Hansestadt Lübeck – mittelalterliche Backsteingotik in der Stadt der Sieben Türme

21.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Hansestadt Lübeck – mittelalterliche Backsteingotik in der Stadt der Sieben Türme
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Nur etwa 60 Kilometer von der norddeutschen Metropole Hamburg entfernt befindet sich Lübeck, die zweitgrösste Stadt im nördlichen Bundesland Schleswig-Holstein. Der mittelalterliche Stadtkern dieser alten Hansestadt mit seinen charakteristischen roten Bauten im Stil der Backsteingotik wurde 1987 von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen.

Schon während der Anreise hat man einen eindrucksvollen Blick auf die historische Altstadt. Die unverwechselbare Silhouette Lübecks mit den sieben Türmen weist schon aus der Ferne den Weg zur Stadt, die in ihrer Blütezeit im Mittelalter auch „Königin der Hanse“ genannt wurde. Den alten Stadtkern Lübecks kann man bequem zu Fuss vom Hauptbahnhof erreichen. Der Weg vom Bahnhof in die Altstadt führt durch das Holstentor – neben den „Sieben Türmen“ einem weiteren bekannten Wahrzeichen Lübecks.



Dieses Stadttor mit seinen beiden sehr prägnanten kegelförmigen Turmdächern wurde im Jahr 1478 erbaut und war Teil einer Wehranlage mit insgesamt vier Stadttoren. Über dem Toreingang prangt der lateinische Schriftzug „Concordia Domi Foris Pax“, was man mit „Eintracht innen, draussen Friede“ übersetzen kann. Weil der Untergrund feucht und morastig ist, hat das Holstentor schon seit seiner Errichtung im Spätmittelalter eine leichte Schieflage. Bekanntheit weit über die Grenzen Lübecks hinaus erlangte das Holstentor durch den 50-Mark-Schein, auf dessen Rückseite es als Symbol für den deutschen Bürgerstolz abgebildet war.

Holstentor – eines der Wahrzeichen Lübecks (Bild: Torsten Bolten, Wikimedia, CC)

Holstentor – eines der Wahrzeichen Lübecks (Bild: Torsten Bolten, Wikimedia, CC)

Zerstört und wieder aufgebaut

Nachdem man durch das Holstentor in die Altstadt gelangt ist, erblickt man rechter Hand hinter den Giebeln der alten Salzspeicher an der Untertrave den Kirchturm von St. Petri. Diese gotische Hallenkirche wurde durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und ist erst 1987 in ihrer ursprünglichen Form wieder aufgebaut worden.



Hier lohnt sich auf jeden Fall eine Turmbesteigung, denn die Aussichtsplattform in etwa 50 Metern Höhe bietet einen wundervollen und unvergesslichen Blick: auf die von den Flussläufen der Trave umgebene Altstadtinsel mit ihren vielfältigen Häusergiebeln, aber auch auf die anderen imposanten Backsteinkirchen Lübecks, auf das beeindruckenden Rathaus – und natürlich auf das Holstentor. Bei gutem Wetter kann man von hier sogar die grossen Hotels an der Ostseeküste sehen und bis in die schier endlos erscheinenden grünen Weiten des benachbarten Mecklenburgs schauen.





Rathaus von Lübeck vom Turm der St. Petri Kirche aus gesehen (Bild: Arnold Paul, Wikimedia, CC)

Rathaus von Lübeck vom Turm der St. Petri Kirche aus gesehen (Bild: Arnold Paul, Wikimedia, CC)

Die eindrucksvollste der fünf Lübecker Hauptkirchen ist sicher die gotische Backsteinkathedrale St. Marien, an der die Lübecker von 1260 bis 1350 90 Jahre gebaut haben. Mit ihren beiden 125 Meter hohen Türmen ist sie die drittgrösste Kirche in Deutschland. Das mächtige Kirchenschiff von St. Marien weist mit 38,5 Metern Höhe sogar das höchste Backsteingewölbe der Welt auf – ein atemberaubendes Meisterwerk der norddeutschen Backsteingotik. Bei dem verheerenden Bombenangriff in der Nacht zum Palmsonntag 1942 wurde auch diese Kirche schwer beschädigt; zwei riesige Kirchenglocken stürzten vom Glockenturm. Die zerbrochenen Glocken liegen auch heute noch am Fusse des Südturms in einer Gedenkkapelle und können dort besichtigt werden.

Ein beeindruckendes Ensemble unterschiedlicher Stilepochen ist das Lübecker Rathaus. Im Verlauf seiner etwa 300-jährigen Bauzeit wurden die romanischen und gotischen Gebäudeteile durch Anbauten im Renaissance-Stil erweitert. Trotz dieser stilistischen Vielfalt fügen sich alle Elemente zu einem ausgesprochen harmonischem Ganzen. Das prächtige Rathaus spiegelt den ganzen Stolz und die wirtschaftliche Potenz der Lübecker Kaufleute in der Zeit der Hanse wider.

Der Markplatz vor dem Rathaus dient in den Sommermonaten als Terrasse der umliegenden Cafés, in der Adventszeit findet hier der bekannte und traditionsreiche Weihnachtsmarkt statt, der zahlreiche Besucher aus dem Umland, aber – dank der direkten Fährverbindungen nach Lübeck-Travemünde – insbesondere auch aus Skandinavien und den baltischen Staaten anzieht.





Marienkirche Lübeck mit Rathaus rechts (Bild: Aiwok, Wikimedia, CC)

Marienkirche Lübeck mit Rathaus rechts (Bild: Aiwok, Wikimedia, CC)

Der Weg ins „Paradies“

Der Dom, dessen Grundstein Heinrich der Löwe im Jahre 1173 gelegt hat, birgt viele wertvolle Kunstschätze aus dem Mittelalter. Im Kreuzgang, der sich an den Dom anschliesst, hängt ein riesiges Pottwal-Skelett. Eine Besonderheit ist auch ein Vorbau aus der frühen Gotik, der nur von innen betreten werden kann. In diesem Raum – dem sogenannten Paradies – wurden Arme gespeist und Verfolgten wurde Asyl gewährt. Eine Strasse, die direkt in dieses „Paradies“ führt, heisst noch heute „Fegefeuer“, allerdings gibt es auch einen Abzweig, der in eine Strasse mit dem Namen „Hölle“ mündet – es ist offensichtlich besser, den richtigen Weg einzuschlagen. In diesen Details spiegelt sich die christliche Vorstellungswelt des Mittelalters ziemlich anschaulich wider.

Die Paradies-Vorhalle an der Nordseite des Doms von Lübeck (Bild: Garitzko, Wikimedia)

Die Paradies-Vorhalle an der Nordseite des Doms von Lübeck (Bild: Garitzko, Wikimedia)

Nach den vielen architektonischen Eindrücken aus der Zeit der Hanse empfiehlt sich eine kleine Pause zur Stärkung. In unmittelbarer Nähe des Rathauses befindet in der Breiten Strasse das gutbürgerliche Café Niederegger – das Stammhaus des weltweit bekannten Herstellers von Lübecker Marzipan. Besonders zu empfehlen ist hier ein Stück Nusstorte – die Konditorei-Spezialität des Hauses, mit gehackten Haselnüssen, viel Sahne und natürlich einer feinen Marzipanschicht – ein echter Gaumenschaus! Im Marzipan-Salon – einem kleinen Museum im zweiten Stock des Cafés – wird der Geschichte der Lübecker Mandelspezialität auf den Grund gegangen.

Café Niederegger - das Stammhaus des weltweit bekannten Herstellers von Lübecker Marzipan (Bild: Metzner, Wikimedia, CC)

Café Niederegger – das Stammhaus des weltweit bekannten Herstellers von Lübecker Marzipan (Bild: Metzner, Wikimedia, CC)

Die Stadt der Nobelpreisträger

Neben der imposanten Backsteingotik und den vielen Schätzen aus dem Mittelalter hat Lübeck aber auch viele interessante Aspekte aus der Neuzeit zu bieten. So hat Lübeck zwei Nobelpreisträger, die hier geboren wurden: Der Schriftsteller Thomas Mann erhielt den Preis für seinen Roman „Buddenbrooks“ und der ehemalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt wurde für seine Verdienste um die Ostpolitik mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Der Schriftsteller Günter Grass, der 1999 für sein Lebenswerk den Nobelpreis für Literatur erhielt, lebt in der Nähe von Lübeck. An das Leben und Wirken der drei Nobelpreisträger wird in Lübeck im Buddenbrookhaus, im Willy-Brandt-Haus und im Günter-Grass-Haus mit umfangreichen und sehr interessanten Dauerausstellungen erinnert.

Wer sich von den vielfältigen Kultureindrücken Lübecks ein wenig erholen möchte, kann dies am besten an der Ostsee tun, zum Beispiel im nahe gelegenen Kurort Travemünde, der ein Stadtteil von Lübeck ist. Dieses mondäne Seebad mit seinem eigens für die Badegäste eingerichteten Strandbahnhof aus dem Jahre 1912 bietet sämtliche Annehmlichkeiten eines Kurortes sowie breite Strände und eindrucksvolle Naturlandschaften, wie das Brodtener Steilufer mit einem herrlichen Blick über die Lübecker Bucht. Vielfältige Kultur und Erholung vom Feinsten – in Lübeck geht beides.



 

Oberstes Bild: Lübecker Altstadt (Bild: Andreas Seehase  / pixelio.de)

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