Outdoor-Campen: Die besten Tipps fürs erste Mal – Teil 2: Hilfreiche Tipps für den Aufenthalt vor Ort

22.02.2014 |  Von  |  Alle Länder, Allgemein
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Das richtige Zelt ist erworben, der perfekte Schlafsack ausgesucht und die passende Isomatte im oder am Rucksack verzurrt: Der Moment der Wahrheit ist gekommen.

Im zweiten Teil dieses Posts haben wir ein paar Profi-Tipps für Ihr Wohlbefinden vor Ort zusammengestellt, an die viele Outdoor-Camper beim ersten Mal nicht denken.



1. Wild-Campen: So minimieren Sie die Risiken

Es gibt nur wenige Länder auf der Welt, die wie etwa Norwegen (durch das sogenannte „Jedermannsrecht“) wildes Campen explizit unter Auflagen gestatten. Andererseits zeigt die Erfahrung auch, dass Ihnen in den meisten Gegenden nicht das Zelt über dem Kopf weggerissen wird, wenn Sie sich an ein paar essenzielle Regeln halten.



  • Halten Sie sich unbedingt an die lokalen Verbote, ob diese nun von privaten Grundbesitzern, Organisationen oder der Regierung kommen. Naturreservate jeder Art (etwa ausgewiesene Naturschutzgebiete und Landschaftsschutzgebiete) sind tabu. In Nationalparks gibt es manchmal gekennzeichnete Campsites. Nutzen Sie nur diese, selbst wenn ein anderer Fleck „doch auch nicht anders aussieht“.
  • Offensichtlich landwirtschaftlich genutzte Fläche sind ebenfalls keine Option, auch wenn es Winter ist oder diese unbewirtschaftet erscheinen. Stellen Sie auch in den entlegensten Regionen sicher, dass sich in der Nähe kein Jägerstand oder Hinweise (wie Fallen) auf ein Jagdgebiet befinden.
  • Machen Sie NIEMALS Feuer, wenn Sie wild campen (Sie minimieren so auch das Risiko, entdeckt zu werden). Sie bringen das lokale Ökogleichgewicht durcheinander und können Brände auslösen. Kocher werden ebenfalls zu offenem Feuer gezählt. Halten Sie im Fall, dass Sie einen (standsicheren!) Gaskocher verwenden, immer Löschwasser bereit und legen Sie Alufolie unter, um Beschädigungen der Bodenstruktur zu vermeiden.
  • Nutzen Sie die „Duldung“ Ihrer Gegenwart durch Natur und Mensch nicht zu lange aus. Bleiben Sie beim Wildcampen bevorzugt immer nur eine Nacht am Ort, es sei denn, dieses ist gestattet.
  • Verzichten Sie, wenn möglich, auf das Aufstellen Ihres Zeltes und rollen Sie nur Isomatte und Schlafsack aus. Dieses Biwakieren wird meist wesentlich toleranter betrachtet als aufwendige Zeltkonstruktionen. Alternative können Sie ein Tarp (eine aufspannbare, wasserdichte Plane) mitführen und nutzen.
  • Seien Sie leise. Lassen Sie den ansässigen Tieren die Möglichkeit, sich weiterhin zu zeigen und nicht von Ihnen übertönt zu werden.
  • Hinterlassen Sie so wenig Spuren wie möglich und natürlich keinerlei Müll. Auch Urin und andere Hinterlassenschaften gehören in ein 20-30 cm tiefes Loch, dass Sie wieder mit Erde auffüllen. Verwenden Sie kein Klopapier, das Sie nicht wieder mitnehmen wollen.
  • Zelten Sie nie als Gruppe wild.
Wild-Camping in Coilleag a' Phrionssa (Bild: Peter Barr, Wikimedia, CC)

Wild-Camping in Coilleag a‘ Phrionssa (Bild: Peter Barr, Wikimedia, CC)

2. Werden Sie wetterkundig



Auch wenn es inzwischen an den unglaublichsten Orten Internetempfang gibt – es funktioniert doch nicht überall. So können Sie schnell auf den Wetterbericht verzichten müssen. Eignen Sie sich für diesen Fall eine Grundkenntnisse in der Vorhersage des Wetters für die kommenden Stunden an – Ihre Tagesplanung hängt schliesslich davon ab.

Hierzu gehören Wolkenkunde, Naturzeichen, Tierverhalten, Luftdruck, Windgeschwindigkeit und Richtung etc. Machen Sie sich auch unbedingt schlau, wie Sie sich in Ihrer Zielgegend bei Gewittern verhalten sollen. Und vergessen Sie nie, einen Kompass mitzunehmen (nein, damit ist kein Kompass-App gemeint).

3. Gut Essen zur richtigen Zeit

Ob Sie sich dafür entscheiden haben, der heimischen Flora & Fauna soviel Essbares an Wildkräutern, Nüssen und Früchten abzugewinnen wie möglich oder lieber auf Fertiggerichte bauen: Wichtig ist, dass Ihnen genug Nährstoffe zur Verfügung stehen, um tagsüber fit zu bleiben und nachts gut schlafen zu können. Eine oft vernachlässigte Tatsache ist nämlich, dass der Körper sich auch im dichtesten Schlafsack nicht erwärmen kann, wenn seinem Stoffwechsel keine Energie in Form eines vollen Magens zur Verfügung steht.

Weichen Sie nicht zu sehr von Ihrem gewohnten Nahrungsmittelplan ab, damit der Körper auf Gewohntes zugreifen kann. Über vermehrte Kalorienzufuhr und hochkalorischen Lebensmittel brauchen Sie sich nur bei extrem anstrengenden Trekking- und Klettertouren Gedanken zu machen. Verteilen Sie Ihr Essen über viele kleine Snacks am Tag (das hält den Blutzuckerspiegel auf Linie) und eine warme, grosszügige Mahlzeit am Abend. Halten Sie immer eine Notreserve in Form von Energieriegeln und getrocknetem Obst und Nüssen bereit, falls Ihr Körper plötzlich und schnell auf Glukose zugreifen muss.

Mahlzeiten beim Campen sollten einfach, aber nahrhaft sein (Bild: Dieter Schütz  / pixelio.de)

Mahlzeiten beim Campen sollten einfach, aber nahrhaft sein (Bild: Dieter Schütz / pixelio.de)

Seien Sie bereit, für die Dauer des Outdoor-Abenteuers Gourmet-Ansprüche zuhause zu lassen – denn um Fertiggerichte kommen Sie nicht herum. Diese werden direkt in der Tüte mit kochendem Wasser aufgegossen und dann gegessen – Teller sind überflüssig und ein Feuer ist auch nicht mehr nötig. Es gibt die Tütenmahlzeiten auch in vielen vegetarischen Varianten. Billig sind sie allerdings nicht; ein gutes Gericht kostet ab etwa fünf bis zu zehn Euro. Vergessen Sie nicht, diese Ausgabe in Ihr Reisebudget mit einzuberechnen.

4. Frisches Wasser ist ein Überlebenselexier

Noch wichtiger als nahrhafte Mahlzeiten ist eine konstante Versorgung mit frischem Trinkwasser, vor allem in heissen Gegenden. Da Sie nicht literweise Flaschen mit Wasser mit zum Camp schleppen können, sollten Sie bei der Planung der Camp-Site auf die Nähe zu einer Frischwasserquelle achten. Ist diese aber nicht auf der Karte eingezeichnet, müssen Sie sich selbst ein Bild der Wasserqualität machen. In bergigen Gebieten gilt: Befindet sich Ihr Zeltplatz an einem Bachlauf oder kleinen Fluss oberhalb von Wohnorten, hoch frequentierten Hütten und Viehweideplätzen, dann ist die Chance auf geniessbares Wasser hoch.



Nehmen Sie in jedem Fall PH-Prüfstreifen mit, die es in jeder Apotheke gibt. Denn wenn das Wasser einen niedrigen PH-Wert hat, glasklar und sehr kalt ist, können Sie es relativ unbesorgt trinken. Allerdings können auch punktuelle Quellen wie im Bachlauf liegende verwesende Kadaver eine unmerkliche Kontamination verursachen.

Camp-Site in der Nähe zu einer Frischwasserquelle (Bild: John Horner, Wikimedia, CC)

Camp-Site in der Nähe zu einer Frischwasserquelle (Bild: John Horner, Wikimedia, CC)

Wollen Sie also ganz sicher sein, bleibt Ihnen die Wahl zwischen der Nutzung eines Wasserfilters mit Keramik oder Aktivkohle und dem mindestens dreiminütigen Abkochen des Wassers. Berücksichtigen Sie den dafür nötigen Zeitaufwand und das Gewicht des Wasserfilters bzw. Kochers bei Ihren Vorbereitungen. Denken Sie auch daran, abends die am Tag durch Schwitzen verloren gegangenen Mineralien wieder mit einer Brühe oder anderen, natriumreichen Getränken aufzufüllen.



 

Oberstes Bild: Wild-Camping (Bild: Andrew Bowden, Wikimedia, CC)


1 Kommentar


  1. Andrea Thelser

    Danke für den tollen Bericht.
    Denn habe ich erstmal ausgedruckt und werde ihn als Guide für unseren nächsten Camp Urlaub mit meiner Family.

    Schön wären auch noch mal ein paar Tipps, was man mitnehmen sollte.
    Im Sinne: weniger ist mehr.
    Zum Beispiel habe ich erst neulich von einer Freundin eine Naturseife von Dr. Bronners bekommen, die nicht nur nachhaltig und ökologisch ist, sie kann man auch für alles im Urlaub einsetzen: Körper waschen, Haare waschen, als Duftmittel, Spülmittel etc.
    Solche Produkte suche ich noch. Die vielseitig einsetzbar sind, und am besten noch die Umwelt schonen.

    Freue mich auf weitere Artikel.
    Eure Andrea

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