Giornico im Tessin – ein Dorf mit grosser geschichtlicher Bedeutung

06.12.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Giornico im Tessin – ein Dorf mit grosser geschichtlicher Bedeutung
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Das alte Dorf Giornico in der unteren Leventina besitzt eine Fülle an historischen Kulturschätzen. Geprägt wird das Ortsbild durch den Fluss Ticino. Auf seiner rechten Seite befindet sich der alte Kirchenbezirk, am linken Ufer liegt der historische Dorfkern.

Bis zum Bau der Gotthardbahn führe der alte Gotthard-Saumpfad durch Giornico und machte den Ort zu einem wichtigen Handelsplatz. Gut erhalten sind zwei etwa 600 Jahre alte Steinbrücken, die im 16. Jahrhundert restauriert wurden. Mit der Inbetriebnahme der Gotthardbahn verlor Giornico als Handelsplatz an Bedeutung. Heute sind Weinbau und Landwirtschaft die Haupterwerbszweige.



Giornico-Steinbrücke (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Giornico-Steinbrücke (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Der alte Gotthardweg wird heute als Wanderweg genutzt. Im Zentrum des Ortes führt er vorbei an der Casa Stanga. Im 16. Jahrhundert von der Familie Stanga erbaut, diente das prächtige Haus als Herberge für Durchreisende. Heute beherbergt es das Museo di Leventina. Die Ausstellung zeigt Volkskundliches aus der Region und ist an Wochenenden und Feiertagen von April bis Oktober für Besucher geöffnet.

Museum  Leventina in Giornico (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Museum Leventina in Giornico (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)




Das kleine Dorf besitzt einige der kostbarsten Kulturschätze des Tessins und ist vor allem bekannt durch seine Kirchengebäude. Zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken im Tessin zählt die Kirche San Nicolao, die Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut wurde. Besonders sehenswert sind die spätgotischen Wandmalereien von Nicolao da Seregno und Fresken aus dem 13. Jahrhundert. In den Jahren 1940 bis 1945 wurde San Nicolao umfassend renoviert und steht seither unter kantonalem und eidgenössischem Denkmalschutz.

Die Kirche Santa Maria del Castello in Giornico (Bild: Chris ALC, WIkimedia, CC)

Die Kirche Santa Maria del Castello in Giornico (Bild: Chris ALC, WIkimedia, CC)

Die Kirche Santa Maria del Castello ist Teil einer einstigen mailändischen Burganlage. Die Burg wurde wahrscheinlich im 11. Jahrhundert angelegt und in den folgenden beiden Jahrhunderten ausgebaut. Ihre äusseren Mauern stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die zugehörige Kirche Santa Maria del Castello wurde im 12. Jahrhundert erbaut und später mehrmals baulich verändert.

Sehenswert ist auch die Pfarrkirche San Michele aus dem frühen 13. Jahrhundert. Im späten Mittelalter wurde sie zu einer dreischiffigen Kirche ausgebaut, im Jahr 1644 erneuerte man den Chor. Von 1947 bis 1969 erfuhr die Kirche eine vollständige Renovation. Die Gemälde stammten aus verschiedenen Epochen: Ein Bild aus dem 17. Jahrhundert zeigt den heiligen Antonius, an der Wand des Chorbogens ist das Michaelsgemälde aus dem Jahr 1947 zu sehen.



Die Kirche San Pellegrino aus dem Jahr 1345 liegt abgelegen am ehemaligen Gotthardpfad und wurde von Bischof Rholando geweiht. Die Fresken zählen zu den prächtigsten, die im Tessin aus dem späten 16. Jahrhundert erhalten sind. Das Bild aus dem Jahr 1589 an der östlichen Rückwand der Kirche zeigt das Jüngste Gericht. Sehenswert sind auch die grossen Apostelbilder zwischen den Fenstern und die sehr gut erhaltenen Renaissancemalereien der Seitenwände.

Wandmalereien in der Kirche San Pellegrino in Giornico  (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

Wandmalereien in der Kirche San Pellegrino in Giornico (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, GNU)




Neben den Kirchen gibt es in Giornico und in der Umgebung des Ortes auch einige sehenswerte mittelalterliche Kapellen. Dazu gehört die Kapelle Santa Maria di Loreto, erbaut um 1680 von Piero Pedrini aus Chironico, ebenso wie die Friedhofskapelle bei der Kirche San Michele. In der barocken Kapelle Santa Maria Magdalena von Altirolo aus dem 17. Jahrhundert befinden sich beeindruckende Gemälde aus mehreren Jahrhunderten. Die Kapelle San Carlo wurde erbaut, nachdem die Pest überwunden war. Die Fresken in dieser Kapelle entstanden im frühen 17. Jahrhundert. Ein Gemälde über der Tür zeigt den heiligen Sebastian, im Innenraum sind Bilder der Pestheiligen zu sehen. Darüber hinaus besitzt die Pfarrei kostbare geschnitzte Krippenfiguren aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die 1973 restauriert wurden.

Sehenswert ist auch die Ruine Caslac, die sich auf einem Felsvorsprung oberhalb des Dorfes befindet. Ihre mächtigen, bis zu 8 Meter hohen Mauern sind zum Teil aus mächtigen Granitplatten aufgeschichtet. Weil datierbare Funde fehlen, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, ob es sich um ein römisches Siegesdenkmal oder um eine alte Wehrsiedlung handelt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Ruine aus dem frühen Mittelalter stammt. Das Institut für Denkmalpflege der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich erforscht die Geschichte dieser Ruine.

Bei einem Gang durch Giornico können Besucher weitere Kulturschätze und Denkmäler entdecken. An die berühmte Schlacht bei Giornico von 1478 erinnert ein Denkmal aus dem Jahr 1937 von Pessina aus Ligornetto. Ein mehr als 500 Jahre altes Kreuz aus Holz, das Crocifisso e cappella, befindet sich an einer der romanischen Brücken. Wertvolle Fresken können auch an mehreren alten Ställen bewundert werden.

Die Denkmalpflege des Kantons Tessin und Bewohner von Giornico engagieren sich dafür, die kostbaren Kulturschätze des Dorfes für künftige Generationen zu erhalten.



 

Oberstes Bild: Giornico im Tessin – ein Dorf mit grosser geschichtlicher Bedeutung. (© Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

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