Goa – portugiesisches Erbe und Hippieträume

23.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Asien
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Goa – portugiesisches Erbe und Hippieträume
Jetzt bewerten!

Indien übt nicht erst in unserer heutigen Zeit eine grosse Faszination auf Europäer aus. Der riesige Subkontinent hat auch in früheren Jahrhunderten Wagemutige, Entdecker und Eroberer aus dem Abendland angezogen.

Viele denken dabei zuerst an das Kaiserreich Indien als Kronjuwel des Britischen Empire. Weniger bekannt ist, dass die Portugiesen schon früher da waren – und auch länger blieben. Ihr Anteil an dem riesigen Land war dabei nur klein. Er beschränkte sich auf den heutigen indischen Bundesstaat Goa. Das Gebiet an der mittleren Westküste Indiens ist inzwischen ein beliebtes Reiseziel – nicht nur für Besucher aus Europa.



Strand Vagator in Goa (Bild: Dominik Hundhammer, Wikimedia, GNU)

Strand Vagator in Goa (Bild: Dominik Hundhammer, Wikimedia, GNU)

450 Jahre portugiesischer Einfluss

1510 begann mit der Eroberung durch Afonso de Albuquerque die portugiesische Kolonialära. Sie sollte erst 1961, gut 450 Jahren später, enden, als indische Truppen nach kurzem Kampf die Kolonie besetzten. Seither bildet Goa Indiens kleinsten Bundesstaat. Rund 3700 Quadratkilometer – nicht einmal ein Zehntel der Fläche der Schweiz – umfasst Goa, auf der Karte des Subkontinents bildet es nicht mehr als einen kleinen Fleck.



Die portugiesische Herrschaft hat deutliche Spuren hinterlassen. Das zeigt sich nicht nur in dem für indische Verhältnisse hohen Anteil katholischer Christen an der Bevölkerung. Die Sprache der Bewohner, das Konkani, hat viele portugiesische Ausdrücke aufgenommen. In den Städten Goas, vor allem in der Hauptstadt Panaji und in Velha Goa, sind noch viele charakteristische Bauten aus der Kolonialzeit erhalten. Sie bilden einen eigentümlichen Kontrast zu den typisch indischen Bauwerken und hinduistischen Tempeln.





Frauen bei der Landarbeit, Taluka Pernem im Norden Goas (Bild: Dominik Hundhammer, Wikimedia, GNU)

Frauen bei der Landarbeit, Taluka Pernem im Norden Goas (Bild: Dominik Hundhammer, Wikimedia, GNU)

Traumhafte Strände – Aussteigerziel

Heute wird Goa vor allem wegen seiner traumhaften Strände besucht. Die Konkani-Küste am Arabischen Meer bietet Reisenden eine über 100 Kilometer lange Strandzone, die ein ideales Bade- und Erholungsgebiet darstellt. Der besondere Reiz von Goa-Ferien ist die Reisezeit. Die Hochsaison findet im Zeitraum zwischen November und März statt, wenn in Europa Herbstnebel und Winterfrost regieren. Dann dürfen Reisende hier Temperaturen um die 30 Grad erwarten, die dank der Nähe des Meers erträglich bleiben. Zwischen Juni und September herrscht Regenzeit, dann ist es tropisch feucht-warm.

In den 1970er-Jahren galt Goa als ein Hippie- und Aussteigerparadies. Langhaarige Blumenkinder und Anhänger der Flower-Power-Kultur träumten an palmenbesetzten Stränden vom einfachen friedlichen Leben und der Befreiung von den Zwängen und Konventionen westlicher Zivilisation. Diese Zeiten sind vorbei.



Längst hat sich Goa auf die Anforderungen des modernen Tourismus eingestellt. Feriengäste finden hier mittlerweile eine ausgebaute touristische Infrastruktur mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen des Massentourismus. Vom Fünf-Sterne-Hotel bis zum einfachen Gästehaus ist alles im Angebot. Auch sonst muss der Reisende auf nichts verzichten, was zum Ferienvergnügen gehört.

Moderner Tourismus – Licht und Schatten

Manche bedauern das Verschwinden der Hippie-Szene. Reste davon sind noch am Strand von Anjuna zu erleben, wo mittwochs ein bunter Flohmarkt stattfindet, der auch von Szene-Veteranen besucht wird. An den Stränden von Calangute, Baga und Benaulim hat dagegen der moderne Badetourismus Einzug gehalten. Jetskiing, Paragliding oder Delphin Cruises gehören hier selbstverständlich zum Programm. Und auch Nachtschwärmer kommen auf ihre Kosten.

Noch ruhiger präsentieren sich dagegen die Strände von Betul und Palolem. Der längste Strand von Goa ist Colva Beach im Süden. Er erstreckt sich über rund 25 Kilometer Länge.

Man mag zu der Vermarktung der Strände Goas stehen, wie man will, unbestreitbar hat der Tourismus der Region starke wirtschaftliche Impulse gegeben. Der Lebensstandard in Goa liegt um ein Drittel über dem indischen Durchschnitt und der Bundesstaat verfügt im Verhältnis zu anderen Regionen des Subkontinents über eine hervorragende Infrastruktur. Nicht nur bei Europäern ist Goa als Ferienziel beliebt, auch Inder selbst finden zunehmend Gefallen an der Region.

Strand von Anjuna in Goa (Bild: Ssr, Wikimedia, CC)

Strand von Anjuna in Goa (Bild: Ssr, Wikimedia, CC)

In Velha Goa – dem Rom des Orients

Wer sich auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit begeben will, muss nach Velha Goa (Alt-Goa) fahren. Heute ist es mehr oder weniger eine Geisterstadt; kaum zu glauben, dass hier in der Glanzzeit der portugiesischen Herrschaft im 16. Jahrhundert einmal mehr als 300’000 Menschen lebten. Die Stadt war damals grösser als Rom oder London. Wegen der zahlreichen Kirchenbauten wurde sie auch als „Rom des Orients“ bezeichnet. Von hier aus betrieb der berühmte Jesuit Franz Xaver seine Ostasien-Mission. Velha Goa war die glänzendste Metropole des portugiesischen Imperiums.

Malariaepidemien und die schwächer werdende Stellung Portugals in Ostasien entvölkerten die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert. Die Regierung zog in die heutige Hauptstadt Panaji um. Nach und nach holte sich der Urwald Velha Goa zurück. Heute bemüht man sich um Freilegung.

Basilika Bom Jesus in Velha Goa (Bild: Dey.sandip, Wikimedia, CC)

Basilika Bom Jesus in Velha Goa (Bild: Dey.sandip, Wikimedia, CC)

Gut erhalten sind einige Kirchenbauten, zum Beispiel die Kathedrale Sé Catedral, die Basilika Bom Jesus mit dem Grab Franz Xavers, das Kloster des heiligen Franz von Assisi oder die Kirche St. Cajetan, eine Nachahmung des Petersdoms in Rom. Sie zeugen noch von der einstigen Bedeutung der Stadt, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Wesentlich lebendiger wirkt Panaji. Hier zeigen sich die portugiesischen Bauten wie die strahlend weisse Barockkirche „Unserer Lieben Frau von der Unbefleckten Empfängnis“ wie Überbleibsel aus ferner Zeit in einer bunten und quirligen Gegenwart.



 

Oberstes Bild: Strand Arambol im Norden von Goa (Ridinghag, Wikimedia)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


Ihr Kommentar zu:

Goa – portugiesisches Erbe und Hippieträume

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.