Ein magisches Erlebnis im Tessin: Bergseen – Rundwanderung auf dem Gotthard

17.07.2015 |  Von  |  Schweiz
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Ein magisches Erlebnis im Tessin: Bergseen – Rundwanderung auf dem Gotthard
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Meine Wanderkollegen fragten, ob ich nicht mal wieder eine richtige schöne Bergtour organisieren könnte. Da liess ich mich nicht zweimal bitten und lud zur Bergsee-Wanderung auf den Gotthard ein.

Als sie jedoch realisierten, dass man nun mal für eine Tour im Hochgebirge früh aufstehen muss, war das Interesse schnell verflogen. Nur eine Kollegin kam mit, und im Nachhinein muss ich sagen, dass wir diese traumhafte Wanderung in einer Gruppe wahrscheinlich nicht so hätten geniessen können. Diese Rundwanderung wird in einigen Büchern und auf diversen Webseiten auch als magisch oder als Kraftort-Wanderung beschrieben.

Natürlich waren auch wir noch recht müde, als wir uns frühmorgens im Zürcher Hauptbahnhof trafen, und so entschieden wir uns, bis Arth-Goldau im Speisewagen zu reisen. Ein guter Kaffee und ein feines Frühstück waren der perfekte Start in den Tag. In Arth-Goldau wartete bereits auf dem Nebengleis der Anschlusszug, mit dem wir bis Göschenen fuhren. Dort stand auf der anderen Seite des Bahnhofgebäudes das Matterhorn-Gotthard-Bähnli bereit, welches uns in rund zehn Minuten nach Andermatt brachte.

Frühmorgens sind die Züge nicht so überfüllt, und wir konnten die ganze Reise so richtig geniessen. Wie gewohnt klappten die Anschlüsse alle problemlos, denn auch der Bus in Richtung Airolo wartete bereits am Bahnhof Andermatt. Auch er hatte überraschenderweise genügend freie Plätze. So kamen wir 20 Minuten später ganz entspannt auf dem Gotthardpass an. Hier oben, auf 2091 Metern, ist man nie alleine, Ausflügler, Motorradfahrer, Biker und Feriengäste mit Wohnwagen prägen das Bild ebenso wie der Bergsee, das Hospiz, das Nationale St. Gotthard-Museum oder die Militäranlagen, alles umrahmt von einer fantastischen Bergkulisse.

Wir genehmigten uns noch einen Kaffee auf der Terrasse, bevor wir uns auf den Weg machten und dem Wegweiser in Richtung Passo D’Orsirora folgten. Eine Viertelstunde begleitete uns der Verkehrslärm, ehe wir endlich mit jedem Schritt mehr in die Berglandschaft eintauchten. Leuchtende Alpenblüemli säumten unseren Weg, Wollgras wiegte sich im Wind. So führte das Strässchen schon bald zu einer kleinen Abzweigung: Links waren am Felsen verschiedene Wegweiser angebracht, rechts ging es richtig steil hinunter. Nicht etwa ein Weg oder eine Treppe führten da hinab, sondern ein steinig-felsiger Pfad.


Am Felsen angebrachte Wegweiser (Bild: © Sabine Itting)

Am Felsen angebrachte Wegweiser (Bild: © Sabine Itting)


Den, so beschlossen wir, wollten wir uns für den Schluss aufheben und den Tag gemütlicher beginnen. So folgten wir dem Weglein, bis unter uns der Lucendro-Stausee in der Sonne glitzerte.

Was für ein friedliches Bild: Zwei Angler sassen still am See, auf der gegenüberliegenden Seite weideten gemeinsam Ziegen und Schafen mit ihren Jungen am Hang und liessen sich die Kräuter der saftigen Wiesen schmecken. Kitschig-schöne Alpenwelt! Der Alpweg führte durch den Felsen hindurch: ein steinernes Tor und tolles Fotomotiv. Bald standen wir vor dem nächsten Wegweiser. Dieser zeigte uns an, dass es von nun an bergauf gehen würde. 


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Wenige Minuten später erreichten wir die Gana-Hütte, hier kramten wir Kopfbedeckung und Sonnencreme aus den Rucksäcken. Gut, dass wir recht früh gestartet waren, noch brannte die Sonne nicht allzu heiss. Das sollte sich um die Mittagszeit ändern! Die Hütte liegt auf 2234 Metern und wurde an mächtige Felsen gebaut, die irgendwann vor sehr langer Zeit herabgestürzt waren und nun Schutz boten. Wem die Hütte gehört und ob sie noch in Betrieb ist, wissen wir nicht, sie war geschlossen.


Die Gana-Hütte liegt auf 2234 Metern und wurde an mächtige Felsen gebaut. (Bild: © Sabine Itting)

Die Gana-Hütte liegt auf 2234 Metern und wurde an mächtige Felsen gebaut. (Bild: © Sabine Itting)


Ein paar Wanderer überholten uns, sie waren zackig unterwegs und schauten nicht links, nicht rechts und schon gar nicht zurück. Vielleichten kannten sie die Strecke bereits, ansonsten haben sie viel verpasst! Wir erreichten die Höhe in gemächlichem Tempo und genossen jede Minute, jeden Blick in die Bergwelt um uns herum und den Tag fernab der Alltagshektik.

Die Hochebene Orsino begrüsste uns auf 2388 Metern mit dem ersten der insgesamt sechs Seen, kleinen Schneefeldern, tiefblauem Enzian, Alpenrosen, Arnika und Grauem Greiskraut. Es war eine Freude, in dieser Landschaft unterwegs zu sein! Die Wegspuren waren überall gut sichtbar, führten über das eine oder andere kleine Schneefeld, und bald sahen wir bereits die Laghi della Valletta.


Die Hochebene Orsino begrüsste uns auf 2388 Metern (Bild: © Sabine Itting)

Die Hochebene Orsino begrüsste uns auf 2388 Metern (Bild: © Sabine Itting)


Ein kleiner Wildbach musste überquert werden, bevor wir uns einen Platz für die Mittagsrast suchten. Zwar herrschte kein Tourismusrummel, aber ganz alleine waren wir hier auch nicht. Auf einem Stein an einem Hang oberhalb des Trampelpfades sitzend, genossen wir den traumhaften Rundumblick.

Aber auch am schönsten Ort kann man nicht für ewig bleiben, so schulterten wir schliesslich die Rucksäcke und marschierten weiter. Schon gleich erreichten wir den nächsten See, ein kleines Bijou in karibischem Türkis, umrahmt von weissem Schnee. Ein Traum! Solche Naturschönheiten entschädigen für schweisstreibende Aufstiege.


Solche Naturschönheiten entschädigen für schweisstreibende Aufstiege. (Bild: © Sabine Itting)

Solche Naturschönheiten entschädigen für schweisstreibende Aufstiege. (Bild: © Sabine Itting)


Nun wären wir gerne noch etwas höher hinauf gewandert, nämlich auf den Passo d’Orsirora, leider machte uns der Busfahrplan aber einen Strich durch die Rechnung. Wir hatten keine Zeit für einen Abstecher. Also bogen wir am nächsten Wegweiser nach rechts ab, wohin er uns in Richtung Ospizio San Gottardo führte.

Damit begann der abenteuerlichere Teil der Wanderung. Hier war es angebracht, die Wanderstöcke auszupacken, denn die Schneefelder waren grösser als zuvor, und zudem ging es nun bergab. Mal erwartete uns rutschiger Schnee, dann ein Gekraxel über Stein und Fels. Am besten lasse ich hier Bilder sprechen:

Noch ein letzter See lag friedlich in der Landschaft, der Weg dorthin bestand aus Felsplatten, von denen wir gerne gewusst hätten, ob es sich um einen historischen Weg handelt. Wir gönnten uns noch eine kurze Pause, einen Blick zurück und einen auf die Uhr: Die Zeit rannte schneller, als uns lieb war. Wir mussten weiter, und das recht zügig, wollten wir nicht riskieren, per Autostopp zurück nach Andermatt fahren zu müssen.


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Abwechslungsreich ging es weiter und blieb es bis zum Schluss: Zunächst war der Weg recht sumpfig, bevor er irgendwie „aufhörte“. Auf einem Grashang mit Geröll und Steinen war es etwas mühsam hinabzusteigen, aber wir kamen heil unten an. Nun schienen für den Moment alle Schwierigkeiten bewältigt zu sein, aber wir dachten uns schon, dass diese geniale Strecke bestimmt noch das eine oder andere Highlight parat hält.

Die nächste Herausforderung kam schon bald: Einige kleine Bächlein hatten wir bereits überquert, als nun ein deutlich breiterer vor uns lag. Aber der bildete keine unüberwindbare Hürde, und auch der kurze, teils abenteuerlich schmal am Hang angelegte „Weg“ neben einer Militäreinrichtung konnte uns nicht aufhalten.

Als dies bewältigt war, glaubten wir, dass wir nun den Bus spielend erreichen würden. Da ahnten wir aber nicht, dass es noch mal richtig heikel werden würde: Erinnert ihr euch an den Anfang des Berichtes? Wir wollten die Wanderung gemütlich angehen lassen und nicht gleich einen steilen Abstieg in Angriff nehmen. Nun mussten wir dort hinaufkraxeln! Als wir schliesslich wieder am Ausgangspunkt der Rundwanderung standen, blieben noch rund 20 Minuten bis zur Abfahrt unsere Postautos.

Nach einem zügigen Marsch zum Hospiz kamen wir wenige Minuten vor Abfahrt an. Überraschenderweise war wieder ausreichend Platz im Bus. Der Kurs über den Gotthardpass, der um 16:20 Uhr von der Passhöhe abfährt, geht nicht nach Andermatt, sondern nach Airolo. Dort hatten wir, bevor unser Zug eintraf, genügend Zeit, die verschwitzten Shirts gegen frische zu tauschen und am Kiosk ein Eis zu kaufen.
Nach einem wundervollen Wandertag sanken wir müde und glücklich in die Sitze und haben keine Sekunde bereut, schon kurz nach sechs Uhr morgens von daheim aufgebrochen zu sein!


Aber auch am schönsten Ort kann man nicht für ewig bleiben. (Bild: © Sabine Itting)

Aber auch am schönsten Ort kann man nicht für ewig bleiben. (Bild: © Sabine Itting)


Allgemeine Informationen zu dieser Wanderung:

  • Wanderzeit: ca. 4,5 bis 5 Stunden bei gemütlichem Tempo
  • 12 Kilometer, ca. 500 Meter im Auf- und Abstieg
  • Anreise mit dem Postauto oder PKW ab Andermatt oder Airolo bis Gotthard Hospiz.
  • Nicht für Kleinkinder geeignet, jüngere Kinder sollten eventuell beim Abstieg an einigen Stellen angeseilt werden.
  • knöchelhohe Wanderschuhe und Wanderstöcke empfohlen

Wollgras im Wind (Bild: © Sabine Itting)

Wollgras im Wind (Bild: © Sabine Itting)


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Bilder: © Sabine Itting

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