Barockes Lecce – Besuch im Florenz des Südens

10.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Barockes Lecce – Besuch im Florenz des Südens
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Lecce, die grösste Stadt des Salento, wird von vielen Reisenden zu unrecht übersehen. Die meisten Besucher bevorzugen die nahegelegenen Badeorte an der apulischen Adriaküste und verpassen so eine der schönsten italienischen Barockstädte.

Nicht ohne Grund gilt Lecce auch als „Florenz des Südens“, denn die 90.000-Einwohner-Stadt kann mit einer aussergewöhnlichen Vielfalt an barocken Prachtbauten aufwarten, die südlich von Rom ihresgleichen sucht. Und auch für Strandausflüge bietet die Stadt beste Gelegenheit: Lecce liegt zwar nicht direkt an der Küste, aber zwischen Otranto im Süden und Brindisi im Norden laden unzählige kleine Badeorte in wenigen Kilometern Entfernung zu einem Besuch ein.



Trotz des historischen Stadtbildes ist Lecce aber zugleich auch eine junge, moderne Stadt, in der Designerboutiquen und trendige Bars Seite an Seite mit historischen Monumenten stehen. Als Universitätsstadt, die bislang von den grossen Touristenmassen verschont wurde, bietet Lecce eine attraktive Mischung aus Sehenswürdigkeiten, nahegelegenen Badestränden und vielseitigen Shopping- und Ausgehmöglichkeiten – und das bei einer angenehm entspannten Atmosphäre.

Altstadt von Lecce (© Mac9 / Wikimedia / CC)

Altstadt von Lecce (© Mac9 / Wikimedia / CC)

Barockstadt mit sagenumwobenen Ursprüngen

Um die Gründung der Stadt Lecce ranken sich viele Legenden. So soll der Salentiner-König Malemnius die Stadt zu Beginn des 13. Jahrhunderts gegründet haben; der Name Lecce stammt angeblich vom griechischen Feldherrn Lictius Idomeneus, der Lecce nach der Zerstörung Trojas erobert haben soll. Tatsächlich sind die genauen Ursprünge der Stadt bis heute nicht bekannt. Rund 500 Jahre lang war Lecce Teil des Byzantinischen Reichs, wurde im 11. Jahrhundert jedoch durch die Normannen erobert.



Ab dem 14. Jahrhundert erlebte Lecce eine wirtschaftliche und in der Folge auch künstlerische Blütezeit, der die Stadt viele ihrer heutigen Baudenkmäler verdankt. Dass viele Monumente heute den Namen Karls V. tragen, ist dadurch zu erklären, dass der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches die Befestigung der Stadt stark vorantrieb und besonders viel zum heutigen barocken Stadtbild beitrug.

Römisches Theater in Lecce (© Filippo Caranti / Wikimedia / CC)

Römisches Theater in Lecce (© Filippo Caranti / Wikimedia / CC)

Rundgang durch das barocke Lecce

Dass Lecce so reich an barocken Prachtbauten ist, verdankt die Stadt den Tuffsteinbrüchen im Umland. Die leichte Verfügbarkeit des weichen Lecceser Tuffsteins leitete im 17. Jahrhundert eine Blütezeit des Barock in Lecce ein, und der Lecceser Barock gilt heute als eigener, regionaler Baustil des europäischen Barock. Zu den bedeutendsten Beispielen zählt die Basilika Santa Croce, deren üppige Fassade vom „Vater des Lecceser Barock“, Gabriele Riccardi, gestaltet wurde. Die Basilika gilt gemeinsam mit dem ehemaligen Cölestiner-Kloster Palazzo dei Celestini als herausragendes Beispiel des Lecceser Barock.

Deutlich schlichter gehalten ist der Dom von Lecce, dessen Glockenturm jedoch mit einer Höhe von rund 70 m zu den höchsten freistehenden Glockentürmen in Europa zählt. Am Domplatz ist der Bischofspalast Episcopio ein weiteres Beispiel für die prachtvolle Baukunst des Lecceser Barock. Der Palast wurde erstmals im 15. Jahrhundert gebaut und Mitte des 18. Jahrhunderts in seiner heutigen Form neu gestaltet. Bis heute ist der Bischofspalast offizielle Residenz des Erzbischofs von Lecce.

Bischofspalast Episcopio am Domplatz (© Marzoide88 / Wikimedia / CC)

Bischofspalast Episcopio am Domplatz (© Marzoide88 / Wikimedia / CC)

Abseits der kirchlichen Bauten zählt der Palazzo del Seggio zu den bedeutendsten Bauwerken in Lecce. Der Renaissance-Palast – auch bekannt als Palazzo del Sedile – beherrscht die Piazza Sant’Oronto, die gemeinsam mit dem Domplatz und der Piazza Mazzini zu den zentralen Stadtplätzen von Lecce zählt. Dazwischen liegt als imposantes Wahrzeichen der Stadt das Kastell Karls V., eine mächtige Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert. Aus der Römerzeit ist im Stadtzentrum ein Amphitheater aus dem 2. Jahrhundert erhalten, das Platz für 20.000 Zuschauer bot.



Sehenswert sind nicht zuletzt die beiden Torbögen Porta Rudiae und Porta Napoli. Die Porta Rudiae bildete einst das östliche Stadttor von Lecce in Richtung der antiken Stadt Rudiae, der es seinen Namen verdankt. Die Porta Napoli ist ein Triumphbogen aus dem 16. Jahrhundert und wurde zu Ehren Karls V. ebenfalls als Stadttor errichtet.





Kastell Karls V (© AmicoVero / Wikimedia / CC)

Kastell Karls V (© AmicoVero / Wikimedia / CC)

Apulien und den Salento entdecken

Nur wenige Kilometer von Lecce entfernt bieten Badeorte wie Frigole, Torre Rinalda oder Torre Specchia Ruggeri mit kilometerlangen Sandstränden beste Bedingungen für Wasserratten und Sonnenanbeter. Während 40 km nördlich die Hafenstadt Brindisi mit palmengesäumten Promenaden und mächtigen Festungen lockt, besticht das südöstlich gelegene Otranto vor allem mit seinen engen, verschlungenen Gassen und dem malerischen Stadthafen, der einen traumhaften Blick auf die türkisblauen Weiten der Adria bietet.

Auch der Agrotourismus hat sich in Apulien in den vergangenen Jahrzehnten stetig weiterentwickelt, und zu den beliebtesten Aktivitäten, die rund um Lecce angeboten werden, zählen neben Wanderungen und Mountainbike-Touren vor allem geführte Ausflüge zu den Weingütern der Region. Apulien zählt dank des hervorragenden Klimas zu den wichtigsten Weinanbaugebieten in Süditalien. Lecce ist aber auch bekannt für seine hervorragende Küche, und viele Kochschulen bieten in und um die Stadt einen Einblick in die traditionsreichen, rustikalen Rezepte der Region.

Hafen von Otranto (© Yellow.Cat / Wikimedia / CC)

Hafen von Otranto (© Yellow.Cat / Wikimedia / CC)

Eines der faszinierendsten Reiseziele in Apulien ist etwas weiter entfernt, aber ebenfalls gut auf einem Tagesausflug zu erreichen. Die Stadt Matera liegt rund zwei Fahrtstunden nordwestlich von Lecce und zählt mit ihrer verwinkelten Altstadt und ihren typischen Höhlensiedlungen, den Sassi, zu den aussergewöhnlichsten Orten der Region. Die in steile Felshänge gehauenen Sassi di Matera sind seit 1993 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und können zum Teil besichtigt werden.



 

Oberstes Bild: Reichverzierte Fassade der Basilika Santa Croce (© 9084427@N07 / Wikimedia / CC)

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Über Andrea Rathjen

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