Kanadas Vorposten im Atlantik – die Insel Neufundland

06.07.2016 |  Von  |  Nordamerika
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Kanadas Vorposten im Atlantik – die Insel Neufundland
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Vor der Nordostküste Kanadas schiebt sich eine grosse Felseninsel in den Atlantik – Neufundland. Das von ihren Bewohnern kurz und bündig „the Rock“ genannte Eiland bietet Besuchern Landschaften von wildromantischer Schönheit.

Wer dramatische Küsten, unberührte Wälder und Seen mag, Eisberge sehen oder Wale und Seevögel in ihrer natürlichen Umgebung beobachten möchte, findet in Neufundland reichlich Möglichkeiten dazu. Die Insel ist gleichzeitig so etwas wie ein Ursprungsort amerikanischer Geschichte.


Atlantikküste von Neufundland (Bild: © Pi-Lens - shutterstock.com)

Atlantikküste von Neufundland (Bild: © Pi-Lens – shutterstock.com)


Zerklüftete Küsten und grüne Wälder

Dass man sich auf einer Insel befindet, wird man im Inneren Neufundlands schnell vergessen. Mit einer Gesamtfläche von mehr als 110’000 Quadratkilometern ist „the Rock“ mehr als doppelt so gross wie die Schweiz. Die rund 500’000 Neufundländer verteilen sich dabei recht ungleichmässig über das Eiland. Knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt auf der Halbinsel Avalon im Südosten, die etwa ein Zehntel der Fläche ausmacht. Hier liegt auch die Hauptstadt St. Johns, die gerade so den Umfang einer Grossstadt erreicht. Die Küste Neufundlands ist tief zerklüftet und verfügt über zahlreiche Buchten, Meeresarme, fjordartige Vertiefungen und vorgelagerte Inseln. Die Küstenlänge beträgt insgesamt fast 10’000 Kilometer.


An der Küste der Halbinsel Avalon im Südosten (Bild: © Tom Clausen - shutterstock.com)

An der Küste der Halbinsel Avalon im Südosten (Bild: © Tom Clausen – shutterstock.com)


Die Landschaft der Insel weist eine grosse Vielfalt auf. Es gibt weitflächige ebene Plateaus, sanftwellige Hügel und Berggebiete. Richtiges Hochgebirge besitzt Neufundland allerdings nicht. Die höchsten Erhebungen befinden sich in den Long Range Mountains an der Westküste. Der grösste Berg „the Cabox“ erreicht dort gerade mal 814 Meter.

Je nach Landschaftsform zeigt auch die Küste ein sehr unterschiedliches Gesicht. Mal fällt sie schroff mit steilen Felsen ins Meer ab, mal ist der Übergang flach mit langen Stränden und weniger dramatisch. Im Inneren gibt es eine Vielzahl grosser und kleiner Seen, sie verdanken ihr Entstehen eiszeitlichen Gletschern. Ein Markenzeichen Neufundlands sind die borealen Wälder, die praktisch die gesamte Insel bedecken. Birken, Fichten, Lärchen, Kiefern und Tannen sind für diese nördlichen Wälder typisch. Sie geben Neufundland sein grünes Antlitz.


Terra Nova Nationalpark, Neufundland (Bild: © Wildnerdpix - shutterstock.com)

Terra Nova Nationalpark, Neufundland (Bild: © Wildnerdpix – shutterstock.com)


Von Wikingern entdeckt

Die Besiedlung Neufundlands setzte bereits Jahrtausende vor der Zeitrechnung ein. Die frühesten Bewohner waren indianischen Ursprungs, später folgten Inuit und danach wieder verschiedene Indianervölker. Die ersten Europäer, die hierhergelangten, waren die Wikinger, die um 1000 nach Christus von Grönland kommend die Küste Neufundlands entdeckten. Das war mehrere Hundert Jahre vor Kolumbus. In den alten Wikinger-Sagas wird die Insel „Markland“ – Waldland – genannt. Reste einer Wikinger-Siedlung wurden 1961 in L’Anse aux Meadows an der äussersten Nordspitze Neufundlands gefunden. Der Fundort bildet heute ein UNESCO-Welterbe und gehört zu den grössten geschichtlichen Sehenswürdigkeiten der Insel.

Das urbane Zentrum Neufundlands bildet die Hauptstadt St. Johns. Der natürliche Hafen hat ihre Entwicklung massgeblich begünstigt. Sie ist das Ziel aller Reisenden, die nicht nur Natur, sondern auch Unterhaltung und Abwechslung suchen. Das Nightlife rund um St. Johns’ George Street mit ihren zahlreichen Bars, Pubs und Musikklubs ist bekannt. Ansonsten bietet die Stadt mit ihren Strassenzügen aus bunten alten Holzhäusern und modernen Bauten aus Beton und Glas eine etwas skurrile Architekturmischung.


Die Hauptstadt Neufundlands - St. Johns (Bild: © Justek16 - shutterstock.com)

Die Hauptstadt Neufundlands – St. Johns (Bild: © Justek16 – shutterstock.com)


Die Stadt bietet mit ihren Strassenzügen aus bunten alten Holzhäusern und modernen Bauten aus Beton und Glas eine etwas skurrile Architekturmischung. (Bild: © Elena Elisseeva - shutterstock.com)

Die Stadt bietet mit ihren Strassenzügen aus bunten alten Holzhäusern und modernen Bauten aus Beton und Glas eine etwas skurrile Architekturmischung. (Bild: © Elena Elisseeva – shutterstock.com)


Dabei ist St. Johns für amerikanische Verhältnisse uralt. Das Gündungsjahr 1497 macht die Stadt zur ältesten noch bestehenden Siedlung Nordamerikas. Das Wahrzeichen von St. Johns ist der Cabot Tower auf dem Signal Hill. Der „“ ist der Ort, an dem 1901 das erste transatlantische Funksignal empfangen wurde – ein Meilenstein der Kommunikation.


Das Wahrzeichen von St. Johns ist der Cabot Tower auf dem Signal Hill. (Bild: © Renee Vititoe - shutterstock.com)

Das Wahrzeichen von St. Johns ist der Cabot Tower auf dem Signal Hill. (Bild: © Renee Vititoe – shutterstock.com)


Im Umfeld von St. Johns kann man die Halbinsel Avalon sehr gut bei Wanderungen auf dem East Coast Trail entdecken. Es handelt sich um ein Netz ausgebauter Pfade, die – mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden – entlang besonders schöner Abschnitte der Küstenlinie führen. Mit etwas Glück sieht man von hier aus Eisberge oder Wale im Meer. Zum Baden eignet sich das Wasser übrigens nicht. Die Brandung ist zu stark und die Wassertemperaturen sind dank des kalten Labradortstroms nur etwas für Hartgesottene. Avalon ist der mythische Aufenthaltsort von König Artus, den man sich gut hierherdenken kann.


Cabot Tower, St John's (Bild: © Verena Matthew - shutterstock.com)

Cabot Tower, St John’s (Bild: © Verena Matthew – shutterstock.com)


Nationalparks Terra Nova und Gros Morne

Wundervolle Naturziele hat Neufundland viele zu bieten. Stellvertretend seien hier zwei näher genannt: der Terra-Nova- und der Gros-Morne-Nationalpark. Terra Nova liegt im Nordosten Fundlands. Der Park umschliesst eine waldbedeckte Hügellandschaft mit zahlreichen Sümpfen, Mooren und Feuchtgebieten und auf einer Fläche von rund 400 Quadratkilometern, die auch einen Abschnitt an der Küstenlinie einschliesst.


Gros-Morne-Nationalpark (Bild: © RuthChoi - shutterstock.com)

Gros-Morne-Nationalpark (Bild: © RuthChoi – shutterstock.com)


Im Nationalpark hat man in besonderer Weise versucht, Naturschutz und Tourismus miteinander zu verbinden. Den Besuchern steht ein vielfältiges Angebot zur Verfügung. Es reicht von Wander- und Radtouren über Boots-, Kanu- und Kajakfahren bis hin zum Baden und Angeln in den Gewässern des Parks. Im Winter stehen Skilanglauf und Schneeschuhwanderungen auf dem Programm. Golffreunde finden im Golf-Resort Twin Rivers einen der schönsten Golfplätze Kanadas. Terra Nova ist übrigens der lateinische Name der Insel. Die Bezeichnung Neufundlands wurde vom Entdecker John Cabot geprägt, der die Insel sehr pragmatisch „newe founde islande“ nannte.


Kanus am Nationalparks Terra Nova (Bild: © George Burba - shutterstock.com)

Kanus am Nationalparks Terra Nova (Bild: © George Burba – shutterstock.com)


Einen ganz anderen Charakter besitzt der Gros-Morne-Nationalpark, der im westlichen Teil der Insel liegt und etwas grösser ist als der Kanton Zürich. Er ist nach dem Gros Morne Mountain benannt, dem zweithöchsten Berg Neufundlands. Wer den Park im Bereich der Long Range Mountains besucht, wird sich zum Teil an Norwegen erinnert fühlen. Hier gibt es ebenfalls tief ins Land eingeschnittene Fjorde, an denen Felsen steil ins Wasser abfallen. Einer der schönsten Abschnitte ist der Western Brook Pond. Es handelt sich um einen ehemaligen Fjord, der einst vom Meer abgeschnitten wurde und heute eines der reinsten Süsswasser-Reservoires der Erde bildet. Im Bereich des Nationalparks findet man eine Vielzahl an Seen, die durch Gletschererosion entstanden sind.


Gros-Morne-Nationalpark, Neufundland (Bild: © RuthChoi - shutterstock.com)

Gros-Morne-Nationalpark, Neufundland (Bild: © RuthChoi – shutterstock.com)


Tablelands – ein Blick ins Erdinnere

Eine Besonderheit innerhalb des Nationalparks sind die sogenannten Tablelands. Sie bilden eine Region von ganz eigenem Reiz, die aus mehreren Hochflächen, kleineren Bergen und Tälern besteht. Im Unterschied zum sonstigen Grün präsentieren sich die Tablelands weitgehend ohne Vegetation, fast wüstenartig oder wie eine Mondlandschaft. Dies ist einer geologischen Besonderheit zu verdanken.


Eine Besonderheit innerhalb des Nationalparks sind die sogenannten Tablelands. (Bild: © Wildnerdpix - shutterstock.com)

Eine Besonderheit innerhalb des Nationalparks sind die sogenannten Tablelands. (Bild: © Wildnerdpix – shutterstock.com)


Das hier vorkommende Gestein stammt aus dem Erdmantel im Inneren der Erde und wurde durch Auffaltungen an die Oberfläche gehoben. Die Tablelands sind eine der ganz wenigen Stellen auf der Erde, wo das der Fall ist. Sie sind daher wie ein Forschungslabor, das die Zusammensetzung unseres Planeten zeigt. Das ockergelbe Gestein lässt aufgrund seiner Beschaffenheit keinen Pflanzenwuchs zu, daher die Mondlandschaft. Für Geologen sind die Tablelands ein Eldorado.


Tablelands, Neufundland (Bild: © RuthChoi - shutterstock.com)

Tablelands, Neufundland (Bild: © RuthChoi – shutterstock.com)


Bis vor wenigen Jahren war Neufundland fast ausschliesslich ein Ziel für Rucksacktouristen und Camper. Das hat sich inzwischen deutlich geändert. Die Insulaner haben den Fremdenverkehr als Erwerbsquelle entdeckt. St. Johns zum Beispiel ist inzwischen ein beliebter Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe. Im Übrigen setzen die Neufundländer aber bevorzugt auf sanften Tourismus. Dabei bleibt die Balance zwischen den Bedürfnissen des Fremdenverkehrs und den Erfordernissen des Naturschutzes eine ständige Herausforderung.



 

Artikelbild: © Tango7174 – shutterstock.com

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