Kunstmuseum Bern 2027: Franz Marc, digitale Welten und Camille Bombois

Existenziell aufgeladene Tierdarstellungen, das Leben in überformter Realität, digitale Wirklichkeiten: Das Kunstmuseum Bern lädt 2027 dazu ein, in Bildwelten einzutauchen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Eröffnet wird das Ausstellungsjahr mit den farbgewaltigen Gemälden von Franz Marc, die zu den berühmtesten Werken der Moderne gehören und erstmals umfassend in der Schweiz gezeigt werden. Mit [ENTER HERE]. Digitale Welten zeigt das Haus zum ersten Mal eine Ausstellung zur immersiven digitalen Kunst. Das Highlight im Herbst bildet die erste grosse Präsentation zum französischen Künstler Camille Bombois in der Schweiz. Ergänzt wird das Programm durch drei Schwerpunkte aus der Sammlung.

Ein blaues Pferd, eine gelbe Kuh, ein violetter Fuchs: Die leuchtenden Farben der Tierbilder von Franz Marc (1880–1916) faszinieren bis heute. Im Tier verdichtete sich für Marc das Existenziell-Schicksalhafte des Daseins, was in seinen Werken exemplarisch zum Ausdruck kommt. Das Kunstmuseum Bern zeigt mit Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt vom 26. Februar bis 4. Juli 2027 die erste umfassende Einzelausstellung des Expressionisten in der Schweiz. Rund achtzig Werke laden dazu ein, das in einer kurzen und enorm produktiven Schaffenszeit entstandene Werk des Mitbegründers des Blauen Reiter neu zu entdecken.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Franz Marc: Rund achtzig Werke sind vom 26. Februar bis 4. Juli 2027 zu sehen.
  • Digitale Kunst: [ENTER HERE]. Digitale Welten läuft vom 9. April bis 22. August 2027.
  • Camille Bombois: Die erste grosse Schweizer Ausstellung läuft vom 13. August 2027 bis 9. Januar 2028.
  • Sammlung: Adolf Wölfli, die Loeb-Stiftung und die Schweizer Moderne bilden weitere Schwerpunkte.
  • Bern: Das Jahresprogramm verbindet Moderne, digitale Gegenwartskunst und bedeutende Sammlungsbestände.

Den Bogen in die Gegenwart schlägt [ENTER HERE]. Digitale Welten, die erste Ausstellung zur digitalen Kunst im Kunstmuseum Bern. Über zehn raumfüllende Installationen, darunter Videogames, immersive Installationen und Videoprojektionen, können Besucher vom 9. April bis 22. August 2027 in utopische Weltentwürfe eintauchen und alternative Wirklichkeiten erleben.

Die unmittelbaren Gemälde des französischen Malers Camille Bombois (1883–1970) zeichnen sich durch eine besondere erzählerische Kraft aus. Seine Varietészenen und die sinnbildhaft verdichteten Landschaften und Alltagssituationen bewegen sich zwischen überformter Realität und Imagination. Vom 13. August 2027 bis 9. Januar 2028 lässt sich die eigenständige Bildsprache des Künstlers in der Ausstellung Camille Bombois. Manege des Lebens zum ersten Mal in der Schweiz entdecken.

Aus der Sammlung

Die Sammlung des Kunstmuseum Bern zählt zu den bedeutendsten Kunstsammlungen der Schweiz und ist geprägt durch eine Vielzahl von assoziierten Stiftungen, die wichtige Bestände einbringen. 2027 stehen Sonderpräsentationen zu zwei dieser Stiftungen auf dem Programm: Im Frühjahr überführt eine kabinettartige Präsentation das überbordende künstlerische Universum von Adolf Wölfli (1864–1930) in eine intime Begegnung. Im Sommer geben knapp dreissig Werke Einblick in die Sammlung der Anne-Marie und Victor Loeb-Stiftung. Diese vereint hochkarätige Werke aus dem Konstruktivismus und der Nachkriegsavantgarde, darunter Arbeiten von Jean Tinguely, Louise Nevelson und George Rickey.

Ab Ende September zeigt eine Sammlungspräsentation Aspekte der Schweizer Moderne. Neben die grossen Namen Ferdinand Hodler, Cuno Amiet und Giovanni Giacometti treten wiederzuentdeckende Positionen aus der Schweiz und insbesondere aus Bern.


Franz Marc
Fuchs (Blauschwarzer Fuchs), 1911
Öl auf Leinwand
50 × 63,5 cm
Von der Heydt-Museum Wuppertal
Foto: Medienzentrum Wuppertal

Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt

26.2.–4.7.2027

Ein blaues Pferd blickt in die Ferne, eine gelbe Kuh springt durch die Luft: Wer die farbgewaltigen Bilder von Franz Marc (1880–1916) einmal gesehen hat, vergisst sie nicht mehr. Mit Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt zeigt das Kunstmuseum Bern die erste umfassende Einzelausstellung des Künstlers und Mitbegründers des Blauen Reiter in der Schweiz.

Marcs Arbeiten gehören zu den Schlüsselwerken des deutschen Expressionismus und zu den berühmtesten Werken der Moderne. Mit rund achtzig Gemälden, Arbeiten auf Papier und Skulpturen aus nationalen und internationalen Sammlungen zeichnet die Ausstellung das nur wenige Jahre währende, aber ausserordentlich produktive Schaffen des Künstlers in seiner ganzen Vielfalt nach und bietet so einen einzigartigen Überblick über sein Werk – von den frühen ikonischen Tierdarstellungen bis zu den späten zunehmend abstrakten Kompositionen. Vor allem Marcs Tierbilder entfalten bis heute eine besondere ästhetische und emotionale Wirkung: Sie benennen das Existentiell-Schicksalshafte unseres Daseins und verweisen so auf eine tiefe Sehnsucht des Menschen nach Verbundenheit mit der Natur.

Medienrundgang

Mittwoch, 24. Februar 2027, 10:30

Eröffnung

Donnerstag, 25. Februar 2027, ab 18:30 (Türöffnung: 18:00)

Der Eintritt in die Ausstellung ist an diesem Abend frei.

Kuratorin

Livia Wermuth

Kooperation

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, und dem Kunstmuseum Bern.

Tierisches aus der Sammlung

Als Ergänzung zur Ausstellung ist ab dem 13. April 2027 ein Teil der Sammlungspräsentation unter dem Stichwort „Tierisches“ Werken von August Gaul bis Jean-Frédéric Schnyder gewidmet.


LuYang
Filmstill aus DOKU the Self, 2022
Single channel 4K digital video
36 Min.
© Lu Yang

[ENTER HERE]. Digitale Welten

9.4.–22.8.2027

Teil einer anderen Welt werden, sich eine neue Identität schaffen, in einer Utopie auf- oder einer Dystopie entgehen: Mit [ENTER HERE]. Digitale Welten zeigt das Kunstmuseum Bern zum ersten Mal eine thematische Ausstellung zur immersiven digitalen Kunst. Zehn Positionen von internationalen Künstlern und Kunstkollektiven aus den vergangenen sieben Jahren geben einen Einblick in das künstlerische Schaffen mit neuen Medien wie Videogames, Videoprojektionen oder hybriden Installationen. Sie entwerfen andere Welten, schaffen neue Identitäten, sehnen alternative Lebensformen herbei oder halten sozialen und ökologischen Krisen einen möglichen Ausweg entgegen.

Die präsentierten Werke spiegeln die Vielfalt der Ansätze wider, mit denen sich Künstler in einem von Technologie und Digitalität geprägten Alltag neue Räume erschliessen und virtuelle Identitäten erproben. Die so erzeugten Realitäten ermöglichen immersive Auseinandersetzungen mit zentralen Fragen unserer Zeit und dienen als Werkzeuge, um digitale und physische Wirklichkeiten neu zu denken.

Medienrundgang

Mittwoch, 7. April 2027, 10:30

Eröffnung

Donnerstag, 8. April 2027, ab 18:30 (Türöffnung: 18:00)

Der Eintritt in die Ausstellung ist an diesem Abend frei.

Kuratorin

Nina Liechti


Camille Bombois
Les enfants cueillant des fleurs, 1930
Öl auf Leinwand
65 × 81 cm
Kunstmuseum Thurgau
Foto: Stefan Rohner
© 2026, ProLitteris, Zurich

Camille Bombois. Manege des Lebens

13.8.2027–9.1.2028

Varieté, Natur, Arbeit, Alltag – der französische Künstler Camille Bombois (1883–1970) widmete sich in seiner Malerei den grossen Szenen des menschlichen Lebens und schuf dabei eine Bildwelt zwischen überformter Realität und Imagination. Seine Werke verbinden sorgfältige Beobachtung mit traumartigen Landschaftskompositionen und zeichnen sich durch eine besondere erzählerische Kraft aus.

Unter dem Titel Camille Bombois. Manege des Lebens präsentiert das Kunstmuseum Bern die erste grosse Ausstellung zu Camille Bombois in der Schweiz. Rund achtzig Gemälde geben einen umfassenden Einblick in Bombois’ vielfältiges Schaffen. In thematischen Kapiteln entfaltet die Ausstellung die unterschiedlichen Facetten seines Werks – von Varietészenen über Landschaften und Alltagssituationen bis hin zu Darstellungen von Arbeit, Körperlichkeit und Natur. Die Präsentation lädt dazu ein, einen Künstler neu zu entdecken, dessen eigenständige Bildsprache bis heute fasziniert.

Medienrundgang

Mittwoch, 11. August 2027, 10:30

Eröffnung

Donnerstag, 12. August 2027, ab 18:30 (Türöffnung: 18:00)

Der Eintritt in die Ausstellung ist an diesem Abend frei.

Kurator

Raphael Gygax


Adolf Wölfli Zeichnung aus dem Heft für Sasha Morgenthaler, 1915 Graphit- und Farbstift auf Papier 21,5 × 27,7 cm (Buchmass) Kunstmuseum Bern, Adolf Wölfli-Stiftung

Jean Gorin Relief spatio-temporel no 14, 1965 Öl auf Holz 45 × 44,8 × 8 cm Kunstmuseum Bern, Anne-Marie und Victor Loeb-Stiftung Foto: Kunstmuseum Bern

Plinio Colombi Selbstbildnis, 1920 Öl auf Sperrholz 41 × 35 cm Kunstmuseum Bern, Schenkung Fritz Pochon-Jent, Bern Foto: Kunstmuseum Bern

Aus der Sammlung

Adolf Wölfli. Schreiber, Dichter, Zeichner, Komponist

13.4.–25.7.2027

Erst im Alter von 35 Jahren findet Adolf Wölfli (1864–1930) in der Psychiatrischen Heilanstalt Waldau in Bern zur Kunst. In seiner kleinen Zelle arbeitet der traumatisierte Hilfsarbeiter dort als Zeichner, Komponist und Schriftsteller unermüdlich an seiner Skt. Adolf=Riesen=Schöpfung, die sich auf über 25’000 Seiten entfalten wird. Er verwebt Farbstiftzeichnungen, Notenlinien und wirbelnde Prosa zu einem rauschhaften Gesamtkunstwerk ohne einen Millimeter freien Raum. Geschaffen hat Wölfli damit ein Werk, das in der Kunst des 20. Jahrhunderts einzigartig ist und uns durch seine poetische Kraft bis heute berührt. Die kabinettartige Schau der Adolf Wölfli-Stiftung verdichtet dieses gewaltige Universum zu einer intimen Begegnung.

Kurator

Hilar Stadler

Schaufenster. Einblicke in die Sammlung der Loeb-Stiftung

31.8.2027–6.2.2028

Die Sammlung der Anne-Marie und Victor Loeb-Stiftung umfasst rund 350 hochkarätige Werke Schweizer und internationaler Kunstschaffender aus dem Konstruktivismus und der Nachkriegsavantgarde. Seit 1980 befindet sie sich als Dauerleihgabe im Kunstmuseum Bern. Die knapp dreissig gezeigten Arbeiten von Künstlern wie Jean Tinguely, Louise Nevelson oder George Rickey zeugen eindrücklich von der Offenheit und Leidenschaft, mit der Anne-Marie und Victor Loeb das Kunstschaffen ihrer Zeit begleitet und ihre Sammlung aufgebaut haben. Was einst im Dialog mit der zeitgenössischen Kunstszene entstand, öffnet sich heute erneut dem Dialog zwischen den Werken und mit dem Publikum.

Kuratorin

Nadine Franci

Hodler, Amiet, Giacometti & Co. Aspekte der Schweizer Moderne aus der Sammlung

ab 24. September 2027

Ferdinand Hodler, Cuno Amiet, Giovanni Giacometti: Gemeinsam formen sie das grosse Dreigestirn am Schweizer Kunsthimmel des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Sammlungsausstellung Hodler, Amiet, Giacometti & Co. Aspekte der Schweizer Moderne aus der Sammlung zeigt, wer neben diesen drei prominenten Figuren in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch noch Teil der Schweizer und insbesondere der Berner Kunstszene war. Sie lädt ein zu einer Tour d’Horizon, die die grossen Namen mit wiederzuentdeckenden Positionen der Schweizer Moderne vereint.

Kuratorin

Anne-Christine Strobel

Aktuelle Ausstellungen 2026–2027

Franz Gertsch. Blow-Up (Part I)

bis 17. Januar 2027

Franz Gertsch (1930–2022) gilt als Pionier des Fotorealismus und als Meister des modernen Holzschnitts. Als einer der bedeutendsten Schweizer Künstler seiner Zeit erlangte er mit monumentalen Werken Weltruhm. Franz Gertsch. Blow-Up bietet einen umfassenden Überblick über sechs Jahrzehnte künstlerischen Schaffens: Das Kunstmuseum Bern zeigt bis 17. Januar 2027 Franz Gertsch. Blow-Up (Part I) mit einem Schwerpunkt auf Malerei, und das Museum Franz Gertsch in Burgdorf bis 28. Februar 2027 Franz Gertsch. Blow-Up (Part II). Gertschs Werk bewegt sich zwischen Detailtreue und Monumentalität, Nahsicht und Fernwirkung, Mensch und Natur und beeindruckt bis heute durch seine Grösse, fotografische Präzision und immersive Wirkung.

Reise in die Freiheit. Capri – Skagen – Monte Verità

30.10.2026–31.1.2027

Drei Orte, ein Versprechen: Freiheit. Zwischen 1830 und 1930 zogen Künstler aus ganz Europa an die Ränder des Kontinents: auf die Insel Capri bei Neapel, nach Skagen an der Nordspitze Dänemarks aber auch auf den Monte Verità im Tessin. Fern der industrialisierten Städte suchten sie ein anderes Leben: näher an der Natur, näher an dem, was sie für „echt“ hielten. Die Ausstellung Reise in die Freiheit. Capri – Skagen – Monte Verità, die vom 30. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027 im Kunstmuseum Bern zu sehen ist, folgt dieser Sehnsucht. Rund sechzig herausragende Werke, von denen viele noch nie in der Schweiz zu sehen waren, zeigen die utopische Idylle, aber auch den ernüchternden Alltag.

 

Quelle: Kunstmuseum Bern
Bildquelle: Bild 1: Franz Marc, Blaues Pferd II, 1911, Öl auf Leinwand, 113 × 86 cm, Kunstmuseum Bern, Stiftung Othmar Huber, Foto: Kunstmuseum Bern; andere Bilder wie in der Bildlegende angegeben

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