Aberdeen – Ölhauptstadt und Granitstadt im hohen Norden Schottlands

23.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Aberdeen – Ölhauptstadt und Granitstadt im hohen Norden Schottlands
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Aberdeen, die drittgrösste Stadt Schottlands, liegt relativ isoliert hoch im Nordosten des Landes. Trotz der scheinbaren Abgelegenheit zählt „Europas Ölhauptstadt“ jedoch zu den fortschrittlichsten und wohlhabendsten Städten Schottlands, denn seit Ende des 20. Jahrhunderts haben grosse Erdölvorkommen vor der Küste Aberdeen einen beträchtlichen wirtschaftlichen Aufschwung beschert.

Bekannt ist die Stadt an den Mündungen von Dee und Don auch als Granite City. Ein Grossteil der historischen Gebäude wurde aus dem Granit der einstmals umliegenden Steinbrüche errichtet, und entlang der Einkaufsmeile Union Street zeugen bis heute mächtige Bauwerke wie das Rathaus oder das Marischal College von der traditionellen Bauweise Aberdeens.



Trotz aller geschichtsträchtiger Einrichtungen ist das moderne Aberdeen jedoch eine ausgesprochen junge Stadt. Rund zehn Prozent der Einwohner sind Studenten, die an den Wochenenden die unzähligen Pubs, Bars und Clubs bevölkern. Auch Aberdeens Bedeutung als europäisch orientierte Ölmetropole verleiht der Stadt eine kosmopolite Atmosphäre, die einen überraschenden Gegensatz zu den mächtigen, historischen Granitbauten im Stadtzentrum bildet.

St. Machar's Cathedral (Bild: Martyn Gorman / Wikimedia / CC)

St. Machar’s Cathedral (Bild: Martyn Gorman / Wikimedia / CC)

Aberdeen, die Ölhauptstadt Europas

Es ist noch nicht lange her, dass vor der schottischen Küste bei Aberdeen immense Ölvorkommen entdeckt wurden. 1969 wurde das erste Ölfeld erschlossen, und Mitte der 1970er Jahre ermöglichte die neu geschaffene Infrastruktur eine umfassende Nutzung der Vorkommen. Seitdem hat sich Aberdeen zu einer der wirtschaftlich bedeutendsten Städte Schottlands entwickelt, ohne wie viele andere Seehäfen in den vergangenen Jahren einen Niedergang verzeichnen zu müssen. Dennoch setzt die Stadtverwaltung seit einiger Zeit vermehrt auf die Entwicklung erneuerbarer Energien, um eine Grundlage für die Zeit zu schaffen, in der die Ölförderung nachlässt.



Der Seehafen prägt bis heute nicht nur Aberdeens Wirtschaft, sondern auch das Stadtbild mit seinen mächtigen Kränen und Öltanks. Aufgrund der Bedeutung für die Erdölindustrie verfügt Aberdeen nicht nur über den zweitgrössten Heliport der Welt, sondern ganz allgemein über hervorragende Verkehrsanbindungen und eine moderne Infrastruktur. Auch über Leben und Arbeit auf einer Ölbohrinsel können sich Touristen im Maritime Museum von Aberdeen informieren, denn neben einer hervorragenden Ausstellung zur Geschichte von Fischerei, Seehandel und Ölindustrie in der Region umfasst das Museum auch die massstabsgetreue Nachbildung einer kompletten Bohrinsel. Zum Abschluss bietet der oberste Stock des Gebäudes einen schönen Panoramablick über den Hafen selbst.

Modell einer Bohrinsel im Aberdeen Maritime Museum (Bild: Mussklprozz / Wikimedia / CC)

Modell einer Bohrinsel im Aberdeen Maritime Museum (Bild: Mussklprozz / Wikimedia / CC)

Standrundgang in der Granite City

Altehrwürdige Granitbauten prägen das Stadtbild von Aberdeen bereits seit vielen Jahrhunderten, denn die Granitgewinnung zählte einst zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Stadt. Die Pflastersteine und Bausteine aus den umliegenden Steinbrüchen wurden jedoch nicht nur in der Stadt selbst verwendet, sondern kamen unter anderem beim Bau der Waterloo Bridge und der Houses of Parliament in London zum Einsatz. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten wurde in Aberdeen Granit gewonnen; erst Anfang der 1970er Jahre wurde die Produktion schliesslich komplett eingestellt.

Viele der bedeutendsten Granitbauten sind entlang der zentralen Union Street zu sehen, darunter das imposante Rathaus mit seinen viktorianischen Türmen und das Marischal College, das bereits 1593 gegründet wurde und über lange Zeit Teil der Universität von Aberdeen war. Heute beherbergt das Marischal College die Stadtverwaltung von Aberdeen. Besonders sehenswert und typisch schottisch ist ausserdem die Heilsarmee-Zitadelle am Stadtplatz Castlegate, ebenso wie die St. Machar’s Cathedral in der historischen Altstadt Old Aberdeen, die im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Charakteristisch für den Granitbau sind die beiden mächtigen Türme mit Sandsteinspitzen.

Heilsarmee-Zitadelle aus dem 19. Jahrhundert (Bild: Greig Ritchie / Wikimedia / CC)

Heilsarmee-Zitadelle aus dem 19. Jahrhundert (Bild: Greig Ritchie / Wikimedia / CC)

Entspannen und erholen in Aberdeen



Bereits mehrfach konnte Aberdeen in der Vergangenheit den Wettbewerb „Britain in Bloom“ gewinnen, und mit ihren gepflegten Blumenanlagen, Stadtparks und Flussufern bietet die nordschottische Stadt beste Gelegenheit, sich ein wenig Erholung vom Alltag zu gönnen. Besonders beliebt sind bei den Einheimischen die Union Terrace Gardens unweit der Union Street, die vor allem in den Sommermonaten zu einem Picknick im Grünen einladen. Die mittelalterliche Altstadt Old Aberdeen wiederum ist ein beliebter Treffpunkt der vielen Studenten, die in den Abendstunden und an den Wochenenden die vielen Pubs und Bars des Viertels bevölkern.

Entlang der Uferpromenade säumen sich unzählige Restaurants und Terrassencafés, aber auch Freizeit- und Sporteinrichtungen, während der lange Sandstrand von Aberdeen einer Postkarte entsprungen zu sein scheint. Auch, wenn im Nordosten Schottlands ein Bad in den Wellen der Nordsee eher etwas für Hartgesottene ist, ist der gepflegte Strand selbst doch ein beliebtes und lohnenswertes Ausflugsziel für einen romantischen Abendspaziergang oder einfach ein paar sorglose Stunden. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum kann der Strand mit der langen Uferpromenade ausserdem in wenigen Minuten bequem zu Fuss erreicht werden.

Stadtstrand von Aberdeen im September (Bild: Richard Slessor / Wikimedia / CC)

Stadtstrand von Aberdeen im September (Bild: Richard Slessor / Wikimedia / CC)




Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel im Stadtbereich ist Footdee – im lokalen Dialekt Fittie -, ein ehemaliges Fischerdorf an der Mündung des Flusses Dee, das mittlerweile vollständig in die Stadt integriert ist. Das heutige Footdee im Viertel Pocra Quay hat sich jedoch den Charme des alten Fischerdörfchens mit seinen kleinen altmodischen Häuschen erhalten und bildet einen schönen Kontrast zum modernen Aberdeen. Neben den traditionellen, farbenfrohen Wohnhäusern und der dörflichen Idylle lockt Footdee aber noch mit einer anderen Attraktion: Dank der exponierten Lage auf einer kleinen Halbinsel an der Hafenmündung können entlang der Promenade von Footdee besonders häufig Delfine beobachtet werden.

Oberstes Bild: Hafenfront von Aberdeen (Bild: Bruce McAdam / Wikimedia / CC)

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