Nepal nach der Katastrophe: Angst vor einer zweiten Flutwelle
von belmedia Redaktion Berge Draussen Lawinen Magazine nachrichtenticker.ch Natur Natur & Naturereignisse Natur & Umwelt News Orte reiseziele.ch Themen Unwetter wetter24.ch Wetterbericht Wettereinsätze Ⳇ Verbreitung
Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya ist die Gefahr noch längst nicht vorbei. In Nepal und Tibet haben Geröll, Fels und Schlamm Flüsse blockiert und neue Seen entstehen lassen. Behörden beobachten die Situation mit grosser Sorge: Sollten die instabilen natürlichen Barrieren brechen, könnten erneut gewaltige Wassermassen durch die Täler schiessen. Gleichzeitig ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf mindestens 472 gestiegen.
In Nepal wurden bis Freitagmorgen 469 Tote registriert, auf chinesischer Seite wurden mindestens drei weitere Todesfälle bestätigt. Mehr als 1’400 Menschen gelten weiterhin als vermisst. Unter ihnen befinden sich zahlreiche ausländische Touristinnen und Touristen sowie Pilgerreisende.
Während Rettungskräfte nach Überlebenden suchen und Hilfsgüter in die schwer zugänglichen Regionen bringen, richtet sich der Blick zunehmend auf die Gefahr weiterer Überschwemmungen. Zusätzlich werden in Teilen des Katastrophengebiets neue Regenfälle erwartet.
Neu entstandene Seen werden überwacht
Besonders kritisch sind Seen, die nach der Katastrophe durch natürliche Barrieren aus Geröll, Fels und Schlamm entstanden sind. Wasser sammelt sich hinter diesen Blockaden und übt zunehmend Druck auf das lose Material aus.
Ein solcher See wird auf nepalesischer Seite intensiv beobachtet. Auch in Tibet gibt es Hinweise auf einen weiteren aufgestauten See. Sollte eine dieser natürlichen Barrieren plötzlich nachgeben, könnte innerhalb kürzester Zeit eine neue Flutwelle entstehen.
Wie gewaltig die erste Katastrophe war, zeigen die Schäden entlang der betroffenen Flüsse. Bereits unmittelbar nach dem Ereignis berichtete das Belmedia-Netzwerk ausführlich über die verheerende Sturzflut und ihre Auswirkungen auf die Himalaya-Region in Nepal. Seither ist das tatsächliche Ausmass der Katastrophe immer deutlicher geworden.
Warum ein natürlicher Damm so gefährlich ist
Ein durch einen Erdrutsch oder Geröll entstandener Damm unterscheidet sich grundlegend von einer technisch gebauten Staumauer. Das Material ist nicht verdichtet und kann durch steigenden Wasserdruck, zusätzliche Niederschläge oder weitere Bewegungen am Berghang instabil werden.
Bricht eine solche Barriere, kann sich das aufgestaute Wasser schlagartig entleeren. Gerade in engen Gebirgstälern entwickelt eine solche Flut enorme Geschwindigkeit und Kraft. Deshalb werden Wasserstände und Veränderungen an den neu entstandenen Seen laufend überwacht.
Rettung wird durch zerstörte Infrastruktur erschwert
Die erste Flutwelle hat weite Teile der Infrastruktur zerstört. Dutzende Brücken und fast 40 Kilometer Strasse wurden beschädigt oder vollständig weggerissen. Zahlreiche Siedlungen sind auf dem Landweg kaum erreichbar.
Helikopter und Rettungsmannschaften versuchen weiterhin, eingeschlossene Menschen zu bergen und Lebensmittel, Trinkwasser sowie medizinisches Material zu verteilen. Nach Angaben des Roten Kreuzes könnten rund 93’000 Menschen von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen sein.
Auch weitere Erdrutsche bleiben möglich
Fachleute untersuchen weiterhin den genauen Ablauf der Katastrophe. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde sie wahrscheinlich durch einen gewaltigen Gletscher-, Eis- und Felsabbruch im Gebiet des Langtang Lirung ausgelöst. Die dabei entstandene Gerölllawine bewegte sich über grosse Distanzen durch das Flusssystem.
Das Gelände bleibt instabil. Regen kann zusätzlich Wasser in die Hänge bringen und weitere Erdrutsche auslösen. Für die Bevölkerung in den betroffenen Tälern bedeutet dies, dass die unmittelbare Gefahr trotz des Abfliessens der ersten Flut noch nicht vorbei ist.
Die kommenden Tage dürften deshalb entscheidend werden. Neben der Suche nach mehr als 1’400 Vermissten müssen die Einsatzkräfte verhindern, dass neu entstandene Gefahren zu einer zweiten Katastrophe führen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Titelbild: KI-Bild