Reiseknigge Finnland: Unterwegs im Land der Sauna

20.01.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa

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Reiseknigge Finnland: Unterwegs im Land der Sauna
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Finnland – Land der Seen und der Sauna, der schweigenden Männer und emanzipierten Frauen. Auf den ersten Blick scheint das Land im hohen Norden gar nicht so weit weg und die Menschen gar nicht so anders zu sein. Wer sich Zeit nimmt, die Finnen und ihren Charakter besser zu verstehen, stellt aber mit der Zeit fest, dass die Unterschiede oftmals in den Feinheiten liegen.

Ferien in Finnland gestalten sich im Normalfall unkompliziert, und Besucher müssen schon sehr grobe Schnitzer begehen, damit die Finnen ihnen ihre Ausrutscher wirklich übelnehmen. Gerade junge Leute geben sich im Umgang mit Ausländern offen und hilfsbereit; hinzu kommt, dass sehr gute Englischkenntnisse in Finnland die Regel sind. Die finnische Sprache ist kaum verbreitet und schwer zu lernen. Die Finnen sind es also gewohnt, sich auf Englisch zu verständigen. Vor allem bei der älteren Bevölkerung sind auch Deutschkenntnisse weit verbreitet.



Wer sich die Anerkennung der Finnen verdienen möchte, tut dennoch gut daran, wenigstens einige Brocken Finnisch zu lernen. Wer auch nur einige Redewendungen in der Landessprache zu sagen weiss, zollt den Finnen und ihrer schwierigen Sprache auf eine Weise Respekt, die sie ihm so schnell nicht vergessen werden.

Vor dem Stockmann, dem größten Kaufhaus Finnlands (Bild: Benreis, Wikimedia, CC)

Vor dem Stockmann, dem größten Kaufhaus Finnlands (Bild: Benreis, Wikimedia, CC)

Schweigen, Nationalgefühl und schwarzer Humor: drei finnische Eigenarten

Die Finnen, das schweigsame Volk? Wer einmal eine finnische Grossstadt besucht hat, weiss, dass die Finnen durchaus redselig sein können. Das Klischee vom schweigsamen Finnen bedeutet eher: Er überlegt genau, was er sagt. Sinnloser Small Talk ist den meisten Finnen ebenso fremd, wie ein vermeintlich unangenehmes Schweigen mit leeren Floskeln zu überbrücken. Dementsprechend zurückhaltend sollten auch Gäste ihre Worte wählen – und vor allem damit rechnen, dass das Gesagte immer ernst genommen wird.



Die Finnen sind ein kleines Volk und haben nach Jahrhunderten der schwedischen und russischen Herrschaft erst spät ihre Unabhängigkeit erlangt. Trotzdem – oder gerade deswegen – verbindet die Finnen ein starkes Nationalgefühl, und auch, wenn sie dies bisweilen auf eher sarkastische Weise kundtun mögen, sollten sich Besucher tunlichst vor Kritik an Finnland und den Finnen hüten. Das betrifft auch prominente Persönlichkeiten, zu denen die Finnen zwar selbst manchmal Kritik äussern mögen, auf die sie insgeheim aber auch stolz sind.

Deutsche Reisende kann gerade unter jungen Finnen ein regelrechter Kulturschock ereilen, wenn in ihrer Gegenwart Naziwitze der schwärzesten Art zum Besten gegeben werden. Hier sollte man wissen, dass die Finnen erstens eine Neigung zu sehr schwarzem Humor haben – mit dem sie sich auch selbst nicht verschonen -, zweitens sich der geschichtsbedingten Sensibilität der Deutschen oft nicht bewusst sind und drittens fast ausnahmslos eine sehr hohe Meinung von den Deutschen haben. Diese drückt sich in Finnland eben manchmal auf gewöhnungsbedürftige Art aus.

Der finnische Nationalstolz lässt sich überall spüren (Bild: Andrea Damm  / pixelio.de)

Der finnische Nationalstolz lässt sich überall spüren (Bild: Andrea Damm / pixelio.de)

Zu Hause bei den Finnen: fünf goldene Regeln

Wer bei Finnen eingeladen ist, kann sich sicher sein, dass die Einladung von Herzen kommt und ihm kleine Ausrutscher nicht übelgenommen werden. Einige Dinge sollte man trotzdem beachten:



1. Pünktlichkeit. Finnland gehört nicht zu den Ländern, in denen man grundsätzlich erst eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit erscheint.

2. Schuhe ausziehen. In Finnland werden die Schuhe grundsätzlich immer an der Haustür ausgezogen; alles andere wäre eine grobe Respektlosigkeit.

3. Mitbringsel. Über ein kleines Geschenk freut sich jeder Gastgeber, wenn es auch nicht zwingend erwartet wird. Zu beachten ist, dass weisse Lilien in Finnland wie auch in anderen Ländern Friedhofsblumen sind und niemals verschenkt werden sollten.

4. Schweigen beim Essen. Lebhafte Gespräche beim Essen sind in Finnland nicht üblich und sollten den Gastgebern auch nicht aufgezwungen werden.

5. Rechtzeitig verabschieden. Spätestens um Mitternacht ist es Zeit, sich höflich zu verabschieden.

Zusammensein beim Terrassen-Grillen (Bild: Rainer Sturm  / pixelio.de)

Zusammensein beim Terrassen-Grillen (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)




Die Finnen und ihre Sauna

Keine Einrichtung ist so urfinnisch wie die Sauna. Sie ist bis heute fester Bestandteil des finnischen Alltags und eine Einladung in die Sauna nichts Ungewöhnliches. Entgegen aller Befürchtungen gibt es dabei für Gäste nicht viel falsch zu machen.

So locker sich die Finnen in anderer Hinsicht geben – in die Sauna gehen Frauen und Männer immer getrennt. Ein gemischter Saunagang findet höchstens unter Familienmitgliedern oder sehr engen Freunden statt und ist selbst dann die Ausnahme. Nichts Ungewöhnliches ist es hingegen, während einer Party in die Sauna zu gehen. Ein, zwei Bier trinken, Saunagang, gemeinsames Essen – danach kann die Party bei vielen Finnen erst richtig losgehen. Auch hier gehen zuerst die Frauen, dann die Männer (oder umgekehrt) saunieren.

Echte finnische Sauna (Bild: Math, Wikimedia, CC)

Echte finnische Sauna (Bild: Math, Wikimedia, CC)

In der Sauna tragen die Finnen keine Badekleidung oder Handtücher und benutzen diese auch nicht zum Unterlegen. Tut der Gast dies, wird es ihm aber auch nicht übelgenommen. Aufguss, Temperatur und Schwitzzeit sind in Finnland nicht festgelegt – jeder schwitzt so lange und intensiv, wie er möchte. Die Finnen nehmen es auch nicht übel, wenn ein Gast ohne Saunaerfahrung es schon nach fünf Minuten nicht mehr aushält. Das Einzige, womit man wirklich anecken kann, ist es, die Einladung in die Sauna grundlos auszuschlagen. Im Übrigen sind die Finnen immer gern bereit, dem Gast jede noch so lächerlich scheinende Frage zum Saunagang ausführlich zu beantworten.



 

Oberstes Bild: Willkommen in Finnland (Eva-Mauss  / pixelio.de)

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