Die Teestrasse Maliandao, Teil 1: die Kunst, Chinas Lieblingsgetränk einzukaufen

29.11.2013 |  Von  |  Alle Länder, Asien
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Die Teestrasse Maliandao, Teil 1: die Kunst, Chinas Lieblingsgetränk einzukaufen
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Übersetzt aus dem Chinesischen bedeutet Maliandao „Die Pferdestrasse“. Der Grund dafür liegt vielleicht darin, dass grosse und kleine, mit Waren vollbeladene Pferdekarren Jahrhunderte lang durch diese Strasse zogen. Heutzutage ist Maliandao eine der beliebtesten Shopping-Attraktionen in der chinesischen Hauptstadt. Hier finden Einheimische und Touristen tausende Teegeschäfte – von kleinen Teeläden bis zu Tee-Supermärkten, die den Kunden hunderte Teesorten und alle nur erdenklichen Utensilien für die Teezeremonie anbieten.

Maliandao befindet sich im Südwesten Pekings und erstreckt sich fast anderthalb Kilometer von Norden nach Süden. In der Tee-Strasse selbst und auch in den engen Nebensträsschen sind die grossen Markthallen, die zum Teil 24 Stunden offen sind, und die kleinen traditionellen Teeläden zu finden. Letztere sind natürlich wegen ihrer Authentizität ein viel interessanterer Einkaufsort. Manche Verkäufer sprechen etwas Englisch, aber auch ohne Sprachkenntnisse kommt man nur mit Gesten, Mimik und einer guten Portion Freundlichkeit sehr gut zurecht.



In jedem noch so kleinem Teeladen in der Tee-Strasse arbeiten mindestens zwei Personen – der Verkäufer selbst und sein Aushelfer. Der Verkäufer spricht mit den Kunden und giesst für sie den Tee auf, während sein Helfer den ausgesuchten Tee wiegt und verpackt.

Der Arbeitsplatz des Verkäufers befindet sich an einem kleinen Teetisch, auf dem die zahlreichen Requisiten der Teezeremonie Platz haben: Grosse und kleine Teekannen,    Teeschalen, Pinsel, Pinzetten, jede Menge Tonfiguren, die die unterschiedlichsten Götterchen oder Tiere darstellen. Jedem, der in den Laden hineinkommt, wird gleich angeboten, die Ware zu probieren, anstatt sie nur anzuschauen. So wird aus dem Üblichen „ich schaue nur“ eine echte kleine Teedegustation.

Die typischen Teesorten: Grüner Tee, gelber Tee, Oolong und schwarzer Tee (Bild: Haneburger, WIkimedia)

Die typischen Teesorten: Grüner Tee, gelber Tee, Oolong und schwarzer Tee (Bild: Haneburger, WIkimedia)




Der chinesische Tee wird in sechs Hauptgruppen aufgeteilt: weisser, grüner, gelber, schwarzer Tee, Oolong-Tee und Pu-Erh Cha. Die Namen beziehen sich nicht nur auf die Farbe des anfänglichen oder zum Verzehren bereiten Produkts, sondern auch auf die Herstellungsmethode oder auf die Herkunft der Teesorte.

Zum Beispiel werden für die Herstellung von weissem Tee, den die Chinesen auch „Mondtee“ nennen, die jungen Blätter und Blattknospen in der Nacht gesammelt und noch vor dem Sonnenaufgang zur Reifung gelagert, damit keine Sonnenstrahlen darauf fallen.

Die Blätter für den grünen oder den gelben Tee werden ganz im Gegenteil in der Sonne kurz gelagert, dann mit Wasserdampf oder in trockener Hitze in speziellen Hochtemperaturanlagen oder tiefen Pfannen abgetötet, zu Kugeln gerollt und getrocknet.



Schwarzer Tee, der in China „roter Tee“ heisst, ist fermentierter Tee. Die Teeblätterbündel werden zusammengepresst, wodurch sie von innen erhitzt werden, was den Fermentationsprozess startet. Der Tee wird bei etwa 30° C fermentiert, dabei werden die Gerbstoffe der Teeblätter oxidiert und diese nehmen eine kupferrote Farbe an.

Weißer Tee (Bild: Selena N.B.H., Wikimedia, CC)

Weißer Tee (Bild: Selena N.B.H., Wikimedia, CC)

Am besten ist es, die Degustation mit den weniger starken Teesorten anzufangen.  Einen guten aber nicht ganz preiswerten Einstieg schafft man mit dem weissen Tee. Der Name der in China weit verbreiteten und beliebten Teesorte Baihao Zinyhen wird auf Deutsch als „Silbernadeln“ übersetzt. Der mit weissen silbern schimmernden Härchen bedeckte Tee wird in der südlichen chinesischen Provinz Fujian hergestellt. Bei Baihao Zinyhen handelt es sich um die teuerste und eine der beliebtesten Sorten des weissen Tees. Das Geheimnis seines zarten und frisch-süssen Aromas liegt in der ganz speziellen Verarbeitung. Ausserdem werden die ungeöffneten Blattknospen in manueller Arbeit ausgesucht, von denen für ein Kilo fertigen Tee rund 30´000 Stück benötigt werden.

Eine andere sehr beliebte Sorte des weissen Tees ist Pai Mu Tan, was übersetzt heisst „weisse Pfingstrose“. Der Tee ist grossblättrig, ganz speziell fermentiert und durch weisse Blattspitzen gekennzeichnet. Pai Mu Tan hat eine angenehme helle Farbe und ist mild in Geschmack. Die  äusserst rare und begehrte Teesorte, die nur in geringen Mengen produziert wird, ist von Kennern sehr hoch geschätzt und sogar auf der Maliandao nicht überall zu finden.





Schwarzer Tee mit Jasminblüten (Bild: © soultea.de - http://www.soultea.de/, Fotograf André Helbig, http://andrehelbig.de/, Wikimedia, CC)

Schwarzer Tee mit Jasminblüten (Bild: © soultea.de – http://www.soultea.de/, Fotograf André Helbig, http://andrehelbig.de/, Wikimedia, CC)

Auch der gelbe Tee ist auf der Maliandao eher eine Seltenheit. Die wenigen Sorten des gelben Tees sind recht hochpreisig, aber trotzdem bei den Teeliebhabern sehr begehrt. Gelber Tee wird nur in China produziert. Es handelt sich um Teesorten, die zwischen Grüntee und Oolong-Tee einzuordnen sind. Die edelsten und traditionsreichsten Sorten dieser Gruppe sind nach zahlreichen medizinischen Studien sehr gesund, weil Gelber Tee durch seine besondere Verarbeitung besonders günstig aus das Verdauungssystem wirkt. Gelber Tee hat einen sehr milden Geschmack und wird sogar von Menschen mit einem empfindlichen Magen gut vertragen.

Wenn man die Teedelikatessen genug gekostet hat, kann man auch etwas für die Normalsterblichen ausprobieren. Gerne bereitet der Verkäufer für Sie einen Schwarztee oder auch den berühmten Pu-Erh Tee. Der junge grüne Pu-Erh schmeckt frisch nach Kräutern während aus dem reifen Pu-Erh der Verkäufer einen dicken dunklen Aufguss zaubert.



 

Oberstes Bild: In chinesischer Teestube (Bild: Michal Osmenda, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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