Der Urho-Kekkonen-Nationalpark: Europas letzte grosse Wildnis entdecken

13.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Der Urho-Kekkonen-Nationalpark: Europas letzte grosse Wildnis entdecken
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Der Urho-Kekkonen-Nationalpark ist der zweitgrösste Nationalpark in Finnland und liegt im äussersten Osten von Lappland, der letzten grossen Wildnis in Europa. Insgesamt umfasst der Nationalpark eine Fläche von 2550 km² und macht dennoch nur einen winzigen Teil von Lappland aus, einer Landschaft, die sich je nach Definition über 260.000 km² oder 388.350 km² hinzieht.

Lappland übt auf seine Besucher seit jeher einen ganz besonderen Reiz aus. Von tief verschneiten Winterlandschaften bis hin zu nie endenden Sommernächten, vom Polarlicht der Winternächte bis hin zur Einsamkeit seiner weiten Hochebenen ist die Natur in Lappland das alles bestimmende Element.



Seit der Eröffnung des Urho-Kekkonen-Nationalparks im Jahr 1983 haben Wanderer Gelegenheit, diese faszinierende nordische Landschaft auf ausgeschilderten Wegen oder abseits der Wege auf eigene Faust zu erkunden. Ein Besuch im Nationalpark bietet aber auch einen Einblick in die jahrtausendealte Kultur der Sámi, der nordskandinavischen indigenen Bevölkerung.

Der Nationalpark wurde nach dem langjährigen finnischen Präsidenten Urho Kekkonen benannt (© Ari Mure / Wikimedia / CC)

Der Nationalpark wurde nach dem langjährigen finnischen Präsidenten Urho Kekkonen benannt (© Ari Mure / Wikimedia / CC)

Lappland und der Nationalpark

Lapplands weite, ursprüngliche Landschaft wird oft als letzte zusammenhängende Wildnis Europas bezeichnet. Quer durch Norwegen, Schweden und Finnland bis in den Nordwesten Russlands zieht sich diese faszinierende Region, die geprägt ist von weiten Hochebenen und mächtigen Berghöhen, von eisigen, dunklen Wintern und langen Sommernächten, in denen die Sonne nie untergeht. Lappland ist traditionell die Heimat der Sámi, eines ursprünglich nomadischen Volkes, das nie einen eigenen Staat besessen hat.



Das finnische Lappland beheimatet ebenso wie auch der Urho-Kekkonen-Nationalpark Finnlands grosse Raubtiere: Bär, Wolf, Luchs und Vielfrass können von den Wanderern mit etwas Glück in den Wäldern und Mooren des Nationalparks entdeckt werden, ebenso wie Rentiere und Elche. Die weiten Moorlandschaften im Südwesten des Parks dienen aber auch unzähligen Vogelarten als Brutstätte. Selbst einige seltene Arten wie der Wanderfalke oder der Steinadler sind im Urho-Kekkonen-Nationalpark anzutreffen.

Neugierige Rentiere im Urho-Kekkonen-Nationalpark (© Roymartinlindman / Wikimedia / CC)

Neugierige Rentiere im Urho-Kekkonen-Nationalpark (© Roymartinlindman / Wikimedia / CC)

Wandern auf den Spuren von Wolf und Bär

Die 2550 km² des Urho-Kekkonen-Nationalparks bieten vielfältige Möglichkeiten, die faszinierenden Landschaften und die Artenvielfalt dieser harschen Wildnis auf eigene Faust zu erkunden. Schier endlose Regionen stehen erfahrenen Wanderern und Skiläufern zur Erkundung offen, und wer sich eine mehrtägige Wanderung quer durch Lapplands Wälder, Moore und Hochebenen nicht zutraut, findet im Westen des Nationalparks gut ausgeschilderte Wege mit Längen von bis zu sieben Kilometern.

Als idealer Ausgangspunkt für Wanderungen dient das Besucherzentrum Kiilopää rund 120 km nördlich der Stadt Sodankylä. Hier bietet sich Besuchern auch die Möglichkeit, einmal in einer ganz besonderen Unterkunft zu übernachten: Die arktische Resortanlage Kakslauttanen lädt hier in ihr Iglu-Dorf ein, in dem die Gäste die Wahl zwischen rustikalen Waldhütten und lichtdurchfluteten Glasiglus haben.

Iglu-Dorf Kakslauttanen (© Tarja Mitrovic / Wikimedia / CC)

Iglu-Dorf Kakslauttanen (© Tarja Mitrovic / Wikimedia / CC)

Nicht nur für Kinder ein Erlebnis: Besuch beim Weihnachtsmann

Rund 250 km südwestlich des Nationalparks liegt Rovaniemi, die Stadt, die in aller Welt als Heimat des Weihnachtsmanns bekannt ist. Ein grosser Weihnachtsmann-Themenpark erwartet grosse und kleine Gäste in der Stadt am Polarkreis, aber nur wenige Besucher wissen hier, dass die ursprüngliche Heimat des Weihnachtsmanns der Berg Korvatunturi im Urho-Kekkonen-Nationalpark ist.

Die Legende, dass der Weihnachtsmann mit seinen Wichteln und Rentieren im Inneren des Korvatunturi wohnt, ist relativ jung und geht auf ein finnisches Radioprogramm aus den 1920er Jahren zurück. Dennoch ist der Berg in Finnland bis heute ein fester Bestandteil der Weihnachtsgeschichte. Der „Ohren-Berg“ verdankt seinen Namen seiner Ohrmuschel-Form, und der Legende nach nutzt der Weihnachtsmann dieses Ohr, um die Wünsche von Kindern in aller Welt zu hören.



Wer dem Weihnachtsmann am Korvatunturi einen Besuch abstatten will, muss allerdings erst einige bürokratische Hürden der modernen Welt überwinden. Der Korvatunturi liegt direkt an der finnisch-russischen Grenze und wird auf dem mittleren seiner drei Gipfel vom Grenzzaun gekreuzt. Mit einer Genehmigung der finnischen Grenzwacht kann der Korvatunturi aber dennoch besucht werden.

Nördlich der Baumgrenze im Paratiisikuru-Tal (© MattiPaavola / Wikipedia / CC)

Nördlich der Baumgrenze im Paratiisikuru-Tal (© MattiPaavola / Wikipedia / CC)

Deutlich spannender ist besonders für Kinder wohl der grosse Themenpark in Rovaniemi, wo grosse und kleine Besucher dem Weihnachtsmann persönlich begegnen und auch einen Blick in sein Postamt werfen können. Der Weihnachtsmann hat übrigens bis heute die Adresse „99999 Korvatunturi“.



Die Sámi: Besuch bei Finnlands Ureinwohnern

Woher genau die Volksgruppe der Sámi stammt, ist bis heute ungeklärt. Fest steht jedoch, dass die ersten Sámi oder Lappen, wie sie lange Zeit genannt wurden, schon vor mehreren Tausend Jahren im Norden Europas lebten. Die Sámi haben vermutlich sowohl europäische als auch asiatische Wurzeln und lebten traditionell als Nomaden von der Rentierzucht. Während die Sámi ihre nomadische Lebensweise heute praktisch vollständig aufgegeben haben, ist die Rentierzucht nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der nordskandinavischen Wirtschaft und Kultur.

Traditionell gekleideter Sámi mit Rentier (© Harvey Barrison / Wikimedia / CC)

Traditionell gekleideter Sámi mit Rentier (© Harvey Barrison / Wikimedia / CC)

Im Urho-Kekkonen-Nationalpark lebten bis ins 16. Jahrhundert halbnomadische Samen, die vor allem das inzwischen ausgestorbene Waldren bejagten. Die Fallgruben, die von den Sámi zur Jagd verwendet wurden, sind zum Teil bis heute erhalten und können bei Wanderungen durch den Nationalpark besichtigt werden. Die heutige samische Bevölkerung gelangte erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus Nordnorwegen in die Region und legten den Grundstein für die Rentierzucht im Gebiet des heutigen Urho-Kekkonen-Nationalparks. In Saariselkä am nordwestlichen Ende des Nationalparks erhalten Besucher beim Besuch der örtlichen Rentierfarmen einen Einblick in die traditionelle Sámi-Kultur.



 

Oberstes Bild: Kalter Herbstmorgen im Urho-Kekkonen-Nationalpark (© MattiPaavola / Wikimedia / CC)

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Über Andrea Rathjen

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