England – unterwegs im Lake District

25.06.2014 |  Von  |  Europa, Grossbritannien

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

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Im Nordwesten Englands – in der Grafschaft Cumbria an der Grenze zu Schottland – liegt der Nationalpark Lake District. Er gehört zu den romantischsten englischen Landschaften und zieht jedes Jahr viele Naturliebhaber und Wanderer an.

Hierzulande ist der Lake District nur wenig bekannt. Zu Unrecht, denn wenn auch die Berge des Distrikts sicher nicht mit Schweizer Höhen mithalten können, hat die Landschaft doch ihren ganz eigenen Charakter und ist von besonderem Reiz.



Im Land der Cumbrian Mountains

Der Nationalpark befindet sich etwa 130 Kilometer nordwestlich von Manchester. Die nächste grössere Stadt im Umfeld des Parks ist Carlisle, schon fast an der englisch-schottischen Grenze. Im Bereich des Lake Districts gibt es nur wenige Dörfer und kleinere Städte – dafür umso mehr Natur pur. Die Berge der Cumbrian Mountains bilden das Kerngebiet des Nationalparks. Ihre Gipfel sind die höchsten Englands. Die 1000-Meter-Grenze wird dabei allerdings nicht überschritten.

Strasse A591 zwischen Ambleside und Grasmere im Lake District (Bild: DAVID ILIFF, Wikimedia, CC)

Strasse A591 zwischen Ambleside und Grasmere im Lake District (Bild: DAVID ILIFF, Wikimedia, CC)

1000 Seen



Der Name Lake District weist auf die zahlreichen Seen der Region hin. Insgesamt 1000 grössere und kleinere Gewässer soll es im Bereich des Nationalparks geben – bemerkenswert bei einer Gesamtfläche von rund 2200 Quadratkilometern. Nur etwa ein Dutzend Seen besitzt eine Fläche von mehr als einem Quadratkilometer, der Rest ist kleiner – bis hin zum Teich. Fast quadratisch erstreckt sich das Gebiet jeweils 55 Kilometer in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung.

Eiszeit-Relikte

Seinen Seen-Reichtum verdankt der Lake District der letzten Eiszeit. Sie schuf sogenannte Trogtäler, die dem Wasser Raum zum Sammeln gaben. Der Wechsel von Bergen und Tälern mit ihren Seen trägt zum typischen Erscheinungsbild des Lake District bei. Dabei gibt es durchaus Unterschiede. Manche Berge präsentieren sich als wuchtige Felsmassive, andere sind von Grasnarben überzogen. Einige wirken fast schon alpin, andere sind eher grössere Hügel.

Unterhalb der Baumgrenze erstrecken sich Eichen- und Kiefernwälder. Liebliche Hügellandschaften mit steinumsäumten Wiesen und Weiden sind ebenso vorhanden wie Hochmoore, sumpfige Gebiete, karge und kahle Flächen.

Die höchsten Gipfel Englands

Der höchste Gipfel des Nationalparks ist der Scafell Pike. Er erreicht eine Höhe von 978 Metern und bildet einen Teil einer ganzen Gebirgskette mit teils nur geringfügig niedrigeren Gipfeln, die über Felsgrate miteinander verbunden sind. Ein anderer eindrucksvoller Berg ist der Great Gable, der durch Passhöhen von seinen beiden Nachbarn Green Gable und Kirk Fell getrennt wird. Mit 899 Metern gehört er ebenfalls zu den höchsten Erhebungen der Gegend.

Der Vorteil der Cumbrian Mountains ist, dass sie auch für weniger geübte Wanderer und Bergsteiger problemlos zu bewältigen sind. Es gibt ein ausgebautes Routennetz, ausgehend von den jeweils umliegenden Tälern, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Eine schöne Tour ist zum Beispiel eine Wanderung zum Scafell Pike und von dort über die Felsgrate zu den benachbarten Höhen.

Der höchste Gipfel des Nationalparks ist der Scafell Pike. (Bild: Thorneh, Wikimedia)

Der höchste Gipfel des Nationalparks ist der Scafell Pike. (Bild: Thorneh, Wikimedia)

Ullswater – Dampfschiff-Reminiszenzen

Unter den Seen des Lake Districts gilt der Ullswater vielen als der schönste. Manche vergleichen ihn wegen seiner langgezogenen, bandähnlichen Form inmitten der umgebenden Berge auch mit dem Vierwaldstätter See. Über ein Länge von über 14 Kilometern und eine Breite von etwa 1,2 Kilometern erstreckt sich der Ullswater. Seine Attraktion sind die historischen Dampfschiffe aus dem 19. Jahrhundert, die Besucher über das Wasser befördern. Der See bietet vielfältige Möglichkeiten zum Wassersport und für Fahrten mit dem Motorboot.

Unter den Seen des Lake Districts gilt der Ullswater vielen als der schönste. (Bild: DAVID ILIFF, Wikimedia, CC)

Unter den Seen des Lake Districts gilt der Ullswater vielen als der schönste. (Bild: DAVID ILIFF, Wikimedia, CC)

Windermere – liebliche Hügellandschaften



Noch grösser ist der Windermere. Er hat eine Länge von 17 Kilometern und verfügt auch über einige Inseln. Die Umgebung des Sees ist mehr durch grüne Hügellandschaften geprägt als durch schroffe Felsformationen. Sie wirkt daher eher lieblich als wildromantisch. Auch hier bieten Seekreuzfahrten die Gelegenheit, die Landschaft zu entdecken.

Mit Ambleside und Bowness-on-Windermere liegen auch zwei der wenigen Städte der Region am See. Sie sind beliebte touristische Zentren und Ausgangspunkte für Wandertouren und Mountainbiking.

Windermere See – ein beliebtes Ausflugsziel (Bild: mattbuck, Wikimedia, CC)

Windermere See – ein beliebtes Ausflugsziel (Bild: mattbuck, Wikimedia, CC)

Von Romantikern entdeckt

Bis ins 18. Jahrhundert hinein galt der Lake District als unwegsame und furchterregende Gegend. Erst mit einem 1778 veröffentlichten Reiseführer begann das touristische Interesse an der Region. Es wurden erste Besucherpunkte errichtet, von denen aus Touristen die Schönheit der Landschaft betrachten konnten. Einer dieser Punkte – Claife Station – ist noch am See Windermere als Ruine erhalten.



Ein regelrechter Besucherboom begann mit dem 1810 von dem Dichter William Wordsworth herausgegebenen „Guide to the Lakes“. Wordsworth gehörte der britischen Romantiker-Bewegung an, die – ähnlich wie Gleichgesinnte im deutschsprachigen Raum – ihre Begeisterung für ursprüngliche Natur und Berglandschaften entdeckte. Spätere romantische „Lake Poets“ folgten ihm nach. Eng mit dem Lake District ist auch die Kinderbuchautorin Beatrix Potter verbunden. Zahlreiche ihrer Geschichten sind hier verortet.

Am Hadrianswall

Jeder der zahllosen Seen des Lake Districts ist anders und auf seine Weise schön. Es empfiehlt sich, eine eigene Seenroute zusammenzustellen, um die unterschiedlichen Facetten kennenzulernen. Notgedrungen muss es bei einer Auswahl bleiben.

Auch Historisches hat der Lake District zu bieten. Im Norden verlaufen Reste des Hadrianswalls. Er bildete einst die Grenze des Römischen Reiches gegen die wilden Pikten aus dem Norden. Auch die nahe des Parks gelegene Stadt Carlisle ist einen Besuch wert. Sie war früher eine Grenzfestung gegen Schottland. In Carlisle Caste wurde Maria Stuart zeitweise gefangen gehalten. Die Kathedrale der Stadt stammt aus dem 12. Jahrhundert.



 

Oberstes Bild: Blick auf Patterdale vor der Kurve nach Boredale Hause, Lake District (© Kreuzschnabel, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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