Zwischen Rhein und Vogesen – eine Tour durchs Elsass

19.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Zwischen Rhein und Vogesen – eine Tour durchs Elsass
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Wer Basel Richtung Nordwesten verlässt, gelangt nach wenigen Kilometern im Dreiländereck automatisch ins benachbarte Elsass und betritt damit eine uralte Kulturlandschaft von besonderem Reiz. Keine Region Frankreichs ist wie diese, in der sich deutsch-alemannische und französische Einflüsse vermischen.

Die weite Ebene des Oberrheins prägt die Landschaft ebenso wie die sanftwelligen rebenbesetzten Hügel der elsässischen Weinstrasse oder die bewaldeten Berge der Vogesen. Alte Städte und malerische Dörfer gehören zum Bild des Elsass. Eine Tour durch den östlichsten Teil Frankreichs lohnt sich.



Ein Zwischenland und Zankapfel

Das Elsass ist von alters her ein Zwischenland. Bei den Teilungen des fränkischen Reiches im 9. Jahrhundert fiel es zunächst dem Mittelreich Lotharingien zu, um anschliessend zwischen ost- und westfränkischem Reich hin- und herzuwechseln. Im Mittelalter und bis zum Dreissigjährigen Krieg gehörte das Land zum Heiligen Römischen Reich. Danach gewann Frankreich zunehmend Einfluss, spätestens im Zuge der Französischen Revolution und der napoleonischen Ära wurde das Elsass ganz französisch.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 brachte einen neuen Herrschaftswechsel. Bis 1918 bildete es einen Teil des deutschen Reichslands Elsass-Lothringen. Danach kam wieder Frankreich zum Zuge, erneut unterbrochen von der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Für die Elsässer war der häufige politische Wechsel nicht immer einfach zu ertragen. Er hat viel zur Bildung einer eigenen Identität beigetragen.

Mühlhausen – Schweizer Spuren



Von Basel aus kommend ist Mühlhausen die erste grössere Stadt, die erreicht wird. Mühlhausen gehörte zeitweise auch einmal zur Schweizer Eidgenossenschaft. Die Stadt gilt als industrielles Herz der Region. Das historische Zentrum – die Unterstadt – um den Place de la Reunion mit einigen mittelalterlichen Häusern und der Stephanskirche sowie das Neue Viertel mit klassisch französischer Architektur sind sehenswert. Wer Oldtimer liebt, sollte die Cité de l’Automobile besuchen – die Collection Schlumpff bietet eine einzigartige Sammlung alter Fahrzeuge.

Rathaus von Mühlhausen (Bild: Wladyslaw, Wikimedia, Lizenz Freie Kunst)

Rathaus von Mühlhausen (Bild: Wladyslaw, Wikimedia, Lizenz Freie Kunst)

Die Elsässer Weinstrasse

Nördlich von Mühlhausen beginnt die Elsässer Weinstrasse. Die rund 170 Kilometer lange Route führt durch eines der malerischsten Gebiete des Elsass bis vor die Tore Strassburgs. Die Weinstrasse erstreckt sich am Westrand der Vogesen am Übergang zur Rheinebene. Weinberge, zwischen die sich Dörfer und Städtchen mit altem Fachwerk drängen, und die Vogesen als Hintergrund geben dieser Landschaft ihr charakteristisches Gesicht. Obernai, Mittelbergheim, Mutzig, Rosheim, Boersch sind einige der vielen schönen Stationen entlang der Route. Vielerorts sind noch alte Stadtmauern, romanische Kirchen oder mittelalterliche Burgen zu besichtigen.

Rebhänge bei Andlau (Bild: Rolf Krahl,Wikimedia,GNU)

Rebhänge bei Andlau (Bild: Rolf Krahl,Wikimedia,GNU)

Kulinarische Genüsse und Spitzenweine



Und selbstverständlich gibt es ausgiebig Gelegenheit, die hervorragenden Weine der Region zu probieren. Hier ist ein Land der Genüsse. Die herzhafte, manchmal mächtige elsässische Küche hat in den Orten der Weinstrasse einen festen Platz. Das berühmte Choucroute Garnier, der Baeckeoffe, Flammkuchen und nicht zu vergessen der sehr ausgeprägte Munster-Käse sind Spezialitäten der Gegend. Von der Weinstrasse lohnen auch Abstecher in die nahen Vogesen. Die dünnbesiedelte Gebirgsregion mit ihren Wäldern und Tälern erinnert stark an den gegenüberliegenden Schwarzwald auf deutscher Seite und bildet einen wildromantischen Kontrast zur lieblichen Landschaft des Weinanbaugebiets.





Elsässische Spezialität tarte flambée (Bild: Lulu Durand, Wikimedia, CC)

Elsässische Spezialität tarte flambée (Bild: Lulu Durand, Wikimedia, CC)

Colmar und Matthias Grünewald

Auf dem Weg nach Norden sollte ein Besuch Colmars nicht fehlen. In der Altstadt rund um das Münster sind noch viele Häuser aus Mittelalter und Renaissance erhalten. Pittoresk ist das Viertel Petite Venise entlang der Lauch, das seinen Reiz aus der Verbindung von Wasser und alter Bausubstanz gewinnt. Bekannt ist das Unterlindenmuseum, das neben dem berühmten Isenheimer Altar von Matthias Grünewald sehenswerte mittelalterliche Kunst zeigt.

Strassburg – Münster und Fachwerkpracht

In Marlenheim westlich von Strassburg endet die Weinstrasse. Noch etwa 15 Kilometer sind es von hier aus bis in die Hauptstadt des Elsass. Strassburg ist immer eine Reise wert. Schon von Weitem sieht der Besucher den Turm des Münsters – des unbestrittenen Wahrzeichens der Stadt. Es verbindet in einzigartiger Weise Gotik und Romanik miteinander und gehört zweifelsohne zu den schönsten Sakralbauten in Mitteleuropa.

Nur wenige Grossstädte verfügen über eine so gut erhaltene Altstadt wie Strassburg. Süddeutsch-alemannische Fachwerkbauten und französischer Barock stehen hier einträchtig nebeneinander. Das Gerberviertel im Stadtteil La Petite France ist neben dem Bereich um das Münster der schönste Teil des alten Strassburgs. Die Hauptstadt des Elsass verfügt auch über eine interessante Museumslandschaft, die von klassischer Malerei bis zu moderner Kunst ein vielfältiges Besichtigungsangebot bereithält.

Ponts Couverts in Strassburg (Bild: Didier B, Wikimedia, GNU)

Ponts Couverts in Strassburg (Bild: Didier B, Wikimedia, GNU)

Biosphärenreservat Nordvogesen

Nördlich von Strassburg erstrecken sich die Nordvogesen. Im gleichnamigen Naturpark finden Wanderer ausgedehnte Wälder, kleine Seen und Lichtungen sowie eine artenreiche Flora und Fauna – eine stille Landschaft. Grosse Teile der Region sind unberührt – ein Grund, warum das Gebiet zusammen mit dem angrenzenden Pfälzerwald zum UNESCO-Weltbiosphärenreservat erklärt wurde. Haguenau und Wissembourg bilden die beiden urbanen Zentren im nördlichen Elsass.

An der Grenze: Wissembourg

Insbesondere Wissembourg verfügt über eine schöne Altstadt. Grosse Teile sind noch von der mittelalterlichen Stadtmauer umschlossen. Die Abteikirche St. Peter und Paul ist nach dem Strassburger Münster eine der bedeutendsten gotischen Kirchen des Elsass. Das Salzhaus mit seiner beeindruckenden Dachkonstruktion und das klassizistische Rathaus sind zwei weitere bauliche Sehenswürdigkeiten. In Wissembourg endet die Tour durch das Elsass. Denn das Flüsschen Lauter, an dem die Stadt liegt, bildet bereits die Grenze zum benachbarten Deutschland.



 

Oberstes Bild: Elsass – La Petite France (© detlef menzel  / pixelio.de)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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