Die Schweiz unter Tage: Fünf faszinierende Ausflugsziele tief im Innern der Berge

Wenn draussen die Sommerhitze flimmert, warten im Innern der Schweizer Berge angenehm kühle Erlebniswelten.

Unterirdische Seen, mächtige Tropfsteine, tosende Wasserfälle und historische Salzstollen machen den Ausflug in die Tiefe zu einer Reise durch Jahrtausende. Wir stellen fünf aussergewöhnliche Ziele vor.

Abkühlung zwischen Felsen, Wasser und Erdgeschichte

Die Schweiz zeigt ihre spektakulärsten Landschaften gerne unter freiem Himmel. Hohe Gipfel, klare Bergseen und grüne Täler prägen das Bild des Landes. Doch ein Teil dieser Landschaft bleibt von aussen unsichtbar. Unter der Erdoberfläche erstrecken sich Höhlensysteme, Wasserläufe und von Menschen angelegte Stollen.

Ein Besuch unter Tage eröffnet eine andere Perspektive auf die Schweiz. In natürlichen Höhlen lässt sich beobachten, wie Wasser den Fels während langer Zeiträume geformt hat. Tropfsteine wachsen nur sehr langsam. Unterirdische Flüsse suchen sich ihren Weg durch Spalten und Gesteinsschichten. In Bergwerken wiederum wird sichtbar, mit welchem Aufwand frühere Generationen Bodenschätze gewannen.

Gerade an heissen Sommertagen haben diese Orte einen weiteren Vorteil: Die Temperaturen bleiben im Innern der Berge das ganze Jahr über tief und weitgehend konstant. Eine leichte Jacke gehört deshalb auch dann ins Gepäck, wenn das Thermometer im Tal deutlich über 30 Grad anzeigt.

1. St. Beatus-Höhlen: Wasserwelten über dem Thunersee

Schon der Zugang zu den St. Beatus-Höhlen ist eindrucksvoll. Oberhalb des Thunersees führen Wege und Brücken an Wasserfällen vorbei zum Höhleneingang. Die historischen Gebäude am Felsen und das herabstürzende Wasser bilden eine Kulisse, die beinahe an eine Fantasiewelt erinnert.

Im Berg wartet eines der grössten bekannten Höhlensysteme der Schweiz. Rund 14 Kilometer wurden bisher erforscht. Davon ist ungefähr ein Kilometer für Besucher gesichert und beleuchtet. Der Rundgang führt durch hohe Hallen, enge Passagen und Schluchten. Wasserfälle rauschen im Innern des Berges, während Stalaktiten von der Decke wachsen und Stalagmiten aus dem Boden ragen.

Die Höhlen sind eng mit der Legende des heiligen Beatus verbunden. Er soll an diesem Ort einen Drachen vertrieben und anschliessend als Einsiedler gelebt haben. Das Höhlenmuseum greift die Geschichte auf und vermittelt zusätzlich Wissen über Geologie, Höhlenforschung und die Entstehung des Systems.

Im Innern herrschen konstant etwa acht bis zehn Grad. Warme Kleidung und rutschfeste Schuhe sind daher empfehlenswert. Der Weg enthält zahlreiche Stufen und ist nicht hindernisfrei. Für Familien mit Kindern ist die Höhle dennoch gut geeignet, sofern alle sicher zu Fuss unterwegs sind.

Gut zu wissen: Die Lage über dem Thunersee macht die St. Beatus-Höhlen zu einem idealen Teil eines Tagesausflugs. Je nach Ausgangspunkt lässt sich der Besuch mit einer Schifffahrt, einem Spaziergang am See oder einem Aufenthalt in Interlaken verbinden.

2. Grotten von Vallorbe: Zu Besuch beim unterirdischen Fluss

In der Nähe der französischen Grenze verschwindet die Orbe im Juragestein. Erst mehrere Kilometer später tritt der Fluss bei Vallorbe wieder ans Tageslicht. Ein Teil dieser unterirdischen Wasserwelt kann in den Grotten von Vallorbe besichtigt werden.

Der ungefähr einen Kilometer lange Rundgang dauert rund eine Stunde. Er führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Kalkstein, Tropfsteinen und unterirdischen Wasserläufen. Besonders eindrucksvoll sind die Spiegelungen in den natürlichen Becken. Die Beleuchtung setzt einzelne Felsformationen in Szene, ohne den ursprünglichen Charakter der Höhle vollständig zu überdecken.

An verschiedenen Stationen erfahren Besucher, wie das Wasser den Fels abgetragen und die Hohlräume geschaffen hat. Der Weg endet in einer grossen Halle, in der eine audiovisuelle Inszenierung gezeigt wird. Ebenfalls Teil des Besuchs sind die «Feenschätze»: eine Ausstellung mit einer umfangreichen Sammlung von Mineralien aus verschiedenen Teilen der Welt.

Die Temperatur beträgt das ganze Jahr über ungefähr zehn bis elf Grad. Selbst im Hochsommer sind Pullover oder Jacke sinnvoll. Wegen Stufen und schmaler Passagen können Kinderwagen nicht durch die Grotten geführt werden. Für kleine Kinder eignet sich eine Trage.

Vallorbe liegt eingebettet in die Landschaft des Waadtländer Juras. Der Höhlenbesuch lässt sich gut mit einer Wanderung, einem Abstecher zum Lac de Joux oder einem Besuch im Eisen- und Eisenbahnmuseum von Vallorbe kombinieren.


Beleuchtete Kalksteinformationen in den Grotten von Vallorbe im Waadtländer Jura.

3. Höllgrotten: Junge Tropfsteinhöhlen im Kanton Zug

Der Name klingt düster, doch die Höllgrotten bei Baar überraschen mit beinahe märchenhaften Formen. Seen, farbige Tropfsteine und eigentümliche Felsgebilde verteilen sich auf eine obere und eine untere Höhle. Namen wie «Zauberschloss», «Adler» oder «Domgrotte» zeigen, welche Bilder die Formationen bei früheren Besuchern geweckt haben.

Geologisch unterscheiden sich die Höllgrotten von vielen anderen Schauhöhlen. Sie entstanden in vergleichsweise jungem Kalktuff und sind erst rund 3000 Jahre alt. Andere bekannte Tropfsteinhöhlen formten sich dagegen während sehr viel längerer Zeiträume im massiven Kalkgestein.

Für den Rundgang sollten je nach Tempo etwa 30 bis 60 Minuten eingeplant werden. Die Wege sind beleuchtet, sodass keine Taschenlampe erforderlich ist. Da es an einzelnen Stellen feucht sein kann, sind geschlossene Schuhe mit gutem Profil die beste Wahl. Die Temperatur liegt konstant bei ungefähr zehn Grad.

Die Höhlen sind in der Regel von April bis Ende Oktober geöffnet. Vor dem Ausflug lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Betriebszeiten. Besonders reizvoll ist die Verbindung mit einem Spaziergang durch das Lorzentobel. Der Weg entlang der Lorze führt durch eine schattige Wald- und Flusslandschaft und verlängert das unterirdische Erlebnis um einen naturnahen Ausflug.

4. Salzbergwerk Bex: Auf den Spuren des weissen Goldes

In Bex im Kanton Waadt führt die Reise nicht in eine natürliche Schauhöhle, sondern in ein historisches und weiterhin genutztes Bergwerk. Seit 1684 wird hier Salz gewonnen. Im Laufe der Jahrhunderte entstand ein unterirdisches Labyrinth mit mehr als 50 Kilometern an Galerien, Schächten, Treppen und Kammern.

Der Besuch der Salzminen von Bex beginnt mit einer Einführung in die Geschichte des Salzabbaus. Anschliessend bringt eine kleine Grubenbahn die Gäste tief in den Berg. Während des ungefähr zweistündigen Aufenthalts zeigen historische Werkzeuge, Maschinen und originale Stollen, unter welchen Bedingungen das «weisse Gold» gewonnen wurde.

Salz war während Jahrhunderten ein wertvoller Rohstoff. Es diente zum Würzen, vor allem aber zum Haltbarmachen von Lebensmitteln. Der Rundgang macht deutlich, weshalb der Abbau für die Region eine so grosse wirtschaftliche Bedeutung hatte.

Im Berg beträgt die Temperatur ungefähr 18 Grad. Damit sind die Salzminen wärmer als die meisten natürlichen Höhlen, eine zusätzliche Kleidungsschicht ist trotzdem ratsam. Auch hier empfehlen sich feste Schuhe. Wegen der räumlichen Verhältnisse können Rollstühle, Gehhilfen und Kinderwagen nicht auf die reguläre Besuchsroute mitgenommen werden.

Die Führungen finden überwiegend auf Französisch statt. Über einen digitalen Guide stehen Informationen unter anderem auf Deutsch zur Verfügung. Da die Platzzahl begrenzt ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Reservation.



5. St-Léonard: Mit dem Ruderboot durch den Berg

Zwischen Sion und Sierre liegt unter den Walliser Weinbergen eine stille Wasserwelt. Der unterirdische See von St-Léonard gilt als grösster natürlicher, befahrbarer unterirdischer See Europas. Er erstreckt sich über eine Länge von rund 300 Metern und liegt bis zu 70 Meter unter der Erdoberfläche.

Besucher erkunden die Höhle nicht zu Fuss, sondern in einem Ruderboot. Während der etwa 30-minütigen Fahrt gleitet das Boot über klares Wasser. Beleuchtete Felswände spiegeln sich auf der ruhigen Oberfläche. Die Führung erklärt, wie der See entstand, weshalb sich sein Wasserstand veränderte und welche geologischen Kräfte die Walliser Landschaft formten.

Die Führungen werden auf Deutsch, Französisch oder Englisch angeboten. In der Höhle herrschen rund 15 Grad. Eine leichte Jacke reicht deshalb meist aus. Die Bootsfahrt eignet sich auch für Besucher, die keine längere Höhlenwanderung unternehmen möchten. Einige Stufen müssen beim Zugang jedoch bewältigt werden.

Der unterirdische See ist saisonal geöffnet. Besonders während der Sommerferien und an Wochenenden sind die Führungen häufig gut gebucht. Eine vorgängige Reservation ist erforderlich.

St-Léonard lässt sich gut in einen Ausflug durch das Mittelwallis integrieren. Die Burgen von Sion, die Rebberge und die historischen Ortskerne der Region bieten zahlreiche Möglichkeiten, den Tag über der Erde fortzusetzen.

So gelingt der Ausflug unter Tage

Wer eine Höhle oder ein Bergwerk besucht, sollte sich selbst im Hochsommer auf tiefe Temperaturen einstellen. Die folgenden Hinweise helfen bei der Vorbereitung:

  • Warme Kleidung mitnehmen: Eine leichte Jacke oder ein Pullover gehört in jeden Rucksack.
  • Feste Schuhe tragen: Höhlenwege können nass, uneben und rutschig sein.
  • Öffnungszeiten prüfen: Viele Anlagen sind nur saisonal geöffnet oder passen ihre Zeiten während des Jahres an.
  • Frühzeitig reservieren: Bei geführten Touren, Bootsfahrten und Bahnfahrten ist die Zahl der Plätze begrenzt.
  • Zugänglichkeit abklären: Stufen, schmale Gänge und steile Wege erschweren den Besuch mit Kinderwagen oder bei eingeschränkter Mobilität.
  • Nichts berühren: Tropfsteine wachsen äusserst langsam. Hautfett und Verschmutzungen können ihre natürliche Entwicklung beeinträchtigen.
  • Fotoregeln beachten: Blitzlicht, Stative oder Videoaufnahmen sind je nach Anlage eingeschränkt.

Auch der Temperaturwechsel verdient Beachtung. Wer verschwitzt direkt von der Sommerhitze in eine acht Grad kühle Höhle geht, kann rasch frieren. Eine kurze Pause vor dem Eingang und eine zusätzliche Kleidungsschicht machen den Übergang angenehmer.

Video: Die St. Beatus-Höhlen in neuem Licht

Der Beitrag von «Schweiz aktuell» zeigt, wie die St. Beatus-Höhlen mit einer modernen Beleuchtung in Szene gesetzt wurden. Die Aufnahmen vermitteln einen guten Eindruck von den Wasserläufen, Felsformationen und Dimensionen im Innern des Berges.



Die verborgene Seite der Schweiz entdecken

Die unterirdischen Ausflugsziele der Schweiz sind weit mehr als eine Flucht vor der Sommerhitze. Sie erzählen von der Kraft des Wassers, von langsamen geologischen Prozessen und vom Erfindungsreichtum früherer Bergleute. Jeder der fünf Orte setzt einen eigenen Schwerpunkt.

Die St. Beatus-Höhlen verbinden Naturerlebnis und Legende, Vallorbe führt an einen unterirdischen Fluss, und die Höllgrotten zeigen ungewöhnlich junge Tropfsteinformationen. In Bex steht die Geschichte des Salzabbaus im Mittelpunkt. St-Léonard wiederum ermöglicht eine stille Bootsfahrt durch eine verborgene Landschaft.

Wer die Schweiz einmal aus einer vollkommen anderen Perspektive erleben möchte, muss deshalb nicht auf den nächsten Gipfel steigen. Manchmal führt der spannendste Weg tief in den Berg hinein.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © aaron choi/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Mario Krpan/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Krzysztof Dzidek/Shutterstock.com

Publireportagen

Empfehlungen