Segeln auf dem IJsselmeer – die Niederlande per Schiff erkunden

19.03.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

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Der Bug des Schiffs hebt sich gemächlich aus den Wellen, um wie nach einem tiefen Einatmen sich langsam wieder abzusenken. Im Klüvernetz liegend, direkt vor dem Schiffsbug, macht man jede dieser Bewegungen mit. Der Blick wandert am Schiffsrumpf entlang, dorthin, wo Gischt aufspritzt. Die Sonne glitzert auf dem leicht bewegten Wasser. Ein Karibiktraum?

Nein, es geht mit einem alten Plattbodensegler von Harlingen nach Süden Richtung Ijsselmeer. Nachdem die erste Woche der Erkundung des Wattenmeers mit seinen Inseln galt, ist jetzt für eine weitere Woche das IJsselmeer mit seinen idyllischen Hafenstädtchen das Ziel.



IJsselmeer schreibt man im Niederländischen tatsächlich mit zwei Grossbuchstaben hintereinander, wie der Skipper fast stolz betont: Im Niederländischen bilden das I und das J eine Ligatur, einen sogenannten Buchstabenverbund. Und noch eine sprachliche Anmerkung ist notwendig: Alle Gewässer, die im niederländischen mit “meer” bezeichnet werden, sind Seen. “Zee” wiederum bezeichnet das Meer.

Volendam, Niederlande (Bild: FaceMePLS, Wikimedia, CC)

Volendam, Niederlande (Bild: FaceMePLS, Wikimedia, CC)

Von Harlingen nach Enkhuizen

Das IJsselmeer ist seit 1932 durch einen fast 30 Kilometer langen Abschlussdeich von der früheren Zuiederzee zu einem See geworden. Der Deich ist 90 Meter breit, auf ihm ist die Autobahn 7 eine sehr wichtige Verkehrsverbindung zwischen West und Ost. Durch die Schleuse Kornwerderzand erreicht man per Schiff das IJsselmeer.





Abschlussdeich des IJsselmeeres (Bild: D-click, Wikimedia, CC)

Abschlussdeich des IJsselmeeres (Bild: D-click, Wikimedia, CC)

Nach einer ruhigen Fahrt taucht dann am frühen Abend die Silhouette von Enkhuizen am Horizont auf. Schön, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Diese Hafenstadt, die schon im Jahr 1000 erwähnt wird, bietet nach der Seereise Gelegenheit, sich die Füsse zu vertreten und auf Erkundung zu gehen. Auffällig sind zwei Kirchen aus dem 15. Jahrhundert, die Zuiderkerk und die Westerkerk.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es viele in den “winkeltjes”, und dann einfach mal sitzen und die Füsse ausstrecken. Wer mag, bestellt sich traditionell “b & b”, “beer und bessen” – ein Bier und ein Beerenschnaps dazu. Später kann man noch den Drommedaris aufsuchen. Es ist das bekannteste Gebäude von Enkhuizen. 1540 erbaut, war es einst Stadttor und Wehrturm zum Schutz des Hafens. Zwischenzeitlich auch Jugendherberge, ist es heute ein Zentrum für verschiedenste kulturelle Veranstaltungen.





Hafen von Enkhuizen, Niederlande (Bild: Niels Bosboom, Wikimedia, CC)

Hafen von Enkhuizen, Niederlande (Bild: Niels Bosboom, Wikimedia, CC)

Kurs auf Hoorn



Nachts auf dem Schiff wird man von sanftem Wiegen und glucksenden Wellen in den Schlaf begleitet. In warmen Sommernächten wird auch mal ein Schlafsack an Deck ausgerollt, und man kann vorm Einschlafen in die Sterne schauen. Nach einem guten Frühstück geht es wieder raus. Um das fast 20 Meter lange Segelschiff, 1898 erbaut, gut im Wind und auf Kurs zu halten, müssen die Gäste an Bord mit anpacken. Der Gegenwind macht es notwendig, ein Stück der Strecke zu kreuzen.

Da ist viel zu tun: Mehrere Segel müssen immer wieder von der einen auf die andere Seite gebracht werden. Auch müssen die Seitenschwerter des Schiffes wechselseitig ins Wasser gelassen bzw. hochgeholt werden. Das Schiff hat nämlich keinen Kiel und ist flach wie eine Badewanne. Zwei grosse Seitenschwerter geben wie bei einer Schwertjolle die notwendige Querstabilität. Bei strahlender Sonne erreicht die Crew Hoorn. Wer bei diesem Ortsnamen an das legendäre Kap Hoorn, der Südspitze Südamerikas denkt, liegt richtig:

Der aus Hoorn stammende niederländische Seefahrer Willem Cornelisz Schouten war dort 1616 und gab dieser markanten Landmarke in Erinnerung an seine Heimatstadt den Namen Kap Hoorn. Der Hauptturm erinnert auch hier an vergangene Hafen- und Handelsgeschichte. Es lohnt sich auch ein Besuch in entsprechenden Museen, etwa für Waffengeschichte, alte Dampfstrassenbahnen oder das Museum von Westfriesland.

Wenn man sich hier einfach durch die Strassen treiben lässt, entdeckt man auch Parallelen zu Enkhuizen, aber doch hat jede Hafenstadt hier auch ein ganz eigenes Gesicht. In Hoorn wurden übrigens einige berühmte Sportler geboren, so die Fussballbrüder de Bour oder die Radsportler Adrie Visser und Yesna Rijkhoff.

Stadt Hoorn vom Schiff aus gesehen (Bild: Gouwenaar, Wikimedia, CC)

Stadt Hoorn vom Schiff aus gesehen (Bild: Gouwenaar, Wikimedia, CC)

Vom Wochenendtörn bis zu Segelferien

Segelferien in den Niederlanden können sehr abwechslungsreich gestaltet werden. Zum Schnuppern bietet sich ein Wochenendtörn an. Wenn man Spass gefunden hat, kann man eine längere Reise von ein bis zwei Wochen in Angriff nehmen. Je nach Grösse des Schiffes sind Gruppen von 10 bis über 20 Personen möglich. Geschlafen wird auf dem Schiff. Da man abends immer in Häfen ist und an Land kann, kann man auch mal eigene Wege gehen.

Die Art der Route richtet sich nach den Wind- und Wetterverhältnissen. Die Wahl des Starthafens spielt aber auch eine Rolle. Wenn man gerne zu den niederländischen Inseln im Wattenmeer möchte, bietet sich Harlingen als Starthafen an. Wer das IJsselmeer erkunden und vielleicht auch noch Amsterdam einen Besuch abstatten will, beginnt die Reise in Hoorn oder Lelystad. Auch Kanaltouren, etwa von Harlingen über Leeuwarden nach Groningen, sind für die ganz gemütlich orientierten oder nicht ganz so seefesten Urlauber machbar.

Karte der Zuiderzeewerke in den Niederlanden (Bild: Scipius, Voyager, Wikimedia, CC)

Karte der Zuiderzeewerke in den Niederlanden (Bild: Scipius, Voyager, Wikimedia, CC)

In allen grösseren Hafenstädten gibt es Reedereien, die entsprechende Segelreisen anbieten. Meist bucht man selbst als Gruppe (Verein, Schule, Teams oder Freundeskreis etc.) und reist gemeinsam zum Starthafen an. Man kann sich aber auch Gruppen anschliessen. Spezielle Törns für Singles sind mittlerweile im Angebot. Hier steht neben dem Segeln und Reisen das Kennenlernen Gleichgesinnter im Vordergrund.



 

Oberstes Bild: Segeln auf dem IJsselmeer (Bild: Gouwenaar, Wikimedia, CC)

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