

Wer noch etwas Entspannung und Sonne tanken will, sollte ein paar Extratage am Gardasee einplanen, bevor es an Verona geht. Wer Trubel möchte, kann sich in einem der vielen Orte am Ostufer in einem Hotel einquartieren oder auf den Campingplatz gehen (Garda, Bardolino, Lazise).

Auch wer es etwas ruhiger möchte, findet immer wieder kleine Oasen der Ruhe.


So sieht die Fahrradtour auf der Karte aus. (Screenshot Google Maps)

So sieht die Fahrradtour auf der Karte aus. (Google Maps)


Das brauchst du

  • Fahrradkarte oder Handy-App (Fahrradkarten kannst du dir mit der App Forever Maps sparen: Die App zeigt dir jeden noch so kleinen und verwinkelten (Fahrrad-)Weg an und funktioniert auch im Offline-Modus.)
  • Trekkingbike, Fahrradhelm & Satteltaschen
  • Regencape
  • Hygieneartikel
  • Sonnencreme, Sonnenbrille & Anti-Mückenspray
  • Bananen, 2 Liter Wasserflasche & Energiesnacks
  • Badesachen & etwas Wechselwäsche
  • Wer günstig reisen möchte: Zelt, Schlafsack & Isomatten

Generell gilt, weniger ist mehr. Spätestens bei der ersten Steigung bist du um jedes Gramm froh, dass du zuhause gelassen hast.

Kosten

Unsere 1-Wochentour starten wir von unserer Haustüre aus in München. Trekkingräder und je vier Satteltaschen leihen wir uns für je 120 € pro Woche. Zelt und Schlafsäcke nehmen wir mit.

Die Unterbringung in Herbergen bzw. Hotels kostet in den Alpenorten 25-35 € p. P., am Gardasee liegen die Preise etwas höher. Die Gebühr für einen Zeltplatz lag im Durchschnitt pro Person bei 12 €.

Vegan Food

Sich vegan zu ernähren, ist im Alpenland bei frischer Kuhmilch und Käsespatzen in der Tat etwas schwieriger. Jede Wirtschaft bietet aber auch Salat und Nudeln an und in Supermärkten kann man den (Trocken)obst-Vorrat auffüllen.

In Italien ist es für Veganer dafür umso leichter: Frisches, lokales Obst und Salate, Smoothies oder Pizza Marinara gibt es an jeder Ecke.


Hmmm ... Vegan Food für hungrige Radfahrer. (Bild: © Stefanie Hertel)

Hmmm … Vegan Food für hungrige Radfahrer. (Bild: © Stefanie Hertel)


Saftiges Obst - genau das Richtige nach anstrengenden Kilometern auf dem Sattel. (Bild: © Stefanie Hertel)

Saftiges Obst – genau das Richtige nach anstrengenden Kilometern auf dem Sattel. (Bild: © Stefanie Hertel)


Vegane Nahrung gibt Power für die nächsten Etappen auf dem Sattel. (Bild: © Stefanie Hertel)

Vegane Nahrung gibt Power für die nächsten Etappen auf dem Sattel. (Bild: © Stefanie Hertel)


5 heisse Tipps

1. Lieber ein paar Kilometer weniger fahren, als jeden Tag bis zur Erschöpfung zu radeln. So hat man mehr vom Weg und der schönen Umgebung und freut sich auf den nächsten Tag im Sattel.

2. Unterkünfte im lokalen Fremdenverkehrsamt empfehlen lassen. Dort bekommt man je nach Budget und Wünschen immer die perfekte Unterkunft.

3. Wer am Gardasee ein paar Tage Ferien einlegen will: Den Zeltplatz „Camping Continental“ in Bardolino umgehen. Dieser erinnert an Ballermann, ist relativ teuer und die Sanitäranlagen sind veraltet. Besser: Ein paar Euro drauflegen und im Hotel Cà Masawalsa im selben Ort ein Zimmer nehmen (mit Pool und Blick über den Gardasee).


Im Hotel Cà Masawalsa geniesst man einen Blick über den Gardasee. (Bild: © Stefanie Hertel)

Im Hotel Cà Masawalsa geniesst man einen Blick über den Gardasee. (Bild: © Stefanie Hertel)


4. Immer einen Vorrat an gesunden Energiespendern griffbereit haben, z. B. Bananen, Trockenobst, Riegel (Fun fact: In 7 Tagen Radtour habe ich 56 Bananen gegessen!).

5. Sei spontan. Es ist sinnvoll, ein Ziel und die Eckpunkte der Radreise festzulegen. Warum aber nicht einen Tag länger bleiben, wenn es in einem Ort besonders schön ist? Wer einen Tipp für einen Umweg bekommt, sollte auch diesem nachgehen. Denn schon Mark Twain sagte: „Gegen Zielsetzung ist nichts einzuwenden, solange man sich dadurch nicht durch interessante Umwege abhalten lässt.“

 

Oberstes Bild: © Stefanie Hertel

Über Stefanie Hertel

Stefanie lebt seit 2008 in München und arbeitet im Konzernmarketing. In ihrer Freizeit bloggt sie auf freewildsoul.com. Sie ist u. a. Reisende, Sabbaticalista,Typ-1-Diabetikerin. Seit Anfang 2015 lebt sie vegan.


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