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Kloster Sumela – beeindruckendes Vermächtnis der griechisch-orthodoxen Kirche

04.08.2014 |  Von  |  Alle Länder, Naher Osten
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Kloster Sumela – beeindruckendes Vermächtnis der griechisch-orthodoxen Kirche
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Südlich der türkischen Schwarzmeerstadt Trabzon liegt hoch im Zigana-Gebirge eines der aussergewöhnlichsten Gebäude der Türkei. Das alte Kloster Sumela, ein ehemaliges griechisch-orthodoxes Kloster, wurde hier in byzantinischer Zeit in den Fels gebaut. Bis heute thront das Kloster hoch über einer Schlucht und zeugt von der langen Geschichte des griechisch-orthodoxen Glaubens in der Region.

Die Legende besagt, dass die Ikone des Klosters einst von Lukas gemalt und von Engeln in die Höhle getragen wurde, an deren Stelle heute das Kloster steht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Höhle erweitert und von frühchristlichen Eremiten zunächst zur Kapelle, dann zum Kloster ausgebaut.

Das Kloster Sumela ist bis heute nur über eine schmale Treppe zugänglich. Die ältesten Gebäude sind über 700 Jahre alt und haben geschichtsträchtige Ereignisse wie die Kaiserkrönung von Alexios III. gesehen. Mittlerweile ist das Kloster ein wichtiger Wallfahrtsort von Christen und Moslems gleichermassen. Seit 1972 steht Kloster Sumela als türkisches Nationalerbe unter besonderem Schutz.

Die Klostergebäude wurden in Höhlen oder direkt am Fels gebaut. (© Alaexis / Wikimedia / CC)

Die Klostergebäude wurden in Höhlen oder direkt am Fels gebaut. (© Alaexis / Wikimedia / CC)

Kloster Sumela: sagenbehaftete Stätte und Wallfahrtsort



Seit jeher ist das Kloster Sumela ein sagenbehafteter Ort, und seine Bedeutung hat das Kloster nicht zuletzt auch der spektakulären Lage zu verdanken. In einer Höhe von 1701 Metern, rund 270 m über einer tiefen Schlucht, bietet das Gebäude schon von Weitem einen atemberaubenden Anblick. Kloster Sumela wurde vermutlich im 4. Jahrhundert in den Fels gehauen und an die Felswände angebaut. So scheint es bis heute, als würde sich das Gebäude entlang der Bergwände an den Fels schmiegen.

Der Name Sumela stammt vom griechischen Wort Melas für schwarz. Der Klosterberg ist auf Griechisch als Schwarzer Berg bekannt und das Kloster der Allheiligen des Schwarzen Berges geweiht. Neben der handgemalten Ikone des Evangelisten Lukas soll im Kloster einst auch ein Splitter des Kreuzes aufbewahrt worden sein, an dem Jesus starb. Diese Kreuzreliquie wurde lange Zeit dazu verwendet, das Brunnenwasser für die Pilger zu weihen. Am 15. August 2010 fand im Kloster Sumela erstmals wieder eine Göttliche Liturgie statt, die anlässlich Mariä Entschlafung vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. abgehalten wurde.



Kloster Sumela ist auch für Moslems ein wichtiger Wallfahrtsort ist, da die Mutter Jesu Christi im Islam als Mutter des Propheten Isa verehrt wird, als Mutter des Jesus von Nazareth. So ist das Kloster in der Türkei auch als „Meryem ana manastiri“, als Mutter-Maria-Kloster, bekannt.

Kloster Sumela liegt über einer Schlucht und ist nur über Treppen zugänglich. (© Efe0462 / Wikimedia / CC)

Kloster Sumela liegt über einer Schlucht und ist nur über Treppen zugänglich. (© Efe0462 / Wikimedia / CC)




Das Kloster als Schauplatz historischer Ereignisse

Kloster Sumela wurde im Jahr 386 vom römischen Kaiser Theodosius I. gegründet. Trotz seiner unzugänglichen Lage im heutigen Altindere-Nationalpark wurde das Kloster mehrfach zerstört und von unterschiedlichen Herrschern wieder aufgebaut. In ihrer Grundform entstand die Klosteranlage im 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit empfing das Kloster jährliche Abgaben durch das Kaiserreich Trapezunt, das zwischen 1204 und 1461 zu den Nachfolgerstaaten des Byzantinischen Reichs zählte. Durch die kaiserlichen Abgaben erlangte das Kloster mit der Zeit einen beträchtlichen Reichtum.

Nach der Eroberung durch den osmanischen Sultan Mehmed II. im Jahr 1461 genoss das Kloster lange Zeit den Schutz der osmanischen Herrscher. So blieb das Kloster weiterhin ein beliebtes Reiseziel bei Pilgern und Mönchen gleichermassen. Im 19. Jahrhundert erhielt die Anlage schliesslich ihre heutige, charakteristische Form, als vor die Kirche selbst Möchszellen angebaut wurden.

Erst 1926 mussten die letzten Mönche im Zuge des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausches das Kloster verlassen. Die Reliquien befinden sich heute im Ort Veria in der griechischen Region Zentralmakedonien, nachdem sie mehrere Jahre lang in einer nahegelegenen Kapelle versteckt gelegen hatten. Der damalige türkische Ministerpräsident Inönü setzte sich schliesslich erfolgreich dafür ein, dass die Reliquien nach Griechenland überführt werden konnten.





Viele Fresken in der Felsenkirche sind bis heute erhalten. (© Acar54 / Wikimedia / CC)

Viele Fresken in der Felsenkirche sind bis heute erhalten. (© Acar54 / Wikimedia / CC)

Kirchenkunst und historische Schätze aus sieben Jahrhunderten

Neben den Reliquien, die heute nicht mehr auf Kloster Sumela aufbewahrt werden, sind in der Anlage zahlreiche weitere historische Schätze zu sehen. Die Felsenkirche als zentrales Element des Klosters ist an den Innen- und Aussenwänden mit Freskos geschmückt, von denen die ältesten noch aus der Zeit des trapezuntischen Kaisers Alexios III. stammen. Weitere Fresken aus dem frühen 18. Jahrhunderts zeigen verschiedene Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Eine grosse Abbildung stellte einst die Apokalypse dar, und auch von diesem Kunstwerk konnten Teile erhalten werden.



Neben der Felsenkirche umfasst die Klosteranlage mehrere Kapellen und die einstigen Studienräume. Ein Gästehaus, eine Bibliothek und ein heiliger Brunnen komplettieren das Kloster. Etwas weiter nördlich wurden ebenfalls Kapellen in den Berg gehauen, an denen weitere Fresken zu sehen sind. Die Fresken werden inzwischen regelmässig gereinigt und restauriert. Auch das Dach des Hauptgebäudes wurde vom türkischen Kultur- und Tourismusministerium erneuert.

Felsenkirche von Sumela (© Ziegler175 / Wikimedia / CC)

Felsenkirche von Sumela (© Ziegler175 / Wikimedia / CC)

Ein besonderer Schatz ist die Klosterbibliothek von Sumela, in der mehr als tausend Manuskripte gefunden wurden, die meisten davon aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ein Grossteil der Dokumente aus byzantinischer Zeit ist in Istanbul im Hagia-Sophia-Museum ausgestellt; weitere Dokumente können im Museum von Ankara eingesehen werden. Einige Stücke werden heute in Museen im Ausland aufbewahrt, darunter eine Kloster-Ikone in der irischen National Gallery in Dublin sowie eine Vielzahl von Dokumenten, die im Museum für Byzantinische Kunst in Athen zu sehen sind.

 

Oberstes Bild: Blick auf die Klosteranlage von Sumela (© Babbsack / Wikimedia / CC)

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Über Andrea Rathjen

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