Auf den Spuren des Sonnenkönigs auf Schloss Versailles

17.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Auf den Spuren des Sonnenkönigs auf Schloss Versailles
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Es gibt wohl keinen Ort in Frankreich, der Macht und Glanz der französischen Monarchie besser widerspiegelt als Schloss Versailles. Erbaut im 17. Jahrhundert unter dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV., zählt die imposante Anlage mit ihren Lustschlössern, Gartenanlagen und dem zentralen Schloss heute zu den grössten Attraktionen im Raum Paris.

Mehr als 30.000 Arbeiter waren nötig, um den Prunkbau zu errichten, und um das Leben am Hofe ranken sich bis heute unzählige Legenden. Im 17. Jahrhundert war Frankreich unter Ludwig XIV. der mächtigste Staat in Europa und Schloss Versailles damit in gewisser Hinsicht das Zentrum Europas. Mitglieder des französischen Hofadels und Günstlinge des Königs wurden an den Hof geholt und bildeten eine Gemeinschaft von teilweise mehreren Tausend Bewohnern.



An die dekadenten Hoffeste, die Bankette und Opernaufführungen, aber auch an die Intrigen und Machtspiele, die sich über hundert Jahre lang auf Schloss Versailles abspielten, erinnern noch heute die prachtvollen Säle und Gemächer. Das Schloss selbst beherbergt mittlerweile ein Museum und steht Besuchern ebenso wie die Gartenanlagen und mehrere Lustschlösser zur Besichtigung offen.

Blick von der Gartenanlage auf Schloss Versailles (© Cristian Bortes / Wikimedia / CC)

Blick von der Gartenanlage auf Schloss Versailles (© Cristian Bortes / Wikimedia / CC)

Vom Jagdschloss zur königlichen Residenz

Rund einen halben Kilometer misst die Gartenanlage von Schloss Versailles an ihrer breitesten Stelle, und unbestrittener Mittelpunkt ist das Schloss selbst mit seinen drei Hofplätzen, die von mehreren Nebengebäuden flankiert werden. Der barocke Prunkbau aus rotem Ziegelstein und Sandstein war allerdings nicht das erste Schloss, das von den französischen Königen im Pariser Vorort Versailles errichtet wurde. Schon 1623 liess sich Ludwig XIII. an der gleichen Stelle ein Jagdhaus errichten, das zehn Jahre später zum Schloss ausgebaut wurde und in dieser neuen Form bis heute den Grundkern von Schloss Versailles bildet.



Ludwigs Sohn, der junge Sonnenkönig Ludwig XIV., machte das von ihm bevorzugte Jagdschloss schliesslich zu seiner Sommeresidenz und ab 1682 auch zu seinem offiziellen Regierungssitz. Von nun an spielte sich das offizielle Hofleben in Versailles ab und nicht mehr wie zuvor im Tuilerienpalast und im Louvre. Dahinter steckte neben Liebhaberei auch geschicktes Kalkül: Der König entband die Mitglieder des Adels bewusst von ihren vorherigen Pflichten, hielt sie mit kostbaren Geschenken bei Laune und scharte sie zugleich um sich, um sie abseits jeder politischer Opposition stets nach Belieben kontrollieren zu können.



Durch den Umbau zum Regierungssitz entstand in den 1670er und 1680er Jahren das Schloss in seiner heutigen Form. Es sollte nicht nur für hundert Jahre den politischen und kulturellen Mittelpunkt Europas bilden, sondern auch die europäische Palastarchitektur über lange Zeit prägen. Seit 1979 ist Schloss Versailles Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Eingang zum inneren Machtzirkel (© Lionel Allorge / Wikimedia / CC)

Eingang zum inneren Machtzirkel (© Lionel Allorge / Wikimedia / CC)

Prunkvolles Leben am Hofe

König Ludwig XIV. unterhielt seine Gefolgschaft mit prunkvollen Festen, Banketten und kulturellen Veranstaltungen, von denen viele bis heute legendär sind. Mehrtägige Feste waren zu Hofe nichts Ungewöhnliches, ebenso wie eigens für die Feierlichkeiten komponierte Opern. Dabei wären die Verhältnisse auf Schloss Versailles nach heutigen Vorstellungen kaum erträglich gewesen. So war das Schloss durch die hohen, luftigen Räume im Winter so kalt, dass sogar König Ludwig selbst sich ein privates, besser beheizbares Schlafzimmer einrichten liess.

Auch Toiletten oder fliessendes Wasser suchte man im Schloss vergebens, bis Ludwig XIV. sich schliesslich die erste Toilette mit Toilettenspülung in Frankreich einrichten liess. Ungewöhnlich war aus heutiger Sicht auch, dass praktisch jeder Besucher ungehindert zum Schloss Zugang hatte. So konnte man denn die ungewöhnlichsten Gestalten durch die Gänge schlendern sehen, während Bittsteller oder Anwärter auf die käuflichen Hofämter offiziell vorgestellt werden mussten. Besonders kurios erscheint jedoch die Tatsache, dass selbst bei Mahlzeiten des Königs und Geburten der Königin schaulustige Besucher zugelassen waren.

Blick ins Schlafzimmer des Sonnenkönigs (© Blood Destructor / Wikimedia / CC)

Blick ins Schlafzimmer des Sonnenkönigs (© Blood Destructor / Wikimedia / CC)

Schloss Versailles: die Innenräume

Die Innenräume von Schloss Versailles bieten einen authentischen Eindruck davon, wie der König, seine Familie und sein Hofstaat einst lebten. Von über 200 Apartments sind heute einige erhalten oder wurden rekonstruiert, darunter vor allem bedeutende Räumlichkeiten wie die Schlafgemächer von König und Königin. Auch die Staatssäle wurden von den Nachfolgern Ludwigs XIV. kaum verändert. Besonders imposant ist aus heutiger Sicht der Spiegelsaal, der zu den grössten Räumen des Schlosses zählt. Der Spiegelsaal war nicht nur Schauplatz historischer Ereignisse wie der Proklamation des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871, sondern bezaubert auch mit seiner aussergewöhnlich prachtvollen barocken Ausstattung.



Auffallend prächtig geschmückt ist auch das Schlafzimmer der Königin, ihr „Paradeschlafzimmer“. König und Königin wurden zu Hofe mit einem umständlichen Ritual geweckt und abends verabschiedet, das sinnbildlich für die komplizierten Machtverhältnisse und symbolbehafteten Zeremonien auf Schloss Versailles stand. Im „offiziellen“ Schlafzimmer fand nicht nur die Morgentoilette statt, sondern hier empfingen die Königinnen auch besondere Gäste und gebaren vor den Augen zahlreicher Schaulustiger insgesamt 19 Kinder.

Prachtstück von Schloss Versailles: der Spiegelsaal (© Arnaud 25 / Wikimedia / public domain)

Prachtstück von Schloss Versailles: der Spiegelsaal (© Arnaud 25 / Wikimedia / public domain)

Gärten und Lustschlösser

Die Gärten von Schloss Versailles entsprechen einer Aufteilung, die typisch für die Barockschlösser der damaligen Zeit ist. Unweit des Schlosses wurden terrassenartige Parterres als repräsentatives Element angelegt; anschliessend folgte ein aufwendig gestalteter Lustwald, die Boskette, und als letzter Bereich der königliche Jagdwald. Die Gartenanlage umfasst mehrere Nebenschlösser, die zur Belustigung von Königsfamilie und Hofstaat dienten. Die Lustschlösser waren zu Fuss eine halbe Stunde vom Hauptschloss entfernt.



 

Oberstes Bild: Sonnenuntergang auf Schloss Versailles (© Guillaume Cattiaux / Wikimedia / CC)

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Über Andrea Rathjen

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