Wales – wo Grossbritannien keltisch ist

21.08.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Wales – wo Grossbritannien keltisch ist
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Wales steht als Reiseziel nicht unbedingt im Fokus, wenn es um Ferien in Grossbritannien geht. Meist konzentriert sich das Interesse auf London, Südengland, Edinburgh oder die schottischen Highlands. Beim Gedanken an Wales entstehen oft Assoziationen mit Kohlebergbau und dem Beginn der Industrialisierung. Nicht selten fehlen aber überhaupt konkrete Vorstellungen des westlichen Teils des Vereinigten Königreichs. Allenfalls ist der Prince of Wales als Titel für den britischen Thronfolger noch ein Begriff.

Dabei hat Wales Besuchern eine eigenständige Kultur und sehr vielseitige Landschaften zu bieten – aussergewöhnlich auf der überschaubaren Fläche von knapp 21’000 Quadratkilometern, gerade mal halb so gross wie die Schweiz. Wales ist ein Land am Meer. An drei Seiten wird das Land vom Wasser umspült. Die Irische See, der St.-Georgs-Kanal und der Bristolkanal – alle Teile des Atlantiks – begrenzen das Land. Über 1200 Kilometer Küste hat Wales zu bieten; überwiegend handelt es sich um Steilküste, es gibt aber auch sehr schöne Strände. Carmarthenshire, Cardigan Bay, Pembrokeshire und Gower sind dafür bekannt.

Cardiff Castle – das Wahrzeichen der walisischen Hauptstadt. (Bild: Tony Hisgett, Wikimedia, CC)

Cardiff Castle – das Wahrzeichen der walisischen Hauptstadt. (Bild: Tony Hisgett, Wikimedia, CC)

Ein Land der Berge und Naturregionen

Nur nach Osten hin besitzt Wales eine Landgrenze zum Nachbarn England. Es ist ein Land der Berge und grünen Hügel, von Mooren und weiten Wiesen. Quer durch Wales zieht sich das sogenannte Kambrische Gebirge. Tatsächlich war das Land lange von Bergbau und Schwerindustrie geprägt. Dazu hat der Reichtum an Bodenschätzen in der walisischen Bergwelt wesentlich beigetragen. Kohle, Kupfer, Eisen und Edelmetalle finden sich in Wales. Die Hauptstadt Cardiff galt lange als grösster Kohleausfuhrhafen der Welt.

Inzwischen hat ein nicht einfacher Umstrukturierungsprozess stattgefunden. Geografisch konzentriert sich das Bergbau- und Industriegebiet vor allem im Süden des Landes. Dort liegt auch der Siedlungsschwerpunkt. Daneben gibt es aber auch weite unberührte Landschaften, die nur dünn besiedelt sind. Ein grosser Teil des Landes ist Naturschutzgebiet.

Pferde auf der Halbinsel Gower (Bild: Rodw, Wikimedia, CC)

Pferde auf der Halbinsel Gower (Bild: Rodw, Wikimedia, CC)

Keltische Ursprünge und walisische Sprache

In Wales sind die keltischen Ursprünge der britischen Inseln noch besonders präsent. Im Unterschied zu England konnte das Land nie von den Angelsachsen erobert werden. Schon früh christianisiert, hat Wales lange seine Unabhängigkeit verteidigt. Erst mit der englisch-normannischen Eroberung im Jahr 1282 und der Niederlage des letzten Fürsten von Wales Llywelyn endete diese Ära. Seitdem wird der Titel Prince of Wales vom englischen Kronprinzen getragen.

Trotz der jahrhundertelangen Verbindung mit England hat Wales sich ein Eigenbewusstsein bewahrt. Dies kommt vor allem in der keltisch-walisischen Sprache zum Ausdruck – ein für uns fremdartiges Idiom mit eigenwilligen Buchstabenkombinationen. Ein schönes Beispiel ist der längste walisische Ortsname: Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch.





Schild am Bahnhof der Gemeinde Llanfairpwll¬gwyngyllgogery¬chwyrndrobwll¬llantysilio¬gogogoch (Bild: G1MFG, Wikimedia, CC)

Schild am Bahnhof der Gemeinde Llanfairpwll¬gwyngyllgogery¬chwyrndrobwll¬llantysilio¬gogogoch (Bild: G1MFG, Wikimedia, CC)




Der Snowdonia-Nationalpark



Am gebirgigsten zeigt sich Wales im Norden. Hier liegt der Snowdonia-Nationalpark. Er macht mehr als 10 % der Fläche des Landes aus. Sein Mittelpunkt ist der mit 1085 Metern höchste walisische Berg, der Mount Snowdon – einer der wenigen Gipfel, zu denen man mit der Eisenbahn hochfahren kann. Die dampfbetriebene Eisenbahn Snowdon Mountain Railway ist eine Attraktion für sich. Neben dem Mount Snowdon bietet der Nationalpark aber eine Fülle wunderbarer Berglandschaften. Kahles Gestein wechselt sich dabei mit grünen Matten und Geröllfeldern ab, Bäume sind eher die Ausnahme. Der Nationalpark ist über Wander-, Rad- und Reitwege bestens erschlossen.

Im Snowdonia-Nationalpark (Oberstes Bild: Velela, Wikimedia, CC)

Im Snowdonia-Nationalpark (Oberstes Bild: Velela, Wikimedia, CC)




Weitere Naturlandschaften

Lohnenswert sind auch die beiden anderen Nationalparks des Landes. Der Brecon Beacons National Park führt Besucher in den Südosten von Wales an die Grenze zu England. Auch hier gibt es kahle Höhen, daneben aber auch Moore, Weiden und einige Wälder. Bekannt ist das Gebiet für seine Schauhöhlen. Der Pembrokeshire Coast National Park führt dagegen an die Südwestspitze des Landes und bietet eine sehr abwechslungsreiche Küstenlandschaft. Buchten wechseln sich mit Steilküste, Klippen und Felsen ab, dazwischen gibt es auch Sand wie bei Marloes Sands. Der Pembrokeshire Coast Path ist ein beliebter Wanderweg, der an vielen schönen Stellen vorbeiführt.

Auf der Halbinsel Gower



Ein weiteres touristisches Highlight ist die Halbinsel Gower im Süden. Sie gilt als Region von aussergewöhnlicher Naturschönheit. Die über 100 Quadratkilometer grosse Halbinsel verfügt über eine malerische Küstenlandschaft mit vielen schmalen Buchten, die mal mehr von Fels, mal mehr von Sand geprägt sind. Es gibt nur wenige kleine Dörfer auf der Halbinsel. Der grösste Teil ist Farmland oder öffentliches Grünland. Die Halbinsel ist ein beliebter Rückzugsort für wohlhabende Pensionäre.

Cardiff – walisische Hauptstadt

Wer nach so viel Natur Sehnsucht nach urbanem Treiben hat, findet es in der walisischen Hauptstadt Cardiff. Mit knapp 350’000 Einwohnern ist sie die bei Weitem grösste Stadt des Landes. Cardiff hat nach einer Zeit des Niedergangs in den letzten Jahrzehnten eine grundlegende Erneuerung erlebt – am besten zu erleben, wenn man die Silhouette der Stadt von der Hafenbucht aus betrachtet. Dazu gehört zum Beispiel das Millenium Centre als kultureller Veranstaltungsort. Das Wahrzeichen der Stadt ist Cardiff Castle. Im National Museum Wales mit seinen Ausstellungen lässt sich der walisischen Kultur und Vergangenheit nachspüren.

 

Oberstes Bild: Pembroke Castle in Wales (© Athena Flickr, Wikimeidia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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