Berlin einmal ganz anders – die deutsche Hauptstadt von unten betrachtet

29.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Berlin einmal ganz anders – die deutsche Hauptstadt von unten betrachtet
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Berlin sagt jedem Besucher etwas: Sie ist das städtische Symbol einer jahrzehntelangen Teilung zwischen zwei deutschen Staaten, dann aber auch einer friedlichen Wiedervereinigung. Aber Berlin ist schon lange Schauplatz von Geschichte, Kunst, Kultur und modernem urbanem Lebensgefühl – mit all seinen Facetten.

Unter die Erde begibt man sich dort eigentlich nur, wenn man eine der U-Bahn-Linien nutzt oder per Unterführung eine Strasse unterwandert. Doch unter der Erde, im Untergrund sozusagen, gibt es Interessantes zu entdecken. An ein paar Stellen werden so den interessierten Besuchern Berlins die Pforten zur Unterwelt geöffnet. Spannende Einblicke in diverse Aspekte der Geschichte, Stadtplanung und des Verkehrs werden plötzlich aus ungewohnter Perspektive möglich. Wichtiger Aspekt ist natürlich die Zeit des Zweiten Weltkrieges mitsamt seinen Folgen.



Nahe dem Volkspark Humboldthain beginnen einige dieser Führungen unter die Erde. Ein anderer Zugang zur Unterwelt stellt die schon erwähnte U-Bahn dar. Hier sind spezielle Fahrten ohne Dach ein gern gebuchter und spezieller Trip.

Spuren des Krieges begehbar gemacht

Wie in der Zwischenüberschrift andeutet, bestätigen die Titel der einzelnen Touren die Themenlage: „Dunkle Welten“, „Vom Flakturm zum Trümmerberg“ oder „Geschichtsspeicher Fichtebunker“ erklären schon, worum es gehen wird. Der Schutz der Zivilbevölkerung durch Bunker bis hin zu späteren Bunkersprengungen und den Trümmerbergen ist ein durchgängiges Element. Auch Flakbunker zur Luftabwehr sind noch sichtbare Zeugen einer furchtbaren Kriegszeit. Zum Thema Zivilschutz gehört auch die Gasometernutzung zu zivilen Zwecken, auch die Nutzung von Bunkern als Gefängnis oder zur Beherbergung der sogenannten Senatsreserve. Andere Themenbereiche sind Versuche mit der Rohrpost und das Abwassersystem.

Der Fichtebunker und die dazugehörigen Bauten sind als Gesamtanlage denkmalgeschützt (Bild: Beek100, Wikimedia, CC)

Der Fichtebunker und die dazugehörigen Bauten sind als Gesamtanlage denkmalgeschützt (Bild: Beek100, Wikimedia, CC)




Eine Folge des Krieges war die Zweiteilung Deutschlands. Nach dem Mauerbau 1961 wurde die Gliederung Berlins in zwei Stadtteile besonders prekär. Schon 1961 wurde ein erster Fluchttunnel von Ost nach West gebaut, etwa 70 weitere folgten bis 1982. Nur jeder fünfte Versuch „ab durch den Tunnel“ gelang. Einige dieser Fluchttunnel sind mit ihren jeweiligen Geschichten bis heute erhalten.

Ebenso können ehemalige „Geisterbahnhöfe“ auf früherer Ostseite besichtigt werden, die von der West-U-Bahn durchfahren werden mussten und gegen Fluchtversuche besonders gesichert waren. Was von der masslosen Naziarchitektur erhalten blieb, ist der sogenannte und auch etwas mysteriöse Schwerbelastungskörper, der für ein geplantes Grossprojekt die Tragfähigkeit der Berliner Erde testen sollte.

Markierung des Fluchttunnels 57 in der Bernauer Strasse (Bild: N-Lange.de, Wikimedia, CC)

Markierung des Fluchttunnels 57 in der Bernauer Strasse (Bild: N-Lange.de, Wikimedia, CC)




Bierbrauer als Untergrundpioniere

Damit diese Untergrundtouren in die Tiefe der Hauptstadt nicht thematisch ausschliesslich ganz trocken von Krieg und Politik geprägt sind, geht eine der Führungen durch das sogenannte Kindl-Areal, im Berliner Stadtteil Neukölln gelegen. Die trinkfreudigen Kenner wissen, dass Kindl eine sehr bekannte Berliner Brauerei ist. Die Bierbrauer gehörten in verschiedenen Gegenden Berlins mit zu den Ersten, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den Berliner Untergrund gingen. Für das so beliebte und untergärige Bier bedurfte es vieler grosser Lager und auch von der Temperatur her geeigneter Gärkeller. So wich man baulich in die Tiefe der Stadt aus.

Die meisten der so entstandenen Brauereikeller sind inzwischen abgerissen, vernichtet worden oder einfach verfallen. Am Kindl-Areal ist eine Besichtigung aber noch möglich. Nach einer kleinen Einführung durch einen Bildervortrag geht es unter dem Berliner Sudhaussaal für die interessierten Taschenlampenbesitzer in die ehemaligen Lager- und Gärkeller. Nach der Führung kann man sich auch noch gerne ein frisches Bier vom Fass zapfen lassen. Wichtig für alle Interessierten aber ist, dass man nur mit eigener Taschenlampe an dieser Führung teilnehmen kann.





Beschriftung des Kindl Werk-Gelände an der Werbellinstraße 50 in Neukölln (Bild: Denis Apel, Wikimedia, CC)

Beschriftung des Kindl Werk-Gelände an der Werbellinstraße 50 in Neukölln (Bild: Denis Apel, Wikimedia, CC)

Die Berliner U-Bahn im Cabrio entdecken

Wem das alles noch nicht genügt oder auch zu anstrengend erscheint, der kann auch die erwähnte U-Bahn ganz neu und anders entdecken: Es gibt für interessierte Nachtschwärmer nächtliche Tunnel-Touren durch Berlin. Diese Entdeckungstour der ganz besonderen Art ist weltweit einmalig. Die für etwa zwei Stunden angesetzte Fahrt findet in einem speziellen, offenen U-Bahn-Wagen statt.

Nächtliche Tunnel-Tour durch Berlin (Bild: Michael F. Mehnert, Wikimedia, CC)

Nächtliche Tunnel-Tour durch Berlin (Bild: Michael F. Mehnert, Wikimedia, CC)

Keine Sorge, für die Sicherheit bleibt stets gesorgt. Es werden vor der Fahrt entsprechende Sicherheitshelme zu Verfügung gestellt. Eine Geschwindigkeit von maximal 35 Stundenkilometern wird bei dieser Fahrt auch nicht überschritten. Eine interessante und auch witzige Moderation gibt während der Fahrt Informationen zum Berliner U-Bahn-Netz, zu baulichen Besonderheiten und natürlich auch zur Geschichte. Wichtig ist für Interessierte das Folgende: Die Fahrt ist ohne Begleitung nur für Personen über 18 Jahren erlaubt. Kinder und Jugendliche müssen also von Erziehungsberechtigten begleitet werden.

Die Fahrten finden witterungsbedingt immer nur zwischen April und November statt. Meist startet die erste Fahrt am Freitag ab 19 Uhr, die zweite Fahrt geht im Anschluss um 22.20 Uhr. Es können maximal 150 Personen pro Tour mitfahren. Das ist leider auch schon der Haken an der Sache: Diese Touren sind meist ganz schnell ausgebucht, hier sollte man als Besucher Berlins Monate im Voraus planen und Tickets bestellen.

Lohnend ist diese Fahrt der besonderen Art mit einem „Cabrio“ durch das U-Bahn-Netz aber immer, und sie eignet sich gerade auch für Vereine oder Gruppen.



 

Oberstes Bild: Berlin – als Luftschutzbunker genutzter Teil des U-Bahnhof Moritzplatz – Treppe von der frei zugänglichen Ebene unter dem Moritzplatz zur Zwischenebene (Bild: Andreas Steinhoff, Wikimedia)

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