So reisen die Schweizer wirklich: Ausland, Kurztrips und Ferien vor der Haustür

Herr und Frau Schweizer reisen gerne – und erstaunlich häufig. Nach den neuesten vollständigen Daten des Bundesamts für Statistik unternahm die Schweizer Wohnbevölkerung 2024 durchschnittlich 2,9 Reisen mit mindestens einer Übernachtung pro Person. Dazu kamen durchschnittlich 8,8 Tagesreisen. Besonders deutlich zeigt sich dabei: Für längere Ferien zieht es die Schweizer mehrheitlich ins Ausland, während das eigene Land bei Kurz- und Tagesausflügen eine enorme Bedeutung behält.

89 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung ab sechs Jahren unternahmen 2024 mindestens eine Reise mit Übernachtung. Nur 35 Prozent dieser Reisen blieben innerhalb der Schweiz, entsprechend führten rund zwei Drittel ins Ausland. Bei Tagesreisen sieht das Bild genau umgekehrt aus: 90 Prozent fanden innerhalb der Schweiz statt. Das zeigt zwei unterschiedliche Reisevorlieben – für den kurzen Tapetenwechsel bleibt man gerne im eigenen Land, für längere Ferien zieht es deutlich häufiger über die Grenze.

Auch finanziell ist die Reiselust bemerkenswert. Gemäss Bundesamt für Statistik gab die Schweizer Wohnbevölkerung 2024 insgesamt 18,9 Milliarden Franken für Auslandreisen aus. Das waren 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein auf Auslandreisen mit Übernachtungen entfielen 13,2 Milliarden Franken.

Ausland für die Ferien, Schweiz für den Kurztrip

Die aktuellsten BFS-Zahlen zeigen besonders deutlich, wie unterschiedlich Kurzferien und längere Reisen genutzt werden.

2024 entfielen pro Person durchschnittlich 1,0 Reisen mit Übernachtungen auf die Schweiz und 1,9 auf das Ausland.

Beim Blick auf die Dauer wird das Muster noch deutlicher. Die langfristigen BFS-Daten zeigen, dass Reisen innerhalb der Schweiz häufig Kurzreisen mit einer bis drei Übernachtungen sind. Bei Auslandreisen dominieren dagegen Aufenthalte mit mindestens vier Übernachtungen.

Damit erfüllt die Schweiz für ihre eigene Bevölkerung eine wichtige Funktion als unkompliziertes Kurzreiseziel, während die klassische längere Ferienreise häufiger ins Ausland führt.

Italien gehört traditionell zu den Favoriten

Welche einzelnen Länder 2024 vorne lagen, weist die jüngste zusammenfassende BFS-Publikation zum Reiseverhalten nicht in derselben Detailtiefe aus. Deshalb wäre es unseriös, daraus eine aktuelle Rangliste der beliebtesten Ferienländer zu konstruieren.

Die detaillierten BFS-Daten aus früheren Jahren zeigen jedoch, wie stark die europäischen Nachbarländer traditionell sind. Italien, Deutschland und Frankreich gehören regelmässig zu den wichtigsten Zielen der Schweizer Bevölkerung.

Das überrascht kaum. Kurze Distanzen, gute Verkehrsverbindungen und sehr unterschiedliche Ferienformen machen diese Länder attraktiv. Italien verbindet Badeferien, Städte, Kulinarik und Bergregionen; Deutschland und Frankreich sind sowohl für Städtereisen als auch für Kurzferien gut erreichbar.

Europa spielt deshalb eine wesentlich grössere Rolle als Fernreisen.

Das eigene Land bleibt ein Reisefavorit

Dass 35 Prozent aller Übernachtungsreisen 2024 innerhalb der Schweiz stattfanden, ist angesichts der kleinen Landesfläche bemerkenswert.

Noch ausgeprägter ist die Bedeutung der Schweiz bei Tagesreisen. Von durchschnittlich 8,8 Tagesreisen pro Person fanden 90 Prozent im Inland statt.

Dabei bietet die Schweiz ideale Voraussetzungen für kurze Auszeiten: Seen, Berge, Städte und Ferienregionen sind aus praktisch allen Landesteilen innerhalb weniger Stunden erreichbar.

Gerade deshalb bleiben auch nahe gelegene Reiseziele für kurze Auszeiten für viele Schweizer attraktiv.

Frauen reisen etwas häufiger als Männer

Auch zwischen den Bevölkerungsgruppen gibt es Unterschiede.

Frauen kamen 2024 durchschnittlich auf 3,1 Reisen mit Übernachtungen, Männer auf 2,7.

Besonders reisefreudig war die Altersgruppe zwischen 25 und 44 Jahren. Sie kam auf insgesamt 3,5 Übernachtungsreisen pro Person, davon 2,4 ins Ausland.

Menschen ab 65 Jahren reisten mit durchschnittlich 2,0 Übernachtungsreisen weniger häufig. Auch bei ihnen überwogen allerdings die Auslandreisen.

Eine Besonderheit bilden Kinder zwischen sechs und 14 Jahren: Sie waren mit durchschnittlich 3,6 Reisen besonders häufig unterwegs und verbrachten als einzige untersuchte Altersgruppe die Mehrheit ihrer Reisen in der Schweiz.

Das Auto spielt weiterhin eine grosse Rolle

Nicht nur das Ziel, sondern auch die Art der Reise verrät einiges über Schweizer Feriengewohnheiten.

Bei kürzeren Reisen spielt das Auto weiterhin eine wichtige Rolle. Gerade Destinationen in Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich sind aus der Schweiz gut auf der Strasse erreichbar.

Bei längeren Auslandreisen gewinnt das Flugzeug deutlich an Bedeutung.

Gleichzeitig bleibt die Bahn innerhalb der Schweiz und bei gut angebundenen europäischen Städten eine attraktive Alternative. Die Verkehrsmittelwahl hängt deshalb stark von Distanz, Reisedauer und Ferienart ab.

Beim Kurztrip darf es gerne ein Hotel sein

Auch bei der Unterkunft zeigen sich klare Unterschiede.

Für kurze Auslandreisen werden häufig Hotels gewählt. Bei längeren Ferien spielen daneben Ferienwohnungen, Campingplätze und Aufenthalte bei Verwandten oder Bekannten eine grössere Rolle.

Innerhalb der Schweiz sind Ferienwohnungen und andere Formen der Parahotellerie ebenfalls bedeutend, gerade bei längeren Aufenthalten in Berg- und Ferienregionen.

Damit gibt es auch bei der Unterkunft kein einheitliches Schweizer Ferienmodell.

Die Schweizer geben viel fürs Reisen aus

2024 gaben Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz insgesamt 18,9 Milliarden Franken für Reisen ins Ausland aus. Gegenüber 2023 entspricht das einem Wachstum von 7,8 Prozent.

Davon entfielen 13,2 Milliarden Franken auf Auslandreisen mit Übernachtungen. Weitere 5,7 Milliarden Franken wurden bei Reisen ohne Übernachtung ausgegeben.

Die Zahlen zeigen, dass Ferien und Reisen weiterhin einen hohen Stellenwert besitzen. Gleichzeitig verändert sich das Verhalten: Kurzreisen gewinnen an Bedeutung, Ferien werden stärker über das Jahr verteilt und Preis, Klima sowie internationale Unsicherheiten beeinflussen die Wahl des Reiseziels.

✈️ SO REIST DIE SCHWEIZ IN ZAHLEN

  • 2024 wurden durchschnittlich 2,9 Reisen mit Übernachtungen pro Person unternommen.
  • 35 Prozent der Übernachtungsreisen fanden innerhalb der Schweiz statt, rund 65 Prozent führten ins Ausland.
  • Bei Tagesreisen ist es umgekehrt: 90 Prozent wurden innerhalb der Schweiz unternommen.
  • Die Schweizer Wohnbevölkerung gab 2024 insgesamt 18,9 Milliarden Franken für Auslandreisen aus.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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