Schweizer Bahnnetz: Was in zehn Jahren dazugekommen ist

Neue Basistunnel, eine grenzüberschreitende Verbindung bei Genf und zusätzliche Gleise an stark belasteten Stellen: Die Schweiz hat ihr Bahnnetz in den vergangenen zehn Jahren gezielt erweitert. Der Ausbau zeigt sich allerdings nicht nur in zusätzlichen Streckenkilometern, sondern auch in kürzeren Reisezeiten und mehr Platz für Züge.

Dieser Rückblick betrachtet die Entwicklung zwischen Ende 2015 und Ende 2025. Damit umfasst er zehn abgeschlossene Jahre und berücksichtigt tatsächlich in Betrieb genommene Anlagen. Bauvorhaben, die erst geplant sind oder noch ausgeführt werden, zählen nicht als fertige Erweiterungen.

Für die Bilanz ist eine Unterscheidung entscheidend: Eine neue Bahnverbindung verlängert das Streckennetz. Zusätzliche Gleise entlang einer bestehenden Verbindung erhöhen dagegen vor allem deren Kapazität. Und ein neuer Tunnel, der einen alten ersetzt, bedeutet nicht automatisch, dass das Netz um seine gesamte Länge wächst.

Wie viel länger ist das Bahnnetz geworden?

Das Bundesamt für Statistik weist in seiner aktuellen Übersicht für das gesamte Eisenbahnnetz weiterhin 5’317 Kilometer mit Erhebungsjahr 2020 aus. Hinzu kommen separat erfasste Zahnradbahnstrecken von 126 Kilometern. Zusammen sind das 5’443 Kilometer Eisen- und Zahnradbahnen; Tramlinien werden gesondert ausgewiesen. Diese Zahlen beschreiben ausdrücklich den Stand von 2020, nicht jenen von 2025 oder 2026. Eine exakte prozentuale Verlängerung des gesamten Schweizer Bahnnetzes über die betrachteten zehn Jahre lässt sich daraus nicht bestimmen.

Für die SBB und ihre Tochtergesellschaften ist dagegen ein Vergleich der veröffentlichten Unternehmenszahlen möglich: 2015 betrug die Länge der betriebenen Strecken 3’172 Kilometer, 2025 waren es 3’258 Kilometer. Die Differenz beträgt 86 Kilometer oder rund 2,7 Prozent.

Diese Kennzahl umfasst jedoch nicht sämtliche Schweizer Bahnen und enthält auch kleinere Streckenanteile im Ausland. Zudem beeinflussen Betreiberwechsel den Vergleich. So ging der Abschnitt Uttigen–Thun Anfang 2025 von der SBB an die BLS über. Dadurch wurde das ausgewiesene SBB-Netz kleiner, ohne dass die Verbindung aus dem Schweizer Bahnnetz verschwand. Die 86 Kilometer dürfen deshalb weder als gesamtschweizerischer Zuwachs noch als reine Summe neu gebauter Strecken verstanden werden.

Gotthard und Ceneri: Neue Wege durch die Alpen

Zu den wichtigsten Erweiterungen gehört der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel. Nach seiner Eröffnung im Juni 2016 begann der fahrplanmässige Betrieb am 11. Dezember desselben Jahres. Die neue Verbindung ergänzte die bestehende Bergstrecke, die weiterhin genutzt wird.

Am 13. Dezember 2020 folgte der kommerzielle Betrieb im 15,4 Kilometer langen Ceneri-Basistunnel. Er verkürzte die Verbindungen innerhalb des Tessins und verbesserte zusammen mit dem Gotthard-Basistunnel die Nord-Süd-Verbindung. Reisende profitieren von kürzeren Fahrzeiten, der Güterverkehr von einer leistungsfähigeren Alpenquerung. Damit veränderte sich die Gotthardachse für den Personen- und Güterverkehr wesentlich.

Bei der Kilometerrechnung ist auch hier Vorsicht nötig: Zwei parallele Tunnelröhren machen aus einem 57 Kilometer langen Streckenabschnitt nicht 114 Kilometer Bahnnetz. Streckenlänge und Länge sämtlicher Gleise sind unterschiedliche Grössen.

Genf: CEVA verbindet bisher getrennte Bahnnetze

Am 15. Dezember 2019 nahm der Léman Express mit der Verbindung CEVA zwischen Genève-Cornavin, Eaux-Vives und Annemasse den Betrieb auf. Das grenzüberschreitende Projekt schloss eine wichtige Lücke zwischen dem Genfer Bahnnetz und den französischen Strecken in Hochsavoyen.

Das CEVA-Projekt erstreckte sich über rund 16 Kilometer, davon 14,1 Kilometer auf Schweizer Gebiet. Es verband neue und umgebaute Abschnitte mit bereits bestehender Infrastruktur. Die gesamte Projektlänge entspricht deshalb nicht einfach zusätzlichen Schweizer Streckenkilometern.

Der wesentliche Gewinn lag in der neuen Durchgängigkeit: Bestehende Bahnlinien konnten zu einem zusammenhängenden grenzüberschreitenden Angebot verknüpft werden. Ein vergleichsweise kurzer Verbindungsteil veränderte damit die Nutzung eines deutlich grösseren Netzes.

Mehr Gleise im Mittelland und in der Westschweiz

Nicht jeder bedeutende Ausbau schuf eine Verbindung zu einem bisher unerschlossenen Ort. Häufig ging es darum, Engpässe auf bestehenden Achsen zu beseitigen. Ein Beispiel ist der im Dezember 2020 in Betrieb genommene Eppenbergtunnel. Zusammen mit weiteren Gleisanlagen gehörte er zum Vierspurausbau zwischen Olten und Aarau. Damit stand auf dieser stark belasteten Ost-West-Verbindung zusätzliche Kapazität zur Verfügung.

Zwischen Lausanne und Renens kamen ein viertes Gleis und eine sogenannte Überwerfung hinzu; die SBB führt für beide Projekte die Inbetriebnahme im Dezember 2022 auf. Eine Überwerfung ist eine Eisenbahnbrücke über andere Gleise. Sie ermöglicht, dass sich Zugfahrwege auf unterschiedlichen Ebenen kreuzen, statt sich gegenseitig zu blockieren. Solche Anlagen können mehr Verbindungen ermöglichen, obwohl die geografische Ausdehnung des Netzes kaum zunimmt.

Im Dezember 2025 folgten weitere Inbetriebnahmen im Raum Basel. In Liestal wurden der Vierspurausbau und ein Wendegleis nutzbar. Zusammen mit zusätzlichen Kapazitäten im Bahnhof Basel SBB schufen diese Arbeiten Voraussetzungen für einen dichteren Fahrplan.

Auch der Güterverkehr erhielt mehr Möglichkeiten

Ein weiterer Ausbau betraf die Abmessungen der Ladungen, die auf der Schiene transportiert werden können. Mit dem neuen Bözbergtunnel, der im November 2020 in Betrieb ging, wurde ein zentrales Bauwerk des Vier-Meter-Korridors auf der Gotthardachse fertiggestellt.

Dabei geht es nicht um breitere Gleise: Der Korridor ermöglicht den Bahntransport von Sattelaufliegern mit einer Eckhöhe von vier Metern. Der Nutzen besteht somit in zusätzlichen Transportmöglichkeiten auf einer vorhandenen Verkehrsachse und lässt sich nicht allein an der Netzlänge ablesen.

Albulatunnel: Ein Neubau ist nicht immer eine Erweiterung

Dasselbe gilt für Erneuerungen. Die Rhätische Bahn eröffnete im Juni 2024 den neuen, 5’860 Meter langen Albulatunnel. Er entstand parallel zum bisherigen Tunnel und übernahm dessen Funktion für den Zugverkehr. Für den alten Tunnel sah das Projekt die Umnutzung zum Sicherheitstunnel vor.

Damit wurde eine bestehende Verbindung erneuert, nicht eine zusätzliche, knapp sechs Kilometer lange Verbindung zu einem neuen Ziel geschaffen. Wer sämtliche neu gebauten Tunnelkilometer zusammenzählt und als Netzverlängerung bezeichnet, würde den tatsächlichen Zuwachs überschätzen.

Nicht jedes Ausbauprogramm war Ende 2025 abgeschlossen

Auch die Bezeichnung eines Bauprogramms ist kein Beleg dafür, dass bereits alle Arbeiten fertig sind. Laut Standbericht 2025 des Bundesamts für Verkehr waren rund zwei Drittel der Massnahmen des «Ausbauschritts 2025» realisiert und in Betrieb genommen. Weitere Vorhaben standen noch aus.

Die abgeschlossenen Projekte zeigen dennoch, wie sich das Bahnnetz verändert hat: Neue Verbindungen wie Gotthard, Ceneri und CEVA ergänzten die Infrastruktur. Zusätzliche Gleise, Überwerfungen und Bahnhofsausbau schufen Raum für mehr Verkehr. Ersatzbauten erneuerten bestehende Strecken. Eine Bilanz, die nur neue Kilometer zählt, erfasst deshalb lediglich einen Teil dieser Entwicklung.

🚆 Was Reisende konkret vom Ausbau haben

  • Zürich–Lugano: Die SBB nennt in ihrem Vergleich für 2025 eine Fahrzeit von 1 Stunde 53 Minuten – rund 50 Minuten weniger als 2015. Die tatsächliche Reisedauer hängt von der gewählten Verbindung ab.
  • Basel–Liestal: Im Dezember 2025 wurde der Viertelstundentakt der S-Bahn eingeführt. Dazu trugen die Ausbauten in Liestal und im Bahnknoten Basel bei.
  • Zürich–Chur: Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 besteht ein durchgehender IC-Halbstundentakt. Zu den baulichen Voraussetzungen gehörten ein Überholgleis für Güterzüge und kürzere mögliche Zugabstände zwischen Pfäffikon SZ und Altendorf.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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