Die Olivenölmühle El Tendre, Teil 1: Spaniens flüssiges Gold

15.11.2013 |  Von  |  Europa, Spanien
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Die Olivenölmühle El Tendre, Teil 1: Spaniens flüssiges Gold
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Es gibt Lebensmittel, die trotz ihrer Einfachheit oder gerade deswegen absolut essenziell sind. Brot, Käse, Wein, Öl und Ähnliches sind genau so alltäglich wie außergewöhnlich wichtig. Sie sind wie Säulen, auf denen dann die nationalen Küchen ihre Gerichte basieren; die Grundfarben, auf denen die Starköche ihre bunten Kreationen entstehen lassen. Sollte eines Tages die Haute Cuisine mit ihren Delikatessen oder die Experimentalküche mit ihrem sphärischen Melonenkaviar verschwinden, würden ein paar Feinschmecker schon auf nüchternem Magen bitterlich weinen, jedoch wird die Welt eindeutig nicht untergehen. Wenn man aber den Menschen gutes Brot oder im Fall Südeuropas das Olivenöl wegnehmen würde, wäre die Naturkatastrophe vorprogrammiert.

Absolut zufällig entdecke ich bei mir um die Ecke einen touristischen Super-Geheimtipp. Das ist wieder mal so typisch spanisch – wenn man es nicht kennt, würde man es von alleine nie finden. Und so stecken die Touristenhorden brav in den Urlaubsreservaten und bekommen vom echten Spanien recht wenig zu sehen. Für diejenigen aber, die in Spanien nicht nur Strand und Hotel kennenlernen wollen, und besonders für diejenigen, die mediterrane Küche schätzen, – hier ein exzellenter Tipp, der sowohl die Wissbegierde als auch den Hunger stillen wird – die Olivenölmühle El Tendre in Elche.



Dies ist ein Bericht über die Olivenölmühle El Tendre in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

1. Teil: Die Olivenölmühle El Tendre: Spaniens flüssiges Gold

2. Teil: Die Olivenölmühle EL Tendre: Seit sechs Generationen an der Ölpresse

Sicherlich ist diese Ölmühle nicht die einzige in der Gegend, doch es handelt sich nicht um einen ausschließlich landwirtschaftlichen Betrieb. Das Unternehmen öffnet seine Türen für touristische Besuche, die jede Menge interessante Punkte beinhalten: Rundführung durch das Gelände, Museumsbesichtigung, Degustation mit Vortrag und dann natürlich Einkauf im stillvoll eingerichteten Laden sind inbegriffen.

Die ersten Arbeitsschritte unter dem freien Himmel (Bild: Olivenölmühle El Tendre)

Die ersten Arbeitsschritte unter dem freien Himmel (Bild: Olivenölmühle El Tendre)

Mein erster Eindruck, als ich aus dem Auto steige, der sich danach nur bestätigt, ist – einfach, familiär, traditionsreich und äußerst fortgeschritten. Gleich neben der Einfahrt befindet sich ein kleines Freilichtmuseum, wo man die alte malerisch verrostete Maschinerie sehen kann. Hinter einem Obstgarten steht ein Einfamilienhaus mit Swimmingpool (wie ich später erfahre, da wohnt der aktuelle Firmenleiter), gegenüber noch ein Haus (hier wohnen seine Eltern), davor eine breite Terrasse, mit Pflanzen vollgestellt, mit heiteren Kanarienvögeln im Käfig an der Wand und gemütlichen Sofas in verschiedenen Ecken der grünen Oase. Gleich nebenan befindet sich die Ölmühle selbst – teils in den Produktionshallen und teils unter dem freien Himmel.



Ich suche nach jemandem, der mir Auskunft geben kann. Der Chef in Person kriecht unter der Maschine hervor und obwohl heute der erste Tag ist, an dem die Installationen nach den Sommerferien in Betrieb gesetzt werden, macht er mit mir einen Rundgang durch den Betrieb. Aus erster Hand erfahre ich viel Wissenswertes über Olivenöl und seine Herstellung.





In den Edelstahlgefässen wird das fertige Olivenöl aufbewahrt. (Bild: Olivenölmühle El Tendre)

In den Edelstahlgefässen wird das fertige Olivenöl aufbewahrt. (Bild: Olivenölmühle El Tendre)

Die Oliven müssen an gleichem Tag der Ernte innerhalb von zehn (besser innerhalb von vier) Stunden verarbeitet werden. Eine wichtige Voraussetzung ist der optimale Reifezustand der Früchte. Dann beginnen die Oliven ihre Reise durch die Anlage. Als erstes werden sie von den Blättern und anderen Fremdkörpern getrennt, gewogen und im Wasserbad gewaschen. Gleich danach kommen die Oliven in die Mühle, wo aus zermalmtem Fruchtfleisch und den Kernen eine breiige Masse entsteht.  Dann wird diese Masse kalt gepresst, damit sich die in ihr erhaltenen winzigen Öltröpfchen zusammenschließen. Da die daraus gewonnene Flüssigkeit eine Mischung aus Fruchtsaft und Öl darstellt, wird sie in das Vorklärbecken, genannt Dekanter, geleitet. Hier werden Wasser und Reste der Kerne vom Öl durch ein sehr langsames Hin-und-Her-Bewegen separiert.  Das Olivenöl kann nach dem Dekantieren verwendet werden, ist aber immer noch ziemlich trüb. Deswegen wird es in eine vertikale Zentrifuge geleitet, wo dann die feineren Trübstoffe entfernt werden. Das immer noch nicht ganz klare Öl kommt in ein unterirdisches Reservoir, wo der natürliche Prozess des Dekantierens über eine Zeit von mehreren Wochen stattfindet. Das fertige Produkt wird dann in riesigen Edelstahlgefässen gelagert, ganz am Schluss noch einmal filtriert und letztendlich in Flaschen abgefüllt.

Im Olivenölladen (Bild: Olivenölmühle El Tendre)

Im Olivenölladen (Bild: Olivenölmühle El Tendre)

Das Öl wird letztlich an Großkunden in Spanien oder im Ausland verkauft. Aber auch Privatpersonen können im Laden das Olivenöl einkaufen und ein paar Liter von Spaniens flüssigem Gold nach Hause mitnehmen.

 



Oberstes Bild: Olivenöldegustation (Bild: Olivenölmühle El Tendre)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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