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Warschau – moderne Metropole mit bewegter Vergangenheit

23.09.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Warschau – moderne Metropole mit bewegter Vergangenheit
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In kaum einer anderen europäischen Metropole hat die jüngere Geschichte solche Zerstörungen hinterlassen wie in Warschau. Wer Polens Hauptstadt besucht, wird noch an vielen Orten an die schlimmen Ereignisse der Vergangenheit erinnert.

Und dennoch präsentiert sich Warschau heute Besuchern als dynamische und weltoffene Stadt, die längst aus Ruinen wiedererstanden und der Zukunft zugewandt ist. Hier befinden sich nicht nur die politischen Institutionen des Landes, Warschau ist Motor der polnischen Wirtschaft und Zentrum der Kunst und Kultur.

Fast völlig zerstört



2014 jährt sich der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. Gleichzeitig ist es 70 Jahre her, dass der Warschauer Aufstand stattgefunden hat. An beide Ereignisse wird vielerorts in Polen erinnert. Der deutsche Überfall und die sich anschliessende Gewaltherrschaft haben in der polnischen Hauptstadt tiefe Wunden geschlagen. Damals schien das Ende der Stadt an der Weichsel gekommen zu sein. Das Warschauer Getto ist ein Synonym für den Holocaust. Nach dem Warschauer Aufstand 1944, in dem polnische Patrioten vergeblich die Befreiung von der Besatzung versuchten, war es das erklärte Ziel Hitlers, Warschau von der Landkarte zu tilgen. Weite Stadtbereiche wurden daraufhin von den Deutschen gesprengt. Der Wiederaufbau nach dem Krieg schien eine kaum zu lösende Aufgabe zu sein.

Denkmal des Warschauer Aufstandes 1944 (Bild: DavidConFran, Wikimedia, CC)

Denkmal des Warschauer Aufstandes 1944 (Bild: DavidConFran, Wikimedia, CC)

Originalgetreuer Wiederaufbau



Trotz der Not der Zeit entschied man sich zumindest im historischen Zentrum für eine Rekonstruktion der zerstörten Gebäude. So kommt es, dass heute die Warschauer Altstadt wieder in ihrem alten Glanz erstrahlt. Sogar eine gewisse Patina haben die Gebäude teilweise erneut angesetzt. Ihre repräsentativsten Bauten sind das wiedererrichtete Königsschloss, die Johanneskathedrale und die benachbarte Jesuitenkirche. Dazwischen ducken sich die neu-alten Bürgerhäuser um Strassen, Gassen und Plätze.

Auch die an die Altstadt angrenzende historische Neustadt und die Krakauer Vorstadt wurden bereits in den 1950er-Jahren grossteils originalgetreu wiederaufgebaut. Ihre Prachtmeile bildet der Königsweg. Es handelt sich um die weltweit umfassendste Rekonstruktion zerstörter alter Bausubstanz – eine Leistung ohne Beispiel, die mit der Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe belohnt wurde.





Wiedererrichtete Altstadt (Bild: A.Savin, Wikimedia, CC)

Wiedererrichtete Altstadt (Bild: A.Savin, Wikimedia, CC)

Im Glanz von Barock und Rokoko

Auch viele andere zerstörte oder zumindest schwer beschädigte Bauten im weiteren Umfeld wurden wiederhergestellt. So präsentiert Warschau Besuchern heute eine Vielzahl an sehenswerten Kirchen und Palästen, die an die grosse Zeit der Stadt unter Polens Königen erinnern. In jener Ära vor den polnischen Teilungen Ende des 18. Jahrhunderts war Krakau zwar weiter offiziell die Hauptstadt des Landes, Warschau diente aber zunehmend als Regierungssitz und Königsresidenz. Zur Hauptstadt wurde es erst mit der Wiedererrichtung des polnischen Staates nach dem Ersten Weltkrieg.

Die Paläste und Kirchen entsprechen den vorherrschenden Stilrichtungen während Warschaus Glanzzeit – Barock, Rokoko und Klassizismus dominieren. Auch Jahrzehnte später ist der Wiederaufbau nicht abgeschlossen. So wird zum Beispiel an der Wiedererrichtung des einst bekannten Sächsischen Palais gearbeitet.

Łazienki-Palast in Warschau (Bild: Andrzej Barabasz, Wikimedia, CC)

Łazienki-Palast in Warschau (Bild: Andrzej Barabasz, Wikimedia, CC)

Sozialistischer Realismus

Viele andere Teile des historischen Warschaus sind dagegen unwiederbringlich verloren. Selbst die alten Strassenverläufe sind nicht mehr vorhanden. Grosse Teile der Stadt entstanden nach dem Krieg im Stil des sozialistischen Realismus völlig neu – nicht immer eine Augenweide. Das sichtbarste Zeichen der kommunistischen Ära und markantester Bau dieser Zeit ist der Kulturpalast, ein Wolkenkratzer-Denkmal im typisch stalinistischen Zuckerbäcker-Stil.

Der Kultur- und Wissenschaftspalast  in Warschau (Bild: Ty221, Wikimedia, CC)

Der Kultur- und Wissenschaftspalast in Warschau (Bild: Ty221, Wikimedia, CC)




Moderne Glasfassaden

Nach dem Ende des Kommunismus und der Öffnung zum Westen erlebte Warschau einen weiteren Umbruch, der sich auch in den Bauten bemerkbar machte. Warschau ist praktisch ein Experimentierfeld moderner Architektur. Zahlreiche neue Bauten mit Glasfassaden sind seit den 1990er-Jahren entstanden. Dem Kulturpalast machen heute futuristische Hochhäuser Konkurrenz. Scherzhaft nennt die Weichsel-Metropole sich selbst „Europas grösste Baustelle“. Warschau erwirtschaftet alleine ein Siebtel des polnischen Bruttoinlandsprodukts. Die Warschauer Börse ist einer der bedeutendsten Börsenplätze im östlichen Europa. Ein Zeichen der neuen Zeit sind die Zlote Tarasy – die Goldenen Terrassen –, ein gigantisches Einkaufszentrum in der Nähe des Zentralbahnhofs.

Ein buntes Kulturleben



Warschau verfügt ausserdem über eine reiche Kulturlandschaft. Es gibt Dutzende von Museen, Galerien und Gedenkstätten. Letztere sind vor allem den tragischen historischen Ereignissen gewidmet. Das bedeutendste Museum ist das Nationalmuseum mit Niederlassungen im Königsschloss und in anderen Palästen. Rund 30 Theater und Schauspielhäuser – allen voran Staatsoper und Nationaltheater – stehen für eine vielfältige Theaterszene. Regelmässige Konzerte und Festivals gehören zum Warschauer Kulturbetrieb – zum Beispiel die Chopin-Konzerte im Lazienki-Park, das Theater-Festival, das Film-Festival oder das Jazz Jamboree, ein internationales Jazz-Event.

Und auch für Nachtschwärmer hat Polens Hauptstadt einiges zu bieten. Neben zahlreichen Bars und Restaurants existiert eine bunte Klubszene, die vor allem junges Publikum anspricht. Gut 250’000 Studenten an den Universitäten und Hochschulen der Hauptstadt tragen zum jugendlichen Flair Warschaus bei.

Eine Stadt der Gegensätze

Erneuerung und Bewahrung, Moderne und Tradition, Aufbruch und Erinnerung, Ost und West – all dies sind Schlagworte, die für Polens Hauptstadt in besonderem Masse kennzeichnend sind. Sie machen einen Aufenthalt in der ebenso alten wie neuen Metropole zu einem faszinierenden und eindrucksvollen Erlebnis.

 

Oberstes Bild: Warschauer Seejungfer auf dem alten Marktplatz in Warschau (DocentX, Wikimedia)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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