Gönnen Sie sich eine Auszeit im Kloster!

25.06.2015 |  Von  |  Allgemein
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Gönnen Sie sich eine Auszeit im Kloster!
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Klöster gehören seit vielen Jahrhunderten zu unserer abendländischen Kultur. Wer das Leben im Kloster einmal näher kennenlernen will, muss sich dabei heute längst nicht mehr für ein mönchisches Dasein entscheiden. Es gibt viele Möglichkeiten für einen klösterlichen Aufenthalt auf Zeit.

Eine Auszeit im Kloster ist eine Chance, der Hektik und dem Stress des Alltags zu entfliehen, zur Besinnung zu kommen und innere Ruhe zu finden. In einer Zeit, die durch viele äussere Einflüsse und Reize geprägt ist, bedeutet dies ein grossartiges Angebot und eine Herausforderung zugleich. Lassen Sie sich doch einfach einmal darauf ein! Eine Auswahl an Adressen für Ihre Auszeit im Kloster (im deutschsprachigen Raum) finden Sie hier.

Auszeit im Kloster – eine alte und universelle Idee

Die Idee des klösterlichen Lebens ist nicht auf das Christentum beschränkt, sondern in vielen Religionen zu finden. Auch der Buddhismus und der Hinduismus haben zum Beispiel eine grosse eigene Kloster-Tradition entwickelt und kennen die Auszeit im Kloster. Die Suche nach Gott, dem Sinn des Lebens, der Transzendenz und dem inneren Frieden hat Menschen seit jeher bewegt, sich in weltferner Abgeschiedenheit und räumlicher Abgeschlossenheit zu Gemeinschaften zusammenzufinden, um sich ganz auf diese Aufgaben konzentrieren zu können. Der Name Kloster weist bereits darauf hin, denn sein Ursprung, das lateinische „claustrum“, bedeutet nichts anderes als „abgeschlossener Ort“. Keine Störung von aussen sollte und soll die Suche behindern. Das gilt vielfach auch heute bei einer Auszeit im Kloster.

Im christlichen Raum sind die ersten Klöster bereits im 4. Jahrhundert in Ägypten und im Nahen Osten entstanden. Das abendländische Klosterleben wurde entscheidend durch Benedikt von Nursia geprägt, der 529 im italienischen Montecassino den Prototyp des Klosters, wie wir es kennen, gründete. Seine Ordensregel, die sich in dem geflügelten Spruch „ora et labora“ – bete und arbeite – zusammenfassen lässt, sollte das christliche Ordensleben im Westen nachhaltig bestimmen.


Antoniuskloster in Ägypten – eines der ältesten christlichen Klöster weltweit. (Bild: Gray wall studio – shutterstock.com)

Antoniuskloster in Ägypten – eines der ältesten christlichen Klöster weltweit. (Bild: Gray wall studio – shutterstock.com)


Das Kloster entwickelte sich sehr schnell zu einem attraktiven Modell christlichen Zusammenlebens. Zahllose Klostergründungen folgten dem Vorbild Benedikts. Im Laufe der Zeit entstanden neben den Benediktinern viele weitere Orden und Gemeinschaften mit eigenen Regeln. Kloster ist daher nicht gleich Kloster, und wie sich eine Auszeit im Kloster konkret gestaltet, hängt nicht zuletzt von der Wahl des Ortes, der das Kloster tragenden Gemeinschaft und dem jeweiligen Angebot ab. Es gibt bis heute ganz weltabgewandte Einrichtungen mit strengen Vorschriften und Schweigegeboten und weltoffenere, in denen es legerer zugeht. Die Bandbreite ist gross.

Im Mittelalter waren die Klöster nicht nur Träger von Bildung und Kultur, sondern oft auch erfolgreiche Wirtschaftsbetriebe, die vielfach zu erheblichem Wohlstand gelangten. Prächtige Klosterkirchen und -bauten an vielen Orten zeugen noch heute davon. Nicht selten wurden Klöster an landschaftlich besonders exponierten und reizvollen Orten errichtet. Das macht eine Auszeit im Kloster zusätzlich zu einem Gewinn.


Eine Auszeit im Kloster ist eine Chance, dem Stress des Alltags zu entfliehen. (Bild: Florin Stana – shutterstock.com)

Eine Auszeit im Kloster ist eine Chance, dem Stress des Alltags zu entfliehen. (Bild: Florin Stana – shutterstock.com)


Gäste im Kloster – schon seit Benedikt von Nursia

Die Aufnahme von Gästen im Kloster hat eine lange Tradition. Bereits in der Benediktsregel ist sie verankert. Der Ordensgründer bezog sich dabei auf das Wort Jesu, der die Gastfreundschaft lobte: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“ Die Aufnahme von Gästen besitzt daher bis heute bei den Benediktinern – aber auch bei vielen anderen Gemeinschaften – einen hohen Stellenwert.

Zahlreiche Angebote eröffnen die Möglichkeit, einige Tage oder Wochen am Klosterleben der Mönche oder Nonnen teilzunehmen und die klösterliche Atmosphäre dabei unmittelbar und authentisch mitzuerleben. Als Gast werden Sie dann in die zeitliche Struktur von Messfeiern und Gebeten, die täglichen Abläufe und die im Kloster anfallenden Arbeiten eingebunden und leben während Ihres Aufenthaltes tatsächlich wie ein Mönch oder eine Nonne. Wer sich auf diesen Weg auf Zeit begibt, muss erst einmal eine erhebliche Umstellung verkraften.



Obwohl auch im Klosterleben die Moderne längst Einzug gehalten hat, bedeutet eine Auszeit im Kloster zuerst einmal in vielfacher Hinsicht Verzicht, Disziplin und die Gewöhnung an einen anderen zeitlichen Rhythmus. Ihre Unterkunft befindet sich dann nicht in einem Gästehaus oder Hotel, sondern Sie übernachten in einer Zelle, wie sie auch jedem „normalen“ Klosterbewohner zusteht. Dabei sind Luxus und Komfort mehr als verpönt. Die Ausstattung der Zimmer beschränkt sich in der Regel auf das Notwendigste, ist schlicht und einfach, oft geradezu spartanisch. Ablenkungsangebote durch Fernsehen, Radio, Internet etc. sucht der „Auszeitler“ vielfach dabei ebenso vergeblich wie warmes Wasser, ein heisses Bad oder eine bequeme Matratze. Das Handy bleibt während der Auszeit im Kloster üblicherweise abgestellt. Auch bei den Mahlzeiten sind Einfachheit und Beschränkung angesagt.

Klosterleben bedeutet nach wie vor, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Materiellem zu entsagen. Vielen Gästen wird bei dieser Gelegenheit erst einmal bewusst, wie weit die Abhängigkeit von den Annehmlichkeiten des Alltags schon fortgeschritten ist und wie schwer es ist, diese aufzugeben. Das Gift der Zivilisation wirkt allzu verführerisch. Nicht wenige tun sich bei der Auszeit im Kloster auch mit dem Zurückgeworfensein auf sich selbst und der fehlenden Ablenkung von aussen schwer. Es kann harte Arbeit bedeuten, mit sich einmal längere Zeit alleine zu sein.


Klosterleben bedeutet nach wie vor, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. (Bild: Dzmitry Malyeuski – shutterstock.com)

Klosterleben bedeutet nach wie vor, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. (Bild: Dzmitry Malyeuski – shutterstock.com)


Hier ticken die Uhren anders

Auch der Tagesrhythmus des Klosterlebens ist sehr häufig ungewohnt. Bereits der heilige Benedikt hatte ausführliche Regeln zum Tagesablauf im Kloster aufgestellt, die regelmässige Zeiten für Messen, Gebet, Arbeit, geistliche Bildung und Rekreation, Gemeinschaftszeiten und Zeiten zur individuellen Verfügung vorsahen. Im Grundprinzip gilt dieses Regularium bei den Benediktinern und den meisten anderen Orden auch heute noch. Es wird aber je nach Kloster oder Gemeinschaft mit leichten Abwandlungen praktiziert. Während früher in vielen Klöstern der Tag häufig bereits mitten in der Nacht begann, ist man heute etwas „humaner“. Für notorische Langschläfer und Nachteulen ist das Klosterleben aber dennoch eine Herausforderung; der Tag startet in der Regel in den ersten Morgenstunden und endet auch entsprechend früh.

Ein typischer Ablauf sieht dabei wie folgt aus:

4:30 Uhr: Aufstehen und Anziehen

5:15 Uhr: Vigilien – das Beten der Tagwache

6:00 Uhr: Laudes – das Morgenlob

6:30 Uhr: Feiern der Heiligen Messe

Danach Frühstück, Zeit für Erledigungen und Arbeiten oder persönliches Studium

12:00 Uhr: Terz und Sext – die Gebete zur dritten und sechsten Stunde werden häufiger zusammengelegt.

Danach Mittagessen, ggf. Zeit zur individuellen Gestaltung oder Zeit für Erledigungen und Arbeiten oder persönliches Studium

15:00 Uhr: Non – das Gebet zur neunten Stunde ist offiziell gegen 15.00 Uhr vorgesehen, wird aber aus Praktikabilitätsgründen oft vorverlegt.

Danach Zeit für Erledigungen und Arbeiten oder persönliches Studium

18:00 Uhr: Vesper – das Abendgebet

Danach Abendessen, Zeit zur individuellen Gestaltung oder gemeinschaftliches Zusammensein

20:00 Uhr: Komplet – mit dem Nachtgebet endet der Klosteralltag üblicherweise, danach beginnt das nächtliche Schweigen und jeder zieht sich zurück.

Diese Grundstruktur wird in der Regel streng eingehalten. Je nach Kloster, Orden, Jahreszeit oder Tagesanlass – zum Beispiel an Sonn- oder Feiertagen – können Zeiten und Abfolge allerdings etwas variieren. Die Einbindung in den Ablauf ist bei einer Auszeit im Kloster sicher eine besondere Erfahrung und bietet neben Verzicht und Mühen auch Chancen, neue Wege und Erkenntnisse für sich selbst zu finden und Wesentliches von Unwesentlichem besser zu unterscheiden. Schon mancher, der sich – privat oder beruflich – in einer Lebenskrise befand oder unter extremen Belastungen, Depressionen und Burn-out-Symptomen litt, hat auf diese Weise neue persönliche Perspektiven entdeckt.


Kloster Koutloumousiou auf dem Berg Athos(Bild: adriatikus, Wikimedia, CC)

Kloster Koutloumousiou auf dem Berg Athos(Bild: adriatikus, Wikimedia, CC)


Die Alternative: Klosterferien

Wenn Sie eine Auszeit im Kloster suchen, müssen Sie allerdings nicht zwangsläufig diese „Hardcore-Version“ des Aufenthaltes wählen. Es gibt auch noch zahlreiche andere Angebote. Viele Klöster ermöglichen Ferien in ihren Häusern und haben den Tourismus als Geschäftsmodell für sich entdeckt. Neben der geistlichen Zielsetzung ist ein Kloster auch heute so etwas wie ein Unternehmen, das seinen eigenen Unterhalt erwirtschaften muss. Die unternehmerische Betätigung steht dabei grundsätzlich nicht im Widerspruch zur eigentlichen Aufgabenstellung, sofern sie entsprechend umgesetzt wird. Neben der Aufnahme von Gästen und Gastronomie sind Landwirtschaft und Gärtnerei, Verlagswesen und Buchhandel, Brauereiwesen und die Herstellung weiterer alkoholischer Getränke traditionelle klösterliche Wirtschaftszweige, die nach wie vor eine grosse Bedeutung besitzen.

Bei ihren Angeboten für Ferien im Kloster gehen die Einrichtungen zum Teil ganz unterschiedliche Wege. Viele Klöster verfügen über eigene Gästehäuser oder sogar Hotels, die sich im Standard nicht hinter „herkömmlichen“ Offerten verstecken müssen. Andere haben besondere Gästezimmer oder -trakte, die sich in der Ausstattung von den kargen Klosterzellen mehr oder weniger deutlich unterscheiden.

Sehr viele dieser Ferienangebote sind in ein Rahmenprogramm eingebettet, oder es werden optional begleitende Kurse, Seminare und Veranstaltungen durchgeführt, die häufig einen Bezug zum Kloster und zum klösterlichen Leben haben. So gibt es zum Beispiel Meditationen, Gesprächskreise, Einzelgespräche, Vorträge, Betrachtungen oder geistliche Impulse, die zum typischen Inhalt von Einkehrtagen, Einkehrwochen oder Exerzitien gehören.

Aber das ist kein Muss. Manche Häuser bieten zum Beispiel auch Fitness- oder Wellness-Programme, Heilfasten, Kunst-Workshops oder Entspannungs- und Entschleunigungstechniken für ihre Gäste an. Grundsätzlich besteht immer die Möglichkeit, an den Gebetsstunden und Messfeiern des Klosters teilzunehmen und insofern wichtige Elemente des Klosterlebens mitzuvollziehen. Klosterkirchen sind nicht nur den Mönchen oder Nonnen vorbehalten, sondern grundsätzlich auch ein öffentlicher Raum. Da viele Klöster in landschaftlich schöner Umgebung liegen, wird das Umfeld oft gerne mit in das Veranstaltungsprogramm eingebunden. Kräuterwanderungen, Meditationen in freier Natur oder Ausflüge sind nur einige Möglichkeiten.



Finden Sie Ihre Form der Auszeit!

Diese Form der Auszeit im Kloster ist im Unterschied zur Teilnahme am Klosterleben auf Zeit mehr auf Freiwilligkeit und Flexibilität angelegt. Der Gast entscheidet bei Klosterferien selbst, in welchem Umfang er sich auf das klösterliche Geschehen einlassen will. Eine gewisse Affinität zum Klosterleben und zu Themen der Selbst- und Sinnfindung sollte allerdings schon vorhanden sein.

Wer dagegen eine Zeitlang das Leben in der Gemeinschaft teilen möchte, geht einen Weg grösserer Verbindlichkeit und der strikten Einbindung in die Klosterstrukturen. Welche Art der Auszeit im Kloster für Sie am besten ist, sollten Sie sich im Vorfeld intensiver überlegen. Bereiten Sie Ihren Klosteraufenthalt gut vor. Dann schaffen Sie die besten Voraussetzungen dafür, dass der Klosteraufenthalt für Sie nicht nur eine Auszeit bedeutet, sondern Sie auch in Ihrem Alltag weiter trägt. Das ist wichtig. Eine Auszeit im Kloster sollte auf Nachhaltigkeit angelegt sein.

 

Oberstes Bild: © Jose Angel Astor Rocha – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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