Wenig bekannt, doch überragend: das Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl

26.01.2016 |  Von  |  Schweiz
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Wenig bekannt, doch überragend: das Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl
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Und schon wieder ging’s nach Hochgurgl. Und zwar, sofern ich richtig gezählt habe, zum siebten Mal. Zugegeben, die weitläufige Feststellung, der Mensch sei ein Gewohnheitstier, trifft auf mich in vollem Sinne zu. Doch mein ständiges Wiederkehren in dieses Skigebiet hat mit weitaus mehr als mit stupider Gewohnheit zu tun.

Als passionierter Skifahrer und einstiger Reiseleiter von Tagesskifahrten habe ich bereits unzählige Skigebiete der deutschen bzw. österreichischen Alpen besucht – von der Zugspitzregion über Hochfügen im Zillertal bis zum Diedamskopf im Vorarlberg. Doch an keinem bin ich je hängengeblieben. Bis ich mal nach Hochgurgl kam. Womit das zusammenhängt? Hier zunächst ein paar trockene Fakten:

Obergurgl-Hochgurgl, wie es richtigerweise heisst, ist am Ende vom Oetztal gelegen. Es endet an der Mautstelle des Timmelsjochs, dem Grenzpass zwischen Österreich und Italien. Das Skigebiet erstreckt sich über eine Höhe von 1080 – 3080 m und verfügt über 110 Pistenkilometer. Dort findet man neben Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade auch Langlaufloipen, Skirouten, Rodelbahn, Fun Park und mehr. Die Fahrtstrecke von Zürich bis Hochgurgl beträgt 289 Kilometer und ist in dreieinhalb Stunden geschafft.


Die Route Zürich - Hochgurgl (Bild: © iMaps)

Die Route Zürich – Hochgurgl (Bild: © iMaps)


Die These der Lift-Betreiber, die schneesicherste Region der Alpen zu sein, ist keine kühne Behauptung, sondern schlichte Feststellung. Wann immer ich zu Gast war, hatte ich immer hervorragende Schneeverhältnisse. Ich bin kein Meteorologe, von daher kann ich keine fundierte Erklärung für dieses Phänomen abgeben. Ich weiss nur eins: War bei der Ortsdurchfahrt von Oetz zu Beginn des Tals noch alles grün, war in Hochgurgl bereits alles weiss gezuckert.


Auf dem Wurmkogl, im Hintergrund die Dolomiten

Auf dem Wurmkogl, im Hintergrund die Dolomiten


Die Pistenpräparation erfolgt stets gewissenhaft. Und wenn es sein muss, auch mit Kunstschnee. In der letzten Woche liefen die Schneekanonen eine ganz Nacht lang. Am nächsten Morgen jedoch bin ich über exzellente Abfahrten ins Tal gewedelt. Nötig war die Kunstbeschneiung im Übrigen nicht. Schliesslich kam nur abseits der Pisten an Steilhängen der felsige Untergrund zum Vorschein. Und das hat mit dem in diesem Jahr allgemein geringen Niederschlag im gesamten Alpenraum zu tun.

Das Publikum würde ich, im Gegensatz zum direkt benachbarten Sölden, als gemütlich und erholungssuchend bezeichnen. Für mich als Familienvater sind das die idealen Voraussetzungen, meine Kinder in einer seriösen Umgebung zu wissen. Keine Besäufnisse, keine wilden Jugendhorden, keine Selbstdarsteller auf der Suche nach einer Bühne. Dafür angenehme Familien, Paare, Senioren oder Reisegruppen, die primär den Skisport im Visier haben und nicht das lärmende Getöse drumherum.

Die Skipisten stellen den Anfänger und ambitionierten Skifahrer zufrieden, was meine Frau und ich bestens veranschaulichen. Meine Frau ist in diesem Jahr vom Snowboard auf die Skier umgestiegen und hat einen Anfängerkurs in der Skischule belegt; ich fahre nun schon im dritten Jahrzehnt Ski. Beide kamen wir auf unsere Kosten.


Der Blick auf den Wurmkogl II: Vorne die blaue, hinten die schwarze Piste

Der Blick auf den Wurmkogl II: Vorne die blaue, hinten die schwarze Piste


Und wo ich schon von Skischule spreche: Die Skischule Hochgurgl ist nur zu loben. Mit der Skischule Obergurgl wird es sich sicher ähnlich verhalten, doch fehlen mir hier die Erfahrungswerte. Meine Kinder waren dieses Jahr nun schon zum dritten Mal im Skikurs und haben das Skifahren bestens erlernt. Beim traditionellen Gästeskirennen am Ende einer jeden Skiwoche holten sie sich die Silber- und Gold-Medaillen – der Papa übrigens auch (Gold). Doch nicht nur in Bezug auf das Fachliche beeindrucken die Skilehrer. Insbesondere ihre sympathische Art, mit der sie auf die Kinder eingehen, ist bemerkenswert. Unsere Kinder, die Fremdbetreuung nicht gewohnt sind, haben bereits eine tolle, bisweilen freundschaftliche Beziehung zu den Lehrern aufgebaut – zumal das Personal über die Jahre gleichgeblieben ist.

Die Betreiber der Skiregion sind stets um Optimierung bemüht. Dieses Jahr wurde die neue Kirchenkarbahn eröffnet, die über Gondeln mit 10 Sitzplätzen verfügt. Ich weiss aber nicht, ob ich darüber glücklich oder traurig sein soll. Denn die dazugehörige Piste ist eine der schönsten im Skigebiet. Und als man bis letzte Saison noch mit dem Schlepplift rauf musste, um in den Genuss dieser wunderschönen Abfahrt zu kommen, war man an so manchen Tagen fast alleine unterwegs. Das sah dieses Jahr schon anders aus. Doch es ist eine Erweiterung des Lifts in Planung, was zu der Erschliessung einer völlig neuen Piste führen wird – und so auch zu einer weiteren Entlastung des Skibetriebs.


„Top Mountain Crosspoint“: Liftstation, Motorradmuseum, Mautstelle und Restaurant in einem

„Top Mountain Crosspoint“: Liftstation, Motorradmuseum, Mautstelle und Restaurant in einem


Die Talstation der Kirchkarbahn ist in die gänzlich neugestaltete Mautstelle des eingangs erwähnten Grenzpasses Timmelsjoch integriert. Mit Motorradmuseum und Restaurant inklusive. Alles in einem wirklich beeindruckenden Design. Auf der einen Seite sehr modern durch geschwungene Architektur und einer ausgeprägten Kombination aus Holz und Glas, auf der anderen Seite viele rückwärtsgewandte Elemente wie Oldtimer-Motorräder und dergleichen mehr.


Dekoration im Restaurant „Top Mountain Crosspoint“

Dekoration im Restaurant „Top Mountain Crosspoint“


Doch mein grösster Favorit unter den vielen Einkehrmöglichkeiten ist die Kirchenkarhütte. Unglaublich urig, offenes Feuer, klein und gemütlich, herrlicher Ausblick und griabige Bedienung. Dort muss man mal ein Stiegl genascht haben.


Die urigste aller Berghütten

Die urigste aller Berghütten


Bemerkenswert sind die geringen Wartezeiten an den jeweiligen Liften. Nämlich keine. Klingt unglaublich, ist aber so. Hier gilt dasselbe wie für das Wetter. Erklären kann ich das Phänomen nicht, aber die Erfahrung lehrt mich, dass ich, wann auch immer in der Saison, keine bis kaum Wartezeiten habe, um wieder im Lift zu sitzen. Einen wesentlichen Anteil daran hat sicherlich der Top-Express. Eine Gondel, die die Skigebiete Obergurgl und Hochgurgl miteinander verbindet und so für eine ausgeglichene Auslastung sorgt. 


Der Blick aus der Schermerbahn

Der Blick aus der Schermerbahn


Fazit

Zusammengefasst kann man sagen, dass man bei dem Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl alles hat, was man sich als Familie bzw. Skisportler nur wünschen kann. Sichere Schneeverhältnisse, hervorragend präparierte Abfahrten, moderne Lifttechnik, wenig Wartezeiten, seriöses Publikum und eine lehrreiche Skischule. Wo es nächstes Jahr hingeht? Ist doch klar: Hochgurgl!

 

Artikelbilder: © Johannes B.

Über Johannes B.

Johannes B. wohnt und arbeitet in München. Er ist Doppelbürger mit deutschem und schweizerischem Pass und mit der Schweiz familiär eng verbunden. Eine besondere Leidenschaft von ihm ist das Skifahren, ein Hobby, das ihn regelmässig auf Pisten in Deutschland, Schweiz und Österreich führt.


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