Die Insel Rhodos, Teil 7: Die Thermen von Kallithea – ein Tag wie im Kino

12.11.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Die Insel Rhodos, Teil 7: Die Thermen von Kallithea – ein Tag wie im Kino
4.5 (90%)
2 Bewertung(en)

Die Thermalanlage von Kallithea befindet sich etwas südlicher von Rhodos-Stadt an der Ostküste zwischen dem betriebsamen Ort Kallithea und der Freizeit-Hochburg Faliraki. Fern vom touristischen Getümmel hat man den Eindruck, dass die Zeit hier langsamer verläuft.

Die Therme liegt ganz am Rande einer geschlossenen Bucht, versunken im exotischen Palmengrün, umgeben vom strahlend blauen Wasser so weit das Auge reicht. Man hat den Eindruck, einen Ort der kompromisslosen Ruhe gefunden zu haben. Dagegen kann man sich gar nicht wehren: Nach einem fünfminütigen Spaziergang durch die Anlage spürt man plötzlich, über allen Gipfeln der Seele ist Ruh. Und der angewöhnte touristische ich-muss-mir-möglichst-viel-möglichst-schnell-anschauen-Galopp verwandelt sich in ein Lustwandeln.



Der Weg zu der Thermalquelle (Bild: Irina Simonenko)

Der Weg zu der Thermalquelle (Bild: Irina Simonenko)

Die Thermalquellen von Kallithea sind schon seit der Antike bekannt. Ihr Wasser ist sehr schwefelhaltig, deswegen trugen die Thermen in der Vergangenheit den Namen „die Roten Quellen“. Noch Hippokrates soll sie wegen der heilenden, abführenden Wirkung hoch geschätzt haben. Er empfahl das Quellenwasser bei jeder Art von Magen- und Darmerkrankungen, Arthritis, Rheumatismus aber auch Fettleibigkeit und Hautkrankheiten. Die Forschung in unserer Zeit stellten fest, dass das schwefelhaltige Wasser auch gegen Diabetes, Asthma und tropische Krankheiten wie Malaria eingesetzt werden kann.

Die Geschichte verschweigt, welche Wehwehchen den römischen Kaiser Augustus geplagt haben, oder ob er sich in Kallithea einfach eine Auszeit nahm, um sich vor seinem stressigen kaiserlichen Dasein zu erholen, aber er war auch ein oft gesehener Gast hier. Im Mittelalter waren die Thermalquellen von Kallitea ein stark besuchter Kurort: Die Menschen aus ganz Griechenland und Kleinasien kamen auf Rhodos, um nach der Heilung für ihre Krankheiten zu suchen.

Die Therme (Bild: Petra Pospisilova, Wikimedia)

Die Therme (Bild: Petra Pospisilova, Wikimedia)

Am Anfang des 20. Jahrhundert kam zum Inhalt auch noch die Form dazu. Während der italienischen Besatzung wurden die Eigenschaften des Wassers nach dem Befehl von Mario Lago, dem Gouverneur der Dodekanes, von den italienischen Hydrologen und Ärzten untersucht. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit waren durchaus positiv, denn 1928 begann die Konstruktion der Anlage unter der Leitung des damaligen Stararchitekten Pietro Lombard. Bis heute ist die Therme von Kallithea eine architektonische Perle des Baustils, der eigentlich unter der faschistischen Regierung von Mussolini entstanden war, das Städtebild Italiens selbst stark prägte aber auch in allen eroberten Teilen des angestrebten Imperiums die Verbreitung fand.



Die Therme liegt direkt am Meer; unterhalb steiler Felsvorsprünge platschen die Wellen in den kleinen Buchten ans Ufer. Die Anlage ist in einem verspielten orientalischen Stiel gehalten: Überall sind runde Kuppeln zu sehen, kunstvolle Kieselmosaiken zieren die Gänge, viele Fenster sind aus buntem Glas gemacht, die unzähligen prächtigen Palmen spenden wenig Schatten, sorgen dafür aber für noch mehr südländisches Kolorit. Man hat den Eindruck, in einem Tausend-und-eine-Nacht-Märchen aufgewacht zu sein.

Die Innenansicht der Therme (Bild: G. Sawatzky, Wikimedia, CC)

Die Innenansicht der Therme (Bild: G. Sawatzky, Wikimedia, CC)

Am Haupteingang fangen mit Steinmosaiken ausgelegte Wege an. Ein schöner Arkadengang führt zu der Anlage. Im Zentrum befindet sich die Rotonde mit einem beeindruckenden Kuppelbau. Unter dem kunstvoll verzierten Gewölbe läuft das Wasser der sechs Quellen zusammen. Dass das Wasser tatsächlich starke abführende Wirkung hat, bestätigen die ungewöhnlich vielen, an jeder Ecke anzutreffenden Toiletten. Also hat man eine reale Chance, den Ausflug ein paar Kilo leichter zu beenden.

Während der Bombardierungen im zweiten Weltkrieg würde die Therme zum Unglück aller Architektur- und Darmentleerungsfreunde fast völlig zerstört. Lange Zeit war die Anlage nicht mehr zugänglich. In den 90er Jahren begann die mühselige Restauration und Wiederaufbau. Erst in 2007 wurde die Therme feierlich für die Besucher wieder eröffnet. Der Eintrittspreis beträgt bescheidene 3 Euro und die Ausflügler können die Anlage täglich von 8 bis 20 Uhr besuchen.

Eingang zu den Thermen (Bild: Alinea, Wikimedia, GNU)

Eingang zu den Thermen (Bild: Alinea, Wikimedia, GNU)

Nach wie vor erweckt die Therme von Kallithea den Eindruck, ein edler Jetset-Kurort zu sein. Der idyllischen Schönheit wegen wurde der Flecken sogar zum Drehort von mehreren Spielfilmen, wie zum Beispiel „Urlaub auf Rhodos“ aus der englischen Krimiserie „Die Abenteuer des Hercule Poirot“; auch einige Teile vom Film „Die Kanonen von Navaronne“ wurden hier gedreht. Ein gewisses Etwas geben dem Ort auch die periodischen Ausstellungen der modernen Kunst.

Auch die unten liegende Badebucht von Kallithea verzaubert durch ihre Schönheit. Im transparenten Wasser kann man nicht nur baden: die hier ansässige Tauchschule bietet Tauchgänge in der Bucht an. Am Strand findet man Liegestühle, Sonnenschirme und alle nötigen Komforteinrichtungen. Alles ganz nobel.  Die Strandbar ist direkt in einen Felsen gebaut; die schattige Kühle, die gemütlichen Korbsessel, der herrliche Ausblick auf die Bucht und natürlich ein kaltes Getränk nach einem langen Spaziergang in der Sonne lassen den Körper und das Gemüt sehr schnell  in Glückseligkeit schwelgen.



 

Oberstes Bild: Die Thermen von Kallithea (Bild: Captain Narville, Wikimedia, CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.




Trackbacks

  1. Die Insel Rhodos, Teil 4: Lindos und seine Akropolis, Esel und Schmuckläden › reiseziele.ch
  2. Die Insel Rhodos, Teil 3: Was Menschen und Land übereinander erzählen › reiseziele.ch
  3. Die Insel Rhodos, Teil 2: Rhodos-Stadt – zwischen Europa und Asien, zwischen Antike und Moderne › reiseziele.ch
  4. Die Insel Rhodos, Teil 1: Die Ankunft im Land der Legenden › reiseziele.ch
  5. Sizilien, Teil 4: Die Entdeckungen im Süden der Insel › reiseziele.ch

Ihr Kommentar zu:

Die Insel Rhodos, Teil 7: Die Thermen von Kallithea – ein Tag wie im Kino

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.