Brot und Spiele – Besuch im Kolosseum in Rom

22.10.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Brot und Spiele – Besuch im Kolosseum in Rom
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Es gilt als die Urmutter aller Sportarenen und Stadien: das Kolosseum in Rom. Das grösste Bauwerk der Antike hat Architekturgeschichte geschrieben und lässt Betrachter noch heute staunen.

Als eines der Wahrzeichen der Ewigen Stadt gehört das Kolosseum quasi zum Pflichtprogramm einer Romreise. Am Ort der berühmt-berüchtigten Kämpfe von Gladiatoren wird die antike Vergangenheit wieder lebendig.





Panorama des Kolosseums in Rom (Bild: Paolo Costa Baldi, Wikimedia, CC)

Panorama des Kolosseums in Rom (Bild: Paolo Costa Baldi, Wikimedia, CC)

Das Volk bei Laune halten

Panem et circenses – Brot und Spiele –, unter diesem Motto betrieben römische Cäsaren ihre Politik gegenüber den Massen. Unterhaltungsprogramme sollten die grosse Zahl ärmerer Römer bei Laune halten. Dazu wurde ein grossartiges Show-Business mit kostenlosem Eintritt aufgezogen. Das Kolosseum stellt praktisch den unerreichten Gipfelpunkt dieser Unterhaltungsmaschinerie dar, die überall im Römischen Reich zu Hause war. Für den heutigen Menschen wirken die Darbietungen grausam und abstossend, der antike Zuschauer urteilte anders. Tatsächlich ging es in der Regel um Leben und Tod. Bei Gladiatorenkämpfen, Tierhetzen und öffentlichen Hinrichtungen sollte Blut fliessen.



So befremdlich diese Form von Events sein mag, als Bauwerk ist das Kolosseum in der Tat kolossal. Seine Errichtung ist eine erfolgreiche PR-Massnahme. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle das Domus Aurea, der kostspielige Palast des exzentrischen Kaisers Nero. Nach seinem Sturz und Tod gab sein Nachfolger Vespasian das Gelände der Öffentlichkeit zurück, der Palast wurde abgerissen und an seiner Stelle das Kolosseum für das Volk errichtet. Den Namen hat es von einer Kolossalstatue, die ursprünglich Nero, später den Sonnengott Sol darstellte und neben dem Kolosseum stand.





„Pollice Verso“ von Jean-Léon Gérôme (Bild: phxart.org, Wikimedia)

„Pollice Verso“ von Jean-Léon Gérôme (Bild: phxart.org, Wikimedia)

Ausgefeilte Technik

Obwohl das Gebäude eine Ruine ist, lassen sich die Ausmasse noch sehr gut nachvollziehen. Der Umfang des ellipsenförmigen Baus misst mehr als einen halben Kilometer. Mit einer Höhe von 48 Metern erreicht es Hochhaus-Masse. Wohl 50’000 Zuschauer fanden auf mehreren Ebenen rund um die Arena Platz. 80 Eingänge und ein ausgeklügeltes System von Gängen und Treppen sorgte dafür, dass in kürzester Zeit grosse Menschenmassen den Bau betreten und wieder verlassen konnten. Diese logistische Meisterleistung findet auch heute noch in modernen Stadien Nachahmung.



Nur zu erahnen ist die ausgefeilte Technik, die die Shows erst ermöglichte. Wer heute vom Zuschauerbereich ins Innere des Kolosseums blickt, sieht ein Gewirr von Mauern, deren Sinn sich nicht sofort erschliesst. Es handelt sich um die Unterkellerung der einstigen Arena. Sie bot Platz für Räume, Verliese und Tierkäfige, in denen Mitwirkende bei einer Show auf ihren Auftritt warteten. Ausserdem war hier eine ausgefeilte Bühnentechnik mit Aufzügen, Rampen und Falltüren untergebracht. Damit liessen sich in kürzester Zeit Kulissen verändern und neue Darbietungen aufführen. Ein technisches Glanzstück war auch die Markise, die über dem Zuschauerbereich als Sonnenschutz aufgezogen werden konnte.

Kolosseum in Rom ist ein technisches Glanzstück. (Bild: AlexanderVanLoon, Wikimedia, CC)

Kolosseum in Rom ist ein technisches Glanzstück. (Bild: AlexanderVanLoon, Wikimedia, CC)




100-Tage-Eröffnungs-Show

Im Jahre 80 n. Chr. wurde das Kolosseum mit 100-tägigen Spielen eröffnet. Einen Höhepunkt des Showprogramms bildete eine nachgestellte Seeschlacht, bei der die Arena geflutet wurde. In den folgenden Jahrhunderten war das Kolosseum Schauplatz zahlloser blutiger Aufführungen. Erst mit dem Niedergang des Römischen Reiches und der Entvölkerung Roms kam der Spielbetrieb allmählich zum Erliegen. In einer Zeit des sich verbreitenden Christentums hatten Aufführungen, bei denen es um Leben und Tod ging, auch keinen Platz mehr.

Um durch kriegerische Ereignisse zerstört zu werden, war der Bau einfach zu gewaltig und gross. Seine heutige Erscheinung als Ruine verdankt das Kolosseum vielmehr dem Zahn der Zeit und der Tatsache, dass es im Mittelalter als Steinbruch für viele andere Bauten Roms diente. Das, was übrig blieb, ist imposant genug, um bis heute eines der bedeutendsten Monumente der an Baudenkmälern nicht armen Ewigen Stadt zu sein.

 

Oberstes Bild: Das Kolosseum ist ein Wahrzeichen Roms. (© Diliff, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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