Tallinn – mittelalterliches Juwel zwischen Ost und West

07.03.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Tallinn – mittelalterliches Juwel zwischen Ost und West
Jetzt bewerten!

Ein Besuch in Tallinn gleicht einer Zeitreise ins Mittelalter. Die meisten Altstadtgebäude in der estnischen Hauptstadt stammen aus dem 11. Jahrhundert, und die mächtigen Wehranlagen der alten Festungsmauern prägen bis heute das Stadtbild der Hafenmetropole. Rund 80% der Altstadtbauten wurden im Mittelalter errichtet und sind heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Tallinn hat aber auch ein junges, weltoffenes Gesicht und empfängt seine Besucher mit der entspannten Atmosphäre, die so typisch für die nordeuropäischen Städte ist. Tallinns Nachtleben ist weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt – kein Wunder bei einem Dutzend Hochschulen und Universitäten mit insgesamt rund 50.000 Studenten.

Bei den nördlichen Nachbarn ist Tallinn schon lange kein Geheimtipp mehr. Tagtäglich überqueren unzählige finnische Ausflügler den Finnischen Meerbusen vom 80 km entfernten Helsinki aus, um im deutlich preiswerteren Estland günstig einzukaufen. Mittlerweile entdecken aber auch immer mehr Reisende aus ganz Europa die junge, dynamische Ostseemetropole, die im Jahr 2011 zur Europäischen Kulturhauptstadt gekürt wurde.





Mittelalterliches Tallinn (Bild: maigi / Wikimedia / CC)

Mittelalterliches Tallinn (Bild: maigi / Wikimedia / CC)

1000 Jahren Geschichte auf der Spur



Schon Mitte des 11. Jahrhunderts wurde auf dem Domberg von Tallinn eine hölzerne Burg errichtet, die den Ursprung für die Markt- und Handelsstadt Reval legte, das heutige Tallinn. Ursprünglich handelte es sich beim Domberg und der Unterstadt um zwei getrennte Städte, deren Trennung in den repräsentativen Domberg und die Unterstadt der Handwerker und Kaufleute bis heute sichtbar ist. Dem aussergewöhnlich guten und vollständigen Zustand der mittelalterlichen Altstadt verdankt Tallinn auch die Aufnahme in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbegüter im Jahr 1997.

Unbestrittenes Zentrum der Altstadt ist der Rathausplatz mit dem gotischen Rathaus aus dem 13. Jahrhundert, dessen Aussichtsterrasse einen atemberaubenden Blick über die Stadt und den Finnischen Meerbusen bietet. An der Turmspitze des Rathauses können Besucher auch das Wahrzeichen der Stadt entdecken: Der Stadtknecht „Alter Thomas“ thront hier schon seit 1530 als kuriose Wetterfahne. Gegenüber lädt die älteste Apotheke Nordeuropas zu einem Besuch ein, der Raeapteek (Ratsapotheke), die im Jahr 1422 gegründet wurde und heute eine der beiden ältesten noch immer tätigen Apotheken in Europa ist. Vom einstigen Reichtum und der Vormachtstellung der Handelsstadt Tallinn zeugt das Schloss, in dem einstmals russische Gouverneure residierten und heute das estnische Parlament tagt.

Rathaus von Tallinn (Bild: MrPanyGoff / Wikimedia / CC)

Rathaus von Tallinn (Bild: MrPanyGoff / Wikimedia / CC)




Einflüsse aus Ost und West



Estlands Geschichte ist wie das aller baltischen Staaten geprägt von der Lage zwischen Ost und West, zwischen dem mächtigen russischen Nachbarn und den kulturellen Einflüssen der nord- und westeuropäischen Staaten. Auch Tallinns Kirchen zeugen von diesem Zwiespalt: Die repräsentative Domkirche, einer der ältesten Kirchenbauten der Stadt, ist der Jungfrau Maria gewidmet und den gotländischen Kirchen nachempfunden; wenige Hundert Meter entfernt erinnert die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren prachtvollen Zwiebeltürmen an die kulturelle und religiöse Nähe zu Russland. Erbaut zwischen 1894 und 1900 als Zeichen der Zugehörigkeit zu Russland, war die Alexander-Newski-Kathedrale in Tallinn lange Zeit ein umstrittenes Wahrzeichen. Mittlerweile zählt das imposante Bauwerk jedoch zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Allgegenwärtig sind in Tallinn die Überreste der mächtigen Stadtmauern, deren Wehrtürme mit zum Teil über 20 m Durchmesser von den häufig wechselnden Herrschaftsverhältnissen und wiederholten Eroberungsversuchen zeugen. Fast 2 km Mauerwerk und 26 Wehrtürme sind heute von den alten Befestigungsanlagen erhalten, darunter die „Dicke Margarethe“, die bei ihrer Erbauung so dicht am Ufer der Ostsee stand, dass die bei Sturm von den Wellen gebadet wurde. In der „Dicken Margarethe“ ist heute das estnische Schifffahrtsmuseum untergebracht; in unmittelbarer Nähe zum Turm kann ausserdem ein Denkmal für das Estonia-Unglück im Jahr 1994 besucht werden. Das Stahl-Denkmal des Bildhauers Villu Jaanisoo erinnert an die 852 Opfer des schwersten Schiffsunglücks in der europäischen Nachkriegsgeschichte.





Wehrturm Dicke Margarethe (Bild: Hajotthu / Wikimedia / CC)

Wehrturm Dicke Margarethe (Bild: Hajotthu / Wikimedia / CC)

Kultur und Erholung im modernen Tallinn

Rund um den Viru väljäk, den Platz der Esten, erstreckt sich das moderne Gegenstück zur mittelalterlichen Altstadt: Hier sind die grossen Einkaufszentren und Hotels angesiedelt, darunter mit dem Hotel Viru auch eine altehrwürdige Einrichtung, die sich im Kalten Krieg einen Namen als Treffpunkt von Geheimagenten machte. Jeder Raum des Hotels soll damals vom KGB überwacht worden sein, und so ist es nur konsequent, dass das Hotel heute ein KGB-Museum beherbergt. Im einstigen KGB-Hauptquartier erhalten Besucher einen Einblick in die bizarre Welt der Geheimdienste, ihre Abhörmethoden und Verwicklungen.

Unter den traditionellen Tallinner Museen ist besonders das Estnisches Kunstmuseum einen Besuch wert, das 2008 als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet wurde. Das Museum besteht aus mehreren separaten Einrichtungen, darunter das Kumu Kunstmuseum des finnischen Architekten Pekka Vapaavuori, in dem auf einer Fläche von 24.000 m² estnische Malerei ebenso wie moderne Kunst zu sehen ist. Das Museum liegt im Stadtteil Kadriorg unweit des gleichnamigen Stadtparks, der mit seinen Wald- und Gartenanlagen zugleich einen willkommenen Ausgleich vom Grossstadttrubel bietet. Im Kadriorg-Park ist neben dem Amtssitz des Staatspräsidenten auch das Museum für ausländische Kunst untergebracht.

Ehemaliger Zarenpalast im Kadriorg-Park (Bild: dalbera / Wikimedia / CC)

Ehemaliger Zarenpalast im Kadriorg-Park (Bild: dalbera / Wikimedia / CC)

Ein beliebtes Ausflugsziel bei Touristen und Einheimischen gleichermassen ist der Stadtstrand Pirita, ein naturbelassener Sandstrand inmitten von Kiefernwäldern. An sonnigen Sommertagen zieht es ganze Scharen von erholungsbedürftigen Grossstädtern in den nordöstlichen Vorort Pirita, der auf einer durchgehenden Uferpromenade vom Stadtzentrum aus erreicht wird.

 

Oberstes Bild: Ausblick vom Tallinner Domberg (Bild: aiko99ann / Wikimedia / CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Andrea Rathjen

Die Agentur belmedia GmbH beliefert die Leserschaft täglich mit interessanten News, spannenden Themen und tollen Tipps aus den unterschiedlichsten Bereichen. Nahezu jedes Themengebiet deckt die Agentur belmedia mit ihren Online-Portalen ab. Wofür wir das machen? Damit Sie stets gut informiert sind – ob im beruflichen oder privaten Alltag!


Ihr Kommentar zu:

Tallinn – mittelalterliches Juwel zwischen Ost und West

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.