Lissabon – Fado und Träume von vergangener Grösse

02.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Lissabon – Fado und Träume von vergangener Grösse
Jetzt bewerten!

Lissabon ist ein Spiegelbild Portugals und portugiesischer Geschichte wie keine andere Stadt des Landes im Südwesten Europas. Von hier aus wurde einst ein Weltreich regiert, die Erinnerung an vergangene Grösse klingt noch heute im Fado, der traditionellen Musikform, nach. Der Fado verleiht der Saudade Ausdruck, einer typisch portugiesischen Stimmungslage, die sich kaum übersetzen lässt – eine Mischung aus Wehmut und heiterer Gelassenheit trifft es vielleicht am besten.

Eine Städtereise nach Lissabon führt ebenso in die Vergangenheit wie in eine lebendige Gegenwart, in der Portugal den Anschluss an die Moderne gefunden hat und sich neuen Horizonten öffnet.



Auf sieben Hügeln erbaut

Besucher, die erstmals nach Lissabon kommen, sind von der wunderschönen Lage der Stadt begeistert. Ähnlich wie Rom ist Lissabon auf sieben Hügeln erbaut, zwischen denen sich Täler ausbreiten. Im Zentrum der Stadt ist es die Baixa, die von den Hügeln der Alfama und des Bairro Alto begrenzt wird und am Ufer des Tejo endet, der sich hier zu einer weiten Bucht öffnet, um später in den Atlantik zu münden. Elegante, die Bucht weit überspannende Brücken gehören unverwechselbar zum Bild Lissabons. Längst hat die menschliche Besiedlung die natürlichen Grenzen überwunden. Heute breitet sich die portugiesische Hauptstadt beiderseits der Bucht aus und wächst immer weiter ins Landesinnere. Jeder vierte Portugiese lebt in der Metropolregion.

Der Rossio, offiziell Praça de D. Pedro IV, ist einer der drei wichtigsten innerstädtischen Plätze der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. (Bild: BineHerzo, Wikimedia, CC)

Der Rossio, offiziell Praça de D. Pedro IV, ist einer der drei wichtigsten innerstädtischen Plätze der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. (Bild: BineHerzo, Wikimedia, CC)

Von Alis Ubbo zur Hauptstadt Portugals



Die Ursprünge der Stadt reichen weit zurück. Alis Ubbo wurde der phönizische Handelshafen an der Tejobucht genannt, der schon in vorchristlicher Zeit bestand. Nach den Phöniziern folgten Römer, Vandalen, Westgoten und Mauren, ehe die christliche Eroberung eine entscheidende Wende brachte. 1256 wurde Lissabon Hauptstadt Portugals und ist es bis heute.

Im Zeitalter der Entdeckungen begann Lissabons grosse Zeit. Aus den portugiesischen Kolonien floss unerhörter Reichtum in die Stadt. Auf seinem Höhepunkt erstreckte sich das portugiesische Weltreich von Brasilien über zahlreiche afrikanische Besitzungen bis nach Indien, China und Indonesien. Die Kolonialgeschichte endete erst 1974 mit der Nelkenrevolution. Sie bedeutete das Ende der Diktatur und den Übergang zur Demokratie.

Einen dramatischen Einschnitt bewirkte das grosse Erdbeben 1755, das weite Teile Lissabons zerstörte und die Menschen im damaligen Europa nachhaltig erschütterte. Lissabon erholte sich von den Zerstörungen schnell, doch der Glanz früherer Tage schwand mit zahlreichen politischen Krisen allmählich dahin. Erst die Öffnung nach dem Ende der Diktatur brachte neuen Aufschwung.

Das Entdeckerdenkmal Padrão dos Descobrimentos in Lissabon (Bild: Luca Galuzzi, Wikimedia, CC)

Das Entdeckerdenkmal Padrão dos Descobrimentos in Lissabon (Bild: Luca Galuzzi, Wikimedia, CC)




Repräsentativ – die Baixa

Lissabons repräsentativstes Viertel ist zweifellos die Baixa. Rechtwinklig angeordnete Strassen, grosszügige Plätze mit markanten Denkmälern und Prachtbauten im einheitlich barocken Baustil des 18. Jahrhunderts prägen das Bild. Elegante Geschäftsstrassen, Cafés und Restaurants laden hier zum Schlendern und Verweilen ein. Das fast uniforme Erscheinungsbild hat einen Grund. Die Baixa war eines der am stärksten vom Erdbeben zerstörten Viertel und wurde anschliessend im Rekordtempo wieder planmässig aufgebaut – eben im Stil der Zeit.

Zentrum des Fado – das Bairro Alto

Eines der vielen Wahrzeichen Lissabons ist der Elevador da Santa Justa, ein historischer – von einem Eiffel-Schüler errichteter – Aufzug, mit dem man von der Baixa ins höher gelegene Bairro Alto gelangt. Von der Aufzugsplattform bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Stadt und die Tejo-Bucht. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Ruine des Convento de Carmo, ein bleibendes Mahnmal an das Erdbeben von 1755. Das Bairro Alto ist bei Lissabonern und Besuchern gleichermassen wegen seiner zahlreichen Bars und Restaurants als Ausgehviertel beliebt. Hier befindet sich auch ein Zentrum des Fado.

Zentrum des Fado – das Bairro Alto (Bild: Manuel Menal, Wikimedia, CC)

Zentrum des Fado – das Bairro Alto (Bild: Manuel Menal, Wikimedia, CC)

Ursprüngliches Lissabon – die Alfama



Ins alte Lissabon führt dagegen der Weg in die gegenüberliegende Alfama. Dieses Viertel ist eines der wenigen, die vom Erdbeben verschont blieben. Über stille enge Gassen und lauschige Plätze kann der Besucher hier zum Castelo de São Jorge aufsteigen, einer weitläufigen Burganlage, die die Alfama krönt und ebenfalls wunderbare Panoramablicke bietet. Vielleicht wird beim Aufstieg auch die wuchtige Kathedrale der Stadt passiert – mit ihrem romanischen Ursprung und den trutzigen Türmen wie eine Festung des Glaubens wirkend. Zum Bild der Alfama gehören unbedingt die altertümlichen Strassenbahnen, die sich manchmal nur in Zentimeterabständen von Hauswänden durch die Strassen winden – eine Fahrt ist immer ein besonderes Erlebnis.

Castelo de São Jorge in Lissabon (Bild: fulviusbsas, Wikimedia, GNU)

Castelo de São Jorge in Lissabon (Bild: fulviusbsas, Wikimedia, GNU)

Vor den Toren der Stadt

Nicht versäumen sollte man auch zwei weitere bauliche Highlights vor den Toren der Stadt: den Torre de Belém und die Hieronymus-Kloster. Beide Bauwerke sind herausragende Beispiele der Manuelinik, einer besonderen portugiesischen Spielart der Gotik mit überreichem Dekor. Von hier aus führt der Weg nach Estoril und Cascais, zwei vornehmen Badeorten am Atlantik. Insbesondere Estoril gilt bis heute als ein Rückzugsort wohlhabender Lissaboner.

Pulsierendes Leben

Aber Lissabon hat nicht nur Historisches zu bieten. Der Parque das Nações, das Ausstellungsgelände der Expo 1998, ist nach wie vor ein Besuchermagnet. Einen Höhepunkt bildet dabei sicher das Ozeanarium, seinerzeit die Haupt-Attraktion der Weltausstellung. Hier wird die enge Beziehung Portugals zum Meer nochmals besonders spürbar. Und wer ins quirlige Leben der Portugiesen eintauchen möchte, ist nicht nur im Bairro Alto richtig, sondern findet nach anstrengenden Besichtigungen auch in anderen Vierteln vielfältige Unterhaltung und Abwechslung in Bars, Klubs und Diskotheken.



 

Oberstes Bild: Blick auf Baixa und den Hafen von Lissabon (© www.clearlens-images.de  / pixelio.de)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.



Trackbacks

  1. Palácio Nacional da Pena – das portugiesische Neuschwanstein › reiseziele.ch

Ihr Kommentar zu:

Lissabon – Fado und Träume von vergangener Grösse

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.