Zu Besuch in Europas neuer Kulturhauptstadt Umea

17.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Zu Besuch in Europas neuer Kulturhauptstadt Umea
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Eigentlich halte ich ja nicht allzu viel von diesen ständigen Auszeichnungen als „Kulturstadt des Jahres“, „Ferienziel des Jahres“ und ähnlichen. Doch als die Meldung kam, dass Umea in Nordschweden als europäische Kulturhauptstadt 2014 ausgezeichnet wurde, konnte ich nicht widerstehen, mich näher zu informieren.

Schliesslich packte ich meine Koffer und zog aus, die grösste Stadt Nordschwedens genauer in Augenschein zu nehmen, und wurde in jeglicher Hinsicht positiv überrascht.



Erster Eindruck war langweilig

„Das Tor nach Lappland“, wie Umea auch manchmal genannt wird, liegt eineinhalb Flugstunden von Stockholm entfernt und zeigt sich auf den ersten Blick wenig aufregend. Zwei grössere Strassen, ein paar hübsche alte schwedische Häuser aus Holz und eine mittlere Anzahl von Geschäften, Bars und Lokalen – das war’s. Der grosse Fluss Ume älv, der im Winter komplett zugefroren ist, zeichnet das unmittelbare Landschaftsbild aus – sowie vor allem auch Birken: Wohin man blickt, sieht man Tausende dieser für die Region und Umea typischen grünbelaubten Bäume.

Zweiter Blick lohnt sich

Doch Landschaft und Einsamkeit sind nicht alles, was Umea, die Hauptstadt von Västerbottens län, zu bieten hat. Denn da gibt es etwa den neuen Kunstbezirk, der mit einer erstaunlichen Anzahl an Museen aufwartet. Allen voran gilt es, das Bildmuseet zu besuchen, das pro Jahr knapp 15 verschiedene, meist sehr hochwertige Ausstellungen zeigt. Daneben befindet sich die Norrlandsoperan, ein sehr modernes Opernhaus, dessen Besucher aus ganz Nordskandinavien kommen.





Bildmuseet in Umea (Bild: Arild Vågen, Wikimedia, CC)

Bildmuseet in Umea (Bild: Arild Vågen, Wikimedia, CC)

Nach so viel Kunst brauche ich Abwechslung im Grünen und begebe mich in den Skulpturenpark Umedalen. Dieser befindet sich auf dem Gelände der psychiatrischen Klinik und stellt Arbeiten von bekannten internationalen Künstlern aus. Ich wandere weiter durch diese beeindruckende Stadt und begebe mich auf die Spuren von Stieg Larson, dessen Krimis mich seit jeher faszinierten und der einer der berühmten Söhne der Stadt ist. Das Tourismusbüro veranstaltet eigene Stadtspaziergänge in seinem Namen; Teilnehmer können dabei versteckte Plätze und Orte entdecken, an denen der Autor seiner Passion, dem Schreiben, nachging.

Eye blenches II von Louise Bourgeois, 1996-1997, Schwarzer Zimbabwe Granit, Standort – Skulpturengarten Umea (Bild: Huhenning, Wikimedia, CC)

Eye blenches II von Louise Bourgeois, 1996-1997, Schwarzer Zimbabwe Granit, Standort – Skulpturengarten Umea (Bild: Huhenning, Wikimedia, CC)

Dichtest besiedelte Stadt in Nordschweden

Wenn ich zu Fuss auf den Strassen Umeas unterwegs bin, begegne ich meist sehr freundlichen und höflichen Menschen. Jeder ist bemüht, weiterzuhelfen, wenn man nach dem Weg fragt, wobei viele sogar Deutsch sprechen. Ich begegne aber auch sehr vielen jungen Leuten, was vor allem daran liegen mag, dass bis zu 36’000 Studenten aus aller Welt hierher zum Studium kommen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsache hat Umea in den letzten 50 Jahren ein rasantes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen; derzeit sind es an die 120’000 Menschen, die hier leben und arbeiten.

Damit zählt die Stadt zur dichtest besiedelten in ganz Nordschweden und muss auf ihr vitales und junges Image achten. Ich bin zu einer Zeit hier in den Ferien, wo das Tageslicht täglich mehr wird, bis irgendwann im Sommer die Sonne gar nicht mehr untergeht. Die Menschen sind dankbar für die neue Helligkeit im Jahr und feiern ausgelassen auf den Strassen.

Im Zentrum von Umea während der jährlichen Kulturnatta-Veranstaltung (Bild: MikaelLindmark, Wikimedia, CC)

Im Zentrum von Umea während der jährlichen Kulturnatta-Veranstaltung (Bild: MikaelLindmark, Wikimedia, CC)




Aktivitäten werden hier grossgeschrieben

Wer in Umea Ferien macht, der kann nicht damit rechnen, auf der faulen Haut zu liegen. Denn allein schon die vielfältige Landschaft mit den zahlreichen Inseln, beerenreichen Wäldern und fischreichen Flüssen lädt zu Aktivität jeglicher Art ein. Die ersten paar Tage bin ich mit dem Bike unterwegs, bevor ich mich an Ausgefalleneres wage wie zum Beispiel eine Biber- oder Robbensafari.

Die possierlichen Tiere so hautnah erleben zu können, ist ein einmaliges Erlebnis und wird mir lange in Erinnerung bleiben. Damit Sightseeing nicht zu kurz kommt, mache ich auch einen Abstecher ins Freilichtmuseum Gammlia und auf die Inselgruppe Norrbyskär mit den Stromschnellen und den gut erhaltenen Eisenhütten. Ein Besuch im Haus der Elche rundet meine Ausflüge in die Umgebung von Umea ab und ich kehre zurück in die pulsierende Metropole.

Schiffswracks auf der Inselgruppe Norrbyskär (Bild: Bengt A Lundberg, Wikimedia, CC)

Schiffswracks auf der Inselgruppe Norrbyskär (Bild: Bengt A Lundberg, Wikimedia, CC)




Kulturhauptstadt im Zeichen der Sami

Kronprinzessin Victoria selbst hat im Januar den Startschuss für das Jahr der Kulturhauptstadt gegeben. Über 100 Veranstaltungen stehen auf dem Jahresprogramm – vom Jazz über Motorsport bis hin zu einem Opern-Open-Air mit der spanischen Truppe La Fura dels Baus. Was ich bei meinem Aufenthalt bereits in Grundzügen erlebe, soll kompletter Mittelpunkt des Interesses der Besucher sein: nämlich die Kultur der Samen, nach deren 8 Jahreszeiten auch das Kulturhauptstadtjahr ausgerichtet ist.

Dieses Volk, dessen Geschichte Nordschweden geprägt hat, war jahrhundertelang von Ausgrenzung betroffen. Bei einer Veranstaltung erlebe ich das traditionelle Jojken, die hochpoetische beeindruckende gesungene Sprache der Samen. Zahlreiche Museen bieten Einblick in den Alltag und die Lebensweise dieses ursprünglichen Volkes, das vor allem von der Rentierzucht und Fischerei lebte.

Und was Rentiere betrifft, so gerate ich genau bei diesem Thema an meine Grenzen. Denn so putzig diese Tiere mit den braunen Kulleraugen auch sind, in Umea stehen sie traditionell auf dem Speiseplan. Da halte ich mich lieber an das zweite Hauptnahrungsmittel der Region, nämlich den Lachs, der in sämtlichen Variationen hier auf den Tisch kommt. Als Nachspeise gibt es eine Kanelbullar, eine der köstlichen Zimtschnecken.



 

Oberstes Bild: Europas neue Kulturhauptstadt Umea (Bild: Andreas Gradin / Shutterstock.com)

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