Mein Leipzig lob‘ ich mir! Es ist ein Klein-Paris, und bildet seine Leute! (Teil II)

17.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Mein Leipzig lob‘ ich mir! Es ist ein Klein-Paris, und bildet seine Leute! (Teil II)
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Nachdem ich Ihnen am Ende des ersten Teils unseres Leipzig-Rundgangs das Geheimnis Ihrer garantierten Rückkehr in die Stadt verraten habe, erfahren Sie heute, welche Sehenswürdigkeiten Sie bei der Fortsetzung der vorgeschlagenen Route noch besichtigen können.

Sofern Sie die bereits vorgestellte Mädlerpassage über den gleichen Zugang verlassen, über den Sie sie betreten haben, erblicken Sie direkt vor sich die Alte Börse – das älteste Versammlungsgebäude der in Leipzig ansässigen bzw. niedergelassenen Kaufleute.



Schräg dahinter liegt der Sachsenplatz, an dessen äusserem Rand sich das hochmoderne Museum der Bildenden Künste erhebt. Hier finden historisch bedeutsame Kunstwerke und zeitgenössische Künstler gleichermassen eine Plattform. Als Ursprungsort der so genannten „Leipziger Schule“ ist die Stadt (Zweit-)Wohnsitz bedeutender Maler der Neuzeit, zu deren wohl berühmtesten Vertretern Neo Rauch zählt.

Eine nicht minder berühmte Insigne Leipzigs ist die Nikolaikirche, die Sie in der gleichnamigen Parallelstrasse finden. Das Gebäude gilt als Wiege der Friedlichen Revolution von 1989, denn es war Ort der ausschlaggebenden „Friedensgebete“, denen sich nach und nach immer mehr Bürger anschlossen. An ihren ebenso mutigen wie selbstlosen Einsatz erinnern die bei Dunkelheit farbig leuchtenden Steine, die ins Pflaster des Kirchhofes eingelassen sind. Darüber hinaus mahnt eine Replik der Säulen aus dem Kircheninneren an die Ereignisse des geschichtsträchtigen Jahres.





Nikolaikirche in Leipzig (Bild: Twenglish, Wikimedia)

Nikolaikirche in Leipzig (Bild: Twenglish, Wikimedia)

Grosse Namen, grosse Gegensätze

Haben Sie den Kirchenbau zur Hälfte umrundet, befinden Sie sich bereits auf einem Teil des Campus. Die dazugehörenden Universitätsgebäude umschliessen einen weitläufigen Innenhof, in dem Sie neben einem Denkmal des Mathematikers Leibnitz auch den erhalten gebliebenen Torbogen der „Alma mater lispsiensis“ bewundern können. Die Gründung der Universität datiert aus dem Jahr 1409. Zu ihren bekanntesten Absolventen gehören der Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe, der Homöopathie-Begründer Samuel Hahnemann, der Komponist Richard Wagner, Nobelpreisträger Paul Ehrlich sowie Deutschlands heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Gemeinsam mit zahlreichen Kommilitonen legte sie in den 1970-er Jahren die verschütteten Reste der Moritzbastei frei. Diese bildete einst einen von vier Eckpunkten der Leipziger Stadtmauer. Heute können Sie in den unterirdischen Gewölben des Wehrbaus eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen besuchen, denn die restaurierten Räume werden seit dem studentischen Arbeitseinsatz gastronomisch genutzt.

Einen krassen Gegensatz zu den historischen Kelleranlagen bildet das unmittelbar daneben befindliche City-Hochhaus. Das zwischen 1968 und 1972 errichtete Gebäude überragt alle anderen Bauwerke Leipzigs. Auf einer Höhe von 142 Metern bieten Ihnen das „Panorama-Café“ bzw. die angeschlossene Aussichtsplattform bei klarem Wetter eine fantastische Sicht auf die Stadt und deren Umland.

Das Neue Augusteum am Augustusplatz ist seit Sommer 2012 das Hauptgebäude der Universität Leipzig  (Bild: MaryG90, Wikimedia, CC)

Das Neue Augusteum am Augustusplatz ist seit Sommer 2012 das Hauptgebäude der Universität Leipzig (Bild: MaryG90, Wikimedia, CC)

Ein Platz voller Geschichte(n)



Der Blick von oben lässt unter anderem den nach Kurfürst Friedrich August I. benannten Augustusplatz erkennen. Mit einer Fläche von 40’000 m² bildet er eine beeindruckende Kulisse für das jährlich stattfindende Lichterfest, bei dem die Leipziger mit zahlreichen Kerzen der Ereignisse vom Herbst 1989 gedenken.

Wie weltgewandt die Stadt schon lange vor dem daraus folgenden Machtwechsel war, beweist das Kroch-Hochhaus an der Westseite des Platzes: Es ist dem Torre dell’Orologio in Venedig nachempfunden und trägt das gleiche aussergewöhnlich gestaltete Schlagwerk wie dieser: zwei übermannshohe Bronzefiguren, die durch viertelstündlich ertönende Hammerschläge die Zeit verkünden.

Augustusplatz in Leipzig bei Nacht (Bild: Johannes Kazah, Wikimedia, CC)

Augustusplatz in Leipzig bei Nacht (Bild: Johannes Kazah, Wikimedia, CC)

Ebenso aussergewöhnlich ist die Gestaltung des Gewandhaus-Foyers: Das von Sighard Gille erschaffene Deckengemälde gilt als Europas grösstes Kunstwerk seiner Art und kann bei abendlicher Beleuchtung auch von aussen betrachtet werden. Den irreführenden Namen „Gewandhaus“ verdankt das für Konzerte genutzte Gebäude dem Umstand, dass einer seiner Vorläufer-Bauten ursprünglich als Zeughaus der Wollwaren- und Tuchhändler diente. Nachdem einige von ihnen ein eigenes Orchester gegründet und dessen Aufführungen in der Lagerstätte etabliert hatten, wurde die Bezeichnung „Gewandhaus“ bzw. „Gewandhaus-Orchester“ einfach übernommen.

Kritiklos übernommen wurde auch die Legende um Leipzigs grösste und schönste Wasserspende-Anlage, den Mendebrunnen. Einer Autoren-Laune des berühmten „rasenden Reporters“ Egon Erwin Kisch zu Folge wollte dessen Stifterin Maria Pauline Mende ein den Bürgern der Stadt angetanes Unrecht wieder gut machen. Tatsächlich aber unterstützte sie mit ihrer Spende nur ein langgehegtes Bauvorhaben.



Ein solches fand auch mit der feierlichen Übergabe des City-Tunnels im Jahre 2013 seinen Abschluss. Durch die Einrichtung der unterirdischen Gleisanlage realisierte die Stadt das über ein Jahrhundert alte Vorhaben, den Bayerischen Bahnhof und den Hauptbahnhof miteinander zu verbinden.

Mendebrunnen vor dem Gewandhaus in Leipzig (Bild: Appaloosa, Wikimedia, CC)

Mendebrunnen vor dem Gewandhaus in Leipzig (Bild: Appaloosa, Wikimedia, CC)

Abseits der Innenstadt

Von diesen beiden Verkehrsknotenpunkten aus erreichen Sie neben den bereits genannten Sehenswürdigkeiten mühelos noch weitere „Aushängeschilder“ der Stadt. Hiervon sollen mit dem traditionsreichen Zoologischen Garten, dem barocken Gohliser Schlösschen, der architektonisch interessanten Wohnanlage Rundling und dem ehemaligem Tagebaugebiet Neuseenland nur einige Beispiele aufgeführt sein.

Gohliser Schlösschen in der Nähe von Leipzig (Bild: Appaloosa, Wikimedia, CC)

Gohliser Schlösschen in der Nähe von Leipzig (Bild: Appaloosa, Wikimedia, CC)

Im Rahmen internationaler Veranstaltungen hat Leipzig sich mit der Buchmesse, dem Bachfest, dem Reitsport-Event „Partner Pferd “ und der Automobil-Ausstellung AMI sowie dem jährlich über Pfingsten stattfindenden „Wave-Gothik-Treffen“ einen Namen gemacht. Weiterführende Informationen dazu erhalten Sie bei den jeweiligen Ausrichtern oder bei (über-)regional ansässigen Reiseunternehmen.

Auch wenn zahlreiche deutsche Orte bzw. Ortsteile sich mit der Zusatzbezeichnung „Klein-Paris“ schmücken, werden Sie bei der Suche nach diesem Begriff vorrangig auf Leipzig verwiesen. Ein Beweis mehr, wie treffend er trotz Goethes sarkastisch gemeinter Aussage ist.



 

Oberstes Bild: Blick von der Türmerwohnung in Leipzig (Bild: Steffi Pelz  / pixelio.de)

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Über Christiane Dietering

Christiane Dietering hat eine handwerkliche, zwei kaufmännische und eine Autoren-Ausbildung absolviert. Sie arbeitet als freie Texterin, Rezensentin und Journalistin in den Themenbereichen Kunst und Kultur. Ihre Hauptauftraggeber sind Veranstalter von Musikaufführungen, Lesebühnen und Erotik-Events.




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