Die attraktivsten Städteziele in Deutschland, Österreich und der Schweiz

27.04.2015 |  Von  |  Europa, Städtereisen
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Die attraktivsten Städteziele in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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Welche Städte in der Mitte Europas waren im vergangenen Jahr die begehrtesten Reiseziele? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine vor wenigen Tagen vorgestellte Studie eines deutschen Reisevergleichs-Portals. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend – auch was die Schweiz betrifft.

Die Untersuchung beruht auf einer Auswertung von Zahlenmaterial, das von den Statistischen Landesämtern in Deutschland, der Bundesanstalt Statistik Österreich und des Bundesamtes für Statistik Schweiz zur Verfügung gestellt wurde.

Luzern – die attraktivste Schweizer Stadt

Ein Kernelement der Studie ist eine Rangliste von insgesamt 138 Städtezielen in den drei untersuchten Ländern. Die Rangfolge wurde dabei auf der Grundlage der Übernachtungsintensität pro Einwohner im vermittelt. Das heisst, die Übernachtungszahlen wurden immer ins Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl gesetzt. Mit dieser Methodik wird sichergestellt, dass auch kleinere Ziele, die naturgemäss über geringere Übernachtungskapazitäten verfügen als grosse Metropolen, angemessen berücksichtigt sind.

Verwendet man diese Verhältniszahl, lagen im vergangenen Jahr drei Städte ganz vorne, was die Übernachtungsintensität – und damit auch die Attraktivität – betrifft: Salzburg, Baden-Baden und Luzern. Im österreichischen Salzburg kamen 2014 achtzehn Übernachtungen auf einen Einwohner, im deutschen Traditions-Kurort Baden-Baden waren es siebzehn und in der Schweizer Kantonsstadt Luzern am Vierwaldstättersee fünfzehn. Dies zeigt: Neben den bekannten Metropolen können auch kleinere und mittlere Städte gute Plätze auf den vorderen Rängen erzielen. Grösse und Bedeutung sind also nicht alleine ausschlaggebend für die Attraktivität. Zu den Top 37, die in der Studie als Touristenmagnete bezeichnet werden, gehören in diesem Sinne auch Städte wie Passau, Rostock, Konstanz, Eisenach, Fulda oder Bamberg.


Panorama von Luzern (Bild: chensiyuan, Wikimedia, GNU)

Panorama von Luzern (Bild: chensiyuan, Wikimedia, GNU)


Sieben Schweizer Touristenmagnete

Unter den ersten 37 finden sich immerhin sieben Schweizer Ziele. Neben Luzern sind das Genf (Platz 7), Lugano (Platz 14), Zürich (Platz 21), Basel (Platz 29), Lausanne (Platz 33) und Bern (Platz 35). Die Schlusslichter der Liste liegen allesamt in Deutschland. Es handelt sich fast ausschliesslich um Städte im Ruhrgebiet. Dies ist nicht unbedingt überraschend, denn das Image der Ruhrstädte wird nach wie vor stark durch Schwerindustrie und Kohleförderung geprägt, dabei gehört beides vielfach schon lange der Vergangenheit an. Obwohl die Region im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren viel zur Förderung des Tourismus getan hat, meiden die Besucherströme immer noch dieses klassische Herzland der Industrialisierung.

Die Messung anhand der Übernachtungsintensität mag kein schlechter Ansatz sein, um die Attraktivität eines Städteziels zu bestimmen. Sie gibt aber sicher kein vollständiges Bild wieder. In absoluten Übernachtungszahlen betrachtet sieht die Rangfolge anders aus. Und längst nicht jede Übernachtung ist touristisch motiviert. Viele Städte-Aufenthalte sind auch durch Geschäftsreisen bedingt. Der „Business“-Anteil lässt sich aus den veröffentlichten statistischen Daten nicht ablesen. Hier ist man auf Vermutungen angewiesen. Nicht berücksichtigt ist ausserdem der Tagestourismus, der auch erheblich den Fremdenverkehr einer Stadt bestimmen kann.


Panorama von Genf (Bild: Alexander Demyanenko / Shutterstock.com)

Panorama von Genf (Bild: Alexander Demyanenko / Shutterstock.com)


Schweiz: Zürich, Genf und Luzern am meisten besucht

Wenn man – bezogen auf die Schweiz – die absoluten Übernachtungszahlen zugrunde legt, ergibt sich folgendes Ergebnis: Spitzenreiter war hier Zürich mit 2,916 Mio. Übernachtungen, gefolgt von Genf mit 2,052 Mio. und Luzern mit 1,218 Mio. Auf den nächsten Plätzen folgen Basel, Lausanne, Bern, Lugano, St. Gallen und Chur. Interessant ist auch die Betrachtung der Veränderungen. Besonders dynamisch entwickelten sich die Übernachtungszahlen in Zürich, Luzern, Basel und St. Gallen. Hier gab es Wachstumsraten von drei Prozent und mehr. Mit einem Plus von 5,5 Prozent war der Zuwachs in St. Gallen besonders ausgeprägt, das allerdings beim Übernachtungsumfang deutlich hinter den Schweizer Top-Zielen zurückfällt. Am schlechtesten schnitt Chur im Kanton Graubünden mit einem Minus von 0,2 Prozent ab.



Deutschland: Berlin, München und Hamburg an der Spitze

In Deutschland waren Berlin, München und Hamburg – absolut betrachtet – mit weitem Abstand die am meisten besuchten Städte. Das ist nicht weiter überraschend, denn es handelt sich um Deutschlands grösste Metropolen, von denen jede eine Fülle an Sehenswürdigkeiten, Events und kulturellen Angeboten für Reisende bereithält. Ausserdem handelt es sich auch im Hinblick auf Tagungen, Kongresse und Geschäftsveranstaltungen um Hotspots. Schlusslichter bildeten hier wieder die Städte des Ruhrgebietes. Den grössten Übernachtungszuwachs verzeichnete dabei die deutsche Hauptstadt Berlin. Die Zahl der Übernachtungen nahm hier im Vergleich zum Vorjahr um 1,747 Mio. zu und erreichte mit 28,689 Mio. einen neuen Rekordwert. Ebenfalls über starke Zuwächse konnten sich Köln, München, Frankfurt/Main und Hamburg freuen. Zumindest bei Frankfurt dürfte auch die Bedeutung der Stadt als Finanzplatz, Banken- und Messestandort zum Übernachtungs-Boom beigetragen haben.


Berlin bei Nacht (Bild: FinnishDriver. Wikimedia, CC)

Berlin bei Nacht (Bild: FinnishDriver. Wikimedia, CC)


Österreich: alles konzentriert sich auf Wien

In Österreich lagen in absoluten Übernachtungszahlen Wien, Salzburg und Innsbruck an der Spitze. Die Hauptstadt war dabei mit grossem Abstand das Top-Reiseziel. Mit 13,524 Mio. Übernachtungen übertraf sie das zweitplatzierte Salzburg um mehr als das Fünffache. Auch relativ gesehen entwickelten sich die Übernachtungen in der Donaumetropole besonders positiv. Mit einem Plus von über 800.000 Übernachtungen bzw. 6,3 Prozent relativem Zuwachs wies sie die höchste Dynamik unter den österreichischen Städten aus. Die Attraktivität Wiens als Reiseziel ist offenbar ungebrochen. Die Bauwerke aus der Zeit der K.u.K.-Monarchie, die Museumslandschaft und die einzigartigen kulturellen Highlights üben offenbar eine unveränderte Faszination aus. Übernachtungsrückgänge mussten dagegen Wels, St. Pölten und insbesondere Villach im Bundesland Kärnten hinnehmen. In der eingangs genannten Rangliste der Übernachtungsintensität finden sich neben Salzburg noch drei weitere österreichische Ziele: Villach (Platz 4), Innsbruck (Platz 5) und Wien (Platz 18). Gerade das Beispiel Villach zeigt, dass die Einstufung durchaus unterschiedlich ausfallen kann – je nachdem, was betrachtet wird.


Wien ist die meistbesuchte Stadt in Österreich. (Bild: Cornelia Pithart / Shutterstock.com)

Wien ist die meistbesuchte Stadt in Österreich. (Bild: Cornelia Pithart / Shutterstock.com)


Negative Trendwende durch Franken-Aufwertung?

Die Studie beschäftigt sich primär mit der Situation im vergangenen Jahr. Noch nicht berücksichtigt sind daher zum Beispiel Auswirkungen, die die zwischenzeitlich erfolgte massive Franken-Aufwertung auf den Städte-Tourismus in der Schweiz hat. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass es erste Negativ-Signale gibt. So gingen im Januar die Übernachtungszahlen in der Schweiz bereits um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Es könnte sich um mehr als einen nur vorübergehenden Einbruch handeln. Nähere Zahlenangaben, Tabellen und Informationen zur Studie finden Sie hier.

 

Oberstes Bild: © Maridav / Sutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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