Wandern in Nauders am Reschenpass – Eine Wiese voller Edelweiss

06.02.2015 |  Von  |  Alle Länder, Allgemein, Europa
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Wandern in Nauders am Reschenpass – Eine Wiese voller Edelweiss
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Seit ich das erste Mal vom Edelweiss-Steig in Nauders am Reschenpass hörte, wusste ich: Dort will ich unbedingt hin! Selbst nach vielen Jahren Bergwandern, hatte ich bis dahin nie wild wachsende Edelweiss gesehen. Auf der Fluchtwand in Nauders sollte dies auch ohne anspruchsvolle Klettereien möglich sein. Von meinen Wanderkollegen wollte niemand mitkommen, obwohl der allerschönste Altweibersommer Naturbegeisterte geradezu hinauszog in die Bergwelt. Also fuhr ich alleine nach Tirol.

Ich entschied mich gegen ein Hotel und für eine Ferienwohnung, um so frei und unabhängig wie nur möglich zu sein, und buchte gleich für mehrere Tage. Auf der Suche nach der passenden Unterkunft war ich im Internet auf das Haus am Stiegl aufmerksam geworden. Es liegt leicht erhöht über dem Dorf, mit traumhafter Aussicht, und das Beste ist: Der Wanderweg startet direkt vor der Haustüre. Der Vermieter, Herr Folie, ist nicht nur Bergführer, sondern zusammen mit seinem Hund Finn auch in der Bergrettung aktiv. Er kennt wirklich jeden Weg und versorgte mich mit wertvollen Tipps und Informationen.

Alpen-Edelweiss (Bild: Noclador, Wikimedia, CC)

Alpen-Edelweiss (Bild: Noclador, Wikimedia, CC)




Meine Edelweisswanderung sollte, dank eines Umweges, über sieben Stunden dauern. Das ahnte ich am Morgen, als ich gemütlich auf meinem Balkon frühstückte, noch nicht. Vom Haus aus folgte ich zunächst der für den Verkehr gesperrten kleinen Strasse. Hier dürfen nur Anlieger und Älpler fahren. Wanderer hatte es kaum und ich war fast alleine unterwegs. Neben der unbeschreiblichen Naturschönheit fiel mir vor allem der Geruch auf: Es duftete intensiv nach Wald und Kräutern. Nach rund 20 Minuten kam ich an der Alpwirtschaft Parditschhof vorbei und überlegte kurz, hier einen Kaffee zu trinken und die Aussicht zu geniessen. Aber dann verzichtete ich darauf, es lag schliesslich eine rechte Strecke vor mir, und die Aussicht würde sowieso mit jedem Höhenmeter noch schöner.

Ein Wegweiser verlangte eine Entscheidung: Geradeaus führt ein Alpsträsschen hinauf auf die Fluchtwand, wo die Edelweiss wachsen, links geht es auf einem anspruchsvolleren und abenteuerlicheren Weg ebenfalls dorthin. Wie ich, meinem Vermieter sei Dank, wusste, konnte ich aber auch von der schwierigeren Route aus jederzeit unterwegs noch eine „harmlose“ Abkürzung wählen und musste kein Risiko eingehen. Also war der Entschluss rasch gefasst: Ich suchte die Herausforderung. Als recht gut trainierte Wandersfrau traute ich mir die Höhenmeter zu und der steile Weg reizte mich. Zunächst überquerte ich eine malerische Alpwiese, die selbst im Herbst noch von den Farbtupfern bunter Blüten gesprenkelt war.



Vom gegenüberliegenden Hang erklangen seltsame Geräusche, die wahrscheinlich Wandersleute, die so etwas nie zuvor hörten, verschreckt hätten. Da ich aber waldnah aufwuchs, konnte ich die Laute rasch zuordnen: Es waren röhrende Hirsche. Diese, ziemlich ausdauernd, begleiteten mich mit ihren Rufen eine ganze Weile. Kaum setzte sich der Pfad im Wald fort, hörte er schon wieder auf: Ein Unwetter hatte vor einigen Tagen ein paar Bäume entwurzelt und diese lagen kreuz und quer vor mir. Darüber kletternd, konnte ich meinen Weg ein Stück fortsetzen, bis er definitiv zu Ende schien. Ein Anruf bei Herrn Folie, der hier jede Wurzel und jeden Stein kennt, brachte mich schnell wieder aus dem unübersichtlichen Baum- und Ästegewirr heraus, aber nun musste ich einen kleinen Umweg machen.

Ich marschierte an riesigen Steinpilzen vorbei und hoffte, auch am Abend noch solche Prachtexemplare zu entdecken. Das gäbe ein leckeres Nachtessen. Als sich der Wald lichtete, zeigte sich ein Bild wie aus einem kitschigen Heimatfilm: Vor mir stand auf einer Wiese mitten auf einer Waldlichtung eine Alphütte. Vögel zwitscherten und ein neugieriges Eichhörnchen liess sich fotografieren. Es sprang auch nicht gleich davon, als ich mich im Gras niederliess und mein Picknick auspackte. Hier wäre ich am liebsten den ganzen Nachmittag gelegen, schliesslich hatte ich ja Ferien! Wären da nicht einige Hundert Meter weiter oben auf der Fluchtwand die Edelweiss gewesen … Also hiess es, Rucksack schultern und den nun folgenden steilen, schmalen Pfad unter die Sohlen zu nehmen.

Wandern in Nauders am Reschenpass (Bild: © www.wanderforum.ch)

Wandern in Nauders am Reschenpass (Bild: © www.wanderforum.ch)

Schwitzend stand ich schliesslich auf dem Bazallerkopf, der mich auf einer Höhe von 2160m mit einem sensationellen Dreiländerblick überraschte. Das war etwas vom Schönsten, was ich bisher auf meinen Wanderungen sah. Als wenig später ein kleines, schon etwas welkes Edelweiss neben dem Weg stand, war mein Glück perfekt. Nun, so dachte ich, müsse ich den waghalsigen Weg hinauf auf die Fluchtwand gar nicht mehr unternehmen. Meine Meinung änderte sich, als ich vor dem grossen gelben Hinweisschild stand, welches den Einstieg zum Edelweiss-Steig signalisiert. Auf einer Länge von 200m erwarten den abenteuerlustigen Wanderer Stahlseile und 12 Trittbügel. Die Warnung war eindeutig: Nur für geübte und trittsichere Bergwanderer, begehen auf eigene Verantwortung – Steinschlag und Absturzgefahr.

Nun bin ich eher übervorsichtig als draufgängerisch, aber dies traute ich mir zu, und der Blick nach oben war zu verlockend. Ein Nervenkitzel waren für mich die Trittbügel, ganz kurz überlegte ich, umzukehren. Aber wirklich nur kurz und dann kletterte ich hinauf und zwang mich, erst nach unten zu sehen, nachdem ich den sicheren Boden der Edelweisswiese unter den Füssen hatte. Der Blick in die Tiefe war ebenso atemberaubend wie jener über die stolzen Berge der Schweiz, Italiens und Österreichs. Unzählige Edelweiss lagen mir zu Füssen und ich kniete nieder vor ihnen: vor Begeisterung und um viele tolle Fotos machen zu können.



Die Sonne brannte von einem tiefblauen Himmel, der Wind blies hier oben recht kräftig und um mich herum war nur Natur pur. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Es gab nur Edelweiss, Berge und mich. Mit zitternden Händen trug ich mich ins Gipfelbuch ein. Für den Rückweg wählte ich die Alpstrasse. Vorbei an der bereits geschlossenen Labaunalm kam ich, obwohl sich die Muskeln bemerkbar machten, zügig voran und genoss wieder den würzigen Duft des herrlichen Waldes. Als ich den nächsten prächtigen Steinpilz sah, wollte ich ihn erst mitzunehmen, entschied mich dann aber für ein Nachtessen in der Jausenstation Parditsch, an der ich schon am Morgen vorbeilief. Dort kocht man sehr gut, und der Panoramablick von der Terrasse ist einfach überwältigend, sodass ich seitdem immer, wenn ich in Nauders bin, hier einkehre.

Als in der Abenddämmerung das Haus am Stiegl erreicht war, war ich sehr froh, „daheim“ zu sein und nicht weiter hinunter ins Dorf laufen zu müssen. Später sass ich frisch geduscht und wohltuend müde noch ein wenig auf dem Balkon, über mir wölbte sich ein Sternenhimmel wie im Planetarium, und als die erste Sternschnuppe fiel, wünschte ich mir, dass ich wieder hierher kommen kann. Der Wunsch wurde mir schon mehrfach erfüllt!

Informationen:

Höhenunterschied: ca. 900 Meter

Beste Jahreszeit für diese Tour: Mai bis Oktober

Tourismusbüro Nauders: 0043 50 225 400



Webseite Nauders www.nauders.com



Ferienwohnung Haus am Stiegl: Herr Folie 0043 664 541 8869

Die Wanderwege sind in der Region alle nummeriert, perfekt ausgeschildert und anhand einer gratis Wanderkarte, welche Tourismusbüro und Vermieter abgeben, ist ein Verlaufen praktisch unmöglich.

 

Oberstes Bild: Fluchtwand Edelweisswiese – Nauders Tirol (A) (© www.wanderforum.ch)

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