Dreinschlag in Thüringen – Krawall im vermutlich ältesten Burgenensemble der Welt

20.11.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Dreinschlag in Thüringen – Krawall im vermutlich ältesten Burgenensemble der Welt
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In der grünen Mitte Deutschlands, im Herzen Thüringens, nur wenige Kilometer östlich der berühmten geschichtsträchtigen Eisenacher Wartburg befinden sich die „Drei Gleichen“. Drei gewaltige Burgen thronen auf drei bewaldeten Kegelbergen zwischen Erfurt und Gotha, eingebettet im gleichnamigen nationalen Geopark nahe der Autobahn A4.

Im Mittelalter soll ein Blitzeinschlag als Strafe Gottes über die Uneinigkeit der ständig wechselnden Burgherren alle drei Burgen gleichzeitig getroffen und in Brand gesetzt haben. In unregelmässigen Abständen wird mit einem pyrotechnischen Spektakel dem legendären Unwetter gedacht, bei dem ein gewaltiger Kugelblitz vor nunmehr 783 Jahren, exakt am 31. Mai 1231, alle drei Burgen innerhalb nur einer Nacht teilweise zerstört hat. Die Burgen hätten zeitgleich wie drei riesige Fackeln gebrannt. So ist es überliefert. Seitdem werden sie die Drei Gleichen genannt, obwohl die Burganlagen einen völlig unterschiedlichen Baustil aufweisen.



Burg Gleichen aufgenommen von Süden (Bild: Zerbie, Wikimedia, CC)

Burg Gleichen aufgenommen von Süden (Bild: Zerbie, Wikimedia, CC)

Der letzte „Dreinschlag“ fand an einem Abend im August dieses Jahres statt. Das Event lockte mehrere tausend Besucher aus der ganzen Welt an, die bei verschiedenen Veranstaltungen rund um das Burgenensemble feierten, tanzten – und vor allem staunten, als bei Einbruch der Dunkelheit mit gewaltigen Kanonenschlägen die Drei Gleichen optisch in Brand gesetzt wurden. Den besten Blick auf das pyrotechnische Spektakel, für das aus Sicherheitsgründen die A4 beidseitig gesperrt und der Verkehr kurzzeitig umgeleitet wird, hat man von einem Feld bei Apfelstädt am Rande des geografischen Thüringer Burgenlandes.

Burg Gleichen – Reste der Wohnbauten (Bild: CTHOE, WIkimedia, CC)

Burg Gleichen – Reste der Wohnbauten (Bild: CTHOE, WIkimedia, CC)




Mühlburg: Ist die älteste Burg Thüringens auch die älteste der Welt?

Die Mühlburg ist nachweislich die älteste Burg des Freistaates Thüringen und gehört zu den ältesten noch erhaltenen Burganlagen Europas. Doch ist sie auch die älteste Burg der Welt? Leider wurde zur damaligen Zeit noch nicht besonders sorgfältig Buch geführt. Doch es gibt verschollen geglaubte alte Burgen, die erst bei Ausgrabungen entdeckt wurden und deutlich jüngeren Datums sind. Die Mühlburg wurde erstmals am 1. Mai 704 urkundlich in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Doch da muss sie bereits mehrere hundert Jahre existiert haben, denn bereits im Jahr 319 wurden das Kastell und der Ort Mühlberg in einer Mönchschronik benannt. Nachweislich älter ist nur die Engelsburg im Vatikan, deren belegte Grundsteinlegung im zweiten Jahrhundert stattfand.



Die Mühlburg auf einem Bergsporn der Schlossleithe oberhalb der Ortschaft Mühlberg ist eine sehr gut erhaltene mittelalterliche Burgruine mit Burgwall und Aussichtsturm. Ihr intaktes Hauptgebäude beherbergt heute eine Behindertenwerkstatt und eine Ausstellung zur Burggeschichte, die beide vom Marienstift Arnstadt geleitet werden. Die Burg ist von März bis Oktober täglich für den Besucherverkehr geöffnet. Es gibt verschiedene Wanderwege, auf denen die traumhafte Hügellandschaft um die Drei Gleichen erlebt werden kann. Der bekannteste ist der Gustav-Freytag-Weg, der erfolgversprechendste die Drei-Gleichen-Route. Auch wenn sich die drei Burgen alle in Sichtweite befinden – die Entfernungen und die Höhenunterschiede sollten nicht unterschätzt werden.

Die Drei Gleichen – Mühlburg (Bild: Doris Antony, Wikimedia, GNU)

Die Drei Gleichen – Mühlburg (Bild: Doris Antony, Wikimedia, GNU)

Wanderer und Touristen machen Rast auf der Veste Wachsenburg

Die Veste Wachsenburg wurde um 930 unter Schirmherrschaft der Reichsabtei Hersfeld auf dem Wassenberg erbaut, um die umfassenden Besitztümer in der Region Arnstadt zu schützen. Sie wurde im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte mehrfach umgebaut und erweitert und erhielt so ihre heutige Wehrarchitektur im neoromanischen und neogotischen Stil. Die oft umkämpfte Festung wechselte ständig ihre Besitzer. Unter dem Grafen von Schwarzburg erlebte die Wachsenburg ihre mittelalterliche Blütezeit mit rauschenden Empfängen und berüchtigten Rittergelagen. Vor der Übernahme durch das Herzogtum Gotha diente sie unter anderem als Raubritterburg und Gefängnis. Heute befindet sie sich im Privatbesitz der Familie Wagner, die aus der gesamten Burganlage ein einmalig schönes Hotel mit Gastwirtschaft geschaffen hat. Auch ein kleines Museum lädt zum Besuch der Veste Wachsenburg ein, die ganzjährig geöffnet ist.





Die Drei Gleichen – Wachsenburg (Bild: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

Die Drei Gleichen – Wachsenburg (Bild: Karl-Heinz Laube / pixelio.de)

Regionales Theaterspektakel: Vielweiberei auf der Burg Gleichen

Die Burg Gleichen wurde Anfang des 11. Jahrhunderts vom Grafengeschlecht Weimar-Orlamünde erbaut und 1034 erstmals urkundlich erwähnt. Ein lokaler Eklat fand im 13. Jahrhundert statt, als Graf Ernst III. nach einem Kreuzzug des damaligen Kaisers in sarazenische Gefangenschaft geriet und von dort die Sultanstochter Meleschsala mitbrachte. Die arabische Jungfrau hatte sich in ihn verliebt und seine Flucht ermöglicht. Zehn Jahre befand sich der Burggraf fern der Heimat. Seine Frau Ottilie hatte bei seiner Rückkehr angeblich nichts gegen die junge Zweitfrau, sondern hiess sie sogar im gemeinsamen Ehebett willkommen. Der Graf fuhr mit der Sultanstochter, die er Angelika taufte, zum Papst nach Rom, um die Erlaubnis für eine Zweitehe zu erwirken. So berichtet es die Sage. Übrigens sollen der auch in der Schweiz gebräuchliche Familienname Sarazzin auf die Sarazenen-Kreuzzüge zurückführen, weil dunkelhäutige Nachkommen so bezeichnet wurden.

Im Tal vor der Burg Gleichen, wo die Burgherrin ihren Gatten bei dessen Rückkehr mit seiner Freundin in Empfang genommen haben soll, befindet sich heute das Rasthaus „Freudental“ das seine Gäste mit historischem Flair begeistert. Auf der Festwiese wurde vor einigen Jahren ein riesiges Freiluftspektakel veranstaltet und aufgezeichnet, das die Sage um den Grafen Gleichen und seine zwei Frauen als musikalische Komödie nachspielte. Nahezu die Hälfte der einheimischen Bevölkerung fungierte als Darsteller in historischen Gewändern. Die Burg selbst existiert nur noch als begehbare Ruine und ist eine beliebte Foto-Location. Tipp: Besuchen Sie in unmittelbarer Nähe in der Ortschaft Holzhausen das erste und einzige Deutsche Bratwurstmuseum, das ausschliesslich der Thüringer Roster gewidmet ist.



 

Oberstes Bild: Die Drei Gleichen – Panorama (© Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

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Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.
Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.
Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.


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