Akko – Israels arabische Wurzeln entdecken

16.01.2014 |  Von  |  Alle Länder, Naher Osten
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Akko – Israels arabische Wurzeln entdecken
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In kaum 30 km Entfernung zum kosmopoliten Haifa zählt Akko zu den orientalischsten Städten Israels. Der historische Kern der alten Hafenstadt ist geprägt von einer traditionsreichen arabischen Kultur, deren Ursprünge bis in die Bronzezeit zurückreichen.

Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. war Akko eine bedeutende Hafenstadt, die sich lange vor unserer Zeitrechnung zu einem wirtschaftlichen und militärischen Zentrum der Region entwickelte. Ägypter, Perser und Phönizier hinterliessen ebenso ihre Spuren an der östlichen Mittelmeerküste wie die Ptolemäer, denen Akko ihren antiken Namen Ptolenmais verdankt.



Als Teil der römischen Provinz Syria, als Kreuzfahrerbastion und Hafenstadt des Osmanischen Reichs hat Akko im Laufe der Jahrtausende eine wechselhafte Geschichte durchlebt, von der die mittelalterliche Zitadelle ebenso zeugt wie die alte Stadtmauer, die das historische Zentrum von Akko bis heute umschliesst.

Die alte Stadtmauer von Akko (Bild: Arkadi voller, Wikimedia, CC)

Die alte Stadtmauer von Akko (Bild: Arkadi voller, Wikimedia, CC)

Auf den Spuren von Aposteln, Kreuzrittern und Eroberern

Wer durch die historischen Gassen von Akko streift, wandelt auf den Spuren geschichtsträchtiger Persönlichkeiten: vom Apostel Paulus, der im Jahr 57 in Akko einkehrte, über den englischen König und Kreuzritter Richard Löwenherz bis zum heiligen Franz von Assisi, der 1219 das Franziskaner-Kloster in Akko gründete. Nie bis nach Akko geschafft hat es hingegen Napoleon, der nach zwei Monaten vergeblicher Belagerung geflucht haben soll: „Wer Akko erobert, erobert die Welt!“



Akko ist heute voll von den Spuren einer bewegten Vergangenheit. Die mächtigen alten Stadtmauern bieten nicht nur faszinierende Ausblicke über die Stadt und das Mittelmeer, sondern umfassen in ihrem Inneren historische Bauwerke wie die Zitadelle, das imposanteste Gebäude der Altstadt, in der noch heute das Hospital der Johanniter aus dem Jahr 1090 besteht. Das Stadtbild des arabischen Akko wird aber auch geprägt von seinen unzähligen Moscheen, darunter die prachtvolle Moschee Al-Jazzar als grösste Moschee des Landes ausserhalb Jerusalems.





Kreuzfahrerfestung von Akko (Bild: Беляевъ, Wikimedia, GNU)

Kreuzfahrerfestung von Akko (Bild: Беляевъ, Wikimedia, GNU)

Unterwegs in Karawansereien und Hammams

Akko, Israels arabische Hafenstadt, ist voll von orientalischen Eindrücken, Klängen und Gerüchen. In der Karawanserei Khan al Umdan kehrten einst Getreidehändler mit ihren Kamelen auf der Durchreise ein, während die prachtvollen Bahai-Gärten mit dem Schrein des Bahai-Religionsstifters Baha’u’llah heute den heiligsten Ort für Bahai-Anhänger aus aller Welt bildet. Bereits im Jahr 1795 wurde in Akko das Hammam Al-Basha errichtet, das mit seiner weitläufigen Anlage und dem zentralen Dampfraum noch bis 1950 in Betrieb war.

Eine von Akkos bedeutendsten Sehenswürdigkeiten ist jedoch bis heute verschollen. In der ältesten Dominikanerkirche der Stadt wurde einst der Ordensgeneral Jordan von Sachsen beigesetzt, der im Jahr 1237 bei einem Schiffsunglück vor der syrischen Küste ums Leben kam. Die alte Predigerkirche wurde 1291 bei der Belagerung der Stadt durch die Mamluken zerstört und seither nicht mehr wiederentdeckt.

Karawanserei in Akko (Bild: Berthold Werner, Wikimedia)

Karawanserei in Akko (Bild: Berthold Werner, Wikimedia)

Akko zwischen zwei Kulturen

In Akko liegen Vergangenheit und Gegenwart, Traditionen und Moderne, israelische und arabische Kultur so dicht beieinander wie in wenigen israelischen Städten. Während die historische Altstadt von Akko durchweg arabisch geprägt ist, werden die umliegenden Stadtteile fast ausnahmslos von jüdischen Israelis bewohnt.

Neben arabischen Bauwerken sind im historischen Marktviertel von Akko auch zwei bedeutende jüdische Stätten zu finden: die Ramhal-Synagoge, die einstmals prächtigste Synagoge der jüdischen Gemeinde von Akko, und das Haus von Chaim Farchi. Der in Damaskus geborene Händlersohn war im 18. und 19. Jahrhundert die rechte Hand von Ahmed Al-Jazzar, dem berühmt-berüchtigten Herrscher von Akko ab 1775.

350 Meter langer Tunnel in der Kreuzfahrerfestung von Akko (Bild: Tango7174, Wikimedia, CC)

350 Meter langer Tunnel in der Kreuzfahrerfestung von Akko (Bild: Tango7174, Wikimedia, CC)




Ein besonders faszinierendes Erlebnis ist der Besuch der Or Torah Synagoge, ein Gebetshaus der tunesischen Juden, das auch unter dem Namen Djerba Synagoge bekannt ist. Auf vier Etagen wurde die Moschee im Laufe von 54 Jahren mit prachtvollen Mosaikkunstwerken verziert, die die Geschichte des Landes Israel und des jüdischen Volkes erzählen. Für den Bau der Synagoge im Jahr 1955 wurden Millionen von israelischen Natursteinen verwendet; seinen Namen verdankt das Gebetshaus den sieben Toraschreinen der Synagoge.

Or Torah Synagoge in Akko (Bild: Dr. Avishai Teicher, WIkimedia, CC)

Or Torah Synagoge in Akko (Bild: Dr. Avishai Teicher, WIkimedia, CC)

Moderne Kultur im Herzen von Akko

Die geschichtsträchtige Hafenstadt Akko hat sich trotz ihrer Traditionsverbundenheit seit Ende der 1970er Jahre auch zu einem Zentrum der modernen israelischen Theaterkultur entwickelt. 1979 wurde in Akko erstmalig das Festival für Alternatives Theater ausgetragen, das mittlerweile jedes Jahr im Oktober stattfindet und zu den bedeutendsten Theaterveranstaltungen des Landes zählt.

In den alten Rittersälen der Johanniter bietet das Festival Regisseuren, Schauspielern und Dramatikern aus dem ganzen Land nicht nur eine Bühne für ihre Werke, sondern vor allem völlige Handlungsfreiheit in ihrer Darstellung. Das Festival für Alternatives Theater präsentiert heute regelmässig Theatergruppen aus aller Welt und wird ergänzt durch unzählige zusätzliche Aktivitäten wie Basare und Strassentheater.

Akko liegt im äussersten Nordwesten Israels keine 20 km von der libanesischen Grenze entfernt; dennoch ist die Hafenstadt vom südlich gelegenen Haifa aus in einer halben Stunde bequem zu erreichen. Beide Städte eignen sich gleichermassen für Erkundungsfahrten durch die abwechslungsreichen Landschaften Galiläas mit so einzigartigen Zielen wie Nazaret und dem See Genezareth und bieten zugleich zwei ganz unterschiedliche Eindrücke von der israelischen Kultur: die arabisch geprägte Altstadt von Akko mit ihren unzähligen Geschichtszeugnissen und das moderne, weltoffene Haifa, das mit seinen Shopping-Malls und den prachtvollen Bahai-Gärten, einer belebten Strandpromenade und einer abwechslungsreichen Clubszene lockt.



 

Oberstes Bild: Luftaufnahme von Akko (Bild: Maksim, Wikimedia, CC)

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