Märkte, Moscheen und kolonialer Charme: Städtereise nach Tunis

04.04.2014 |  Von  |  Afrika, Alle Länder
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Märkte, Moscheen und kolonialer Charme: Städtereise nach Tunis
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Obwohl Tunesien zu grossen Teilen vom Tourismus lebt, zählt die Hauptstadt Tunis nicht gerade zu den populärsten Reisezielen an der nordafrikanischen Küste. Bedeutende Sehenswürdigkeiten sucht man hier vergebens, und für Badeferien an Tunesiens Traumstränden zieht es die meisten Besucher eher in die grossen Resorts von Hammamet, Djerba oder Monastir.

Gerade hier liegt jedoch der Reiz von Tunis, denn in den verwinkelten Altstadtgassen, auf den baumbestandenen Boulevards und historischen Plätzen der Stadt lässt sich die Seele des Maghreb wie in kaum einer anderen Stadt erfassen. Fernab vom touristischen Rummel, der beliebte Reiseziele wie Marrakesch prägt, fasziniert Tunis mit seinen ehrwürdigen Kolonialbauten, prachtvollen Moscheen und mächtigen Stadttoren. Cafés und einfache Strassenrestaurants laden vielerorts zu einem Besuch ein, und der Souq von Tunis zählt zu den authentischsten Märkten in ganz Nordafrika.



Eine ganz besondere Attraktion hat Tunis allerdings doch zu bieten: Nur zehn Kilometer östlich der Stadt liegen die Ruinen des antiken Karthago, einst eine der bedeutendsten Siedlungen im nördlichen Afrika. Die archäologische Ausgrabungsstätte ist bereits seit 1979 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und bietet einen aussergewöhnlichen Einblick in die Geschichte der Hafenstadt, die einmal zu den grössten Städten des Römischen Reiches zählte.

Altstadt von Tunis (Bild: Wael Ghabara / Wikimedia / CC)

Altstadt von Tunis (Bild: Wael Ghabara / Wikimedia / CC)

Tunis zwischen kolonialem Charme und Moderne

Zwischen dem malerischen Golf von Tunis und mehreren Lagunen gelegen, teilt sich die tunesische Hauptstadt in eine historische Altstadt und eine koloniale Neustadt. Die historische Altstadt, die Medina von Tunis, versprüht mit ihren verwinkelten Gassen, den bunten Märkten und mächtigen Stadttoren den ganz eigenen Charme der nordafrikanischen Städte – jedoch ohne touristischen Rummel und ohne aufdringliche Verkäufer, sondern in der unaufgeregten, geschäftigen Weise, in der bereits vor Hunderten von Jahren auf den Märkten von Tunis gefeilscht wurde. Die Medina von Tunis ist die grösste erhaltene Altstadt in Nordafrika, und rund um die zentrale Zeitouna-Moschee haben Besucher Gelegenheit, in den Marktvierteln die Stände der Stoffhändler und Schuhverkäufer, der Parfümhändler und Gewürzläden zu entdecken.



Einen auffälligen Kontrast zur historischen Altstadt bildet die koloniale, europäisch anmutende Neustadt rund um die Avenue Habib Bourguiba. Die Prachtstrasse von Tunis wird von Hotels, Restaurants und Cafés gesäumt, und bietet mit ihrer weitläufigen Anlage einen Eindruck vom einstigen Reichtum und Glanz des kolonialen Tunis.

Minarett der Zeitouna-Moschee (Bild: Citizen59 / Wikimedia / CC)

Minarett der Zeitouna-Moschee (Bild: Citizen59 / Wikimedia / CC)

Kunst und Kultur in Tunis

Obwohl Tunis nicht mit aussergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten und touristischen Attraktionen aufwarten kann, beherbergt die Stadt dennoch einige bemerkenswerte kulturelle Einrichtungen, allen voran das Nationalmuseum von Bardo im gleichnamigen Viertel Le Bardo. Im grössten archäologischen Museum Tunesiens ist eine der bedeutendsten Sammlungen an römischen Mosaiken weltweit zu sehen, ebenso wie eine ungewöhnlich umfangreiche Ausstellung, die Exponate aus der gesamten tunesischen Geschichte von der Frühgeschichte über das alte Karthago bis zum islamischen Tunesien umfasst. Das Museum ist im Harem eines ehemaligen Herrscherpalastes aus dem 13. Jahrhundert untergebracht und gilt neben dem Ägyptischen Museum in Kairo als wichtigstes archäologisches Museum in Nordafrika.



Das Théâtre municipal de Tunis in der Rue de Grèce ist das zentrale Theater der Stadt und zugleich eines der bedeutendsten Schauspielhäuser des modernen Tunesien. Das Jugendstil-Gebäude des französischen Architekten Jean-Émile Resplandy wurde ursprünglich 1902 als städtisches Kasino eröffnet und beeindruckt bis heute mit seiner imposanten Fassade, in die ein Relief des französischen Bildhauers Jean-Baptiste Belloc eingelassen ist. Im Théâtre municipal de Tunis traten in der Vergangenheit bereits legendäre Künstler wie Sarah Bernhardt auf, aber auch Pop-Gruppen wie die südkoreanische Gruppe Lunafly, die im Juni 2013 in Tunis zu Gast war.

Théâtre municipal de Tunis (Bild: Ahmed BEN YAGHLENE / Wikimedia / CC)

Théâtre municipal de Tunis (Bild: Ahmed BEN YAGHLENE / Wikimedia / CC)

Im grössten Stadtpark von Tunis, dem Belvedere-Park mit Blick auf den Golf von Tunis, ist neben dem städtischen Zoo auch das Museum für Moderne Kunst untergebracht. Das Museum beherbergt eine einzigartige Sammlung an zeitgenössischer tunesischer Kunst. Erholung vom Grossstadttrubel bietet auch ein Ausflug ins 20 km entfernte Sidi Bou Saïd. Mit seinen engen Gassen und traditionell blau-weiss gestrichenen Häusern ist das kleine Küstendorf ein beliebtes Ausflugsziel bei Touristen und Hauptstädtern gleichermassen, und wer die einzigartige Atmosphäre von Sidi Bou Saïd in aller Ruhe geniessen möchte, sollte den Ort ausserhalb der Sommermonate besuchen.

Besuch im antiken Karthago



Die legendäre Hafenstadt Karthago verdankt ihre glanzvolle Geschichte ihrer hervorragenden Lage, denn im äussersten Norden des afrikanischen Kontinents direkt an der Strasse von Sizilien bot die Stadt die Möglichkeit, den Seehandel im gesamten Mittelmeerraum zu kontrollieren. Als Hauptstadt des Karthagischen Reiches und später als römische Hafenstadt spielte Karthago seit jeher eine bedeutende Rolle als wirtschaftliches und militärisches Zentrum einer ganzen Region. Im 2. Jahrhundert war die Siedlung mit mehr als 300.000 Einwohnern die viertgrösste Stadt im Römischen Reich und zugleich Mittelpunkt des frühen Christentums im nördlichen Afrika.

Antoninische Bäder von Karthago (Bild: BishkekRocks / Wikimedia / public domain)

Antoninische Bäder von Karthago (Bild: BishkekRocks / Wikimedia / public domain)

Erst im 7. Jahrhundert wurde Karthago schliesslich von den Arabern erobert und zerstört, während Tunis als neues Verwaltungszentrum erblühte. Einen Eindruck vom einstigen Reichtum der Stadt Karthago bieten die Antoninischen Bäder – die grössten Römischen Bäder ausserhalb von Rom -, das römische Amphitheater sowie eine umfangreiche Sammlung an Skulpturen, Mosaiken und vielen anderen Überresten aus punischer und römischer Zeit. Heute ist Karthago ein eleganter Villenvorort von Tunis, in dem auch der tunesische Präsident residiert.

 

Oberstes Bild: Über den Dächern von Tunis (Bild: Eastmanenator / Wikimedia / CC)

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