Hansestadt Bremen – von Fischern, Braumeistern und Musikanten

16.02.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Hansestadt Bremen – von Fischern, Braumeistern und Musikanten
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Mittelalterliche Handelshäuser, kopfsteingepflasterte Gassen, traditionsreiche Häfen – in der Hansestadt Bremen sind alte Seefahrts- und Kaufmannstraditionen allgegenwärtig. Der kleinste deutsche Stadtstaat diente mit seinen Seehäfen schon früh als Tor zur Welt, und bis heute zeugen die Handelsschiffe auf der Weser ebenso von der maritimen Geschichte der Stadt wie die Ausstellungen des Überseemuseums.

Neben den gotischen Bauwerken der Altstadt und den verschlungenen Gassen des Schnoor-Viertels dient Bremen aber auch als Ausgangspunkt für Reisen zu den Ostfriesischen Inseln und als Durchgangsstation auf dem Weg nach Bremerhaven, der zweiten Stadt im Bundesland Bremen rund 60 km nördlich an der Wesermündung.



Zurück in die Hansezeit: unterwegs in Bremens Altstadt

Die Geschichte Bremens reicht bis in die vorchristliche Zeit zurück und ist von Beginn an geprägt durch die günstige Lage am Weserufer, die Schutz vor Überflutungen und zugleich einen guten Zugang zur Weser bot. 1260 wurde Bremen Mitglied der Hanse; um 1400 entstanden im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs bedeutende Bauwerke, die die Bremer Altstadt bis heute charakterisieren. Vor allem rund um den Marktplatz zeugen Prachtbauten wie das gotische Rathaus und der Roland noch heute vom einstigen Reichtum der Hansestadt.

Bremer Roland auf dem Marktplatz (Bild: Richard A. Wells / Wikimedia / CC)

Bremer Roland auf dem Marktplatz (Bild: Richard A. Wells / Wikimedia / CC)

Der Bremer Roland, 1404 als Zeichen der Unabhängigkeit Bremens errichtet, ist bis heute das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt und hat eine kuriose Geschichte hinter sich. Der ursprünglich hölzerne Roland wurde 1366 von Soldaten des Erzbischhofs verbrannt, gegen dessen Herrschaft er errichtet worden war. Der Nachfolger aus Elmkalkstein wäre zu Beginn des 19. Jahrhunderts beinahe einer neuen Markthalle zum Opfer gefallen, war zwischenzeitlich einsturzgefährdet und verlor 1939 schliesslich seinen Kopf. Diese Massnahme diente im II. Weltkrieg dem Schutz des Bremer Wahrzeichens vor Luftangriffen, und bis heute lagert der Originalkopf des Rolands im Focke-Museum. Einen kuriosen Fund machten Restaurateure im Jahr 1989, als im Inneren des Rolands eine Kassette mit Propagandamaterial der Nazis entdeckt wurde.



Der Roland und das Bremer Rathaus, eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke in Europa, sind seit 2004 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Nicht weniger imposant ist der romanisch-gotische St.Petri-Dom, dessen Höhe beinahe von den Türmen der nahegelegenen frühgotischen Liebfrauenkirche mit ihrem charakteristischen Turmhelm erreicht wird. Obwohl der Bremer Marktplatz von der Obernstrasse – Bremens beliebtester Einkaufsstrasse – durchquert wird, versprühen die prachtvollen mittelalterlichen Bauten und die kopfsteingepflasterten Strassen eine Atmosphäre, die die Zeiten der Hanse vor dem Auge der Besucher wieder lebendig werden lässt.

Bremer Rathaus (Bild: Uli / Wikimedia / CC)

Bremer Rathaus (Bild: Uli / Wikimedia / CC)

Bremens mittelalterliches Juwel: das alte Fischerviertel Schnoor

Kein anderer Stadtteil bietet einen so faszinierenden Einblick in Bremens Vergangenheit wie das Schnoor. Das mittelalterliche, kopfsteingepflasterte Labyrinth aus Gassen und Gängen ist gesäumt von historischen Fischer- und Kaufmannshäusern, von denen die ältesten um das Jahr 1400 errichtet wurden. Vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind im Schnoor viele Originalgebäude erhalten, und auch die Strassennamen geben Aufschluss darüber, welche Berufe ursprünglich in welchem Teil des Schnoors angesiedelt waren.



So beherbergte der Stavendamm einst Bremens erste öffentliche Badestube (Stave = Stube auf Plattdeutsch), während rund um die Strasse Lange Wieren einst Ankerketten und Drähte – auf Plattdeutsch Wieren – gefertigt wurden. Der Name Schnoor selbst bedeutet auf Plattdeutsch Schnur und zeugt von der langen Tradition der Seil- und Schnurmacher im Schnoor. Ursprünglich war das Schnoor das Viertel der Fischer, die über einen mittlerweile zugeschütteten Seitenarm der Weser zu ihren Fangzügen aufbrachen. Heute beherbergen die historischen Gassen viele kunsthandwerkliche Betriebe, Galerien und Restaurants.

Kopfsteinpflastergasse im Schnoor (Bild: Rami Tarawneh / Wikimedia / CC)

Kopfsteinpflastergasse im Schnoor (Bild: Rami Tarawneh / Wikimedia / CC)

Ein echtes Bremer Erzeugnis: zu Besuch in der Becks Brauerei

Wer an einem sonnigen Tag einen Spaziergang entlang der Weser macht, wird sich unweigerlich über den malzig-würzigen Geruch wundern, der den Besucher in der Bremer Innenstadt immer wieder einholt. Verursacher dieses eigentümlichen Geruchs ist die Becks Brauerei, die bereits seit 1873 am Weserufer das traditionsreiche Bremer Bier produziert. Geschmackliche Vorlieben hin oder her – die Brauerei ist ein unbestrittener Teil der Bremer Geschichte, und ein Rundgang durch die Brauhallen erklärt neben dem ungewöhnlichen Bremer Duft auch die Herstellungsverfahren des Bremer Hausbieres.

Wie vielerorts in Bremen vermischen sich auch in der Becks Brauerei Traditionen und Geschichtliches. Bekannt war Becks über viele Jahre hinweg durch das Werbe-Flaggschiff der Brauerei, die Alexander von Humboldt, die mit ihren charakteristischen grünen Segeln von der langen Tradition der Bremer Seefahrt zeugte. Das Wappen der Brauerei erinnert mit dem weissen Schlüssel auf rotem Grund deutlich an das fast identische Bremer Stadtwappen. Umso weniger verwundert es, dass die alteingesessene Bremer Brauerei selbst bei Nicht-Biertrinkern als echtes Bremer Markenzeichen gilt.





Die Bremer Stadtmusikanten von Gerhard Marcks (Bild: Jürgen Howaldt / Wikimedia / CC)

Die Bremer Stadtmusikanten von Gerhard Marcks (Bild: Jürgen Howaldt / Wikimedia / CC)

Erinnerungen an die Kindheit

Es sind wohl nur wenige Menschen, die nicht als Kind schon einen ersten Eindruck von der Hansestadt Bremen erhalten haben – und zwar in Form von vier Tieren, die sich eines Tages nach Bremen aufmachten, um als Musikanten berühmt zu werden. Das Märchen der Bremer Stadtmusikanten, 1819 von den Gebrüdern Grimm veröffentlicht, ist heute ein wesentlicher Bestandteil der Bremer Stadtkultur, und die Statuen, Abbildungen und Anspielungen auf die Bremer Stadtmusikanten sind in der Hansestadt allgegenwärtig. Die berühmteste Darstellung der vier Tiere steht seit 1953 am Rathaus in Form einer Bronzestatue des Bildhauers Gerhard Marcks.

 



Oberstes Bild: Blick auf die Bremer Innenstadt über die Weser (Bild: Philipp Hertzog / Wikimedia / CC)

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