Skifahren in Arosa Lenzerheide – ein Erfahrungsbericht

17.03.2015 |  Von  |  Schweiz
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Skifahren in Arosa Lenzerheide – ein Erfahrungsbericht
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Churwalden also. Dort sollte unsere jahrelange Tradition ihre Fortsetzung finden. Seit 14 Jahren treibt es uns nun schon in den gemeinsamen Skiurlaub. Mit ‚uns‘ meine ich eine Truppe aus vier bis sechs Freunden, die wir alljährlich von unseren Frauen und Familien in die Freiheit entlassen werden. Dieses Mal waren wir zu fünft. Musste doch einer unserem Abenteuer eine spontane Absage erteilen.

Churwalden bedeutete für mich auch gleichzeitig eine Reise in die Vergangenheit, denn hier habe ich vor zwanzig Jahren meine erste Skischule besucht. Nach vielen Jahren war ich also das erste Mal wieder in dieser vertrauten Umgebung. Zugegeben, viel hat sich seither nicht verändert. Was aber nicht heisst, dass es an diesem Ort keine Entwicklung gegeben hätte. Ganz im Gegenteil.

Churwalden im Kanton Graubünden ist eingebettet in den Skiort „Arosa Lenzerheide“. Arosa wurde in der Saison 2013/2014 in den Skiort Lenzerheide integriert. Zusammen ergibt das ein gigantisches Netzwerk aus Pisten und Liften. Eine Woche reicht da nicht aus, um den Skipass bis ins Letzte auszunutzen.

Eine günstige Unterkunft

Als Unterkunft diente uns das Chalet „Haus Sonnhalde“ in Churwalden. Churwalden ist quasi das Vorzimmer von Lenzerheide, ein kleiner Ort zu Beginn des Tales, von wo aus sich dieses prächtige Skigebiet erstreckt. Klein, aber doch verfügt er über alles, worauf man im Notfall und Alltäglichen angewiesen ist: ein Ärztehaus, ein Postamt, ein Supermarkt, eine Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt. Und – ganz entscheidend – ein eigener Liftzugang ins Skigebiet: der „Alp Stätz“.

„Haus Sonnhalde“ ist ein unscheinbares Chalet, ein Mehrfamilienhaus mit mehreren Ferienwohnungen. Unsere Ferienwohnung verfügte über eine grosszügige Raumaufteilung, mit Ausnahme des eng bemessenen Badezimmers.


Blick vom Cumascheals in Richtung Rothorn (Bild: © Johannes B.)

Blick vom Cumascheals in Richtung Rothorn (Bild: © Johannes B.)


Da wir alle Kerle wie Bäume sind, hatten wir es doch recht schwer, in der „Keramikabteilung“ zurecht zu kommen. Mit den Knien an der Wand das tägliche Geschäft zu verrichten, erinnert doch mehr an ein Wohnmobil als an eine Ferienwohnung.

Doch die Küche entschädigte für alles: ein grosser Esstisch sowie eine breite Küchenzeile mit allem Geschirr und Kochgerät, wie es unser Herz begehrte. Sogar eine Espressomaschine war vorhanden.

Unser Ferienhaus verfügte über keinen Parkplatz, sodass wir auf den zugehörigen Tiefgaragenstellplatz angewiesen waren. Das Auto blieb also eine Woche lang in der Garage. Das war aber nicht weiter schlimm, denn wir konnten alles problemlos zu Fuss erreichen. Auch den besagten „Alp Stätz“.

Das Skigebiet

Der alte Dreier-Sessellift wurde bereits 1984 in Betrieb genommen. Schon als Knirps habe ich in denselben Sesseln gesessen, wie ich es in diesen Ferien tat. Braucht man auch für die rund 700 m Höhendifferenz ca. 20 Minuten, entschädigt der weiss gezuckerte Nadelwald für jede vergeudete Lift-Minute.


Abfahrt Stätzertäli (Bild: © Johannes B.)

Abfahrt Stätzertäli (Bild: © Johannes B.)


Oben angekommen, ging es über die Waldabfahrt zum Stätzertäli. Und über diesen zum, wie ich finde, Prunkstück von Lenzerheide: dem „Stätzerhorn“. Ein 6er-Hauben-Sessellift brachte uns zum Gipfel des gleichnamigen Berges. Von diesem erstrecken sich die beiden schönsten Pisten ins Tal: „Die Schwarze“ und „Die Rote“.

Über das Stätzerhorn gelangt man zu all den anderen Gipfeln auf der Westseite des Tals, fünf insgesamt. Und von jedem Gipfel führen eine Vielzahl an Pisten aller Schwierigkeitsgrade ins Tal. Einen vollen Tag ist man beschäftigt, will man die einzelnen Gipfel mit all ihren Möglichkeiten vollständig erobern, sofern man keine oder nur eine kurze Pause einlegt.

Viele urchige Berghütten

Apropos Pause: Die Hütten-Struktur in Lenzerheide sucht ihresgleichen. Und wenn das meiner einer sagt, muss es schon was heissen. Immerhin habe ich schon in unzähligen Skigebieten meinen Einkehrschwung vollzogen. Ich bin es gewohnt, die urchigen Hütten jenseits von Massenabfertigung und Kantinenflair, sozusagen die Nadeln im Heuhaufen, zu suchen.

Doch in Lenzerheide hatten wir leichtes Spiel. Nahezu jede Einkehr hat etwas von dieser klassischen Winter- und Bergromantik, die man sich als Stadtmensch vom Skiurlaub erhofft. Ein Highlight war der überdimensionale BBQ-Smoker in der Berghütte „Alp Nova“, worin Schweinenacken geräuchert wurde.

Mein persönlicher Favorit ist und bleibt aber die Hütte „Alp Fops“, nur zu erreichen über die rote Abfahrt vom Piz Scalottas. Die Öffnungszeiten habe ich zwar bis heute nicht durchschaut, doch so oder so ist sie einen Boxenstopp wert. Am südlichen Ende der Skiregion gelegen, bietet die Hütte einen unverbauten Blick ins Weite.

Leider scheinen die Liftanlagen in Lenzerheide sehr windanfällig zu sein. An einem Tag hatten sämtliche Liftanlagen im Hochgebirge witterungsbedingt geschlossen. Lediglich der eingangs erwähnte „Alp Stätz“, der „Stätzertäli“ und die Schlepplifte hatten geöffnet, von denen es doch noch viele ins Jahr 2015 geschafft haben. Bleibt abzuwarten, wann hier die fortschreitende Modernisierung des Skigebiets eine Änderung schafft.


Die Hütte „Alp Fops“ (Bild: © Johannes B.)

Die Hütte „Alp Fops“ (Bild: © Johannes B.)


In Sachen Wetter waren wir in der Woche übrigens vom Glück geküsst. Erst gab es eine Menge Neuschnee mit bestem Puder, in der zweiten Hälfte dann schien die Sonne und bescherte uns so beste Verhältnisse. Wäre es noch wärmer und uns der Schnee zu weich geworden, hätten wir auf das Rothorn ausweichen können. Da der Gipfel auf der Ostseite des Tals gelegen ist, hat die Sonne schon ihre meiste Kraft verloren, wenn ihre Strahlen auf die Hangseite des Rothorns treffen. Das bedeutet Schneesicherheit bis in den späten Frühling, aber leider auch harte Pistenverhältnisse wegen des vielen Schattens. Die Wahl besteht demnach zwischen Sulzschnee auf der West- oder harte Pisten auf der Ostseite des Tals. Alles ist also auch in Lenzerheide nicht zu haben.

Der grösste Coup ist den Liftbetreibern wohl mit der Urdenbahn gelungen, welche die Skigebiete Lenzerheide und Arosa seit 2013/2014 miteinander verbindet. Damit ist das Skigebiet wahrlich in die „Champions League“ aufgestiegen, wie es in der Werbung heisst.

Neben den Liftanlagen gibt es noch eine Menge an weiteren Institutionen, mit denen man seine Freizeit gestalten kann: Schwimmbad, Rodeln, Natureisfelder für Eishockey, Curling etc., Schneeschuhlaufen, Langlauf und natürlich die Rodelbahn. Sie ist mit 3100 m die längste der Welt und hat aufgrund von Schienenführung ganzjährig geöffnet.

Das „Shin Splint-Syndrom“

Noch ein Wort zu einer persönlichen Leidensgeschichte: meine offenen Schienbeine. Ich hatte zwar schon immer mit Druckschmerz an den Schienbeinen zu kämpfen, doch bislang hatte ich noch nie offene Wunden. Dieses Jahr sollte es dann soweit sein. In meiner Not begab ich mich in den InterSport in Churwalden. Hier stellte ich fest, dass ich kein Einzelfall bin, sondern dass starker Druckschmerz an den Schienbeinen ein allseits bekanntes Problem ist. Es nennt sich „Schienbeinkantensyndrom“ oder neudeutsch „Shin Splint“.

Die schlichteste Lösung besteht allgemein in Silikon Pads, die ich mir dann auch für 50 Franken gekauft habe. Bei mir blieben sie aber fast ohne Wirkung, weil meine Haut bereits verletzt war. Ob die Silikon Pads wirklich so effektiv sind, wie angepriesen, werde ich in meinem nächsten Skiurlaub erfahren – wenn ich die Pads benutze, bevor ich eine lädierte Haut habe.

Ich habe mich unlängst über weitere Lösungen schlau gemacht. Ein vielversprechender Ansatz scheinen mir die „Shintronics“ zu sein. Das sind Schoner, die um das gesamte Schienbein herumgelegt werden. Der Preis liegt bei 50 Euro. Der Versand erfolgt kostenfrei aus den USA.



Fazit

Das Skigebiet „Arosa Lenzerheide“ lässt keine Wünsche offen. Anreise, Pisten, Schneesicherheit, Höhenlage, Liftanlagen, Infrastruktur und Freizeitangebote sind top. Das Publikum ist hauptsächlich familiär. Ausserdem konnte ich viele Jugendgruppen antreffen. Einem gelungenen Skiurlaub ohne unnötiges Halligalli, wie man es aus Sölden oder Ischgl kennt, steht hier nichts im Wege.

 

Oberstes Bild: © gevision – shutterstock.com

Über Johannes B.

Johannes B. wohnt und arbeitet in München. Er ist Doppelbürger mit deutschem und schweizerischem Pass und mit der Schweiz familiär eng verbunden. Eine besondere Leidenschaft von ihm ist das Skifahren, ein Hobby, das ihn regelmässig auf Pisten in Deutschland, Schweiz und Österreich führt.


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